Geschichte: Fanfiction / Anime & Manga / Citrus / Kino

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Kino

Kurzbeschreibung
OneshotFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / FemSlash
Mei Aihara Yuzu Aihara
07.11.2017
07.11.2017
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1.507
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07.11.2017 1.507
 
Es regnete schon den ganzen Tag und Yuzu war bereits seit dem Morgen aufgedreht. Ständig fegte sie wie ein Wirbelwind durch die Wohnung und dekorierte um, was das Zeug hielt. Mei hingegen hatte sich in weiser Voraussicht eine gewisse Stoik angeeignet. Nun starrte sie auf ihre Unterlagen und versuchte, sich zu konzentrieren. Es gelang ihr nicht und inzwischen hatte sie Kopfschmerzen, was sich nicht eben positiv auf ihre Stimmung auswirkte. Wütend starrte sie auf das Papier, als hätte es sie persönlich beleidigt. So viel also zur Stoik.

Ihre Stiefschwester kam herein, eine große und eine  kleinere Pflanze auf dem Arm. „Halo-ho“,  flötete sie fröhlich. „Ich dachte mir, dieser Raum benötigt ein paar floralere Akzente!“ Hilflos starrte Mei dem Rest Faden hinterher, welchen sie beim Eintritt der Blonden gewissermaßen verloren hatte. „Bitte!“, flehte sie geradezu. „Ich versuche, Hausaufgaben zu machen! Und das möglichst in Ruhe!“ Die Angesprochene drehte sich um, wobei sie Mei fast mit der größeren der beiden Pflanzen niederstreckte. In einer Art Brown ´scher Bewegung warf sie den Kopf nach vorne und entging so, wenn auch nur knapp, dem heranrasenden Blattwerk. „Pass doch auf!“, murmelte sie genervt.

„Oh, tut mir leid!“, rief Yuzu, noch immer geradezu aufreibend fröhlich. Sie stellte ihre Last ab und setzte sich. „Weißt du was?“, fragte sie. „Wenn es nachher, also heute Abend oder Nachmittag, aufgehört hat, zu regnen, dann machen wir beide was zusammen, okay?“ Mei rieb sich den Nasenrücken und blickte Yuzu müde an. „Was willst du denn machen?“, fragte sie. Ihre Stiefschwester strahlte. „Wir könnten doch mal zusammen ins Kino gehen!“, schlug sie vor. „Wieso?“, fragte Mei gereizt. „Läuft schon wieder ein ´Flirtende Schwestern`- Film? Du weißt, ich sehe mir sowas nicht an!“ Es hatte ein ganz klein wenig schärfer geklungen, als sie beabsichtigt hatte, doch zum Glück perlte das an Yuzu ab. „Keine Sorge!“, antwortete sie unvermindert heiter. „Es handelt sich um einen Horrorfilm!“

Mei guckte. „Ein Horrorfilm? Du bist dir aber der Tatsache bewusst, dass Halloween vor einer Woche war, oder?“  Das war Yuzu in der Tat klar, aber sie hatte gelesen, dass Horrorfilme gut geeignet seien, um einander näher zu kommen. Der Gedanke, sich wohlig an Mei  zu schmiegen, sobald es spannend wurde, gefiel ihr wirklich sehr. Möglicherweise wäre es auch Mei, welche sich ankuscheln würde. Dieser Gedanke gefiel ihr sogar noch besser. Natürlich würde sie es einigermaßen geschickt anstellen müssen, um ihre Stiefschwester dazu zu bringen, das Haus zu verlassen. „Ja, schon.“, räumte sie ein. „Ich finde allerdings, dass du eine Pause vertragen könntest. Zumindest eine kleine. Ein Päußchen. Seit Tagen tust du nichts anderes, als zu lernen. Wenn du so weitermachst, wirst du noch dezent wahnsinnig. Ich sorge mich!“

