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Ferien im Labyrinth

von rumo3371
GeschichteFantasy, Sci-Fi / P16
OC (Own Character)
09.11.2017
15.03.2020
39
58.007
3
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30 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
09.11.2017 1.374
 
Moin Moin,
Ein neues großes Projekt von mir. ^^ Verschiedene Geschichten, Bücher, Serien und FFs haben mich inspiriert und am Ende kam das hier raus. Ich bin gespannt, was ihr davon haltet und würde mich sehr über Rückmeldung freuen. Für weitere Anregungen bin ich (noch) offen. ;-)
Viel Spaß. ^^"

Einen schönen Tag wünsche ich euch.
LG Rumo

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Müde stieg ich aus dem Bus. Es war gefühlt sehr früh morgens, in Wirklichkeit allerdings schon 8:30 Uhr. Bei manchen, die ich kannte, war das zwar früh, aber ich war es noch von der Schule gewohnt, um fünf Uhr morgens aufzustehen. Vor einer Woche hatte ich mein Abitur bekommen mit einem Schnitt von 1,3, viel besser, als ich es mir erhofft hatte. Ein paar meiner Freunde und ich wollten eine Abifahrt der ganz besonderen Art machen. Aber dazu später mehr.
Mir blieb noch eine Stunde, bis die Bahn abfahren würde. Eigentlich hatte mein Bus einen direkten Anschluss an die Bahn. Die Betonung lag allerdings auf "eigentlich", denn die kleinste Verspätung genügte, um einen diese verpassen zu lassen.
Ich seufzte leise. Dichter Nebel zog über die Straßen und gaben dem Ganzen ein gespenstisches Aussehen. Ich hatte das zwar schon mehrmals erlebt, dem jedoch nie besondere Beachtung geschenkt. Dann lief ich los in die Stadt, um mir noch beim Bäcker etwas zu essen zu besorgen, ebenfalls eine alte Angewohnheit von mir. Wir sind oft von der Schule aus nach Berlin gefahren, und auch erst um halb zehn, damit das Berlin-Brandenburg-Ticket genutzt werden konnte. So wie wir das heute auch vorhatten.

Ich ging an verschiedenen Baustellen vorbei, die man überall ungerne sieht. In den letzten Jahren wurden in Neuruppin, der Stadt, in der ich zur Schule gegangen war, sieben Kreisverkehre gebaut, vergrößert und verkleinert. Ich würde es zum Teil stressiger als Berlin bezeichnen, zwischenzeitlich hatte man Glück, mit weniger als einer Stunde Verspätung am Zielort anzukommen. Aktuell waren aber alle Straßen frei und ich gelangte auch als Fußgänger gut durch die Stadt.
Wieder zurück am Bahnhof war eine halbe Stunde vergangen. Ich kaufte das besagte Ticket und setzte mich gähnend auf eine Bank und wartete auf die anderen.

