Du bist ein Zauberer ... Dudley

GeschichteAllgemein / P16
Draco Malfoy Dudley Dursley Harry Potter Hermine Granger Ronald "Ron" Weasley
08.11.2017
23.05.2020
105
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23.05.2020 4.130
 
105) Von Monstern und Bestien

--- Dudleys POV ---

„Ginny! Ginny, wach auf!“
„Hm, das Schwert kann ich dir leider nicht geben, aber du könntest es mal mit diesem vortrefflichen Giftzahn versuchen.“
„In inniger Verbundenheit vollziehen wir erneut, was dir im Mutterleib schon einmal geschenkt wurde.“
„Oh, das sind Thestrale. Sie sind unsichtbar, solange du niemanden hast sterben sehen.“
„Argh!“ Etwas kaltes landete auf Dudleys Beinen und ließ ihn hochschrecken. Über ihm brannte die Sonne Brasiliens und er konnte von allen Seiten das Gelächter und Quietschen von Kindern im Wasser hören.
Flatsch. Ein weiterer Schwall der kalten, milchigen Masse landete direkt auf seiner Brust, als ein Schatten in sein Gesichtsfeld trat. „Was zur Hölle...?“
„Tante Petunia meint, du müsstest dich eincremen.“, erklärte Harry grinsend und quetschte die minzgrüne Flasche mit der Sonnencreme noch ein wenig mehr aus. „Klein Duddyspatz soll sich doch keinen bösen Sonnenbrand holen.“
Klein! Dudley schnaubte. Er war gut 1,75 m groß und schoss so schnell in die Höhe, dass ihn Nachts neben den Abräumen auch noch regelmäßig Wachstumsschmerzen plagten. Er lugte hinüber zum Sonnensegel, unter dem seine Mutter irgendeinen Kitschroman las. Seit ihrer Rückkher aus Hogwarts war sie wahnsinnig sentimental und schien ständig das Bedürfnis zu haben, ihn aus heiterem Himmel an sich zu drücken. Nun, auch für seine Eltern ein hartes Jahr gewesen. Augen rollend versuchte er die Creme so weit es ging zu verreiben aber natürlich hatte Harry ihm genug für ein halbes Dorf gegeben. Er stand auf und begutachtete seine Haut, an der nun gefühlt der halbe Strand klebte.
„Lass uns ins Wasser gehen.“, erklärte er und machte sich durch die sonnenbadenden Strandbesucher auf Richtung Meer.
„Aber Diddykins, die Creme muss mindestens drei Stunden einziehen.“, flötete Harry neben ihm.
Dudley konnte nicht anders als breit zu grinsen. Die vergangenen beiden Wochen waren so herrlich normal gewesen. Unter großem Hurra hatten sie seinen dreizehnten Geburtstag gefeiert und seine Eltern hatten ihn mit einer geradezu unverschämten Menge Geschenke überhäuft, darunter eine Spezialausrüstung für magische Expeditionen: Seile mit Endlosverlängerung, ein faltbarer Kessel, eine Reihe magischer Heiltränke und eine Art Kompass mit drei Nadeln, dessen Handhabung er noch nicht ganz verstanden hatte. Offenbar konnte man mit Hilfe der Apparatur magische Zentren im Runensteinnetzwerk auffinden – soweit zumindest die Anleitung. Vermutlich würde er Ron nach der Handhabung fragen, wenn sie wieder in England waren – vielleicht hatte Bill ihm ja schon einmal so ein Ding gezeigt.
Ansonsten war (mit Ausnahme dieses „kleinen Zwischenfalls“ am ersten Abend) nicht viel Besonderes seit ihrer Ankunft in Kings Cross passiert. Abgesehen von Briefen mit ihren Freunden hatten sie sich weitgehend von der Zaubererwelt fern gehalten – keine Basilisken fürs Erste! Stattdessen futterten sie sich Tag für Tag durch das All-you-can-eat Buffet des Hotels, lagen am Strand, spielten Volleyball oder plantschten im Meer zwischen anderen vollkommen normalen Familien. Es war fast ein wenig wie damals, bevor sie Tante Magda in einen Hund verwandelt hatten. In einer Zeit, als Sonnenbrand die größte Katastrophe im Hause Dursley gewesen war.
