Dog's Rain

von Sisi12
OneshotRomanze, Schmerz/Trost / P12
Hige
12.11.2017
12.11.2017
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Liebes kleines Sharingan,
ich hatte die Ehre, für dich diesen Beitrag zum "Offen für Neues-Wichteln" schreiben zu dürfen! Es hat mir großen Spaß gemacht und Wolf's Rain ist ein tolles Fandom! Danke, für deine Vorgaben, ich hoffe, dir gefällt meine Umsetzung! :* Viel Spaß beim Lesen! <3
Ganz liebe Grüße,
Sisi

Auch allen anderen Lesern wünsche ich ganz viel Spaß mit diesem OS! <3






Dog’s Rain



Hey, bist Du das Hige? ...Hige?

Jaja... hab keine Angst.“

Ich kann dich zwar nicht richtig sehn, aber ich spür, dass Du’s bist!

Keine Sorge. Ich werd nirgendwo mehr hingehen, egal, was auch passiert. Wir können für immer so zusammen bleiben.“

Schön, diese Wärme.“

~ Wolf’s Rain (S01E30)


Minuten waren vergangen. Die Wärme wurde immer schwächer, es war kalt. Unfassbar kalt. Neuer Schnee verwischte ihre Spuren auf dem Weg zum Paradies.

„Blue... Blue“, seine Stimme war nichts weiter als ein Hauchen.

„Hige“ Er wusste nicht, ob sie ihm wirklich geantwortet, oder ob er sich das nur eingebildet hatte.

Er konnte sich nicht mehr rühren. Seine Hand lag immer noch sachte auf ihrem Kopf, nur streicheln, konnte er sie nicht mehr. Er konnte nicht sehen, dass sie ihre Augen geschlossen hatte. Sein Blick war starr geradeaus gerichtet. Es war kalt, doch seine Wunden brannten wie Feuer.

Darcia hatte ihn heftig an Hals und Brust erwischt. Doch so wirklich nahm er das gar nicht mehr wahr. Fast noch heftiger schmerzte ihn der Verlust seiner Freunde. Toboe. Würde er ihn wirklich im Paradies wiedertreffen? Doch auch daran konnte er nicht mehr denken.

Er musste Blue helfen. Er musste auf Tsume warten und ihm mitteilen, was geschehen war, denn Kiba brauchte dringend Hilfe, die Hige ihm nicht mehr verschaffen konnte. Doch vielmehr wurde er mehr und mehr von der Kälte um ihn ergriffen und in eine seltsame Trance gezogen.

Es war wie im Nebel.

Unscharf. Völlig unscharf.

Schwarz-weiß.

Grau.

Blass-farbig.

Farbig.

Er hörte ein Geräusch. Er spürte den Wind. Wo war er? Die angenehme Wärme war zurückgekehrt. Die Sonne schien, das Gras, auf dem er lag, war frisch und grün.

Gras? Wieso Gras?

Er hörte Gelächter hinter sich. Er kannte dieses Lachen, auch wenn es verändert klang.

„Hige, na kommst Du jetzt endlich?“ Da war Toboe. Hige blickte ihn an, stand auf, ging auf ihn zu. Toboe war älter geworden. Ein erwachsener, richtiger Wolf.

„Toboe!“, Hige konnte es nicht fassen und schloss ihn überglücklich in die Arme. Wie konnte das alles sein? War das das Paradies? Toboe sah ihn einen Moment lang etwas verwirrt an, kehrte aber schnell zu seinem vorherigen, fröhlichen Gesichtsausdruck zurück. „Komm schon, deine Frau wartet!“

Hige riss die Augen auf. „Meine Frau?“ Was meinte Toboe denn? Oder eher wen?

Die Szene verschwamm leicht, die Farben flackerten.

Er war in einer gemütlichen Holzhütte. Blue lag neben ihrem alten Herrn am Kamin. Auch sie war älter geworden und was war das? War das etwa...

„Hige!“, rief sie glücklich und begrüßte ihn stürmisch. Er war nicht minder erfreut sie zu sehen. Sie kuschelte und schmiegte sich an ihn. Ja, das war doch...

