Leseprobe: #noFilter

LeseprobeRomanze / P18 Slash
11.11.2017
17.11.2017
4
16848
16
Alle
24 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
 
Das ist die Leseprobe (vier Kapitel) zu meinem neuen Roman „#noFilter. Die Genehmigung der Admins zum Posten liegt vor.

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Hallo zusammen!

Pünktlich zur Buch Berlin am 25.11.2017 erscheint „#noFilter im Cursed Verlag. Hier die weiteren Details dazu:

Titel: #noFilter

Genre: Gay Romance; Alltag

Veröffentlichung E-Book: 25.11.2017; Preis: 7,49€

Veröffentlichung Print: 25.11.2017; Preis: 10,95€

Format: 388 Seiten; Softcover; E-Book (alle Formate)

ISBN-13: 978-3-95823-113-9

Der Roman kann z.B. direkt im Cursed Shop oder bei Amazon erworben werden.

So, und nachdem das nun abgehakt ist: Ich weiß, das schreibe ich jedes Mal, aber es ist immer wieder nervenaufreibend, wenn ein Buchbaby das Licht der Welt erblickt. Die Buch Berlin scheint noch ewig weit weg zu sein und ich gehe jetzt schon auf dem Zahnfleisch. Ich hoffe sehr, dass die Leseprobe euch ein wenig neugierig auf mehr macht und euch Luis und David genauso ans Herz wachsen wie mir.

Über Rückmeldungen freue ich mich wie immer sehr!

*


1. Kapitel


Ryans Arsch war perfekt. Der Schwung, die Form, die Beschaffenheit. Straffe Haut, die sich über wohlproportionierte Rundungen spannte. Natürlich kein einziges Haar weit und breit, egal, wie nah David an diesen vollkommenen Körperteil heranzoomte. Das warme Licht verlieh ihm einen goldenen Schimmer. Jedes Mal, wenn Ryan sich bewegte, tanzten winzige Schatten über die glatte Fläche.

»Drück den Hintern mehr raus. Höher.«

Ryan seufzte so sinnlich, dass es in Davids Nacken kribbelte. »Dein Wunsch ist mir Befehl.«

Er bog den Rücken durch. David leckte sich über die Lippen. Verdammt. Wie konnte irgendjemand so scheißperfekt aussehen? Das restliche Blut, das sein Gehirn bis eben noch angetrieben hatte, sackte in seine Lenden.

Konzentration. Konzen... Kontraktion. Konvulsion. Kopulation... Moment. David schüttelte den Kopf und rieb sich die Augen. Die Bilder, die durch seinen Kopf geisterten, verschwanden trotzdem nicht. Es wäre so leicht, die Kamera wegzulegen, auf Ryan zuzugehen, ihn zu packen und zu vögeln.

Das Studio war mit sexueller Spannung aufgeladen, seit Ryan durch die Tür marschiert war. Ryan hatte keine Gelegenheit ausgelassen, ihn zu berühren, und seitdem er sich dort auf dem Sofa räkelte, bewegte er sich wie ein verdammter Stripper – der er tatsächlich auch war. Seine Muskeln waren hervorragend trainiert. Wahrscheinlich besaß er sogar welche, von denen David noch nie etwas gehört hatte und die er so gut kontrollieren konnte, dass es Orgasmen unendlich in die Länge –

»David

David erschauerte. Ryan sprach seinen Namen immer englisch aus. David. Wie David Bowie, David Beckham oder David Duchovny. David. Das klang so international, so fantastisch. Zu gerne würde er es Ryan mal keuchen hören. Seufzen, ächzen, stöhnen...

»Drückst du heute noch mal den Auslöser? Die Position ist unbequem.«

David blinzelte durch den Sucher, bis er Ryans belustigten Gesichtsausdruck einfing. »Ich dachte, du wolltest sinnlich und erotisch aussehen. Hör auf zu grinsen.«

»Ich sehe immer sinnlich und erotisch aus, auch wenn ich grinse. Das solltest du wissen.«

David verzog das Gesicht, nahm die Kamera runter und stellte sich aufrecht hin. Ohne den Filter der Kamera sah Ryan noch attraktiver aus. Lange, sehnige Gliedmaßen, unter denen sich trainierte Muskeln abzeichneten, durch und durch der Körper eines Tänzers. Schmale Hüften, sexy braune Locken und die katzenhaftesten grünen Augen, die David je gesehen hatte.