Mei deutete auf das sie umgebende Chaos aus Zetteln. „Ich kann jetzt nicht ins Kino gehen. Siehst du diesen Berg an Arbeit hier? Das muss alles erledigt werden! Manches davon ist schon überfällig.“ Yuzu schüttelte entschieden ihr blondes Haupt. „Du bist total blass und du siehst aus, als hättest du Kopfschmerzen von der ganzen Schufterei. Du überarbeitest dich gerade und davon wirst du am Ende noch krank. Damit wäre doch niemandem geholfen, oder?“ Nachdenklich musterte Mei ihr Gegenüber. Sie war wirklich ziemlich angestrengt und irgendwie auch zu müde, um länger zu diskutieren. Yuzu blickte streng und Mei fand, ihre Stiefschwester war niedlich, wenn sie streng guckte. „Kino also, hm?“ fragte sie, etwas milder. Yuzu nickte und strahlte. Es hörte später tatsächlich auf, zu regnen. Die beiden Mädchen machten sich auf den Weg zum Kino, ein paar Straßen weiter. Yuzu hielt Meis Hand und so schritten sie gemeinsam durch die lustig herumwirbelnden Blätter. Herbst eben. Sie schloss die Augen und atmete die frische, vom Regen gereinigte Luft ein. Es roch bereits nach dem nahenden Winter.

Aus einem Fenster drang klassische Musik an Meis aufmerksam lauschendes Ohr. Beethoven. Für Eloise. Sie versuchte sich vorzustellen, was diese Eloise wohl für ein Mensch gewesen war. Sicher war sie ein sehr beeindruckender Charakter, wenn ihr der Meister ein solches Stück gewidmet hatte. Sie bewegte den Kopf. Yuzu hatte recht gehabt. Sie war unglaublich verspannt und ihre Glieder taten etwas weh.

Es war ein sehr kleines Kino, dessen bessere Tage schon eine Dekade oder so zurückliegen mussten. Mei war der Meinung, dass solche alten Häuser manchmal einen sehr eigenen, anheimelnden Charme besaßen. Möglicherweise sollte sie öfter hierher kommen. Die dunklen, leicht muffigen Ecken mochten tausend winzige Geschichtchen zu erzählen haben, genauso wie die abgenutzten Sitzreihen, oder das kleine Kassenhäuschen am Eingang, an welchem Yuzu die Karten kaufte. Ihre Stiefschwester bestand darauf, zu bezahlen und Mei protestierte allenfalls der Form halber. Der Saal war fast leer. Obwohl, so schätzte Mei zumindest, an die hundertfünfzig Leute hinein gepasst hätten, waren es nur ungefähr ein Dutzend, sie beide mittgerechnet, welche dort Platz nahmen. Sicher, es war erst später Nachmittag, aber irgendwie bezweifelte Mei, dass es in einer späteren Vorführung mehr sein würden.

Die Trailer wurden gezeigt. Yuzu fragte sich, warum die eigentlich Trailer hießen, wo sie doch vor dem Film kamen und nicht, wie der Name suggerierte, danach.  Der Film begann. Teenager verliefen sich in einem dunklen Wald und beschlossen, einen zufällig vorbeikommenden Waldarbeiter mit Hokeymaske und Machete nach dem Weg zu fragen. Nichts Ungewöhnliches. Sie schielte zu Mei hinüber, doch es war zu dunkel, um etwas zu sehen. Nach einer Weile tastete sie nach der Hand ihrer Stiefschwester und musste erschrocken feststellen, dass Meis Handrücken kaltschweißig und völlig verkrampft war. „Alles in Ordnung?“, fragte sie besorgt. Mei schüttelte den Kopf „D-du sei mir nicht böse, aber ich…“, stieß sie hervor, dann sprang sie auf und strebte fluchtartig dem Ausgang zu.

