Wo Wege sich kreuzen

KurzgeschichteHumor, Familie / P16
Lian Shion
11.11.2017
12.11.2017
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Als sie durch die Menschenmenge wateten, vergaß Lian ganz, wovor sie eigentlich Angst haben wollte. Sie hatte noch nie so viele Geräusche gehört oder so viele Gerüche vernommen – kurzum, sie war noch nie mit so vielen Menschen an einem Ort gewesen. Selbst wenn sie an besonderen Feiertagen zu Festen im Schloss einluden, waren nie so viele Menschen gekommen, dass man aufpassen musste, wo man hintrat, weil es jemandes Fuß sein konnte.
Ihre selbsternannte Reiseleiterin kicherte. „Macht den Mund zu, sonst kommen Fliegen rein“, riet sie den Zwillingen und diese taten, wie ihnen geheißen. „Wenn euch das schon beeindruckt, dann wartet mal, bis wir zu der Hauptstraße kommen.“ Die junge Frau hatte sich ihnen kurz vor dem Marktplatz angeschlossen. Laut Darios gab es niemand besseren als sie, die alles über die Händler und ihre Waren wusste. Lian hatte sie erst gar nicht sympathisch gefunden mit ihrem verschmitzten Blick und der Art, wie sie geradezu fragend den Finger an ihr Kinn gelegt hatte – ganz zu schweigen davon, dass sie während des Gespräches eher auf den Sack voll Gold als in Darios‘ Augen geschaut hatte. Lian hatte ernsthafte Zweifel, wie weit man ihr vertrauen konnte.
„Wie, das war noch nicht alles?“, fragte Shion verwirrt. „Also ich finde das hier schon ziemlich groß.“
Die Frau warf ihren Kopf in den Nacken und lachte. „Ich war schon auf zahlreichen Märkten und lass mich dir sagen, mein Junge, das hier ist gar nichts im Vergleich zu einigen in den Hauptstädten.“
Lian machte große Augen, als ihr klar wurde, was das bedeutete. „Dann hast du also schon die ganze Welt bereist?“
Sie grinste. „Ganz so weit würde ich nicht gehen. Aber ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich an vielen Orten zugegen war, die Geschichte geschrieben haben. Wer weiß, vielleicht ist dies hier ja auch so einer.“
Jetzt war es an Shion, sie wie eine Heldin zu betrachten. „Ist das wahr? Du musst mir unbedingt alles erzählen. Von was für Schlachten sprichst du? Hast du auch die Helden gesehen? Oder mit ihnen geredet?“
Rike, die neben ihnen lief, schnaubte nur geringschätzig. „Ihr solltet nicht zu viel auf ihre Geschichten geben. Ich glaube kaum, dass eine so junge Frau überall auf der Welt gewesen und immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Wenn Ihr meinen Rat hören wollte, solltet Ihr dieser Frau mit einem gewissen Maß an Misstrauen gegenüber treten.“
Anna kicherte nur. „Manchmal bilden Zeit und Raum nicht das Hindernis, für das wir sie halten“, erklärte sie und lachte nur noch lauter, als sie die verwirrten Gesichter der Umstehenden sah. Dann blieb sie plötzlich stehen und wandte sich den Zwillingen zu mit ihrem verschmitzten Grinsen, während sie Gedanken nachging, die nur sie kannte. „Aber wenn ich mir euch beide so ansehe … Ich glaube, ihr seid gar nicht so weit davon entfernt, eines Tages herauszufinden, was ich damit meine.“
Shion und Lian schauten sich verwirrt an. Sie hatten keine Ahnung, was sie ansprach. Außer Shions Verkündungen, dass er eines Tages als großer Held in die Geschichte eingehen würde, hatte es nicht viel in dieser Richtung gegeben. „Ähm, ich glaube nicht, dass …“, begann Lian, doch ihre Stimme verlor sich im Gewirr der anderen. Sie hatten die T-förmige Kreuzung erreicht, den Teil, wo eine Reihe der Händlerstände auf eine Querstraße traf. Sofort wussten sie, was Anna vorhin gemeint hatte.