Und was das Beste war: keine Tattoos, keine Piercings, keine Narben. So genau hatte er natürlich noch nicht nachgesehen, aber selbst mit dem Zoom hatte er bisher nicht mal eine Windpockennarbe ausgemacht – der Inbegriff von Vollkommenheit. Dazu Ryans ansprechender englischer Akzent, sein perfektes Körpergefühl und David war verdammt noch mal verloren.

»Wenn du immer so aussiehst, solltest du deinem Freund vielleicht etwas schenken, auf dem du anders aussiehst.«

Ryan schnaubte und richtete sich auf. Davids Blick glitt an seiner makellosen Brust hinunter über seinen Waschbrettbauch und tiefer bis zu seinem Unterleib. Davids Schwanz zuckte. Ryan war halb steif. »Soll ich mich vielleicht verkleiden?« Träge zog er einen Finger über seine Brust. »Und das alles hier verstecken?«

David zwang sich, seinen Blick von Ryans Finger loszureißen, der jetzt über seine Brustwarze strich. Hitze ballte sich in seinem Unterleib zusammen. Keine Ahnung, wie er es schaffte, Worte zu formen. »Dein Freund weiß sicher, wie du nackt aussiehst.«

»Trotzdem sind Aktfotos noch mal was anderes.«

Scheiße, als wüsste David das nicht. Das lebende Beispiel hockte splitterfasernackt vor ihm. Nur gucken, nicht anfassen. Er hatte keine Ahnung, wie er die Fotos ohne Dauerständer nachbearbeiten sollte. Ryan hatte das Kalenderpaket gebucht. Zwölf sinnliche Posen, ein ganzes Jahr voll Sex. Normalerweise eins seiner liebsten Shootings, weil es seine Kreativität und sein Können forderte.

Nur mit Ryan war es Folter und Vergnügen zugleich.

»David. Du starrst schon wieder.«

»Und wessen Schuld ist das?« Mürrisch deutete er aufs Sofa. »Leg dich wieder hin.«

»Legst du dich zu mir?«

»Wenn du mir garantierst, dass mich Benno nicht zu Kleinholz verarbeitet, vielleicht.«

Ryan lachte. Der Laut perlte wie Champagner über Davids Wirbelsäule und ließ es in seiner Hose schmerzhaft eng werden – was Ryan nicht entging. »Du hast Angst vor Benno«, sagte er in einem so rauchigen Tonfall, in dem man höchstens Fick mich bis zur Bewusstlosigkeit sagen sollte.

David knirschte mit den Zähnen. »Leg dich wieder hin, ich habe um zwei den nächsten Termin.« Langweilige Bewerbungsbilder. Bis dahin musste er wieder runterkommen. Buchstäblich.

»Es ist noch nicht mal zwölf.«

»Wenn du weiter so viel quasselst, schaffen wir es trotzdem nicht. Wir haben erst vier Monate.«

»Egal. Dann machen wir einen zweiten Termin aus. Ich weiß ja, wie perfektionistisch du bei deinen Bildern bist, und ich will für Benno gut aussehen.«

Kannst du auch schlecht aussehen?

»Vielleicht verabreden wir uns nächstes Mal abends, nach Feierabend.« Ryan senkte die Lider und sah ihn unter seinen Wimpern hervor an. »Das bringt uns für die Aktfotos besser in Stimmung oder was meinst du?«

Oh, verdammt. Warum zum Teufel musste Ryan ausgerechnet mit einem Bär von einem Mann zusammen sein? Normalerweise zögerte David nicht, wenn er derart angebaggert wurde, aber Benno war nicht nur verdammt riesig und muskelbepackt, er hatte David auch schon schräg beäugt, als sich das ungleiche Paar vor ein paar Monaten zum ersten Mal in sein Studio verirrt hatte. Pärchenfotos – auf denen Benno immer gleich aussah, während Ryan mit der Kamera flirtete, als hinge sein Leben davon ab.

Seitdem schien er von den beiden – oder zumindest von Ryan – verfolgt zu werden. Sie begegneten sich in Clubs und Bars, Ryan brauchte neue Fotos für seine Website, Flyer, Wohnung, jetzt dieses Aktshooting... Sogar ihre Freundeskreise vermischten sich schon. In dieser Hinsicht war München das reinste Dorf.

Irgendwann würde David durchdrehen. Oder Ryan einfach flachlegen und sich anschließend von Benno die Knochen brechen lassen.

»Korrigier mich, aber ihr lebt doch in einer monogamen Beziehung, oder nicht?«

Ryan feixte ihn an. »Seit wann ist das für dich ein Hindernis?«

Seitdem der Bizeps meines potentiellen Konkurrenten den Umfang einer Regentonne hat. »Frag mich noch mal, wenn du wieder Single bist.«

Ryans Katzenaugen leuchteten auf. »Versprochen?«

Bevor David antworten konnte, unterbrach ihn die Türglocke, ein altmodisches Teil, ein Überbleibsel aus der Zeit, als sein ehemaliger Chef den Laden noch geführt hatte.