„Du bist trächtig!“, stellte er fest, als hätte er gerade eine sehr unerwartete Überraschung bekommen. Er wusste nicht, ob er glücklich oder überfordert damit war.

„Ja! Das weißt Du doch!“, lachte sie verwirrt und leckte ihm über das Fell hinter seinem Ohr.

Kalter Wind blies in sein Gesicht. Wieso gab es hier kalten Wind? Was stimmte hier nicht? Blue blickte ihn einen Moment besorgt an.

Es war zu wunderschön. Aber es konnte nicht das Paradies sein. Etwas war hier falsch. Das Paradies war ein Ort für Wölfe. Es war ein schöner Traum. Er sollte niemals aufhören. Er wollte genau das. Eine Zukunft, die er vielleicht hätte haben können, wenn alles anders gelaufen wäre. Alles anders.

So schön und wohlig warm, war die Nähe zu Blue. So gemütlich war dieser Ort. Und für den Moment konnte er sich nicht vorstellen, dass irgendetwas auf dieser Welt ihn glücklicher machen könnte, als das.

Toboe hatte hinter ihm den Raum betreten. Und Stimmen aus dem Nebenraum zeugten von Kiba, Cheza und Tsume. Tief atmete er ein. Intensiv nahm er Blues Geruch war, so benebelnd und wunderbar. Und da war auch der Duft der anderen. Der Geruch einer perfekten fremden Welt. Einer schönen Illusion.

Was er dann roch, war trocknendes Blut. Die hereinbrechende Nacht, die alles noch kälter machte, schien ihn aus dieser Zukunfts-Welt zurück zu reißen. Er wollte nicht fort, klammerte sich fest an Blue. Sah ihre schönen dunklen Augen, noch einen Moment scharf, dann unscharf. Seine Umgebung schwand im Nebel.

Sie war fort.

Er nahm wieder die eiskalte, reale Blue neben sich war, die ihm für einen kurzen Augenblick doch aber so viel surrealer erschien. Sein Finger regte sich einen Moment über ihrem Kopf.

Lebte sie noch? Er konnte kein Leben mehr spüren. Keine Wärme. Hätte er noch in irgendeiner Form die Kraft dazu gehabt, wäre er furchtbar wütend und traurig geworden. Doch er war zu unterkühlt, zu verletzt, zu schwach.

Er spürte das langsam trocknende Blut, das er nun so intensiv roch, dass ihm beinahe schlecht wurde, auf seinem und ihrem Körper. Es würde kein Paradies für sie beide geben. Sie hatten es nicht geschafft. Selbst wenn er noch irgendwie hinkäme, könnte ein Ort ohne Blue kein Paradies für ihn sein. Und sie war nun mal immer nur ein halber Wolf gewesen.

Und nach all dem, was er seinen Freunden angetan hatte, hatte er sich vielleicht auch einfach kein Paradies verdient.

Er konnte nicht einmal mehr seine Augenlider öffnen. Er konzentrierte sich auf seinen flachen, ruhigen Atem und darauf, seine aufkommende Übelkeit zu unterdrücken, bis er erneut von einer nebligen Woge umhüllt wurde.

Er sah Welpen spielen. Sah sich und Blue mit ihnen. Sah Kiba, Cheza, Toboe, Tsume und die Menschen, die sie kennengelernt hatten, in einem Paradies, das nicht nur für Wölfe bestimmt war.


***


Es war schwarz, alles schwarz. Blue war kraftlos. Der Schleier des Vergessens begann sich um sie zu legen. „Hige... mein alter Herr... Hige...“, war was sie noch dachte. Sie spürte keine Schmerzen mehr.

Am Ende eines weißen Tunnels stand ihr alter Herr. Sie rannte überglücklich auf ihn zu, schmiegte sich an ihn. Und er streichelte sie, nicht minder glücklich.

Doch er war tot. Sie war in einer nicht realen Welt. War sie auch tot? Sie erinnerte sich nicht, was geschehen war. Sie erinnerte sich an kaum etwas, außer ihre jungen Jahre, die sie mit ihrem alten Herrn und seiner Familie verbracht hatte. Es war doch alles gut. Sie war bei ihm. Das machte sie glücklich. Alles andere war egal.

