Zwillingsband

KurzgeschichteFamilie, Freundschaft / P12
12.11.2017
12.11.2017
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Hey there ^^
Egal, wie schlecht es mir gesundheitlich geht, ich konnte mir dieses Gewinnspiel nicht entgehen lassen. Außerdem habe ich auch gehofft dadurch meine Motivation zum Schreiben wiederzufinden, was auch zum Glück der Fall ist.
Falls neben all den anderen genialen Geschichten meine ausgezeichnet wird, würde ich das Spiel für den Nintendo nehmen.
Hoffentlich gefällt es euch :3

Ich möchte noch kurz anmerken, dass ich nur den Trailer für dieses Spiel gesehen und wage Beschreibungen über Lian und Shion gelesen hab. Also nicht überragend viele Infos über Charaktere.



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Die große, massive Eichentür knarzt laut, als sich jemand im Dunkeln durch das riesige Schloss schleicht. Das ist das Geräusch, welches den Blonden aus seinem Schlaf reißt. Grummelnd setzt sich der junge Prinz leicht auf und sieht hinter den Vorhängen des Himmelbetts, die in einem hellen, etwas blassen Blau gehalten sind, zu der Tür zu seinem Schlafzimmer. Der Mond scheint durch die riesigen Fenster auf der anderen Seite und ermöglichen es, einen Blick auf die eintretende Person zu werfen. Ein ebenfalls blondes, junges Mädchen sieht vorsichtig hinter der Tür vor.

„Habe ich dich geweckt, Shion?“, fragt sie leise, als sie auf leisen Sohlen zu dem Bett ihres Bruders geht. Das Tapsen ihrer nackte Füße hört man im Zimmer und das Zufallen der Tür hallt durch das halbe Schloss.

„Das hast du wohl, Lian…“, antwortet der Blonde und reibt sich müde die Augen.
„Aber das ist wirklich nicht schlimm. Konntest du… nicht schlafen?“

Seufzend schüttelt Lian mit den Kopf. Auch sie sieht müde aus, ist es doch spät und der Mond steht hoch am Himmel. Shion kann ihr die Erschöpfung praktisch ansehen, als sie näher kommt und damit in den Schein tritt.

„Aber du hast nicht die ganze Zeit gelesen oder? Ich kenne dich doch?“, meint er leicht grinsend, worauf seine Schwester einen Schmollmund zieht.

„Das habe ich gar nicht!“, beteuert sie. „Ich hab nur ein kleines Kapitel gelesen, aber das mache ich jeden Abend noch vor dem Schlafengehen!“

„Soll ich dir das jetzt glauben?“, fragt er nochmal neckend, dann deutet Shion seiner Schwester mit einem kleinen Klopfen auf den leeren Platz neben sich, dass sie zu ihm ins Bett klettern darf sich doch neben ihn legen soll.

Vor ein paar Jahren hatten sie noch ein gemeinsames Zimmer. Jetzt waren sie beide elf Jahre alt und beide der Meinung sie bräuchten ihr eigenes. Dies ist bei der Größe des Schlosses kein Problem, Shion ist sogar der Meinung jeder könnte bestimmt fünf Zimmer besetzen und es wären immer noch welche übrig.
Vor vier Jahren waren sie dann gemeinsam mit ihrer Mutter durch den Palast gelaufen, hatten versucht alle Räume zu zählen und sich dann solche ausgesucht, die am gleichen Flur abgehen, die sogar direkt gegenüber liegen, damit die beiden Geschwister jederzeit die Nähe des anderen suchen konnten.
Sie sind Geschwister und haben im Laufe der Zeit ein untrennbares Band zwischen sich geknüpft. Nichts soll die beiden je trennen, denn sie haben sich geschworen für den jeweils anderen immer da zu sein.

„Ehrlich gesagt“, bricht Lian nach einer kurzen Weile das Schweigen, als sie beide einfach aus dem großen Fenster sehen. Man hat von Shion’s Fenster einen guten Blick auf den Innenhof, während Lian immer auf ihrem Zimmer den Garten bewundert.
„Ich hatte einen Albtraum, glaube ich.“

„Du glaubst?“, fragt Shion und kann es nicht verhindern, dass sich zweifelnd eine Augenbraue hebt.

„Nun es waren, irgendwie mehr nur einzelne Bilder, aber sie haben mir nicht gefallen.“
Lian zieht ihre Beine näher an ihren Körper, leget ihre Armen darum und bettet ihren Kopf auf die Knie.  

„Du solltest König werden.“


Vor Schreck fällt Shion fast aus seinem Bett. Ein simpler Satz, der aber zwischen den beiden Königskindern, egal wie gut sie sich immer verstanden, oft für eine kleine Diskussion sorgte. Wie oft hatten sie schon versucht, den jeweils anderen davon zu überzeugen dieses Amt später anzutreten?

Shion ist der Meinung, Lian sollte Königin werden. Sie ist klug, kennt ihre Stärken und Schwächen genau und weiß trotz dessen immer einen Weg zu gewinnen. Dies hat sie schon oft bei einem kleinen Schachspiel der Zwillinge bewiesen.
Lian ist der Meinung, Shion sollte König werden. Er handelt manchmal, ohne darüber gründlich nachzudenken, das ist klar. Aber dennoch ist er eine starke Person, mit einem ebenso starken Willen und viel Kampfgeist. Er gibt nicht so schnell auf.

„Wie kommst du denn jetzt darauf?“, fragt Shion überrumpelt. Er gestikuliert wild mit seinen Händen, als er versucht schnell einen guten Grund zu finden, mit welchem er dagegen halten kann.