»Mahlzeit!«, rief Nathalie fröhlich durch den Laden. »Lieferservice ist da!«

»Ich bin hinten«, antwortete David und legte die Kamera weg. »Komme.«

Ryan hatte sich keinen Millimeter gerührt oder nach einer Decke oder seinen Klamotten gegriffen, um sich zu bedecken – natürlich nicht, Schamgefühl wäre in seinem Job kontraproduktiv. Außerdem war offensichtlich, dass er stolz auf seinen Körper war, ihn gerne zeigte und in Szene setzte. Andernfalls hätte er sich für einen Beruf entschieden, bei dem man mehr Klamotten trug.

»Bin gleich wieder da«, sagte David, als er bereits auf dem Weg in den vorderen Teil des Ladens war.

Ryan zuckte die Schultern. »Lass sie ruhig herkommen. Stört mich nicht. – Hey, Honey!«, rief er laut, um sich bemerkbar zu machen.

Schritte näherten sich dem Fotobereich. Ein kräftiger Geruch nach Hackfleisch und exotischen Gewürzen breitete sich im Studio aus. Peinlicherweise knurrte Davids Magen und erinnerte ihn daran, dass er seit heute Morgen acht Uhr im Laden stand. Ein früher Termin, biometrische Passbilder. Der Gipfel der Einfallslosigkeit.

»Hey, ich will nicht – oh mein Gott.« Kaum hatte Nathalie den Vorhang beiseitegeschoben, der als Sichtschutz zum vorderen Bereich diente, wandte sie sich mit einer erhobenen Hand als Scheuklappe ab. In der anderen hielt sie einen Styroporbehälter, der diesen leckeren Geruch verströmte. »Entschuldigt, sorry, ich wollte nicht stören. Ich dachte nur...« Sie linste noch einmal zu Ryan, und als der sie nur breit angrinste, sagte sie: »Du weißt, dass du nichts anhast, oder?«

»Ja.«

Sie wandte sich an David. »Warum hat er nichts an?«

Bei ihrem strengen Unterton verdrehte David die Augen. »Weil wir Aktfotos machen.« Er deutete an sich hinunter, falls ihr entgangen war, dass er vollständig bekleidet war.

»Ach.« Sie wandte sich wieder an Ryan, diesmal alles andere als scheu. »Wie praktisch.«

»Für Benno.«

»Da wird er sich bestimmt freuen.« Ihre Stimme triefte vor Sarkasmus. Sie wedelte mit dem Behälter. »Zeigst du mir schnell, wo ich den abstellen kann, David? Ich muss gleich wieder rüber.« Ehe er protestieren konnte – sie wusste genau, wo sich die winzige Küchennische befand –, hatte sie ihn am Arm gepackt und zog ihn mit sanfter Gewalt zum Vorhang. »Er ist gleich wieder da, Ryan. Frier dir in der Zwischenzeit nichts ab.«

»Ich mach mir einfach warme Gedanken. Bye, Nathalie

Auch ihren Namen sprach er in der englischen Variante aus. David konnte nichts dagegen tun, irgendwie fand er das sexy. Er warf Ryan einen entschuldigenden Blick zu, der jedoch nur die Schultern zuckte und zum Zeitvertreib nach seinem Handy griff.

Nathalie zerrte ihn einmal quer durch den Laden zur anderen Seite, wo sich die winzige, fensterlose Küchennische befand. Auf dem Weg dorthin klingelte das Geschäftstelefon am Empfangs- und Verkaufstresen. Trotz seiner Homepage, auf der man unter anderem online Termine ausmachen konnte, bevorzugten manche Kunden nach wie vor den persönlichen Kontakt via Telefon – wenn er allein im Studio war, eher problematisch. Er konnte nicht gleichzeitig telefonieren und fotografieren und Elena, seine Aushilfe, war meistens nur bei Außenaufnahmen dabei, für die er sie extra anfordern musste. Bei normalen Studioaufnahmen ohne außergewöhnlichen Schnickschnack kam er gut allein zurecht – und konnte sich damit das Geld für eine Assistenz sparen.

