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Shattered

von svenska92
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18
OC (Own Character) THW Kiel
04.11.2017
13.01.2021
12
17.501
3
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13.01.2021 1.337
 
Entscheidung mit Nachspiel…

Der Raum wurde nur von der Musik aus dem Radio erfüllt, das ich vorher angemacht hatte. Aber auch das konnte das Knistern nicht übertönen.
Ohne zu wissen, was ich gerade tat, steuerten meine Füße auf Niklas zu. Es war wie ein magnetisches Feld. Wie ein Planet, in dessen Umlaufbahn ich gekommen war und dessen Anziehungskraft nun wirkte. Er lehnte immer noch da. Lässig, fast aufreizend, mit seinem Lächeln und der auf den Hüftknochen sitzenden Boxershorts. Die zerzausten Haare. Die Grübchen seiner Wangen.
Gott, er hat diese Muskeln…diese Muskeln, die schlaue Mädchen dumm machen…
"Na, hast du gut geschlafen?“ Er war mein persönlicher Gott, so, wie er da stand. In meiner Wohnung. Keinen Meter mehr von mir entfernt. Wie aus einer Werbung - Unterwäsche oder Zahnpasta, da konnte ich mich nicht wirklich entscheiden.
Statt zu antworten ging ich einfach weiter auf ihn zu. Sein Lächeln und seine Augen nahmen einen dunklen, wissenden Ausdruck an. Er spürte es also auch. Er löste sich aus seiner Starre und kam auf mich zu. Ich sah zu ihm durch meine Wimpern hoch. Dann berührte ich mit meiner Hand seine Brust, legte sie flach darauf. Hielt den Blick gesenkt. Er strahlte eine unglaubliche Wärme aus. Seine Arme schlossen sich um mich und drückten mich an ihn. Seine linke Hand lag auf der feuchten, nackten Haut meines Rückens, mit der rechten hob er sanft mein Kinn an, sodass ich ihm in die Augen sehen konnte. Sie waren jetzt von einem dunklen Blau. Nachtblau fast. Ich schluckte und öffnete leicht die Lippen. Im Hintergrund sang sich Bon Jovi das Herz heraus bei seinem bed of roses. Nasse Strähnen hingen in meinen Gesicht. Er Strich sie mir mit leichten Flingern aus dem Gesicht hinters Ohr. Eine Gänsehaut breitete sich auf meiner Haut aus. Unser beider Atem hatte sich beschleunigt. Unter meiner Hand spürte ich, wie sein Herz kräftiger schlug. Er reagierte genau wie ich auf seine Berührungen. Dann senkte er seinen Kopf. Seine Lippen lagen auf meinen. Und ein Feuerwerk ging in meiner Brust hoch. Gierig stellte ich mich auf die Zehenspitzen, um näher bei ihm zu sein. Niklas hob mich hoch und automatisch schlang ich meine Beine und seine Hüften. Ein Lächeln stahl sich auf meine Lippen, als ich bemerkte, dass er mich in diesem Moment genau so sehr begehrte, wie ich ihn. Zusammen mit mir auf dem Arm ging er zurück zu seinem Nachtlager und legte mich sanft dort ab, ohne seine Küsse zu unterbrechen. Es grenzte wirklich an ein Wunder, dass mein Handtuch noch an Ort und Stelle saß. Er löste seine Lippen von meinen und wanderte an meinem Hals entlang. Weich federn waren seine Küsse. Seine Hand strich an meinem nackten Oberschenkel entlang, während ich meine Hände in den Muskeln seines Rückens vergrub. Wollte ihn nie wieder loslassen. Mit seinen Zähnen strich er über mein Schlüsselbein. Es war unglaublich erregend. Dieser Mann war einfach der pure Wahnsinn. Ich wollte ihn mit all meinen Sinnen spüren. Und uns trennte nur noch der Stoff meines Handtuches und seiner Boxershorts voneinander. Als könnte er meine Gedanken lesen, hielt er inne. Dann sah er mich einen Moment lang an. Wartete auf meine Zustimmung. Ich nickte kaum wahrnehmbar.
"Du bist so schön", hauchte er. Gerade wollte er sich mit seinen Zähnen an meinem Handtuch zu schaffen machen, als ich plötzlich eine Tür ins Schloss fallen hörte.
Reaktionsschnell stieß ich Niklas von mir herunter, sprang aus dem Bett und warf ihm schnell sein Shirt zu. Dann deutete ich ihm, sich bitte etwas zu bedecken. Das ganze Ausmaß seiner Lust.
"Siv, ich bin wieder da", rief Lasse mir zu.
Schnell schmiss ich mir ebenfalls ein überdimensionales Shirt über und warf das Handtuch hinter Niklas, der es sofort unauffällig verstaute. Die Haare band ich zu einem Dutt. Das ganze spielte sich in wenigen Sekunden ab. Flash war nichts gegen mich.
"Mattis Mutter und er mussten heute früh zu seiner Oma, da haben sie mir angeboten, mich hier abzusetzen. Hoffentlich wecke ich dich nicht." Lasse kam ins Wohnzimmer und blieb stehen. Versuchte die Szene einzuordnen. Ein fremder Mann saß in meinem Bett. Er brauchte einen Moment. Sah von Niklas zu mir und wieder zurück. So ging das ein paar Mal. Es kam mir vor wie Stunden. Ich betete, dass er keine falschen Schlüsse zog. Obwohl genau diese richtig gewesen wären. "Und wer bist du?“
" Ich bin Niklas."
"Und was machst du in dem Bett von Siv?" Der Kleine war einfach viel zu schlau für sein Alter. Er hatte schon viel zu viel erlebt, um sich mit einer blöden ausgedachten Geschichte abfertigen zu lassen.
"Ich habe Niklas gestern Abend hier mit hingenommen, weil er vergessen hatte, wo sein Hotel hier in Berlin ist. Er kommt nicht von hier. Und dann wollte ich ihn gleich zum Hotel bringen." Ich versuchte es einfach mal mit der Wahrheit. Schlüpfrige Details konnte man ja auslassen.
"Und warum hat er dann nicht einfach jemanden angerufen, der wusste, wo er hin muss? Oder Google benutzt?"
"Mein Akku war leer und ich wollte mein Handy laden, aber Siv hatte kein Kabel. Dann wollte Siv mich zum Hotel bringen, aber ich wollte nicht, dass sie alleine wieder zurück musste."
"Ahja." Lasse war immer noch nicht zufrieden mit der Antwort. "Und ein Taxi war nicht drin, weil du kein Geld dabei hattest."
Daran hatten wir angetrunken gestern gar nicht gedacht. Oder wollten nicht daran denken.
"Ich muss zugeben, daran haben wir gar nicht gedacht. Du bist ein sehr schlauer junger Mann." Niklas setzte sein strahlendstes Lächeln auf. Mich hätte er damit jedenfalls sofort überzeugt. "Aber du hättest doch nicht gewollt, dass ich Siv unnötig abends alleine durch Berlin ziehen lasse, oder?"
Okay damit hat er ihn, schoss es mir durch den Kopf. Lasse stellte sich ja so schon manchmal an, wenn ich nachts von der Arbeit alleine die Öfis nahm.
" Nein", gab er zähneknirschend zu. "Es ist besser, dass du sie nach Hause gebracht hast."
Ich sah auf die Uhr. Lasse war verdammt früh wieder da. Das hätte auch echt ins Auge gehen können. Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen.
"Niklas, anziehen! Wir müssen los."

