Zorros - die Rückkehr. NEBENGESCHICHTEN

GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
Zorro
12.11.2017
12.11.2017
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Diese Geschichte erzählt die erste Begegnung zwischen Antonia und Zorro, der sich hier als Padre tarnt. Die Begegnung wird u.a in Kapitel 4 der Hauptgeschichte erwähnt.

Hinweis: Bernhard hat Zorros Geheimnis noch nicht herausgefunden. Später hat ihm Diego von seiner Begegnung mit Antonia erzählt.





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Die dunkle Gestalt grinste, als sie sich den Schuldschein schnappte. Wie dumm waren seine Feinde eigentlich? Den ergaunerten Schein in einer Schublade zu verstecken, deren Schlüssel in der Blumenvase versteckt war? Wie gedankenlos war das denn?

Ihm sollte es recht sein. Er nahm ein Blatt Papier vom Schreibtisch und malte mit Hilfe des Federkiels und der Tinte ein dickes „Z“ darauf. Schön mittig und groß. Er platzierte sein „Kunstwerk“ in der Schublade, verschloss sie und versteckte den Schlüssel wieder in der Vase. Seine Beute steckte er in die Innentasche seines schwarzen Hemds.

Zu schade, dass er die Reaktion nicht persönlich miterleben würde. Das Gesicht hätte er gerne gesehen. Geschah dem Senator ganz recht. Falschspieler zu engagieren, die dem armen Martin den Schein beim Falschspiel abgeluchst hatten. Martin hatte immer wieder stundenweise kostenlos bei der Garnison ausgeholfen und hatte statt Bargeld dieses Wertpapier erhalten. Weil es angeblich Probleme mit der Buchhaltung gab. Das Geld war ihm aber fest zugesagt worden.

Nein, so nicht. Er würde dafür sorgen, dass der Mann seine Bezahlung, die ihm zustand, erhalten würde.

Rasch schwang er sich aus dem Fenster. Er nahm die Peitsche und ließ das Ende über einen Holzvorsprung über ihn schlingen. Mit deren Hilfe gelang es ihn, nach oben zu klettern. Vorsichtig balancierte er über das Dach in Richtung Westen.

Das Dach schloss an weitere Gebäude an, welche etwas niedriger waren. Er nahm Anlauf und sprang auf das nächste Dach. Seine Stiefel landeten sicher.  Gleich hatte er es geschafft. Toronado wartete ganz in der Nähe.

Toronado – er hatte es nicht lassen können, sein Pferd nach der Legende zu benennen. Schließlich hieß er in Wirklichkeit Diego, wie der legendäre Zorro. Und als Zorro versuchte er seit einiger Zeit, nachts den Regierenden das Leben schwer zu machen. Eine Regierung, die auf Gerechtigkeit pfiff und nur in ihre Taschen wirtschaftete.

Diego hieß er jedoch nicht offiziell, er hatte einen Tarnnamen angenommen. In Utopia war er bekannt als…

Ach was, er sollte jetzt nicht darüber nachdenken, sondern eher schauen, dass er verschwand.

Das letzte Gebäude war nicht mehr besonders hoch. Rasch nahm er erneut Schwung und landete federnd auf der Erde, um sich rasch abzurollen. Sofort war er wieder sprang auf, um zu seinem Pferd zu eilen.

Gerade noch aus den Augenwinkeln nahm er eine Bewegung wahr. Eine Person, die auf ihn zustürmte. Er drehte sich um, jedoch zu spät. Der Degen des Soldaten traf ihn. Durch seine Ausweichbewegung jedoch nur rechtes Bein. Ein sengender Schmerz erfasste ihn, als die scharfe Klinge seine Haut aufritze. Er schrie vor Schmerz auf, während er mit einer schnellen Bewegung seine Waffe herausriss. Mit wenigen Angriffen entwaffnete er seinen Gegner.

Er hielt sich nicht weiter auf, sondern spurte in Richtung seines treuen Tieres. Schnell sprang er in den Sattel und galoppierte davon.  „Alarm!! Zorro!!“hörte er noch den Ruf des Soldaten aus der Ferne.

Normalerweise wäre es kein Problem gewesen. Sein Pferd war den anderen weit überlegen und er war ein guter Reiter.

Dieser Umstand hatte er es zu verdanken, dass er am Anfang auch einen guten Vorsprung herausgeritten hatte. Aber seine Schmerzen nahmen zu. In den ersten Minuten hatte er sein Bein nicht mehr sonderlich gemerkt, vermutlich vom Adrenalinschock. Aber er spürte seine Verwundung immer mehr und sie behinderte ihn. Er konnte nicht mehr lange durchhalten und würde bald sein Tempo zügeln müssen.

Er hatte einen Umweg geritten, um seine Verfolger abzuhängen und in die Irre zu führen. Nun näherte er sich dem Pueblo und kam wie geplant an dem alten verfallenen Haus vorbei.

Er hatte noch eine Chance. Einen kleinen Trick, den er für Notfälle vorbereitet hatte.