Yuzu folgte ihr, so schnell sie konnte. Sie traf ihre Stiefschwester draußen, vor dem Eingang, gerade noch rechtzeitig, um ihr die Haare aus dem Gesicht zu halten, als sie sich nach Leibeskräften übergab. Yuzu rief ihre Mutter an, welche, nur Minuten später, mit dem Auto vorfuhr, die beiden Mädchen einlud und zu einem Arzt brachte. Dieser diagnostizierte einen heftigen, grippalen Infekt. Für Mei bedeutete das nun zu Bettruhe und elendiger, leidiger Untätigkeit verdonnert zu sein. Mindestens eine Woche lang, wenn nicht noch länger. Sie war entsetzt. „I-ich kann doch unmöglich so lange ausfallen!“, dachte sie. „ Wer soll denn die ganze Arbeit machen? Gott, es werden mich alle hassen, weil ich sie damit allein lasse.“

Yuzu, die ihrer Stiefschwester sehr genau ansah, was sie in diesem Augenblick dachte, legte ihr sanft eine Hand auf die Schulter, und sagte: „Keine Sorge! Wenigstens eine Woche lang sollte Himeko den Laden schon am Laufen halten können, so als deine Stellvertreterin, meine ich. Sie ist ja recht tough, nicht wahr?“ Mei hob den Kopf und sah Yuzu unsicher an. Diese fuhr fort in ihrem Bemühen, ihre Stiefschwester aufzumuntern. „Und sollte sie sich wider aller Erwartungen doch daneben benehmen, bin ich ja auch noch da, um sie in Schach zu halten.“, sagte sie und grinste. Mei verbarg ihr Lächeln, indem sie Hustete und sich die Hand vor den Mund hielt.

Mei bestand darauf, die Nacht auf der Couch zu schlafen, um Yuzu nicht anzustecken, und ihr damit ebenfalls Krankheitsausfall einzubrocken. Yuzu wäre das freilich egal gewesen, denn alles, was sie wollte, war, für ihre Stiefschwester da zu sein und sie zu pflegen. Schließlich einigten sie sich darauf, dass Yuzu auf der Couch schlief und die Kranke das Bett bekam. Mei sah, dick verpackt in Wolle (Ihre Mutter hatte sogar auf einer Strickmütze bestanden), Schal und Bettdecke wie die wohl niedlichste Schmetterlingspuppe der Welt aus. Yuzu wurde es ganz warm ums Herz.

Später am Abend…

Mei grübelte gerade schniefend über den tieferen Sinn und Unsinn von Krankheiten im Allgemeinen und ihrer eigenen im Besonderen nach, da ging die Tür auf und Yuzu kam mit einem Tablett herein, welches sie auf den Nachttisch stellte. Darauf stand ein Glas. „Was ist das?“, fragte Mei mit krächzender Stimme. Yuzu blickte stolz. „Ich habe frischen Yujacha gekocht. Den solltest du trinken, denn er enthält viel Vitamin C. Das ist genau das, was du jetzt brauchst.“ Mei als Verstandesmensch wusste, dass ihre Stiefschwester Recht hatte, auch wenn sie keine Lust verspürte, irgendetwas zu sich zu nehmen. Sie versuchte sich aufzusetzen, dabei jedoch, wurde ihr sofort schwindelig. Sanft drückte Yuzu sie zurück auf das Bett. „Das haben wir gleich“, murmelte sie, stützte Mei und schob ihr ein Kissen unter den Hinterkopf, sodass sie den Tee aus einer nur leicht erhobenen Position heraus trinken konnte. Er war heiß, fruchtig-süß und wohltuend. Anschließend stopfte Yuzu die Bettdecke fest, rückte Meis Wollkokon zurecht und brachte ihr eine neue Flasche Wasser. Sie dachte einfach an alles.

„Und jetzt schlaf.“, flüsterte Yuzu sanft. Mei schenkte ihr ein Lächeln, was sie sichtlich freute, und murmelte: „Danke.“ Nach dem Yuzu gegangen war, schloss Mei die Augen. „Ich habe eine Schwester, die sich um mich sorgt.“, dachte sie. Der Gedanke war unglaublich wohltuend und sie merkte, dass sie erneut Lächelte. Sie spürte eine Woge der Zuneigung und seufzte. Einmal mehr wünschte sie sich, ihre Gefühle besser äußern  zu können. Mit solchen und ähnlichen Gedanken im Kopf trieb sie langsam in Richtung Morpheus. Als er sie umarmte, schnarchte sie leise.

ENDE
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