Zu dritt saßen wir in der S-Bahn. Lasse hatte es sich nicht nehmen lassen, uns zu begleiten. Niklas sah genau so umwerfend aus wie gestern Abend. Ich dagegen hatte schnell eine Mütze übergezogen. Mit nassen Haaren im Januar unterwegs zu sein erschien mir kein gutes Vorbild für Lasse.
Jetzt setzt du ihn am Hotel ab und dann siehst du ihn nie wieder. Das war ein Ausrutscher, mehr nicht. Und zum Glück ist ja nichts schlimmeres passiert. Absetzen und nie wiedersehen. Dann ist es fast so, als wäre es nie passiert. Und doch spürte ich, dass ich mich nicht von diesem Dänen trennen wollte. Was mehr als bescheuert war. Wir können unmöglich. Das hat keine Zukunft. Es ist ein Ausrutscher. Bestimmt sieht er das auch so und ist froh, wenn er den Fehler hier los wird. Er geht zurück zu seiner Frau und ich zu Mirko. Es hat diese Nacht nicht gegeben. Niemals.
Neben mir unterhielten sich Niklas und Lasse angeregt. Ich lauschte ihnen nicht.
An der entsprechenden Haltestelle stiegen wir aus. Den Rest gingen wir zu Fuß. Ich schweigend, mit meinem Gewissen kämpfen, die anderen in ihre Unterhaltung vertieft.
"So", sagte ich und griff nach Lasses Hand. "Wir sind da."
"Okay", sagte Niklas. Ich wandte mich ab und wollte gerade gehen, da lag seine Hand auf meiner Schulter. Und direkt durchschoss mich wieder dieses Feuerwerk. "Warte kurz. Ich habe Lasse eben versprochen, ihm Karten für das Spiel zu besorgen. Ich nehme ihn kurz mit, dann bringe ich ihn dir gleich wieder."
Bevor ich irgendwas sagen konnte, waren die beiden schon in der Lobby verschwunden.
Na super! DAS war es dann mit am Hotel absetzen und nie wieder sehen.
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