„Diddy the Sandman.“, stimmte Harry nun ausgelassen an. Dudley nahm Anlauf, warf ihn in den Sand und setzte sich auf ihn drauf. Sein Cousin war nicht mehr extrem klein (im Gegensatz zu ihm selbst fiel er nicht sonderlich in einer Gruppe von Gleichaltrigen auf), nur ziemlich schmal, was jede Rangelei sehr einseitig machte.
„Nicht fair!“, ächzte Harry unter ihm.
„Das Leben ist nicht fair, Pottylein.“, ahmte Dudley Peeves schrägen Singsang nach und schaufelte händeweise Sand auf Harry.
Mit einem „umpf“ versuchte Harry sich unter ihm zu befreien und wand und drehte sich. Wie in Zeitlupe sah Dudley seine Hand mit einer kräftigen Ladung Sand auf das feuerrote Mal an Harrys Seite klatschen.
„Arghr!“, schrie Harry auf und presste seine Finger auf die mehr schlecht als recht geschlossene Wunde. Um sie herum verstand Dudley einige Fetzen Portugisisch; Leute, die ihn ermahnten von dem 'armen, kleinen Jungen' abzulassen.
Fluchend rollte Dudley von ihm weg. „Verdammt! Tut mir echt Leid, Harry.“
„Schon gut.“, keuchte der und stütze sich auf allen Vieren vom Boden ab. „Ist ja nichts passiert.“
Schnell gab Dudley ihm eine Hand und zog ihn mit einem Ruck aus dem Sand. Das Mal glänzte in der Sonne wütend rot wie eine frische Brandwunde. Nur am Rand hatte sich eine Ringförmige Schicht silbrigen Narbengewebes gebildet.
„Ins Wasser.“, verkündete Harry immer noch schwer atmend und setzte sich in Bewegung.
Unsicher schielte Dudley zu ihm hinüber. „Es brennt noch immer, oder?“, fragte er leise.
Harry nickte kurz und ein stoischer Blick trat auf sein Gesicht. „Es geht, wenn nicht gerade irgendein Genie Sand hineinreibt.“, murrte er, grinste dann jedoch. Sie waren am Wasser und durchpflügten mit ihren Füßen Sand, Schlich und Muschelschalen. „Wehe, du sagst es Tante Petunia. Oder Sirius.“, fügte Harry noch drohend hinzu, dann sprang er in die Wellen.

Am Abend kehrten sie ins Hotel zurück, wo sein Vater immer noch am Pool schlief – ohne Sonnencreme natürlich. Schnell machten sie aus dem Staub, während seine Mutter herum zeterte. „Morgen wird sie ihm wieder die Waffeln am Buffet hochlegen.“, grinste Harry und öffnete die Tür zu ihrem Zimmer.
Auf dem Fenstersims warteten bereits zwei sehr erschöpft aussehende Eulen.
„Hedwig!“, rief Harry aufgeregt und öffnete das Fenster. Die beiden Vögel flatterten hinein und Dudley meinte, eine der Schuleulen zu erkennen – offenbar war Earl noch nicht zurück. Er nahm den zerknitterten Brief in Empfang und hatte schon eine gute Idee, wer der Absender sein könnte.
„Er ist von Hermine!“, rief Harry aufgeregt zu Hedwig gewandt und entnahm einem prallen Briefumschlag fünf dicht beschriebene Seiten.
Welch große Überraschung, fügte Dudley im Stillen hinzu. Es war nicht so, dass er sich nicht für Harry freute, doch langsam nahm sein Verhalten Züge von Besessenheit an.
„Was schreibt sie?“, erkundigte sich Dudley, halb aus Interesse und halb, damit Harry endlich aufhörte, beim Lesen grinsend hin und her zu wippen.
„Sie sind jetzt in der Gegend um Dijon. Waren in der Kathedrale, haben Senf gegessen. Oh, und ihre Eltern machen ein großes Brimborium und irgendwelche Weine aber natürlich hat sie wenig davon.“
„Tja, wir bekommen auch keine richtigen Cocktails.“, bemerkte Dudley schulterzuckend.