Leider würde er wohl nur einmal funktionieren.

Er öffnete die Türe – eigentlich war es eher eine Hütte als ein Haus – und schaute sich um. Er hatte Glück, die Strohpuppe war noch vorhanden. Er hatte sie vor einigen Tagen entsprechend präpariert und ihr alte Kleidung angezogen. Rasch zog er seinen Hut und Mantel aus und staffierte die Puppe zusätzlich damit aus.

Weiter hatte er sie darauf vorbereitet, sie schnell und sicher auf Toronados Sattel befestigen zu können – entsprechende Befestigungsseile, Karabiner und dergleichen waren vorhanden.

Er war kaum mit seinem Tun fertig, als er schon Hufgetrappel hörte.

„Lauf, Toronado.  Galoppiere davon und halte die Soldaten zum Narren“.

Eine Staubwolke folgte dem treuen Pferd.

Er wusste nicht, ob sein Plan aufgehen würde, aber er hatte keine Zeit, darüber nachzudenken. Rasch kehrte er in das Gebäude zurück und griff zum Verbandszeug, welches er ebenfalls dort deponiert hatte. Er holte es aus dem alten Sack und begann in aller Eile, sein Bein notdürftig damit abzubinden. Danach verließ er wieder das Haus und humpelte zum Pueblo, welches etwa eine Viertelstunde weit entfernt war.

Leider nahmen seine Schmerzen und das Hinken immer mehr zu, je näher er dem Dorf kam. Nein, das war gar nicht gut. Lange konnte er das nicht mehr aushalten.

Endlich war er in Sichtweite der Siedlung. Wie lange er gebraucht hatte, konnte er nicht sagen, nur deutlich länger als die geschätzten 15 Minuten. Er blieb stehen, um kurz zu verschnaufen. Seine Wunde pochte. Die Pausen, die er einlegen musste, waren in den letzten Minuten immer häufiger geworden.

Er musste sich irgendwo verstecken. Weshalb waren heute nur so viele Leute auf den Straßen?

Er ging Richtung Kirche, die etwas außerhalb lag. Er brauchte dringend Ruhe. Sein Bein schmerzte.

Humpelnd schleppte er sich zum Gebäude. Gott sei Dank verschloss der Padre dieses nicht. Das Gotteshaus sollte Zuflucht bieten. Und Wertgegenstände gab es keine mehr – alles in dieser Richtung hatten sich die regierenden Senatoren unter die Nägel gerissen.

Im Kirchenschiff konnte er nicht bleiben. Vorsichtig schlich er zur Sakristei. Wie immer um diese Uhrzeit war der gute Gottesmann seine Schäfchen besuchen gegangen – daher dürfte er ungestört bleiben. Es fragte sich nur, wie lange.

Neugierig schaute er sich in dem kleinen Raum um. Was wohl in dem Schrank rechts an der Wand war?

Das Möbelstück war unverschlossen.

„Mönchskutten. Natürlich“. Gleichzeitig kam ihm eine Idee. Eine Möglichkeit, unerkannt zu fliehen. Und das Kleidungsstück konnte er dem Padre ja später wiederzukommen lassen

Nein, das war so ein Klischee. In wie vielen Filmen hatte Zorro sich eine Mönchskutte angezogen und war so entkommen? Nicht besonders einfallsreich.

Leider fiel ihm auf die Schnelle nichts besseres ein. Dann eben Klischee. Strenggenommen war er als Zorro mit Hut, Umhang und Maske schließlich auch genau das.

Die Kutte war recht weit – der Padre war dicker aber sonst etwa gleich groß wie er – und so war es kein Problem, sie über seine Kleidung zu ziehen. Weiter nahm er die Kordel mit einem Silberkreuz und band sie sich um seinen Bauch. An der rechten Seite jetzt das Kreuz. Gab es da eine Regel an welche Seite und hatten alle Mönche eines? Er hatte absolut keine Ahnung. Er hatte die Kordel jetzt links zusammengebunden. Er würde darauf achten, wenn er den Padre das nächste Mal sah.

Tief zog er sich die Kapuze über seinen Kopf – die Maske hatte er sicherheitshalber immer noch an.

Vorsichtig und leise schlich er ins Kirchenschiff zurück.  Wer weiß wie lange sich die Soldaten von seiner Puppe täuschen ließen. Und sein weg zum Dorf hatte auch mehr Zeit in Anspruch genommen, als gut war. Es war gut möglich, dass sie bald ins Pueblo zurückkamen. Er sollte sich sputen, so gut das eben mit seiner Verletzung ging.

Er war humpelnd bis etwa zur Höhe des Beichtstuhls gekommen, als plötzlich eine Stimme rief: „Padre Jose, Ihr seid hier? Was ist mit Eurem Bein, habt Ihr Euch verletzt?“

Eine Frauenstimme. Es war Antonia. Verdammt.

Sie durfte auf keinen Fall sein Gesicht sehen, auch nicht, dass er eine Maske trug.