Dieser Teil war doppelt so breit, die Stände doppelt so hoch. Imposant erstreckte sich der größte Teil des Marktes vor ihnen. Die Händler standen nicht nur an selbstgezimmerten, schiefen Tischen, sondern hatten so etwas wie Hausgerüste mit einem Schild, das den Namen ihres Ladens oder die Warengruppen anpries. Lian brauchte nur den Kopf drehen und schon erkannte sie Waren, die sie noch nie zuvor gesehen hatte. Alles an diesem Teil wirkte hochwertiger, strahlender, lebendiger. Der Markt, der vorher wie ein stattliches Haus erschienen war, glich nun einer imposanten Villa.
Anna stand neben ihnen, die Hände auf die Hüften gestemmt. „Hach, es fühlt sich so gut an, nach Hause zu kommen. Zuhause ist, wo das Geld fließt. Also dann, lasst uns ein paar Schnäppchen machen. Kommt, ich zeige euch, wie das geht.“ Und schon hatte sie die beiden Zwillinge an je einem Arm gefasst und zog sie weiter nach vorn. Aus den Augenwinkeln konnte Lian gerade noch Darios erkennen, der geschockt dabei zusah, wie die ihm anvertrauten Königskinder vor seinen Augen entführt wurden, dann hatte sie auch schon die Menschenmasse verschluckt.
Angst erfüllte sie. Anna mochte noch so harmlos wirken, aber schutzlos wollte Lian auch nicht bei ihr sein. Selbst ihr Bruder neben ihr war still geworden, so vorsichtig, dass sie ihn nur durch sein Äußeres wiedererkannte. Als Lian plötzlich einen dunkel gekleideten Mann neben sich sah, stolperte sie zur Seite, doch als dieser das Tuch um seinen Mund leicht herunterzog, erkannte sie Luno. Erleichtert atmete sie auf. Wenn er in ihrer Nähe war, würde sie sicher sein.
Beruhigt, dass es jemanden gab, der über sie und ihren Bruder wachte, wandte sie sich der Auslage vor ihr zu. Fasziniert betrachtete sie die kunstvoll gewebten Blumenkränze und nahm einen in die Hand, um ihn sich genauer anzusehen. Es waren viele Wildblumen darunter wie zarte Gänseblümchen oder kraftvoller, strahlend roter Mohn, doch ihre Aufmerksamkeit hatte ein kleines Armband aus Butterblumen gefesselt. Sie hatte es um ihr Handgelenk gestreift, bevor sie sich daran hatte hindern können.
„Es sieht wirklich entzückend an dir aus“, rief ein Mädchen, das ein paar Jahre älter war als sie. Sie hatte wirr abstehende, blonde Haare und ein breites Lächeln auf dem Gesicht. „Weißt du was? Weil es dir so gut steht, schenke ich es dir.“
„Aber … aber das kann ich nicht annehmen“, sagte Lian und merkte, wie sie rot wurde. Als Prinzessin war sie es gewohnt, dass Menschen ihr Geschenke machten, doch diese junge Frau hier bestritt damit ihren Lebensunterhalt. Gerade weil sie die Prinzessin war, konnte sie es doch nicht verantworten, dass jemand keine Gegenleistung bekam, während sie Geld genug hatten. „Ich bestehe darauf!“, rief sie und kramte bereits nach den Münzen, die sie sich vorsichtshalber in die Tasche gesteckt hatte.
Anna rümpfte die Nase. „Du hast doch nicht wirklich vor, für etwas so Vergängliches zu zahlen, oder?“
Nach einem kleinen hin und her hielt die junge Frau schlussendlich doch die Bronzemünze in der Hand. „Hey, Chrom, sieh dir das mal an, jemand hat tatsächlich meinen Blumenschmuck gekauft. Das hättest du nicht gedacht, was?“, rief sie und rammte dem jungen Mann neben sich den Ellbogen in die Seite.
Dieser keuchte auf und rieb sich mit einem genervten Blick die verletzte Stelle. „Lissa, das tat weh! Aber gut gemacht, das hilft uns sehr.“
„Wobei denn?“, schaltete sich Shion ein, der einen der Pfeile vor sich inspizierte.