„Auf jeden Fall hat sie ihren Aufsatz für Binns komplett umgeschrieben. Sie hat ein paar Notizen ihrer Recherchen für uns beigefügt. Oh, und sie meint, sie hätte bereits ein Geburtstagsgeschenk für mich!“
„Wie schön.“, gab Dudley pflichtschuldig zurück. Dann überließ er Harry seiner Lektüre (gerade überlegte er fieberhaft, was er wohl seinen Freunden aus dem Urlaub mitbringen sollte) und öffnete den knittrigen Brief.

Lieber Dudley, lieber Harry,
wollte eigentlich warten, bis Hogwarts die Briefe fürs neue Schuljahr verschickt, aber ich konnte die großartigen Neuigkeiten nicht für mich behalten. Seit heute Morgen bin ich Professor!
Ich konnte es erst kaum fassen, doch nachdem Professor Kesselbrand seinen Dienst quittiert hatte, ist Dumbledore direkt runter zu meiner Hütte und hat mir den Job angeboten. Ich bin so unglaublich glücklich. War immer mein Traum zu unterrichten.
Und alles Dank euch! Ohne eure Hilfe hätten Dumbledore und der gute Sirius niemals meinen Namen rein waschen können. Darf sogar wieder einen Zauberstab tragen und alles; hoffe nur, Ollivander wird was für mich im Sortiment haben. Mein alter Herr wäre so stolz auf mich, wenn er mich jetzt sehen könnte. Ah, ich freue mich schon gewaltig auf meine erste Stunde.
Und hier kommt ihr beide ins Spiel (und natürlich auch Ron, Hermine und Neville, wenn sie mitmachen wollen). Seht ihr, die Sache ist: Ich kenne zwar jedes Geschöpf im verbotenen Wald in und auswendig und könnte vermutlich ein Graphorn mit verbundenen Augen enthornen. Allerdings weiß ich nur wenig über das, was ihr Schüler gerne sehen würdet. Die Ministeriumsrichtlinien sind ein Haufen Drachenmist aber ihr kennt ja das ein oder andere schon, vor allem du, Dudley. Und alle wissen, wer im vergangenen Jahr wirklich Lockharts Unterricht gemacht hat. Könnte wirklich ein paar Tips gebrauchen für den Anfang. Könnt ja mal schreiben, wenn ihr ein wenig Zeit findet, oder im September mal in meiner Hütte vorbeischauen.
Hoffe ihr seid alle wohlauf und habt eine tolle Zeit in Brasilien. Bin gespannt, ob ihr schon irgendwas Interessantem begegnet seid. Freue mich schon wahnsinnig darauf, euch alle wiederzusehen.
Alles Liebe,
Hagrid

P.S.: Ich behalte Earl noch eine Weile bei mir. Der Arme war richtig erschöpft von der langen Reise.

Grinsend legte Dudley den Brief auf den Nachttisch und holte „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ aus seinem Koffer. Seine Eltern hatten den gemeinsamen Urlaub eigentlich zur magiefreien Zone erklärt, doch er hatte es nicht über sich gebracht, Scarmanders Buch in Elmsgate zu lassen. Seit sie die Zettel für die Wahl der neuen Fächer im dritten Jahr abgegeben hatten, war er schon gespannt auf Pflege gewesen und mit Hagrid als Lehrer würde der Unterricht bestimmt eine Menge Spaß machen. 'Professor Hagrid'! Daran würde er sich erst noch gewöhnen müssen.
Er konnte sich gut vorstellen, was Hagrid mit Ministeriumsrichtlinien meinte. Vermutlich war für den Anfang vorgehen, dass sie ein halbes Jahr Flubberwürmer beobachteten und das andere halbe Jahr Horklumps; bloß keine Kreaturen mit mehr als einem X im Klassifizierungssystem! Andererseits hatte natürlich auch Hagrid sein sehr eigenes Verständnis von Gefahr; alles unterhalb eines Basiliken ging für ihn noch als gutes Haustier durch, dreiköpfige Hunde und Drachen eingeschlossen.