"Hey", sagte eine Stimme und rüttelte an meiner Schulter. Ich schlug die Augen auf und sah hoch.
"Tagchen", antwortete ich. Fred ließ sich neben mir auf die Bank fallen und stellte seinen Reiserucksack neben sich ab.
"Schön geschlafen?", fragte er. Ich grinste und warf einen Blick auf die Uhr.
"Die zehn Minuten?", fragte ich. "Nee. Ich fühle mich jetzt ziemlich steif."
"Mhm", bekam ich als Antwort. Fred sah die Straße hinunter. "Hast du schon ein Ticket?" Ich nickte. "Na dann brauchen wir ja nicht mehr hin."
"Guck mal", sagte ich. "Ist das Sonja dahinten?" Fred runzelte die Stirn.
"Glaube schon", sagte er und strich sich seine Haare zur Seite. "Ja, das ist sie", sagte er kurz darauf.
"Mittlerweile sehe ich das auch, danke für die Info", sagte ich sarkastisch. Sonja kam zu uns, ließ ihren Rucksack auf der anderen Seite von mir fallen und setzte sich auch.
"Na?", fragte sie. "Freut ihr euch schon?" Ich lächelte und Fred kommentierte die Frage mit einem "Worauf denn?".
"Auf das Labyrinth!", sagte sie aufgeregt. "Ich habe schon immer mal geträumt, Teil einer Geschichte zu sein, und jetzt tauchen wir in die Welt von Maze Runner ein!"
"Und wem hast du das zu verdanken?", fragte ich. Sie kniff mich in die Seite.
"Ja, ich weiß, dass du das gefunden und gebucht hast. Das weißt du ganz genau!" Ich lachte.
"Ob es da auch Griewer gibt?", fragte Fred, mittlerweile durch die Aufregung Sonjas angesteckt. Ich winkte ab.
"Sicherlich", sagte ich. "Aber es wird nicht so atemberaubend, als wenn das ganze Wirklichkeit wäre. Die können dann nur wenig machen, stell dir mal vor, was das für ein schlechtes Bild auf ANGST werfen würde, wenn einer der Gäste verletzt oder gar getötet wird."
"Du brauchst unbedingt den Nervenkitzel, ja?", fragte sie mich und fuhr fort, bevor ich antworten konnte. "Werden unsere Erinnerungen eigentlich auch gelöscht?", fragte sie.
"Nein", antwortete ich. "Ich habe nachgefragt, die haben noch nicht die Mittel dafür. Und ich glaube, dann wäre es richtig unheimlich. Dann könnten wir die Zeit auch gar nicht genießen. Die wollen doch schließlich, dass man wiederkommt."
"Stimmt", sagte Sonja mit einem Hauch Enttäuschung in der Stimme. Dann wechselte sie das Thema. "Was meinst du, wer kommt als Letztes?"
"Ist das nicht relativ offensichtlich?", fragte ich und antwortete gleich selbst. "Lucas." Fred legte den Kopf schief.
"Wie kommst du denn darauf?", fragte er mit einem unüberhörbaren ironischen Tonfall. Da mussten wir alle lachen.
"Was ist denn so lustig?", fragte eine Stimme hinter uns. Wie Roboter drehten wir uns alle gleichzeitig um.
"Hanna!", sagte ich. "Was für eine Überraschung!" Die anderen Beiden kamen aus dem Lachen nicht mehr heraus.
"Ist Lucas noch gar nicht da?", fragte sie.
"Du kennst ihn doch", sagte Fred, nachdem er sich von seinem Lachkrampf erholt hatte. "Der kommt sicher zwei Minuten nach der offiziellen Abfahrtszeit." Hanna runzelte die Stirn.
"Ehrlich? Ich war noch nicht oft mit ihm unterwegs", sagte sie.
"Ja", sagte ich. "Lass uns schon mal zum Gleis gehen, der Zug sollte in zwei Minuten kommen."
"Was wiederum heißt, dass Lucas in vier Minuten da sein wird", ergänzte Fred.
"Und wann ist der Zug da?", fragte Hanna. Sie lebte noch nicht so lange in der Umgebung und kannte sich mit so etwas Unwichtigem wie Zugfahrpläne nicht aus.
"Fünf Minuten vielleicht", sagte Sonja. Sie war diejenige von uns, die am häufigsten nach Berlin fuhr. Zum Shoppen natürlich.
Wir begaben uns auf den Weg zum Gleis, was nicht lange dauerte. Auf dem Bahnhof gab es schließlich nur zwei.

Als wir dort ankamen, wurde ebenfalls eine Durchsage durchgegeben, dass der Zug fünf Minuten Verspätung hätte.
"Solange wir unseren Flug noch bekommen, ist alles in Ordnung", meinte Hanna. "Hast du die Tickets?"
"Tickets?", fragte ich. "Welche Tickets? Ich dachte, die bringt einer von euch mit." Fred musste sich ein Grinsen verkneifen, ich sah es auch nur, weil ich darauf achtete.
"Du hast keine Tickets? Weder für den Zug noch für den Flieger?", fragte sie entgeistert.
"Jetzt hör auf, Hanna zu verarschen", sagte Lucas, der hinter mich getreten war. Hanna sah zwischen uns hin und her, bis sie schließlich doch noch verstand. Unterdessen sah ich auf die Uhr.
"Du bist ja nur eine Minute zu spät!", rief ich erstaunt. "Neuer Rekord!"
"Na nun tu mal nicht so. Heute wollte ich den Zug wirklich nicht verpassen. Dabei kommt er heute auch wieder später als ich."
"Glück gehabt", sagte ich nur. Eine Weile standen wir so schweigend da, bis kurz darauf der Zug einfuhr.
"So", sagte ich. "Hier ist die letzte Möglichkeit aus unserem Vorhaben auszusteigen. Wem kurzfristig klar geworden ist, dass ihm das zu aufregend, gruselig oder auch langweilig ist, kann hier noch austreten."
"Du klingst, als wenn wir in die Hölle reisen würden", sagte Fred.
"Wer weiß", sagte ich mit hochgezogener Augenbraue. "Du weißt auch nicht viel mehr als ich darüber, was passieren wird."
"Touché", antwortete er.

Natürlich stieg keiner aus. Wir hatten uns schließlich schon seit langer Zeit darauf gefreut und es sehnsüchtig erwartet. Später würden wir überlegen, ob es nicht besser gewesen wäre, nicht in den Zug zu steigen. Was ansonsten aus uns geworden wäre, aber wir waren viel zu kurzsichtig und naiv, schlichtweg zu jung, um uns über negative Dinge Gedanken zu machen. Viel mehr blickten wir freudig unserer bisher schlimmsten Zeit im Leben entgegen, ohne zu wissen, was kommt; ob wir nun bergauf klettern oder eine Schlucht hinunter stürzen.
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