Auch jetzt ließ er den Anrufer auf dem Anrufbeantworter landen, um ihn später zurückzurufen, da Nathalie gerade die Küchennische erreicht hatte. Auf höchst effiziente Weise drängten sich hier eine schmale Anrichte mit Spülbecken und zwei Kochplatten, Kaffeemaschine, Kühlschrank, Mikrowelle, Schränke und Schubladen. Mit zwei Personen war es hier so eng, dass David einen unangenehmen Druck auf der Brust spürte. Zum Glück gab es keine Tür oder etwas anderes, das die Öffnung zur Nische hätte blockieren können.

»Du weißt doch, wo die Küche ist.« David verrenkte sich etwas, um den Kühlschrank zu öffnen. »Stell's einfach hier rein, ich mach's mir später warm. Was gibt's heute?«

Seit zwei Jahren betrieb Nathalie gegenüber die Suppenkönigin im Sandwichparadies. Hausgemachte Suppen und Eintöpfe sowie diverse Sandwichs und Wraps, alles zum Mitnehmen oder direkten Verzehr, wobei die Sitzgelegenheiten spärlich waren und eher an einen Imbiss erinnerten. Wenn er zur Mittagszeit jedoch aus dem Fenster sah, waren die Thekenplätze am Schaufenster immer besetzt. Von dort konnte man auf die Straße gucken und Leute beobachten oder sein Fotostudio betrachten.

»Orientalischer Hackfleischeintopf. Keine Sorge, ich hab dir extra eine Portion ohne Koriander abgeschöpft.« Sie stellte den Behälter in den Kühlschrank, knallte die Tür zu und schlug ihm gegen die Schulter.

»Aua!«

»Was zum Teufel soll das, David?«

»Was zum Teufel soll was?«

Sie gestikulierte so wild zum Fotobereich, dass ihr platinblonde Strähnen ihres kinnlangen Bobs ins Gesicht fielen. Wenn man Nathalie auf der Straße begegnete, käme man nie auf den Gedanken, dass sie konservative Eintöpfe und Suppen zusammenrührte. Rein äußerlich hätte sie eher in eine angesagte Szenebar gepasst, vielleicht auch in ein Piercing- und Tattoostudio. In ihrer linken Ohrmuschel steckten mehr Ringe, als David zählen konnte, und wenn sie sich so wie jetzt aufregte, blitzte ihr Zungenpiercing hervor. An ihrem ausrasierten Nacken flogen winzige, schwarze Vögel empor, die irgendwo an ihrer Wirbelsäule aufstiegen.

Als David ihr zum ersten Mal gegenübergestanden hatte, wäre ihm bei dieser Masse an – freiwilligen! – Verunstaltungen beinahe die Kinnlade heruntergeklappt. Zum Glück hatten diese Entstellungen keine Auswirkungen auf ihre Kochkünste.

»Das ist ein ganz normaler Auftrag. Er will Benno einen Kalender schenken.«

»Na klar will er das. Und vorher will er sich stundenlang vor deiner Kameralinse räkeln, bis du schwach wirst. Dieser Kerl ist unglaublich.« Ihre Augen wurden schmal. »Und du auch. Als hättest du nicht genug andere Gelegenheiten.«

»Eben.« Betont gleichgültig zuckte er mit den Schultern. »Warum soll ich mir Ärger mit Benno einhandeln, wenn ich viel leichter und ungefährlicher an Sex kommen kann?«

»Weil du Ryan auf ein Podest stellst, seit du ihn das erste Mal gesehen hast. Und ungefähr genauso lange willst du ihn ficken.«

»Das heißt aber nicht, dass ich mich nicht unter Kontrolle habe und mich bei der ersten Gelegenheit auf ihn stürze.«

Nathalie verschränkte die Arme vor der Brust. »Trotzdem hätte er seine Nacktfotos auch in einem anderen Studio machen lassen können. Er weiß, wie scharf du auf ihn bist.«

»Ich bin aber nun mal der Beste.« Zumindest unter den Münchner Fotografen mit eigenem Studio und Publikumsverkehr.

Sie öffnete den Mund, als wollte sie etwas darauf erwidern, überlegte es sich jedoch anders. Weise Entscheidung. David hatte schon genug mit irgendwelchen Möchtegernfotografen zu tun, die glaubten, dass man für ein gutes Foto nur den Auslöser drücken und anschließend bei der Bildbearbeitung einen hübschen Filter drüberlegen musste.

»Das weiß ich«, sagte Nathalie sanft und strich über seinen Arm. »Seit du die Fotos für meine Website gemacht hast, rennen mir die Leute die Bude ein.« Spielerisch stieß sie ihm den Ellbogen in die Seite. »Du hast es sogar geschafft, mich gut aussehen zu lassen, trotz Piercings und Tattoos.« Sie streckte ihm die Zunge raus. Das Piercing blitzte im Schein der schwachen Deckenlampe auf.