Mit Schreibblock und Stift bewaffnet begann er, die Erläuterungen zu den zwei-X Kreaturen nach interessanten Wesen zu durchforsten. Augereys zum Beispiel waren vielversprechend. Die geierhaften Vögel stimmten ihren traurigen Gesang an, wann immer es bald regnete. Nun, vielleicht etwas für den Oktober, wenn Hogwarts für gewöhnlich im Morast versank. Feen wären vielleicht  für kurz vor Weihnachten hübsch anzusehen und Gnome vermutlich für das Frühjahr, wenn sie ihren Winterschlaf beendet hatten und überall aus ihren Erdlöchern hervorkamen.
Er hatte schon zwei Seiten mit möglichen Plänen und Vorschlägen gefüllt, als Harry sich über ihn beugte. „Was machst du da?“, fragte er neugierig.
„Roman beendet?“, gab Dudley grinsend zurück und sah zufrieden, wie Harry reflexartig die Seiten hinter seinem Rücken versteckte. „Hagrid hat geschrieben. Das Ministerium hat ihn komplett rehabilitiert und er ist jetzt Professor für Pflege magischer Geschöpfe.“
„Ja, Sirius hatte so etwas bereits erwähnt. Er war wohl persönlich bei Fudge, weil der Hagrids frühere Verurteilung einfach nicht aufheben wollte.“ Harry machte eine kurze Pause, als müsse er die nächsten Worte abwägen. „Nun, Hagrid als Professor wird bestimmt interessant. Ich hoffe nur, er beachtet die Gefahrenklassifikation und setzt uns nicht gleich einen Mantikor oder sowas vor.“
Dudley konnte sich ein Augenrollen nicht verkneifen. „Eigentlich hat er genau deswegen geschrieben. Wollte ein paar Tips haben, was wir uns so an Kreaturen für das erste Jahr vorstellen könnten. Weil wir schon viele Wesen von den Besuchen bei ihn kennen und weil du, nun ja...“
Er stockte. Das Thema Lockhart war für niemanden von ihnen ganz einfach, vor allem nicht für Harry. Es war nicht so, dass sein Cousin sich schuldig fühlte für das, was passiert war – niemand von ihnen hatte den Professor gedrängt sich Myrthes Toilette zu nähern. Trotzdem war der Aufschneider fast ein ganzes Jahr etwas wie ein Mentor für Harry gewesen – so sehr er auch seine Lektionen über Autogrammkarten und Interviews gehasst hatte.
„Weil ich das Gleiche schon letztes Jahr gemacht habe.“, beendete Harry schließlich den Satz und seufzte schwer. „Nun gut, immerhin macht Hagrid sich Gedanken und lässt nicht gleich irgendwelche Monster und Bestien auf uns los.“
Eine einmütige Stille trat zwischen sie. Harry überflog kurz den Brief und Dudley war bereits drauf und dran weiter zu machen, als es an ihre Tür klopfe. „Harry, Dudders, kommt runter zum Abendessen.“
Schnell packten sie die Briefe und Bücher weg und zogen ihre Schuhe an. Sie erzählten beim Essen von ihrem Tag, nun zumindest, nachdem seine Eltern eine recht einseitige Unterhaltung über den angemessenen Schutz vor UV-Strahlung geführt hatten. Natürlich gab es die üblichen besorgten Gesichter, wie eigentlich bei allem, was Hogwarts betraf. Allerdings hatte Hagrid im Sommer dafür gesorgt, dass man ihn nach den Ereignissen in der Kammer ein paar Tage zu seinen Eltern nach Hause gelassen hatte – womit der Wildhüter in ihrer Achtung deutlich gestiegen war.
„Nun, vielleicht seht ihr ja ein paar interessante Dinge auf unserer Fotosafari.“, überlegte sein Vater munter zum letzten Teil in Hagrids Brief.
