Das Erbe des Feuers

von Nye-Lung
GeschichteFreundschaft / P12
03.11.2017
12.11.2017
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Heyho, ich melde mich doch mal wieder im deutschen Bereich in Autorentätigkeit zurück und konnte es mir nicht verkneifen, sofort am von nintendo ausgeschriebenen Wettbewerb teilzunehmen. Lest also hier meine Vorgeschichte zu den Zwillingen Lian und Shion (und verzeiht mir bitte, sollten sich stellenweise doch einmal die englischen Namen bei Nebencharakteren einschleichen).
Sollte ich gewinnen, würde ich das Spiel für switch nehmen^^





Prolog




Shion versuchte, seine Schritte möglichst gut zu dämpfen, während er am Schlafzimmer seiner Mutter vorbei schlich. Lian folgte ihm und würde er sie nicht an der Hand halten, würde er gar nicht glauben, dass sie direkt hinter ihm war. Sie hatte darauf bestanden, dass sie besonders leise waren. Shion vertraute ihr. Er wusste selbst, dass er nicht immer alle Dinge genau durchdachte und Lian sorgte dann dafür, dass er nicht in Schwierigkeiten geriet.

In der nächtlichen Stille im Schloss klang das Knarzen der schweren Eichentür unnatürlich laut, als Shion sie aufzog. Lians Griff wurde fester, entspannte sich dann aber wieder, als keine Bewegung aus dem Schlafzimmer zu hören war.

Vorsichtig stahlen sie sich in das unscheinbare Zimmer hinein. Es hatte mal ihrem Vater gehört, aber er war schon so lange tot, dass sich Shion nur noch grob an ihn erinnern konnte. Sie waren aber nicht für ihren Vater hier. Shion sah sich sorgfältig um, während Lian hinter ihm auch ins Zimmer schlüpfte und die Tür zu zog.

Obwohl das Zimmer schon seit Jahren leer stand, flackerte im Kamin ein Feuer und knisterte leise vor sich hin, während es die Schatten an den Wänden tanzen ließ. Sie waren auch nicht für den Kamin gekommen, obwohl die Wärme im anbrechenden Winter sehr willkommen war.

„Bist du dir sicher, dass wir das tun sollten?“, unterbrach Lian die Stille. Sie stand immer noch zögernd an der Tür. Shion hatte sich schon zum Kamin begeben.

„Mutter hat uns heute erzählt, dass wer auch immer von uns den Thron erben wird, auch den Feuerschild erbt. Bist du denn gar nicht neugierig, ob sie ihn wirklich hier versteckt hat?“ Shion beugte sich vor und blickte angestrengt in die Flammen.

„Schon“, stimmte Lian zögerlich zu. „Ich mein, ich wüsste schon gern, ob ich recht hatte, aber eigentlich ist es mir auch nicht so wichtig...“ Sie biss sich auf die Lippen. „Was ist denn, wenn der Schild spontan entscheidet, wer von uns ihn tragen soll? Ich hab gehört, das ist schon passiert.“

Shion hatte sich eben noch den Schürhaken gegriffen, um im Feuer zu stochern, ließ ihn jetzt aber fallen als hätte er sich verbrannt. „Warum sagst du das erst jetzt?“ Er wollte gar nicht daran denken, was passieren würde, wenn er plötzlich den Thron und den Feuerschild erben würde.

„Naja, es sind nur Geschichten.“ Sie grinste. „Du wüsstest das auch, wenn du mal etwas mehr Zeit in der Bibliothek verbringen würdest.“ Sofort wurde Lian wieder ernst und das Feuer betonte die Sorge in ihrem Gesicht. „Aber was, wenn die Geschichten wahr sind? Was, wenn der Schild einen von uns auswählt?“

Shion grinste. „Dann hoffe ich, dass der Schild vernünftig ist und dich auswählt. Du bist die schlauere von uns beiden.“