„Später wird sich das Volk einen starken Herrscher wünschen, jemanden wie dich, jemanden, dem sie folgen können und werden, ohne zu widersprechen. Jemanden wie Vater. Und jemanden wie dich.“
Lian seufzt und zieht ihre Beine noch näher zu sich.
„Ich weiß, wir haben oft darüber geredet. Und ich glaube, ich kann das nicht.“

„Lian…“, murmelt Shion bedrückt.
„Ich wäre die schlechteste Wahl! Ich meine, du bist die Kluge von uns beiden. Kannst du dich noch an unser letztes Schachspiel erinnern? Wer hat wen plattgemacht? Du mich. Und du hattest auch die meisten meiner Figuren besiegt.“

„Geschlagen, nicht besiegt…“, verbessert Lian leise.

„Genau… In einer Schlacht kann ich so nicht gewinnen. Ich würde so viele Leute verlieren und das kann ich nicht.“
Shion legt leicht einen Arm um sie und rückt näher an seine Schwester ran.
„Natürlich hoffe ich nicht, dass es zu irgendwelchen Schlachten kommt…“, fügt er schnell hinzu.

„Also meiner Meinung nach, wäre es das Beste, wenn du befiehlst und ich folge. Du als Königin und ich als dir treu ergebener Ritter!“
Ein großes Grinsen breitet sich auf Shion’s Gesicht aus, als er an seine glorreiche Zukunft als Ritter denkt.

„Ritter…?“, fragt jedoch Lian überrascht.
„Aber du bist doch Prinz, warum würdest du als Ritter auf’s Schlachtfeld rennen zu wollen?“

Shion grinst zuerst nur als Antwort. Schnell tapst er zu einem der Bücherregale. Sie sind, wie in jedem Raum, voll ausgefüllt, aber Lian ist sich sicher, dass Shion mit absoluter Sicherheit nicht einmal die Hälfte, um nicht zu sagen, nicht einmal ein Viertel davon gelesen hat.

Ganz im Gegenteil zu Lian.
Die Bekanntschaft mit einem einzigen guten Buch kann ein Leben verändern.
Dies hat ein Poet und Buchautor ihrer Zeit zu sagen gepflegt. Lian glaubt an dieses Zitat, hat ein Buch nach dem anderen verschlungen. Es ist kein Wunder, dass ihr Zwilling denkt, sie sei schlauer als er.

Shion stellt sich leicht auf seine Zehenspitzen und greift nach ein paar Büchern. Als er diese rausgezogen und auf den Tisch daneben gelegt hat, zieht er eine hinter den Büchern versteckte Figur heraus. Mit dieser läuft er leise zurück zum Bett, die Figur vorsichtig an sich haltend.

Er klettert zurück zu Lian, kniet sich zu ihr. Und zeigt er ihr seinen wohl-behüteten Gegenstand, der in seinen Handflächen liegt.

Es ist eine Figur, sorgsam aus einem Stück Holz geschnitzt. Ein Ritter in schwerer Rüstung, sitzend auf einem Pferd. Es steht auf seinen Hinterbeinen, während der Ritter triumphierend eine Lanze in seiner rechten Hand hoch in die Luft hält.

Shion’s Augen leuchten. Es ist ein schöner Anblick der sich Lian bietet. Ihr Bruder strahlt über beide Ohren. Es ist klar, wie sehr er sich wünscht ein Ritter zu werden. Ihn interessiert nicht die Krone, nicht im geringsten.

In dem Moment denkt Lian sogar darüber nach die Krone anzunehmen, denn Shion würde es ihr auf ewig danken. Um ihn jeden Tag so strahlen zu sehen, wäre es nicht so schlimm. Obwohl ihr trotzdem nicht so wohl ist, wenn sie mehr darüber nachdenkt.

„Du bist die Erste, der ich diese Figur zeige!“, meint Shion sogar stolz.
„Das ist jetzt ein Geheimnis zwischen uns Zwillingen, okay? Und er wird dich verteidigen, wenn du ihn brauchst. Er wird deine schlechten Träume, so stark wie er ist, mit seiner Lanze vertreiben!“
Er hält ihr seinen kleinen Finger hin, den Lian sofort mit ihrem verhakt.

„Okay!“

Als Shion und Lian nebeneinander liegen, zugedeckt, die Figur auf einen Nachttisch abgestellt, fühlte es sich für beide an, als wären sie wieder ein paar Jahre jünger und würden sich noch immer das Zimmer teilen.

„Wir sind noch Kinder, Shion…“, murmelt Lian müde, „Wir müssen noch keine dieser schwierigen Entscheidungen treffen. Aber ich hoffe, wie auch immer es später wird… dass ich immer auf dich zählen kann.“

„Keine Sorge, wir sind Zwillinge, schon vergessen? Wir bleiben zusammen und stehen einander bei. Wir werden die Entscheidung später treffen, wenn wir beide schlauer sind.“

Und in der dunklen Nacht, Seite an Seite, murmeln beide synchron …

„Gute Nacht“






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Ich hatte aufgrund dieser gesundheitlichen Probleme nicht so viel Zeit zum Schreiben, bin aber ganz zufrieden mit dieser kleinen Geschichte. Eventuell kommt ein zweites Kapitel, auch wenn dies vielleicht nicht mehr gewertet werden kann.

Auf jeden Fall hat es eigentlich Spaß gemacht und hiermit wünsche ich den anderen viel Glück (^^)/

Chiyutsuki
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