„Wir sammeln Geld für unsere Mission. Wir sind nämlich eine Gruppe von Kämpfern, die sich zum Ziel gesetzt hat, unser Land zu retten. Das ist alles ziemlich kompliziert – manchmal blicke ich da selbst nicht durch – aber so eine Streitmacht kostet natürlich Geld, selbst wenn sie nur so klein wie unsere ist. Deshalb haben wir uns entschieden, hier einen Stand zu eröffnen, und jeder hat etwas dazu beigetragen. Aber ich glaube, ich kenne jemanden, der uns das besser erklären kann. Hey, Chrom, weißt du, wo Frederick steckt?“
„Gleich da drüben“, sprach der Blauhaarige und deutete in eine Ecke des Ladens, wo ein massiger Mann auf einem viel zu klein wirkenden Stuhl saß und Erbsen zählte. Lian fragte sich, ob sie vielleicht in einer Geschichte gelandet waren, während Shion geschockt wegen dieser Verschwendung von Potential war. Vielleicht sollte er das mit dem Ritterdasein in der Armee noch einmal überdenken, wenn dies die harte Wahrheit war.
„Einen Moment“, entschuldigte Lissa sich und eilte zu ihm herüber. „Frederick, hättest du einen Moment, diesen Kindern etwas über den Krieg in unserem Land zu erzählen?“
Der Mann schüttelte den Kopf. „Dafür habe ich keine Zeit, Lissa, du siehst doch, dass ich beschäftigt bin. Ich muss wissen, wie viele Erbsen wir haben, damit ich ausrechnen kann, wie lange unsere Vorräte halten werden. Wenn ich mich damit nicht beeile, weiß ich nicht, wie viel wir einkaufen müssen, und dann macht der Markt zu. Ich kann nicht verantworten, dass wir hungern müssen, weil ich mich nicht ausreichend um unsere Verpflegung gekümmert habe.“
Lissa drehte sich zurück zu den Zwillingen und zuckte hilflos mit den Schultern.
Shion war anzusehen, dass er unbedingt mehr über die Situation herausfinden wollte und ihm schon die ersten Kampfratschläge auf der Zunge lagen, aber er wurde von dem sich bewegenden Vorhang zum hinteren Bereich abgelenkt, der einen Neuankömmling ankündigte.
„Chrom?“, fragte die große Frau mit beeindruckend roten Haaren hinter ihm. Lian konnte einen leicht roten Schimmer auf ihren Wangen erkennen, als sie ihm einen Pfeil präsentierte. Keiner der Zwillinge war im Bogenschießen unterrichtet worden, doch Shion wusste sofort, dass er kunstvoller und mit viel mehr Bedacht gefertigt war, als es sonst der Fall war. So einen Pfeil hatte er noch nie im Köcher der Stadtwache gesehen. „Wie findest du ihn?“
Chrom nahm den Pfeil entgegen und betrachtete ihn.
„Ich hab mir extra viel Mühe damit gegeben. Das Holz ist aus einem Nussbaum. Es mag vielleicht nicht am besten für den Kampf geeignet sein, aber von allen, die ich kenne, hat es die schönste Farbe. Wenn Ihr mögt, könnt Ihr ihn behalten.“
Er hatte die ganze Zeit abwesend genickt und schaute erst jetzt wieder sie statt den Gegenstand in seinen Händen an. „Gut gemacht, Cordelia. Ich wusste, dass ich auf euch alle zählen kann. Leg ihn mal zu den anderen, neben Sumias Kuchen.“ Mit diesen Worten wandte er sich ab und ging in den hinteren Bereich des Standes. Cordelia schaute ihm einen Moment mit offenem Mund nach, unfähig, sich zu bewegen.
„Was sind das für Federn?“, fragte Shion die Frau, die zu einer Statue geworden war. Er musste sie mehrmals an ihre Anwesenheit erinnern, bevor sie sich umdrehte und erklärte: „Das sind Federn meines Pegasus‘. Sie verlieren sie von Natur aus ab und zu. Ich kämpfe zwar mit einem Speer, aber als unser Bogenschütze sie für Pfeile verwenden wollte, war schnell klar, dass sie sich hervorragend dafür eignen würden. Pegasusfedern sind äußerst robust und windschnittig.“
„Wow“, sagte Shion und strich über die Feder. „Ich wünschte, ich hätte auch einen Pegasus. Dann könnte ich überall hinfliegen und die Menschen gegen Banditen oder feindliche Heere verteidigen.“
Cordelia betrachtete ihn lächelnd. „Wir Pegasusreiter sind normalerweise die ersten, die feindliche Truppen oder Untote erspähen. Allerdings müssen wir uns vor solchen Pfeilen in Acht nehmen. Wir sind unerreichbar für die meisten Attacken und kommen gegen Magie gut klar, aber ein gut geschossener Pfeil wie dieser hier kann uns sofort zum Absturz bringen. Irgendwie ironisch, dass ich diese hergestellt habe. Als würde ich mir selbst im Weg stehen.“ Was als eine lebhafte Erzählung begonnen hatte, war zum Ende immer verhaltener geworden, bis Cordelia sich schließlich ganz in ihren Gedanken verloren hatte. „Bitte entschuldigt mich“, sagte sie mit einer kleinen Verbeugung und zog sich zurück.