„Hoffentlich nicht.“, murmelte Harry leise über sein Gemüse hinweg. „Die Boa Constrictor im Bad hat mir schon gereicht.“
Dudley verdrängte ein leichtes Schaudern. Natürlich hatten Harry und er just in dem Hotelzimmer landen müssen, wo gemütlich in der Badewanne zusammengerollt eine fünf Meter lange Würgeschlange auf sie gewartet hatte. Ein kleines Souvenir, dagelassen vom vorherigen Besucher. Es war ein Glück, dass Harry einen kühlen Kopf bewahrt und das Tier mit dem Versprechen auf einen großen Berg Hühnerkeulen besänftigt hatte; bis der Sicherheitsdienst gekommen war und kurzen Prozess mit ihm gemacht hatte. Eigentlich traurig, doch Dudley hatte dem Biest nicht wirklich hinterher trauern können: Schließlich hatte die Schlange laut Harry ausführlich überlegt, wen von ihnen es wohl zuerst fressen sollte: die „magere Ziege“ oder das „saftige Riesenschwein“.
Die Safaritour war eigentlich eine Verlegenheitslösung gewesen, da seine Eltern keine Freigabe erhalten hatten, Castellobruxo zu besichtigen. Die Empfangshexe im brasilianischen Zaubereiministerium hatte irgendetwas von unvollständigen Unterlagen gefaselt, doch Dudley war sich ziemlich sicher, dass sie das Formular schlicht verlegt hatten. Zauberer eben!
Trotz der leichten Enttäuschung, doch nicht das tempelartige Schloss besuchen zu können, hatten sie eine gute Zeit. Von Papageien bis Pumas bekamen sie alles zu sehen, was die Tierwelt zu bieten hatte. Sie knipsten Bild um Bild und mischten sich unter die anderen Touristen wie eine ganz normale Familie. Vater, Mutter, zwei Kinder, alle in unförmigen Safariklammotten, ein vollkommen gewöhnliches Bild. Das Ganze ging natürlich nur gut, weil Harry die Unterhaltungen der Anacondas so gut es ging ignorierte. Zumindest bis sich wieder einmal eine zu ihrem Zelt aufmachte. Irgendwie schien er Schlangen geradezu anzuziehen. Oder war es Unheil im Allgemeinen?
Natürlich hatten sie am letzten Tag doch noch das Zaubererviertel von Salvador besucht – schon alleine der Souvernirs wegen. Die magische Gemeinschaft Brasiliens schien nicht gerade arm zu sein, bevölkerten sie doch mehrere Häuserblocks aus der Kolonialzeit mitten in der Altstadt. Der Übergang zur Welt der Muggel war derart nahtlos, dass sein Vater beinahe mit einem Paket kollidiert wäre, welches zischend über die Köpfe der Zauberer hinwegraste.
„Was zur Hölle?“, murmelte sein Vater und duckte sich unter zwei weiteren Päckchen weg, als auch schon ein kleiner Zauberer angelaufen kam und ihnen in gebrochenem Englisch erklärte, sie dürften auf keinen Fall die Einflugschneise blockieren.
„Unser Portsystem ist leider nicht auf Muggel Ihrer Größe ausgerichtet.“, erklärte der Zauberer entschuldigend, während er sie die Einkaufsstraße entlang führte. „Wir nutzen es zum Versand von Waren, da hier Kamine für ein Flohnetzwerk weniger etabliert sind.“
„Das wundert mich nicht.“, seufzte seine Mutter und tupfte sich mit einem Stofftaschentuch die schweißnasse Stirn.
Sie bummelten durch eine Reihe von Geschäften und bewunderten die Auslagen. Natürlich legten sie einen Extra-Stop im örtlichen Quidditchladen ein, wo auf großen Plakaten die Vorstellung eines neuen Besen angekündigt wurde. Deutlich spannender jedoch fand Dudley die magische Tierhandlung gleich nebenan. Zwischen Schlangen aller Art pries das Schaufenster auch Dracheneier an, aus denen angeblich einmal „handliche Hausdrachen“ schlüpfen sollten.
„Hagrid hätte seine Freude.“, murmelte Harry.
„Und was an einem Drachen ist bitte handlich?“, gab Dudley zurück und musterte die Eier. Der Farbe und Form nach zu urteilen musste es sich um peruvianische Viepernzähne handeln. Klein für einen Drachen, ja, aber immer noch fast so lang wie ein zweistöckiges Haus hoch war. „Wer sich die hier wohl hält?“
„Vermutlich Leute mit richtig großen Garten und einem noch größeren Dachschaden.“, überlegte Harry und fing sich vernichtende Blicke der Umstehenden Kunden ein.