Er antwortete daher mit einer etwas höheren Stimme und stellte sich unsicher und schüchtern. „Verzeiht, ich bin sein Mitbruder, Padre Felipe. Ich bin neu hier, erst vor kurzem angekommen“.

Sie hatte sich ihm bis auf wenige Meter genähert und schaute ihn neugierig an. „Ich bin Antonia Suarez. Herzlich willkommen. Ihr braucht nicht zu Boden zu schauen, dazu gibt es keinen Grund“.

Er gab weiter vor, unsicher zu sein, indem er sein Gewicht mehrmals leicht von dem einen Bein auf das andere verlagerte was aber schmerzhaft war. „Verzeiht bitte, Senorita, ich fürchte nur ich bin furchtbar schüchtern, was Frauen betrifft“.

„Ist etwas mit Eurem Bein, kann ich Euch helfen? Nun schaut mich doch endlich an, ich beiße nicht.“

Sie trat noch näher an ihn ran, während er rasch zurückwich, um den Abstand zu halten.

Sie wollte erneut etwas sagen, sollte aber nicht dazu kommen, da in diesem Moment die Türe aufgerissen wurde und einige Soldaten in die Kirche hineinstürzten.

Die Frau zuckte erschrocken zusammen und wandte sich um. „Um Gottes Willen, was ist denn los?“

„Verzeihung, Mrs. Wie suchen Zorro?!“ antwortete der Soldat.

„Zorro? Hier in der Kirche?“

„Ja. Dieser Bandit wurde am rechten Bein verletzt und es ist gut möglich, dass er sich daher irgendwo versteckt. Er hat uns zum Narren gehalten und es könnte gut sein, dass er hier ins Dorf geflüchtet ist. Wir vermuten, dass er humpeln könnte“.

Sie drehte sich unwillkürlich zu ,Padre Felipe‘ um. Dieser wirkte sehr ruhig und keineswegs von den Soldaten eingeschüchtert. Sie konnte sein Gesicht immer noch nicht ausmachen- er stand jetzt richtig im Schatten – aber er hatte den Kopf etwas erhoben und schien aus dem Dunkeln sie und die Soldaten zu beobachten.

Sie starrte ihr Gegenüber an, denn sie begriff.

Der Soldat bemerkte erst jetzt den Mönch. „Ah Padre Jose, Ihr seid ja auch da. Ich habe Euch vorhin gar nicht gesehen.“ Der Soldat kam einige Schritte näher, als Antonia sich fing und rasch erklärte: „Ich habe ihn gebeten, mir die Beichte abzunehmen, wir wollten gerade anfangen. Verzeiht bitte Sergeant?“

„Ja, natürlich, Senorita.  Nur zu“

Sie und der Padre gingen zusammen zum Beichtstuhl und nahmen darin links und rechts Platz.

Eine Minute schwiegen beide, dann wollte die Frau besorgt wissen: „Seid Ihr schlimm verletzt?“

„Nein, macht Euch keine Sorgen“ antwortete er. Seine Stimme war nicht wiederzuerkennen. Keine wimmernde und hohe, sondern tief und ruhig.  Nur der starke spanische Akzent war geblieben. „Ich habe sie notdürftig verbunden. Sie muss nur richtig behandelt werden dann bleibt höchstens eine Narbe zurück.“

„Ich kann Euch helfen, ich habe schon früher Wunden versorgt.“

„Das bringt Euch unnötig in Gefahr. Bitte Senorita, Ihr solltet lieber gehen. Ich werde einen Weg finden.“

Nein“ rief sie zurück ehe sie erschrocken innehielt und dann mit leiser Stimme fortfuhr: „Bitte, Mr., lasst mich Euch helfen. Ihr müsst wissen, dass ich Zorro insgeheim sehr bewundere, wenn ich das auch leider nicht offen aussprechen darf“.

„Ihr vergesst, dass ich nur ein einfacher Padre bin“ antwortete er scherzend mit einem leichten Lachen bevor er wieder ernst wurde. „Senorita, ich möchte nicht, dass Euch etwas passiert, geht einfach und vergesst unsere Begegnung“.

„Niemals“ widersprach sie energisch. „Padre Jose besucht freitags öfters die Familie von John Wood“. Und heute ist Freitag. Ihr könntet mich nach Hause begleiten, das liegt auf dem Weg.“ Sie machte eine Pause, ehe sie verschwörerisch fortfuhr: „Ich weiß, Vater Jose oder Felipe sind nur einfache Padres und könnten mir wohl im Zweifelsfall nicht wirklich beschützen. Aber der Sergeant würde sicher nicht misstrauisch werden, wenn ich einen Gottesmann bitte, mich bis nach Hause zu begleiten“.

Er seufzte hörbar. Kurz geschah nichts, dann öffnete er eine etwa 30 x 30 cm große Schiebelade. Es entstand eine gleich große Öffnung in der Gitterwand, welches die zwei Beichtkabinen trennte.

Der Geistliche hatte sie einbauen lassen um den Beichteten die Möglichkeit zu geben, anonym oder eben nicht anonym um Vergebung bitten zu können.