Lian, die genug Liebesgeschichten gelesen und erzählt bekommen hatte, wusste genau, worum es sich handelte. Es war faszinierend und betrübend zugleich vor einer leibhaftigen Protagonistin ihrer Bücher zu stehen und mit anzusehen, wie sich einseitige Liebe anfühlte.
„Hey, ich habe euch doch schon gesagt, dass ihr das Essen nicht neben den Blumen platzieren sollt. Das überdeckt ihren Geruch.“ Die Zwillinge schauten hoch und sahen einen jungen Mann wild gestikulierend neben ein paar Soldaten stehen. Diese hörten seinen Worten und Erklärungen zu, als hätten sie diese schon zum dritten Mal am Tag gehört.
„Das da ist Robin“, erklärte Lissa mit einem leicht entschuldigenden Blick, als wäre sie es gewohnt, wie befremdlich das Verhalten auf Außenstehende wirken konnte. „Er ist unser Taktiker. Er kennt sich unglaublich gut auf dem Schlachtfeld aus und hat uns schon durch so manche ausweglose Schlacht geführt. Er ist ein netter Kerl und wir haben ihm echt viel zu verdanken. Es ist nur bei manchen Themen etwas …“ Sie stockte und die Drei beobachteten ihn dabei, wie er präzise Schalen voller Obst herumrückte und sie nicht mehr nach Größe, sondern Farbe arrangierte. „Manchmal kann er übertreiben, wenn er etwas zu wichtig nimmt.“
„Es gibt kein Übertreiben, wenn es um das Verkaufen geht. Schau dich doch mal um: Wer sich hier gegen die Konkurrenz durchsetzen will, muss an alles denken. Das ist ja fast noch härter als ein Schlachtfeld!“
„In wie fern?“, fragte Shion und blickte sich prüfend um. Bis auf die Waren war so ein Markt für ihn ein eher langweiliges Unterfangen. Händler boten ihre Waren an und die Kunden kauften das, was sie brauchten. So einfach war das. Mit den Facetten des Schlachtfeldes war das kaum zu vergleichen.
„Zuerst einmal muss man das Interesse des Kunden erreichen. Siehst du die dort drüben?“ Er gestikulierte zu zwei gegenüberliegenden Ständen, an denen sich die Besitzer regelrecht anschrien, um die Aufmerksamkeit der Menschen vor ihnen zu bekommen. „Das wäre eine Taktik, wenn auch nicht die effektivste. Ich zeige euch mal, wie das gemacht wird.“ Er wandte sich zur Seite, wo ein junger Mann neben den Geschwistern stand. „Wie wäre es mit einem Schleifstein für Ihr stattliches Schwert?“
Der Mann schaute erschrocken auf, offensichtlich hatte er nicht damit gerechnet, angesprochen zu werden. Immerhin trug er auch eine Maske über den Augen, also war es wohl nicht in seinem Interesse, zu viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. „Ich ähm, nun ja, ich schaue mich nur um und … beobachte. Die Waren dort.“ Trotz seines nervösen Auftretens wirkte er wie ein stattlicher Krieger, wenn man nach seiner dunkelblauen, teuer aussehenden Kleidung ging. Shion schaute sich das Schwert an, das Robin angesprochen hatte. Er hatte noch nie etwas Vergleichbares in der Armee hierzulande gesehen, und doch kam es ihm bekannt vor, als wäre es ihm vor kurzem untergekommen. Vielleicht hatte er es bei einem der Händler entdeckt.
Robin verzog das Gesicht. „Das ist aber sehr schade. Sind Sie sicher, dass ich Sie nicht für unsere Sachen begeistern kann?“
Er schüttelte den Kopf. „Ich habe kein Interesse an Ihrer Sache. Ich meine, Ihren Sachen. Verzeihen Sie, ich muss gehen.“ Verwirrt schauten die Zwillinge ihm nach.
„Bestimmt eine Ritter“, murmelte Shion.