Als Antwort bekam er einen leichten Schlag auf den Kopf. „Vergiss das mal schnell wieder. Ich denke viel zu viel nach. Ich würde Aitoris nur in den Abgrund führen, weil ich keine Entscheidung getroffen kriege.“

Shion schnaubte. „Besser als ich. Ich überstürze immer alles und vergesse die ganzen Kleinigkeiten, die man beachten muss.“

Lian seufzte und hockte sich neben ihn. „Einer von uns muss es aber machen und wir wissen beide, dass du die bessere Wahl wärst.“ Shion öffnete schon den Mund, um zu protestieren, aber sie schnitt ihm das Wort ab. „Und ich verspreche dir, dir immer als Taktiker zur Seite zu stehen, wenn du es wirst.“

„Dann werde ich immer für dich in die Schlacht ziehen, wenn du es wirst.“ Nun musste er doch lächeln. Er fühlte sich etwas erleichtert, jetzt, wo er wusste, dass er diese Bürde nicht allein tragen musste, sollte sich das Schicksal für ihn entscheiden. Er würde trotzdem zu allen Göttern und göttlichen Drachen beten, dass die Entscheidung auf Lian fiel.

„Versprochen?“

„Versprochen.“

„Dann wollen wir doch mal nachsehen, ob ich recht hatte.“ Mit neuem Tatendrang griff sich Lian den Schürhaken und schob die Holzscheite zur Seite.

Eigentlich hatten sie vermutet, dass der Feuerschild unter dem brennenden Kamin verborgen war – niemand würde dort suchen. Stattdessen fanden sie nichts außer Asche. Shion schwankte zwischen Erleichterung und Sorge. Normalerweise hatte Lian immer recht. Trotzdem knuffte er sie in die Seite. „Na? Hast du dich doch einmal vertan?“

Lian blickte abwesend weiter in die Asche. „Aber das kann nicht sein. Ich hätte schwören können...“ Dann zuckte sie zusammen. Shion kannte dieses Verhalten nur zu genau. Seine Schwester hatte gerade einen Geistesblitz. „Sieh dir die Asche an. Da! Guck!“

Shion folgte ihrem Fingerzeig, musste sich aber eingestehen, dass er nicht sah, was auch immer Lian ihm zeigen wollte.

„Nein, sieh genauer hin. Da, da sind Ränder, als hätte da normalerweise was gelegen, während das Feuer brennt.“ Sie reichte ihm den Schürhaken und griff sich einen anderen, der auf ihrer Seite vom Kamin stand. „Jetzt mach schon. Hilf mir, das Holz zur Seite zu räumen.“

Jetzt sah Shion es auch. Sie hatte recht. Ein Teil des Steins im Kamin war heller als der Rest, als hätte da sonst etwas gelegen. Es war noch nicht so viel Ruß dort gelandet. Schnell schob er das Holz von seiner Seite fort an den Rand und versuchte, auch die Asche ein bisschen wegzufegen, aber das gestaltete sich mit dem Schürhaken dann doch etwas schwieriger.

„Ha!“, machte Lian. „Ich lag doch richtig. Dieser Umriss gehört zum Feuerschild.“

Shion brummte zustimmend. „Das wirft nur eine Frage auf: Wo ist der Schild jetzt?“

Lian runzelte die Stirn. „Oh. Meinst du, Mutter hat ihn -? Nein, warum sollte sie ihn woanders verstecken, wenn er hier doch so sicher lag?“

„Dann bleibt nur eine Antwort. Jemand hat den Schild gestohlen.“ Shion schluckte schwer. „Wollen wir es Mutter sagen?“

„Nein, nein.“ Lian schüttelte den Kopf. „Ganz sicher nicht. Mutter hat schon genug Sorgen in letzter Zeit mit der wachsenden Dunkelheit und den Überfällen auf die Grenzdörfer.“

Shion reckte das Kinn vor. „Dann holen wir ihn selbst zurück.“







Und damit beginnt die kleine Vorgeschichte, die ich hoffe, mit fünf Kapiteln oder so zu beenden.