Antonia blickte zu ihm herüber. Das Gesicht des falschen Mönches war immer noch im Schatten der Kapuze verborgen. Er war ihr zugewandt. Dann schob er diese mit der rechten Hand ein wenig zurück.

Sie begegnete dem Blick eines jungen Mannes, der etwa in ihrem Alter sein musste. Ganz sicher war sie sich aber nicht, da die genauen Umrisse des Kopfes durch den schwarzen Stoff der Kapuze und dem dunklen Licht nicht zu erkennen waren und er ein schwarzes baumwollenes Tuch mit Augenschlitzen um den Kopf gebunden hatte, welches als Maske dienen sollte und seine wahre Identität verhüllte. Das Tuch endete knapp über den Mund.

Ein leichtes Schmunzeln umspielte seine Lippen ehe er sie fragte: „Ich kann Euch nicht davon abbringen fürchte ich?“

Sie schüttelte den Kopf. „Nein. Ich fürchte Ihr müsst mich begleiten … Padre…. Felipe…“

Er lachte er leise. Es war ein warmes Lachen, aber sie spürte, dass es nicht ganz frei war und er Schmerzen hatte. „Ihr könnt mich gerne so nennen oder auch den anderen Namen benutzen. Ich denke Ihr dürftet wissen, dass beide nicht meine wahren sind.“

Sie sah ihn besorgt an. „Ihr habt Schmerzen. Werdet Ihr ohne Humpeln ein längeres Stück laufen können? Wenn die Soldaten Euch erkennen könnt Ihr in Eurem Zustand nicht fliehen.“ Ihr war sehr wohl aufgefallen, dass er zum Beichtstuhl nicht gehinkt hatte, aber das waren ja nur wenige Meter gewesen.

„Wenn ich langsam gehe, ja, ich kann es unterdrücken“.

Sie atmete erleichtert aus. „Das ist kein Problem. ICH werde langsam sein. Ich schlage mir einfach beim Hinausgehen mein Schienbein an, zumindest tue ich so, dann habe ich noch einen Grund, Euch ‚Padre‘ um Begleitung zu bitten“.

„Dann humpelt Ihr für mich“ grinste er. „Aber einverstanden, machen wir das so. Wie lange wäre die glaubhafte Dauer für Eure Beichte? Ich denke wir sollten noch einige Minuten warten, oder?“

„Ja, jetzt zu gehen wäre zu kurz und könnte die Soldaten misstrauisch machen.“

„Sagt mir Bescheid, wenn wir anfangen sollen“.

Zu ihrem Bedauern zog er die Kapuze wieder über seinen Kopf und seine Gesichtszüge verschwanden wieder im Dunkeln. Er schloss die Lade wieder und sie meinte zu hören, wie er sich in seinem Teil des Beichtstuhls zurücklehnte. Er schien seinen eigenen Gedanken nachzuhängen.

Nach etwa fünf Minuten räusperte sich die Frau. „Ich denke wir können aufbrechen“.

„In Ordnung.  Nach Euch Senorita“.

Sie erhob sich und man hörte ein Poltern.  Anschließend ein Schmerzenslaut während sie die Türe zum Beichtstuhl öffnete. „Verdammt, jetzt habe ich mir mein Bein angeschlagen“ rief zu frustriert.

Zorro hatte seine Türen auch aufgeschlagen und bewunderte ihre Schauspielkunst. Die Soldaten waren gerade am Aufbrechen. Wahrscheinlich hatten sie die Kirche durchsucht, um ihn oder zumindest Wertsachen zu finden. Hoffentlich ging alles gut.

„Mrs. Suarez, was ist passiert?“ fragte der Sergeant.

„Ich habe mir den Knöchel angeschlagen. So ein Pech. Und dann treibt sich vielleicht noch der Bandit draußen rum. Padre Jose, Ihr seid doch sicher auf dem Weg zu den Woods. Könnt Ihr mich daher bis nach Hause begleiten? Da wäre mir bedeutend wohler.“ Sie lächelte dem Offizier zu. „Natürlich könnte ich auch Euch fragen, aber Ihr seid im Dienst und ich möchte Euch nicht von Euren Pflichten abhalten“.

„Natürlich“.

Der Padre war nahe an die Senorita getreten und schien etwas zu sagen, was der Soldat aber nicht hören konnte. „Das ist nett von Euch. Und schont weiter Eure Stimme und redet leise, Ihr seid ganz heißer, dann geht es morgen sicher wieder“ hörte er Antonias Stimme.

„Na dann gute Besserung, Padre“ sagte der Soldat.

Der Angesprochene sprach nichts, nickte aber und bedankte sich auf diese Art.

Der Offizier wunderte sich. Der Padre war manchmal schon seltsam, aber waren das die Kirchenmänner nicht immer? Vermutlich war der Mann einfach erkältet.

Es hatte sogar ausgesehen, als sei der Mann dünner geworden, aber das hatte er sich wohl eingebildet. So krank schien Jose jedenfalls nicht zu sein.