Schließlich saßen sie wieder im Flieger gen Norden und Dudley konnte kaum erwarten, nach Weihnachten wieder zu kommen. Sein Vater döste an der Schulter seiner Mutter und Harrys Atem senkte sich regelmäßig unter einem Bündel Decken, die er der Stewardess abgeschwatzt hatte. Alles in allem waren es die entspanntesten drei Wochen seit langem gewesen. Ja, er hatte das Magische vermisst, trotzdem hatte der Abstand gut getan. Keine Massenhysterie um den Jugen-der-lebt oder Gefasel von unreinem Blut, daran könnte man sich schon fast gewöhnen! Im Stillen ertappte sich Dudley bei dem Gedanken, wie sein Leben wohl als Muggel wäre; friedlich, sorgenfrei, sehr viel ruhiger. Ein kurzer Augenblick, in dem er das unheimliche Gefühl hatte, dass seine Magiebegabung ein gewaltiger Irrtum war.

--- Lucius Malfoys POV ---

„Steh auf.“
Blut tropfte auf das trockene Laub am Boden, als Lucius der kalten Stimme Folge leistete und sich aufrichtete. Sogleich erfasste ihn eine neue Welle sengenden Schmerzes, die bis in den letzten Winkel seines Körpers vordrang. Seine Muskeln verkrampften, während aus der pochenden Bisswunde an seinem Arm weiterhin langsam Blut sickerte. Zweifellos eine Wirkung des Giftes dieser Schlange, die ihn auf dem Weg zu seinem Herrn erwischt hatte. Ein ganzes Nest, Eine giftiger als die Andere, hatte sich in der Dunkelheit der dichten Bäume um sie geschart. Mit einem Mal schien der Schmerz sich ganz auf die beiden Stichwunden zu konzentrieren, sengend heiß und zerstörerisch, als würden Hyänen seinen Arm Stück für Stück auseinander reißen.
„Ein Jammer.“, hörte er die kalte Stimme des Dunklen Lords leise in seinem Kopf, ohne dass seine Schreie gegen sie ankommen könnten. „Von all meinen alten Dienern musste es ausgerechnet ein unfähiger Snob sein, der den Mumm aufbringt, mich nach elf langen Jahren endlich aufzusuchen.“ Eine Salve von Flüchen traf ihn und ließ seine Haut Blasen und Beulen werfen.
Der Schmerz bohrte sich weiter in ihn hinein. Allein die Umrisse des dunklen Mals verblieben eisig, während der Rest seiner Haut in Flammen stand. Etwas im hintersten Winkel seines Verstandes registrierte, dass seine Schmerzen immer noch kein Vergleich zu früheren Zeiten waren. Der rudimentäre „Körper“ seines Herren war hierzu nicht im Stande. Doch machte die Dauer der Bestrafung dies zweifellos wett. In den kurzen Pausen vom Cruciatus konnte er kaum mehr, als  unkontrolliert zuckend daliegen. Inständig hoffte er, dass seine Hände kein dauerhaftes Zittern entwickeln würden – eine bekannte Langzeitfolge, die möglicherweise Verdacht wecken könnte. Schließlich verschwamm die Welt vor seinen Augen und erneut landete er das Gesicht voran im Dreck.
Er erwachte vom Zischen und Klappern der Schlangen über ihm. Panisch blickte er in vollkommene Schwärze, bis er die Schemen seiner bleichen Hände zwischen Erde und Moos ausmachen konnte. Es musste bereits tiefste Nacht sein. Ein Rascheln fuhr durch das dichte Blattwerk der Bäume, doch kein Mondstrahl stahl sich bis zum Grund der Senke, in der sein Herr nach dem Desaster mit dem Stein Zuflucht gefunden hatte.
Ächzend brachte Lucius seine Arme und Beine in eine knieende Haltung und ließ den Kopf gesenkt. Trotz der Dunkelheit konnte er die Präsenz des Dunklen Lords spüren. Der graue, schrumpelige Übergangskörper thronte inmitten zweier gewaltiger Kobras: Ein Produkt aus Einhornblut und Schlangengift, schwach, jedoch zweifellos in der Lage einen Zauberstab zu nutzen.