David schnaubte, obwohl ihn das Lob freute. Es hatte einige Zeit gedauert, bis er mit Nathalies Fotos zufrieden gewesen war und ihre trendigen Verschönerungen nicht wie Dreck auf der Linse aussahen – oder als wäre der Fotograf ein Stümper. »Die Leute rennen dir die Bude ein, weil du gut kochst.«

»Oh, danke schön.«

»Es musste sie nur jemand mit der Nase drauf stoßen«, fuhr David fort, »und das geht am besten mit appetitanregenden Fotos.« Außerdem hatte ihm das Shooting als Abwechslung zum Alltag Spaß gemacht, obwohl es nur endlich viele Möglichkeiten gab, wie man einen Eintopf fotografieren konnte. Wahrscheinlich hatte er alle nur erdenklichen Einstellungen an diesem einen Nachmittag – der sich bis in den späten Abend erstreckt hatte – gefunden.

»Apropos appetitanregende Fotos...« Sie sah an David vorbei Richtung Fotoecke.

»Nicht schon wieder. Wie oft denn noch? Es ist ein ganz normaler –«

»Darum geht's gar nicht. Ich hab mich nur gefragt, ob er uns noch ein paar Minuten schenkt oder dich gleich nackt suchen kommt. Wäre für meine Gäste eine nette Gratisshow.«

»Hast du nicht gesagt, dass du schnell wieder rüber musst?«

Nathalie winkte ab. »Der große Ansturm kommt erst kurz nach zwölf, wenn die umliegenden Büros in die Mittagspause gehen. Bis dahin kommt Minos auch ohne mich zurecht. Aber ich habe eventuell gute Neuigkeiten für dich. Vorausgesetzt, du willst noch mal Essen fotografieren. Diesmal natürlich mit Bezahlung.«

David runzelte die Stirn. Er hatte Nathalie mit den Fotos für ihre Website einen Gefallen getan. Natürlich hätte er dafür Geld nehmen können, aber ihm hatten die fotografierten Suppen und Eintöpfe gereicht. Außerdem war das nicht sein Fachgebiet. Dafür gab es Lebensmittel- und Foodfotografen – eine Richtung, in die er ganz sicher nicht wollte.

»Wieso?«, fragte er daher vorsichtig.

»Ich kenne den Betreiber mehrerer Restaurants und Cafés in München. Martin Weishaupt?«

Er schüttelte den Kopf. »Sagt mir nichts.«

Sie zählte einige Lokalitäten auf, die ihm schon eher bekannt waren, aber ihm gefiel trotzdem nicht, worauf das hinauslief. Es war nett, dass sie sich die Mühe gemacht hatte, aber... Lebensmittel...? Er wollte Geschichten erzählen, etwas ausdrücken, etwas einfangen, begeistern, faszinieren... Das würde ihm kaum mit einer Tomatensuppe mit einem Klecks Crème fraîche und Basilikum-Deko gelingen.

»Ihm sind deine Fotos auf meiner Website aufgefallen und als ich ihn letztens getroffen und ihm erzählt habe, wie viele Neukunden mir das eingebracht hat, hat er sich nach dir erkundigt. Warte. Ich hab extra seine Karte eingesteckt.« Sie kramte in sämtlichen Taschen ihrer kunstvoll zerfetzten Jeans herum.

»Nathalie...«

»Ah, hier!« Sie streckte ihm eine Visitenkarte entgegen. »Ob da was zustande kommt, liegt natürlich an dir. Aber kann ja nicht schaden, mal zu hören, was er sich so vorstellt, oder? Vielleicht ergeben sich daraus Folgeaufträge.«

Ihm fielen aus seiner Berufsschulzeit auf Anhieb zwei, drei Kollegen ein, die sich nach so einer Chance die Finger lecken würden – er leider nicht. Seine Stärke waren Menschen.

»Hey, guys. Seid ihr bald fertig da hinten?«, rief Ryan durchs Studio. David trat einen Schritt zurück und schaute am Empfangs- und Verkaufstresen vorbei zur Fotoecke. Ryan hatte sich den Vorhang wie eine Toga um den nackten Körper geschlungen und ein Bein aufgestellt. Er sah aus wie ein verdammter griechischer Gott. »Langsam wird's hier hinten doch etwas einsam.«

»Komme.« David schnappte sich die Visitenkarte von Nathalie, froh, eine Ausrede zu haben, das Ganze schnell abzuwiegeln, ohne ihr auf die Füße zu treten. »Danke. Ich überleg's mir.«