Beide gingen aus der Kirche, wobei Antonia sehr langsam ging. Der Offizier vermutete, dass sie sich doch heftiger ihr Bein angeschlagen hatte und schüttelte den Kopf. Ungeschickte Frauen.

Die beiden behielten ihr Tempo bei. Die Straßen hatten sich nun doch geleert, möglicherweise aufgrund des Auftauchens des Militärs.

Sobald sie außer Sichtweise waren, konnte Zorro sein Bein wieder schonen und begann wieder, leicht zu humpeln. Es hatte ihm alle Selbstbeherrschung abverlangt, normal zu gehen und keine Schmerzenslaute auszustoßen

„Euch geht es nicht gut. Glücklicherweise ist es nicht weit bis zu meinem Haus. Dann kann ich Euch versorgen“.

„Keine Sorge es ist nicht meine erste Verwundung.“ beruhigte er.

„Trotzdem – je eher ich mir Eure Wunde angesehen habe, desto besser. Ich kann Euch auch bei mir verstecken, wenn es notwendig ist“.

„No, auf keinen Fall.“ widersprach er energisch.

„Aber Ihr werdet nicht reiten können. Oder- Ihr wohnt ja vielleicht ganz in der Nähe, daran habe ich gar nicht gedacht“.

‚Leider nein, Antonia‘ antwortete er in Gedanken. ‚Meine Hacienda ist ein ganzes Stück entfernt‘. Laut aber antwortete er: „Wir werden sehen, macht Euch bitte keine Gedanken, wer oder was ich bin.“

Sie schwiegen beide kurz, ehe sie das Gespräch wiederaufnahm: „Weshalb helft Ihr uns… Senor?“ Sie waren während ihrer leisen Unterhaltung langsam weitergegangen, doch jetzt blieb der Maskierte stehen und wandte sich direkt an Antonia. Er beugte seinen Kopf so dass sie seine Augen nicht sehen konnte. Sie spürte aber seinen Blick, der auf ihr ruhte, als er antwortete: „Zorro steht dafür, den Schwachen zu helfen, für die Gerechtigkeit einzustehen. Es tut mir in der Seele weh, was hier gerade im Namen des Gesetzes passiert, es erfüllt mich mit Zorn und Wut, gleichzeitig mit großer Traurigkeit. Wie könnte ich da zusehen und nichts tun?“ Er wandte sich wieder ab und begann, den Weg fortzusetzen. Nach wenigen Metern fuhr er fort: „Es sind keine großen Taten, die ich bisher vollbracht habe, eher einige kleine gezielte Nadelstiche“.

„Und wie es scheint, steht Zorro auch noch für etwas anderes. Ich sehe, hinter der Legende verbirgt sich ein sehr bescheidener Mann“.

„Eher ein Mann, der ohne Maske viel täuschen muss, um sein Ziel zu erreichen“ gab er überraschend zu. Seine Resignation war deutlich zu hören.

Sie blickte ihn nicht an, sondern setze mit ihm zusammen den Weg fort, als sie erwiderte: „Ihr seid gut darin, Euch zu verstellen, Padre Felipe war sehr überzeugend. Das ist sicher trotzdem nicht immer leicht für Euch, nehme ich an?“

„Nein, ist es nicht“ antwortete er. „Aber auch Ihr seid ganz schön clever, wenn Ihr mir die Bemerkung gestattet. Ich hatte kurz die Sorge, Ihr hättet Euch tatsächlich verletzt“.

„Ich musste mich anstrengen schließlich wart Ihr in Gefahr“.

Seine Kapuze wandte sich zu ihr herüber, die Gestalt blieb aber stumm.

Zorro, der in der Kirche seine Arme unter den weiten Ärmeln seiner Kutte verschränkt und damit versteckt hatte, hatte diese Haltung aufgegeben, sobald beide außer Sichtweite gewesen waren. Man sah auch jetzt nicht viel von seinen Händen, da diese in schwarzen Handschuhen steckten.

Antonia trat nun an seine rechte Seite und versuchte ihm zu helfen. „Bitte stützt Euch auf mich. Dann fällt das Gehen leichter“.

Sie sah, dass er ablehnen wollte, aber dann doch seine Meinung änderte und sich leicht auf ihr abstützte, während er weiter humpelte. Noch immer wollte er ihr aber sein Gesicht nicht erneut zeigen.

„Vorsicht, da vorne“ flüsterte er plötzlich. Rasch zog er sie näher und schob sie mit sich zusammen nach hinten, seine Schmerzen ignorierend. Sein Ziel war die Rückwand eines kleinen Hauses.

Seine rechte Hand umfasste die ihre, während beide in ihrem Versteck kauerten. Diese Geste hatte für Antonia etwas Beruhigendes an sich.

„Was ist los?“ flüsterte sie nervös.

„Schht“ wisperte er, bevor er wieder verstummte. Er rückte noch etwas weiter nach rechts, so dass sie noch mehr im Schatten kauerten und zog sie dich an sich heran.