Lucius wusste, dass er von Glück reden konnte, immer noch seinen eigenen Körper zu haben. Sein Herr hatte mehrfach erwägt, Besitz von ihm zu ergreifen, den Gedanken jedoch schließlich verworfen. Dumbledore hatte schon vor Monaten all seine Kontakte mobilisiert – überall auf der Welt hielt man Ausschau nach Anzeichen des Dunklen Lords. Zudem klebte Moody ihm seit geraumer Zeit an den Fersen und verfolgte jeden seiner Schritte. Seine derzeitige Abwesenheit in England war zwar dank Draco gedeckt, doch der paranoide Auror würde sich kaum täuschen lassen, sollte sein Herr seinen Körper in Besitz nehmen.
Ein heiseres, freudloses Lachen erklang zwischen den Schlangen. „Es ist doch wahre Ironie, dass ausgerechnet ein Auror dich schützt.“, vervollständigte der Dunkle Lord seinen Gedankengang. Mit furchtsamer Erwartung blickte Lucius auf und wappnete sich bereits gegen die nächste Salve von Flüchen und Folter. Doch der Schmerz blieb fürs Erste aus. Für einige Momente trat vollkommene Stille zwischen sie.
Schließlich fixierte der Dunkle Lord ihn mit seinen blutroten Augen.
„Ich habe nachgedacht, Lucius.“, setzte er träge an. „Das Tagebuch ist verloren, der Zustand des Weasley Mädchens ist Beweis genug. So viel zu dem Auftrag, es unter allen Umständen zu beschützen, wenn nötig auch mit deinem eigenen, wertlosen Leben.“
Eine neue, kurze Welle des Schmerzes traf ihn, doch schon ebbte sie wieder ab und sein Herr fuhr fort: „Natürlich hattest du mehr Glück als Verstand, da es allem Anschein nach im Kampf mit dem Basilisken zerstört wurde. Andernfalls hätte Dumbledore das Buch längst genutzt, um Panik im Ministerium zu verbreiten. Gleichwohl sind er und Potter nicht zu unterschätzen.“
Ein unwillkürliches Schnauben entrang sich Lucius. Der Alte Kauz und sein Wunderknabe! „Crucio.“ Diesmal traf ihn der Fluch mit voller Wucht. Sengend heiß stand sein Fleisch bis zum letzten Nerv in Flammen.
„Wie dick kann ein Schädel sein, dass selbst die einfachsten Botschaften keinen Platz darin finden? Glaubst du, all dein Gold könne dich in einer direkten Konfrontation mit dem Alten auch nur zwei Sekunden retten?“, fauchte sein Herr und Lucius wusste, dass sein kurzer Ausrutscher ihn teuer zu stehen kommen würde.
„Und was Dumbledores Goldjungen angeht...“ Der dunkle Lord verzog das Gesicht. „Ob durch Glück oder Können, der Junge hat einen tausendjährigen Basilisken getötet und jeden deiner nutzlosen Pläne vereitelt. Aber vielleicht brauchst du mal eine kleine Geschmacksprobe davon, was Potter in der Kammer erwartet hat.“
Sogleich setzte sich eine der größeren Schlange in Bewegung und begann sich um seinen kauernden Körper zu winden. Vier, Acht, Zwölf Meter schuppiger Haut schlangen sich in Windungen um seinen Brustkorb, während das Tier die gesamte Zeit aufgeregt zischte und allmählich immer fester zudrückte.
„Potter wächst heran und wird von Tag zu Tag mächtiger, während du deine Zeit mit lächerlichen Intrigen und Ehestreitigkeiten verplemperst.“, tadelte der Dunkle Lord ihn. „Was nützt mir der Wizengamot, so lange niemand weiß, welcher magische Schwindel einen Säugling befähigte, den größten Zauberer aller Zeiten ins Nichts zu stürzen?“
„Herr!“, japste Lucius, ehe die Schlange das letzte Bisschen Luft aus seinen Lungen presste. Enger und enger wand das Monster sich um ihn und er war sich ziemlich sicher, dass mindestens zwei seiner Rippen bereits gebrochen waren.