Dann bemerkte sie, dass nun auch der Rest der Familie hinter ihm stand und sie begrüßte sie ebenfalls überglücklich. Doch irgendetwas war da noch. Die Situation war nicht perfekt, wenn sie doch im ersten Moment so perfekt auf sie wirkte. Sie hörte etwas. Nicht viel. Ein ganz leises Hauchen.

„Blue...Blue“

„Hige!“, dachte sie und wie ein Film spielten sich die Ereignisse der letzten Monate binnen Sekunden vor ihren Augen ab. Ihr alter Herr sah sie traurig an und sie merkte, dass sie ihre Ohren angelegt hatte. Schuldbewusst blickte sie nach oben. Sie durfte jetzt nicht zurückschauen, sie war so glücklich, dass sie hier sein konnte.

Doch noch einmal ging ihr Blick zurück durch den weißen Tunnel. Sie warf ihrem alten Herrn einen Blick zu. Bedächtig beugte er sich zu ihr herunter und strich ihr über das Fell an ihrem Hals. Dann nickte er. Das war alles, was sie brauchte, dann rannte sie schnell durch den Tunnel zurück in die Dunkelheit.


***


Es erschien einem vielleicht für einen kurzen Moment so, als wäre das leichte Lächeln, das sich auf Higes bewusstlosem Gesicht gebildet hatte, eingefroren. Als wäre die Zeit stehen geblieben und er könnte ewig träumen. Er wirkte so ruhig, so bedächtig, so friedlich.

Eine leise Regung.

Eine Bewegung unter seiner Hand.

Neben seinem Körper.

Es war so wenig, aber so ausreichend, um ihn sachte, aber bestimmt aus seinem Eisschlaf zu wecken. Ihn noch einmal anzutauen, bevor die ewige Kälte seinen irdischen Körper unwiederbringlich erstarren lassen würde.

Das Lächeln war verschwunden. Die düstere Kälte, ließ ihn die Energie seiner Träume verlieren. Ein kleiner Schatten einer Erinnerung blieb erhalten und verdrängt.

Alle Aufmerksamkeit, die er noch in dieser Welt hatte, galt Blue.


***


Im ersten Moment wusste sie nicht, wo sie war. Dann spürte sie furchtbare Schmerzen in jeder Zelle ihres Körpers. Im nächsten Moment nahm sie Higes Hand auf ihrem Kopf wahr und dann wusste sie wieder alles.

„Hige“, wisperte sie ganz leise.

„Blue?“, kam es ebenso leise zurück.

Sie wusste nicht, wo sie diese Kraft hernahm, doch mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte, drehte sie sich zu ihm. Sie konnte ihm noch einmal in seine braunen Augen sehen. Sie sah das Blut, sein bleiches, fast lebloses Gesicht.

„Du lebst!“ Hige spürte eine minimale Wärme in sich und seine Mine verzog sich doch wieder zu einem leichten Lächeln.

Blue schwieg kurz. Ein Abschied war schwer. Dieser Abschied würde das schwerste sein, das sie je getan hätte. Selbst wenn die immer schwächer werdende Lebensenergie in ihr flüsterte, dass es doch ganz leicht war. Wie einschlafen, den Schmerz vergessen und alles Leid hinter sich lassen. Alles Leid – und ihn.

„Mein alter Herr wartet auf mich.“, flüsterte sie, fast entschuldigend und definitiv traurig. „Ich kann nicht mehr, Hige. Ich komme niemals ins Paradies, ich bin kein Wolf.“

Eine Träne verließ ihre Augenwinkel. „Ich werde keinen Zutritt zum Paradies bekommen.“

Hige sagte nichts. Er konnte einfach nicht. Dann nickte er schwach und auch er verlor eine leise Träne. Er verstand, aber... „Blue!“, „Nicht!“, unterbrach sie ihn schnell. Sie konnte nicht mehr lange, sie spürte, wie ihr das Leben immer mehr entglitt. „Hige“, hauchte sie. „Nie hat mir ein Wolf oder Hund, soviel bedeutet, wie Du!“

„Geht mir genauso!“, Hige strich ihr noch einmal durch’s Haar.