Sie spürte den Wollstoff der Kutte. Weiter spürte sie etwas Hartes unter der Kutte, welches gegen ihr Bein drückte. Sie vermutete, dass es sich um einen Degen handelte, den er unter seiner Verkleidung trug.

Stimmen und Schritte näherten sich.

Zorros Griff um ihre Hand verstärkte sich. Eine Warnung, ruhig zu bleiben.

Sie wusste selbst nicht warum, aber sie drückte ihren Körper enger an den Stoff. Sie wusste nicht warum, aber sie fühlte eine seltsame Verbundenheit mit dem Mann, obwohl er kaum etwas vom sich zeigen wollte.

Vielleicht war es auch einfach der Situation geschuldet oder der geheimnisvollen Aktivitäten, die der Held bereits vollbracht hatte.

Es waren Soldaten, die sich näherten.

Antonia bemühte sich, ruhig zu atmen. Plötzlich bemerkte sie eine Bewegung des Maskierten. Sein linker Arm wanderte über ihre Schultern. Offensichtlich wollte er sie damit beruhigen.

Sie hielt die Luft an. Die Soldaten gingen an ihnen vorüber und unterhielten sich angeregt. Offensichtlich hatten sie auch einiges über den Durst getrunken. Sie lachten beide und liefen an ihrem Versteck vorbei.

Zorro wartete angespannt. An seinen Degen kam er nicht schnell genug heran, daher konnte er nur hoffen, dass sie nicht entdeckt wurden.

„Das nächste Mal aber werde ich die Kleine küssen, darauf kannst du wetten!“ lallte einer der Uniformierten.

„Nur küssen? Das kannst du deiner Großmutter erzählen“.

Beide schwankten weiter und lachten. Die Antwort des anderen war nicht mehr zu verstehen, da sich die Männer bereits einige Meter von Ihnen entfernt hatten

Der Maskierte und die Senorita verharrten in ihrer Position. Viel zu bald für Ihren Geschmack löste er sich wieder von Ihr. „Kommt!“

Sie blieben weiter möglichst nahe der Häuser, ehe sie im Schutz der Nacht weiterschlichen.

Zorros Schmerzen schienen etwas nachgelassen zu haben – zumindest humpelte er etwas weniger und stützte sich mit weniger Kraft auf sie.

Antonia atmete schließlich erleichtert aus. „Endlich. Wir sind fast da.“

Sie waren am Ziel. Sie schaute sich nochmal suchend um, ob sie beobachtet wurden, obwohl sie sehr wohl bemerkt hatte, dass ihr Begleiter ihre Umgebung ebenfalls im Auge behalten hatte.

„Keine Sorge, es ist keiner in der Nähe“

Sie öffnete die Haustüre und beide huschten ins Innere. Geübt langte sie nach rechts oben und holte im Dunkeln die kleine Petroleumlampe und Streichhölzer vom Regal. Das kleine Licht reichte aus, um an der Garderobe vorbei ins Wohnzimmer zu gelangen.

Rasch entzündete sie noch weitere Lichter.

„Setzt Euch doch. Ich hole rasch etwas für die Wunde, ich bin gleich wieder da.“

Er nickte zum Zeichen, dass er verstanden hatte.

Er machte sich in einen ihrer Sessel gemütlich, gleichzeitig verschwand sie nach nebenan.

Während sie die benötigten Dinge zusammensuchte überlegte sie, ob er wohl schon einmal im ihrem Haus gewesen war. Er hatte sich nichts anmerken lassen, als er mit ihr zusammen hineingegangen war. Allerdings hatte sie auch nichts von seinen Gesichtszügen sehen können, da er sich entweder im Schatten aufgehalten oder sein Gesicht abgewandt hatte. Weshalb nur? Er trug doch eine Maske, oder?

Ihr Umzug nach Utopia war nicht ganz freiwillig gewesen- trotzdem hatte sie alles Geld zusammengekratzt und sich dieses Heim gekauft. In Utopia war, im Gegensatz zum alten Amerika, Eigenheim nicht einfach zu erstehen und es war ein gewisses Eigenkapital erforderlich.  Es wurde allgemein nicht so viel verdient und Grund und Boden boten weniger Sicherheit für die Banken.

Ihr Haus war nicht sonderlich groß, bot aber genügend Platz. Möbel hatte sie nicht mitnehmen dürfen und so stammten sie vom örtlichen Schreiner. Alle waren im Stil etwas altmodisch, eben passend zu Utopia. Aber solide hergestellt. Ihr großer Schatz war die Schrankwand, welches trotz seiner Größe überquoll. Sachbücher und Abenteuerromane, alles war vorhanden. An den Wänden hingen sonst einige ihrer Bilder, welches sie mit großer Leidenschaft selbst gemalt hatte.

Sie kam mit Verbandszeug, Alkohol zum Desinfizieren und einigen Tüchern zurück. Jetzt benötigte sie noch etwas warmes Wasser.