Ungerührt beobachtete der Dunkle Lord seinen Überlebenskampf. „Dein Schmerz ist Nichts verglichen mit der Überwindung, die es mich kostet, dich angesichts deiner Unfähigkeit am Leben zu lassen.“
Seine blutroten Augen durchbohrten Lucius, doch die Schlange schien plötzlich zur Ruhe zu kommen. Er konnte nicht Atmen, sein Blut schien kaum noch zu fließen und schwarze Punkte breiteten sich langsam an den Rändern seines Gesichtsfeldes aus. Trotzdem keimte in Lucius so etwas wie Hoffnung auf: So konnte er einfach nicht sterben, eine namenlose Leiche in einem fremden Land!
Sein Herr erhob sich und trat mit wackeligen Schritten an ihn heran. Mit seinen gräulichen, verkümmerten Fingern fasste er unter sein Kinn und hob es an. Sanft, beinahe nachdenklich sagte er: „Ich brauche Potter, daran besteht gar kein Zweifel. Angesichts der jüngsten Taten des Jungen wäre es allerdings geradezu töricht, meiner... Niederlage vor zwölf Jahre nicht auf den Grund zu gehen. Kümmere dich um beides und dein Lohn wird unvergleichlich sein.“
Kalte Erkenntnis sank in Lucius Malfoys Magen. Seine Lungen brannten leer gepresst, doch ein einziger durchdringender Gedanke formte sich in seinem Verstand, klar und ohrenbetäubend, als würde er ihn in die Nacht hinausschreien: Unmöglich!
Gefährlich ruhig erklang die kalte Stimme seines Meisters, ob in seinem Kopf oder außerhalb konnte er nicht sagen: „Du unterschätzt deine Möglichkeiten, Lucius. Ich habe in deinem Geist gesehen, zu welch einer Farce das Ministerium verkommen ist. Mit deinem Einfluss wird es nicht schwer sein, dir vor allen Augen die Unterstützung zu organisieren, die du brauchst. Es fehlt nur noch ein kleines Ablenkungsmanöver aber das hast du ja gewissermaßen schon organisiert.“
Das Kindergesicht verformte sich zu einem zahnlosen Lächeln. „Im Grunde bist du der ideale Kandidat für diesen Auftrag, also beweise endlich, dass du es wert bist, Lord Voldemort zu dienen.“
Der dunkle Lord machte eine knappe Handbewegung und die Schlange lockerte ihren Würgegriff gerade so weit, dass er einige flache Atemzüge machen konnte. Lucius konnte nichts als purer Freude im Gesicht seines Herren erkennen, angesichts seiner Qualen. Dieser Auftrag würde zweifellos sein Grab sein, doch welche Wahl hatte er schon?
Ein langer, bleicher Stab aus Eibe schob sich in sein Gesichtsfeld, ehe er am Ansatz seines Scheitels zur Ruhe kam.
Das Zischen der Schlangen um sie herum erstarb. Hunderte Augen blickten gespannt und zweifellos hungrig aus der Dunkelheit zu ihnen. „Und vergiss niemals,“, erklang die Stimme seines Herren abschließend dicht an seinem Ohr und zugleich direkt in seinem Kopf, „Potter gehört allein mir!“
Ein roter Blitz löste sich einer Klinge gleich aus dem Eibenstab. Lucius spürte noch, wie sich sein Kopf spaltete. Dann wurde alles schwarz.

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Guten Morgen alle zusammen,
so, endlich mal wieder ein Kapitel aus Dudleys Sicht (und ein bisschen Mr Malfoy zum Schluss). Wie immer würde ich mich sehr über Reviews mit euren Ideen freuen - an dieser Stelle schon einmal ein dickes Dankeschön für all die netten Worte zum Beginn von Jahr 3! Außerdem könnt ihr mit mir ein wenig feiern, dass diese Story mitlerweile über 125000 Aufrufe hat. Ich wünsche euch allen noch ein schönes Wochenende!
Liebe Grüße,
Sep
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