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Wenn Verlorenes zurückkehrt...

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Familie / P12 / Gen
Dr. Lea Peters Jenne Derbeck
04.11.2017
21.01.2018
6
5.476
 
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04.11.2017 948
 
Ich stürmte aus der Haustür und sprintete die Straße vor meiner Wohnung entlang. Passanten schauten mich verwundert an, als ich an ihnen vorbei stürmte. "Jenne", schrie ich verzweifelt,"Bitte warte!" Doch die Person, die vor mir herlief, blieb nicht stehen. Sie entfernte sich immer mehr von mir, bis sie schließlich ganz aus meinem Blickfeld verschwand. "Jenne!", schluchzte ich erneut, obwohl ich wusste, dass er mich nicht hören würde, "Bitte, bleib doch stehen. Komm zurück." Ich stolperte nun mehr als dass ich lief. Tränen strömten über mein Gesicht. Dann gaben meine Beine unter mir nach, mein Kopf schlug auf dem Asphalt auf und alles um mich herum wurde schwarz.
"Warum?", hörte ich nach einer Weile eine vertraute Stimme sagen. Auf einmal stand ich in einem Zimmer der ITS vor einem Bett, doch wer in diesem Bett lag, konnte ich nicht erkennen, ich sah nur die Monitore und die Beine der Person. Ich konnte es nur erahnen. "Ich habe es für uns getan. Lea. Ich möchte es verstehen. Warum?"
"Lass mich in Ruhe!", rief ich. Ich wollte wegrennen. Doch eine unsichtbare Kraft hielt mich fest. Ich wand mich in ihrem Griff, aber ich konnte mich nicht von der Stelle rühren. "Du bist eine wunderbare Frau, Lea Peters. Und ich werde deine Entscheidung akzeptieren, aber ich möchte sie verstehen. Ich liebe dich." Diese Worte zerrissen mir mein Herz und direkt unter mir tat sich der Boden auf. Ich fiel ins Leere.
Ich schlug die Augen auf. Ich schaute mich um und befand mich, Gott sei Dank, in meinem Schlafzimmer. Es war nur ein Traum. Ein Alptraum, der mich fast jede Nacht daran erinnerte, wie ich den Menschen, den ich ich so sehr liebte, verletzt hatte. Warum? Das hatte er mich gefragt. Diese Frage hatte ich mir in den letzten Monaten selbst so oft gestellt, aber die Antwort hatte ich bis heute nicht gefunden. Ich hatte versucht ihn zu vergessen, doch fast jede Nacht hatte ich diesen Traum. Und dass ich jetzt dieses kleine Wesen, sein Fleisch und Blut, in mir trug machte das Ganze auch nicht besser. Und aus diesen Grund konnte ich es auch nicht behalten. Ich würde mein ganzes Leben lang an ihn erinnert werden und das könnte ich nicht ertragen. Niemals.
Ich verdrängte meine Gedanken und schaute auf die Uhr. So ein Mist! In einer halben Stunde begann mein Dienst. Ich schlug die Decke zurück, schlüpfte in meine Hausschuhe und schlurfte ins Badezimmer. Schnell wusch ich mich und zog mich um. Ich kämmte meine Haare und band sie wie immer in meinem Nacken zu einem kleinen Pferdeschwanz zusammen. Bevor ich aus dem Haus ging, betrachtete ich mich noch einmal im Spiegel. Eine dicke, hässliche Frau. Ich verließ das Haus und setzte mich ins Auto. Ich versuchte den Motor zu starten Auf dem Weg in die Klinik konnte ich mich kaum auf den Verkehr konzentrieren, da mich die ganze Ziet über der Traum beschäftigte und so war es ein Wunder, dass ich unversehrt dort ankam.

Ich holte meine Post ab und holte mir anschließend einen Kaffee vom Kaffeeautomaten. Dieser schmeckte zwar echt ekelhaft, aber besser als garnichts. "Guten Morgen, Dr. Peters!", begrüßte mich Arzu. "Morgen.", sagte ich abweisend. Die Oberschwester blieb stehen:"Ist alles in Ordnung?" "Natürlich ist alles in Ordnung", erwiederte ich kühl. Ich weiß, ich sollte meine Wut auf mich und Jenne nicht an ihr auslassen. Ich mochte sie sogar recht gerne, aber ich wollte im Moment einfach nur in Ruhe gelassen werde. Ich drehte mich gerade herum, um mich bei ihr zu entschuldigen, aber da war sie bereits verschwunden. Das konnte ich durchaus nachvollziehen. Ich hatte manchmal auch kein Bock auf mich und meine ständigen Launen. Klingt komisch, aber ist halt so.
"Eine wunderschönen guten Morgen, Frau Kollegin.", begüßte mich Dr. Kaminski als ich das Ärztezimmer betrat. "Morgen.", gab ich zurück. "Sie kommen reichlich zu spät.", sagte der Urologe," In einer halben Stunde haben sie eine OP und..." "Dr. Kaminski, würde sie vielleicht so freundlich sein und sich um ihren eigenen Kram kümmern, anstatt mich hier zu nerven?!", unterbrach ich ihn genervt, doch besann mich gleich wieder,"Entschuldigung." Mein Kollege warf mir einen durchdringenden Blick zu. Ich war froh, dass in diesem Moment mein Telefon klingelte. "Peters?", meldete ich mich,"Ich komme."-"Die Notaufnahme.", sagte ich kühl,"Sie entschuldigen mich?" Schnellen Schrittes verließ ich das Ärztezimmer und machte mich auf den Weg in die Notaufnahme. Dort angekommen erwartete mich bereits der RTW mit dem Patienten. "Mann mitte Dreißig, Name unbekannt. Er hatte keine Papiere bei sich.", sagte die Notärztin,"Wurde von einem Auto angefahren. Schwere Kopfverletzung, vermutlich innere Verletztungen. Dazu kommt eine offene Unterschenkelfraktur. Er war die ganze Zeit ohne Bewusstsein." "Oberschwester Arzu, melden sie ihn beim Schädel-CT an und lassen Sie den OP vorbereiten.", ich sah mir das Opfer genauer an, doch da sein ganzes Gesicht blutverschmiert war konnte man es nicht erkennen. Ich griff nach dem Telefon:"Peters hier, ich brauche sie im OP."
Als ich mich gerade für die OP einwusch, betraten Dr. Globisch und Dr. Stein den OP. "Können wir?", fragte die Anästhesisten. Ich nickte und sie leitete die Narkose ein.
Während der OP säuberte eine der OP-Schwestern das Gesicht des Mannes und Dr. Stein und ich versorgten zuerst die Fraktur und dann eine Milzruptur. Als wir fast fertig waren, warf ich einen Blick auf das Gesicht des Mannes und keuchte auf. Es war Jenne.
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