„Ich habe gleich alles zusammen“ meinte sie, als er mit seiner Hand plötzlich ihren Arm ergriff. „Wartet!“

Fragend blickte sie ihn an, blieb aber stehen. Er ließ sie los und zog die Kapuze erneut etwas zurück, wie er es schon in der Kirche getan hatte. „Danke.“

Wieder konnte sie nicht wirklich viel von seinem Gesicht erkennen. Dazu hätte er die Kopfbedeckung schon komplett herunterziehen müssen. Die ganze Kutte war für ihn etwas groß und sie vermutete, dass er sie aus dem Schrank aus der Sakristei hatte. Jose hatte ihr einst erzählt, dass er sie dort aufbewahrte.

Zorro hatte sich die warme wollende ausgesucht, die dazu gedacht war, den Padre zu wärmen, wenn er bei kaltem Wetter draußen unterwegs war. Deshalb war die Kapuze von Anfang an etwas größer, damit man sich gegen eine aufkommende Kälte darin einmummen konnte.

Eine Tatsache, die dem Mann offensichtlich sehr entgegenkam.

Wie es schien hatte er sich entschlossen, sein Versteckspiel zumindest teilteilweise aufzugeben.

Es war auch angenehmer, mit einem Gesicht zu reden, fand sie. Und natürlich spielte auch ihre weibliche Neugierde eine nicht unerhebliche Rolle.

Da sie nicht wusste, was sie antworten sollte, blickte sie ihm kurz stumm in die Augen, ehe sie in die Küche ging, den Ofen anheizte und einen kleinen Kessel mit Wasser aufsetzte. Rasch eilte sie zu ihrem Besucher zurück. „Es wird noch eine kleine Weile gehen, bis das Wasser soweit ist. Kann ich Euer Bein schon mal sehen?“

„Por supuesto“ antwortete er. Er beugte sich nach vorne und schlug die Kutte auf der rechten Seite hoch. Eine schwarze Hose kam zum Vorschein.

Die Frau sah, dass er den Stoff des rechten Hosenbeins – vermutlich mit einer scharfen Klinge, ein Messer oder dergleichen- von unten ein wenig aufgeschlitzt hatte und um das Bein notdürftig einen Verband gewickelt hatte. Er war, wie es aussah, in alle Eile und Hast angelegt worden und war von außen bereits rot durchnässt. Wenigstens hatte sich das Blut am Verband nicht mit etwas anderem verklebt.

„Ich werde den Verband besser seitlich aufschneiden. Es könnte ein wenig wehtun“.

„Si, kein Problem“. Er schaute sie aufmunternd an.

Geübt begann sie, den Stoff aufzuschneiden.

Antonia war beim Roten Kreuz gewesen und hatte ursprünglich Krankenschwester werden wollen, sich später dann aber doch unentschieden. Aber fundierte Grundkenntnisse waren noch vorhanden.

Kaum jemand im Utopia hatte davon Kenntnis, da sie normalerweise nicht darüber sprach. Sie wäre sehr erstaunt gewesen, dass der falsche Mönch darüber sehr genau darüber Bescheid wusste und u.a. auch deshalb damit einverstanden gewesen war, sich von ihr verarzten zu lassen. Sie wäre fassungslos darüber gewesen, was der Mann, der da im Sessel saß, noch alles von ihr wusste.

Sie legte vorsichtig die Wunde frei. Ein längerer Schnitt der nach unten führte, war zu sehen. Sie vermute, von einem Degen. Rings um die Wunde befand sich angetrocknetes Blut und bereits etwas Schorf.

„Es ist schmerzhaft, aber noch nichts entzündet. Warten wir kurz, bis sich das Wasser etwas erwärmt hat, ich möchte es sicherheitshalber säubern und desinfizieren“.

Ihr Gegenüber nickte. Wieder trafen sich ihre Augen. Wer er wohl war? Ein Mann, der im Untergrund agierte und sich der Anonymität preisgab. Das war schon verrückt. Wie konnte man nur so etwas aushalten?

Wer er wohl war? Sie traute sich nicht recht, ihm diese Frage direkt zu stellen und wollte stattdessen wissen: „Wie ist das passiert?“

„Ein Degen. Ich hatte den Soldaten zu spät bemerkt“ antwortete er.

„Ihr werdet vermutlich eine Narbe zurückbehalten“ erklärte sie ihm mit Bedauern.

Er lachte. „Das ist nicht die erste. Macht Euch keinen Kopf deswegen.“

Noch weitere Narben? Wer war der Mann? Oder wer war er gewesen? Ein Elitesoldat?

Sie sprach diesen Gedanken nicht laut aus und meinte stattdessen nachdenklich: „Es ist ein gefährliches Leben, das Ihr führt, wie es scheint“.

„Ja, bisweilen. Aber keine Sorge, so leicht lasse ich mich nicht fangen“.

Stirnrunzelnd betrachtete sie ihn. Schließlich meinte sie: „Das Wasser müsste jetzt soweit sein“

Sie ging aus dem Zimmer und kam mit dem Wasser zurück, welches sie in eine Schüssel gefüllt hatte. Sie kniete vor ihm nieder und säuberte vorsichtig die Wunde, indem sie saubere Tüchern benutzte, die sie mit dem Wasser tränkte.