Sie genoss das wohlige Gefühl von Higes Hand in ihrem Haar, als letztes Irdische, das sie wahrnahm, bevor sie wieder, in Dunkelheit getaucht, vor dem Tunnel stand. Doch diesmal würde sie nicht wieder zurückkehren. Sie würde Hige nicht wieder sehen. Sie war nun auf ewig mit ihrer alten Menschenfamilie vereint und insofern glücklich. Doch ihr würde immer etwas fehlen. Eine gewisse Wärme. Und ein gewisser Jemand.


***


Hige beobachtete verzweifelt wie Blue ihre Augen schloss. Warum nur? Er wollte sie nicht verlieren. Sie sollte bleiben! Nur noch ein bisschen. Bitte! Bitte! „Nein Blue...Blue!“ Durch sie hatte er die Kraft der Verzweiflung  wiedergefunden und Wut durchströmte ihn. Doch Kälte und Müdigkeit überwältigten ihn. Auch er hatte eine Reise anzutreten, dachte er. Und auch er musste es annehmen, wie Blue es angenommen hatte. Beide würden bei ihren Freunden sein. Beide auf ihre Weise ein Paradies haben. Das wusste er jetzt. Doch was ist ein Paradies ohne den Wolf, Halbwolf, Hund oder Menschen, den man mal geliebt hat?

Hige wusste nicht, wie lange es schon gedauert hatte. Er konnte nicht gehen. Er wusste, dass er musste und dass es richtig war, doch er konnte sich nicht dazu überwinden, Blue zu verlassen. Er wollte hier sein. Ihr über ihr lebloses Gesicht und durch ihr Haar streichen und immer bei ihr bleiben. Außerdem musste er noch auf Tsume warten und ihn unterrichten. Er konnte nicht gehen.

Er hatte den anderen so geschadet. Vielleicht hatte er einfach kein perfektes Paradies verdient. Die anderen brauchten ihn doch nicht, nur er brauchte die anderen. Er wollte sie nicht wieder verraten, er hatte so Angst davor. Bei Blue konnte er das gar nicht. Er war so ein Egoist.

Wieso konnte er nicht mit ihr gehen? Weil das zu einfach wäre? Welche Lektion wollte man ihn denn noch lehren? Er wünschte sich ein ewiges Vergessen ohne Leid. Er wünschte sich Vergebung. Einen Neuanfang. Blue...einfach Blue und seine Freunde, die er niemals hätte verraten dürfen.

Was davon, hatte er verdient? Was würde er bekommen? Er musste ins Paradies, doch er war wie blockiert. Erstarrt, wie die kalte Eiswand hinter ihm. Blue regungslos neben ihm. Als wären sie beide eins mit dem Eis. Und dennoch niemals wieder zusammen.

Und er war so schuldig, so fühlte er sich. Wo wäre er jetzt, wenn er ein richtiger Freund gewesen wäre?

Wieso musste er jetzt noch so viel denken, so kurz vor’m Paradies? Alles tun, nur nicht die Augen schließen. Nicht gehen. Nicht verlassen. Nicht zulassen.

Angst. Hilflosigkeit.

Dann sah er Tsume. Konnte der ihm nicht irgendwie helfen? Konnte er Blue nicht zurückholen? Hige musste verstehen, dass das nicht ging. Aber konnte Tsume zumindest das tun, wozu Hige sich selbst nicht im Stande sah?

Unendlich schwach blickte er dem bestürzten Tsume in die Augen und seinem persönlichen Neuanfang entgegen. Er versuchte, wie immer typisch Hige-mäßig unbeschwert zu wirken. So war er immer gewesen. So würde er immer sein. Mit oder ohne Blue.  



„Hallo, na da bist Du ja endlich. Cheza wurde von diesem Ekeltypen geraubt. Kiba verfolgt sie. Er ist...“

„Hör auf! Red nicht weiter!“

„Ich habe eine Bitte! Du musst mich erlösen, mit deinen Reißzähnen! Kannst Du mir immer noch nicht vergeben? Sag schon, hältst Du mich immer noch für einen fiesen Verräter?“

„Ach, darauf kommt es doch längst nicht mehr an!“

„Ich bitte dich, tu mir den gefallen... Los Tsume! Im Paradies, da treffen wir uns ganz sicher wieder!

~ Wolf’s Rain (S01E30)
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