Lian schüttelte den Kopf. „Eher ein Lord.“
Beim Weggehen fuhr der Fremde sich über das Gesicht und hängte etwas Schwarzes, das vermutlich seine Maske war, an seinen Gürtel. Dann ließ er seine Hände durch die Haare gleiten und einen Moment später flossen die dunkelblauen Haare seinen Rücken herunter. Das war bei Weitem der merkwürdigste Mensch, den die beiden je gesehen hatten. Sie verspürten den Wunsch, ihm – oder ihr? – nachzulaufen, aber wurden von Robin aus ihren Gedanken gerissen.
Dieser seufzte, bevor er sich räusperte und fortfuhr: „Dann muss man dafür sorgen, dass sie bleiben, was unsere Chance ist, sie von unseren Waren zu überzeugen. Und wenn man in alldem erfolgreich war, kommt der heikle Teil: Die Abwicklung des Kaufes und die Verhandlung über den Preis.“
Den Zwillingen rauchte der Kopf. Sie hatten nicht erwartet, eine Lektion in Sachen Wirtschaft zu erhalten.
„Der für eure Süßigkeiten ist viel zu hoch. Mal im Ernst, keine Eltern würden einem Kind so etwas kaufen“, bemerkte Anna.
Robin lächelte nur wissend. „Meine Dame, dies sind keine normalen Süßigkeiten. Sie wurden von einem Mann hergestellt, der in Festungen eindringen würde, nur um diese erlesenen Köstlichkeiten naschen zu können. Seine Zunge ist wohlmöglich die erlesenste der Welt. Lissa, warum zeigst du ihnen nicht, was ich damit meine?“
„Bin schon dabei“, rief das Mädchen fröhlich und ließ ein Bonbon in jede ausgestreckte Hand fallen. Anna beäugte es misstrauisch, als könnte sie nur mit ihrem Blick seine Zusammensetzung erahnen. Shion und Lian waren weniger zurückhaltend und kaum dass die Süßigkeit ihre Haut berührt hatte, hatten sie es schon in den Mund gesteckt.
Das ganze Leben im Palast hatte die Zwillinge nicht auf dieses Erlebnis vorbereitet. Kaum hatte die Süßigkeit ihre Zunge berührt, kribbelte es in ihrem gesamten Mund, als hätten sich alle Geschmacksknospen auf einmal aktiviert. Lians Stück war süß wie Eiscreme und sie konnte gar nicht aufhören, darauf herum zu kauen, um noch mehr davon zu schmecken. Shion hingegen hatte eine saure Variante, die ihn dazu brachte, das Gesicht zu verzerren, worüber er sich köstlich amüsierte.
Anna, die die beiden wie Versuchstiere betrachtete, lächelte, als sich ein Plan in ihrem Kopf formte. Sie ließ das Bonbon unauffällig in ihre Tasche gleiten. Wäre doch gelacht, wenn sich nicht irgendein Alchemist finden würde, der dieses Produkt analysieren und rekonstruieren konnte, damit sie es herstellen und weiterverkaufen konnte.
„Mehr davon!“, riefen die Zwillinge und hielten Robin ihr gesamtes Taschengeld hin.
Dieser warf Lissa einen wissenden Blick zu. „Siehst, du, so macht man Geschäfte.“ Er griff nach den Münzen, gerade als die Kinderhände sich von ihm wegbewegten.
„Na na, ihr werdet Ärger von euren Eltern bekommen, wenn ihr alles für Süßigkeiten aufgebt – ganz zu schweigen von dem, was Lottie zu euch sagen wird, wenn ihr beim Abendessen keinen Hunger mehr haben werdet“, belehrte Darios sie, als er je ein Kind mit seinen muskulösen Armen hochhob. Egal wie sehr sie mit ihrem Strampeln protestierten, sie konnten nichts dagegen tun, als der Stand in weite Ferne rückte.

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Ich könnte mir gut vorstellen, dass Frederick es tatsächlich wichtig finden würde, zu wissen, wie viele Erbsen im Vorat sind. Das mit der Geschichte ist nicht nur Metahumor, sondern auch eine Anspielung an Cinderella/Aschenputtel.
Und was den mysteriösen Mann angeht: Ja, es ist die verkleidete Lucina, die sich ja erst nicht der Gruppe anschließt und deswegen auch kein Interesse an ihren Sachen - ähm, ihrer Sache hat.
Außedem findet sich in dem Text auch eine Anspielung an Fullmetal Alchemist.
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