Ihr Gast hielt sein Bein ruhig und wartete geduldig. Die Behandlung war sicher schmerzhaft, aber er ließ sich nichts anmerken.

Endlich war sie fertig.

„Nochmals meinen Dank, Senorita“ sagte er leise.

„Oh dankt mir nicht, Zorro. Ich muss die Verletzung noch desinfizieren, das könnte etwas weh tun“ sagte sie entschuldigend.

„Tut, was nötig ist“. Ein lächelte sie abermals freundlich an. „Ich weiß, dass ich bei Euch in besten Händen bin“.

„Ihr könnt jederzeit zu mir kommen, wenn Ihr meine Hilfe benötigt“ versprach sie.

„Nochmals meinen Dank“.

„Wir sollten besser weiter machen“ sagte sie verlegen.

Der Alkohol musste furchtbar brennen, aber der Held zuckte nur zwei Mal kurz zusammen, als sie die klare Flüssigkeit auftrug.

Schließlich legte sie mit geübten Händen einen neuen Verband an.

Zufrieden betrachtete sie ihr Werk. „Versucht ein paar Schritte zu laufen“ ermunterte sie ihn.

Langsam erhob er sich und befolgte ihren Rat.

Er war immer noch leicht am Humpeln, aber es war nur noch leicht und schien im nun weniger Schmerzen zu bereiten.  „Ihr scheint wirklich heilende Hände zu haben, Senorita Suarez“ meinte er bewundernd.

„Nein, das wohl weniger“ antwortete sie errötend. „Euer Bein hatte etwas Ruhe, das ist wichtig für die Regeneration. Ihr solltet es in nächster Zeit schonen. Mein Verdienst war da sehr gering“.

„Ihr habt mir zur Flucht geholfen, das ist nicht das, was ich als gering erachten würde“ sagte er leise. „Ich werde es Euch nicht vergessen“. Er schwieg, dann sagte er mit einem traurigen Unterton: „Ich fürchte, ich muss gehen, Senorita. Je länger ich bleibe, desto gefährlicher ist es für Euch“.

„Ihr solltet jetzt nicht gehen. Wir hatten großes Glück, dass wir nicht erwischt wurden. Wenn sich um diese Zeit ein einzelner Mönch im Pueblo rumtreibt, ist das verdächtig“ wandte sie besorgt ein.

Seine Hände umfassten ihre Schultern. „Keine Angst. Ich werde mich aus dem Dorf schleichen“.

„Nicht mit Eurem Bein“ rief sie erschrocken. „Meint Ihr, Ihr könnt reiten? Das wäre vermutlich weniger belastend oder zumindest nicht so eine lange Zeit, wie wenn Ihr per Fuß aus dem Pueblo schleicht“.

Der Held dachte an seine Hacienda, die außerhalb lag. Er brauchte tatsächlich ein Pferd, um sicher nach Hause zu kommen. Toronado war wahrscheinlich den Soldaten entkommen und in das Versteck geflüchtet – zumindest hoffte er es. Es gab aber außer dem Tier keinem, der Zorros Geheimnis kannte.

Aber auch Antonia hatte nachgedacht. „Ihr braucht ein Pferd. Kommt mit in den Stall. Ihr könnt Euch meine Stute, Mercedes, ausleihen“.

„Das kann ich nicht annehmen…“

Er hatte mittlerweile seine Hände von ihren Schultern genommen. Zögerlich nahm sie schüchtern seine Hand. „Bitte. Ihr sagtet ja selbst, Ihr könnt nicht bleiben und im Pueblo herumschleichen kommt nicht in Frage. Lasst Mercedes einfach frei sie wird ihren Weg zu mir zurückfinden“.

Er war skeptisch. „Also schön. Wenn es nicht gelingt, ersetze ich Euch das Pferd. Am besten, wir machen uns gleich auf den Weg“.

„Ja, einverstanden“.

Mit einer kleinen Laterne bewaffnet, gingen sie hinüber zu den Tieren.

Obwohl mehrere Pferde im Stall standen, ging der Held ging zielsicher auf das richtige zu und klopfte es beruhigend am Hals. Sie holte rasch das Zaumzeug und den Sattel. Gemeinsam richteten sie das Pferd.

Der ‚Mönch‘ führte Mercedes hinaus und schwang sich etwas ungelenk in den Sattel. Aber er hatte es trotz seiner Verletzung geschafft, das war die Hauptsache.

Die Legende blickte zu Ihr hinunter. „So trennen sich nun unsere Wege. Nochmals meinen Dank, Senorita. Lebt wohl“.

„Passt bitte auf Euch auf und seid vorsichtig“.

„Das werde ich. Hasta la vista, Senorita“. Er schenkte ihr noch einen letzten Blick, ehe er das Pferd zum Wenden brachte und davonritt.

Die Frau schaute ihm so lange nach, bis er nicht mehr zu sehen war und die dunkle Nacht ihn verschluckte. Erst danach kehrte sie in ihr Haus zurück.
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