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Love in the cold times of war - 3 -

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Albus Dumbledore Credence Barebone Percival Graves
02.11.2017
30.07.2019
30
126.134
18
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Dieses Kapitel
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02.11.2017 3.616
 
Hallo zusammen! Ja, Überraschung, es geht weiter :D Ich werde nicht eher ruhen, bis die beiden nicht ein Happy End haben, jawoll! <3 In diesem Sinne, danke an alle, die bis hier dabei waren/sind und viel Spaß weiterhin beim Lesen <3
Have fun!
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How can I say this without breaking? […]
when it's almost too much for my soul alone?

I loved, and I loved and I lost you
And it hurts like hell

I don't want them to know the secrets.
I don't want them to know the way I loved you.
I don't think they'd understand it, no.
I don't think they would accept me, no.

Dreams fight with machines
Inside my head like adversaries
Come wrestle me free
Clean from the war
Your heart fits like a key
Into the lock on the wall
I turn it over
But I can't escape

("Hurts like Hell" – Fleurie)



Credence sah nichts mehr. Vor ihm war alles dunkel, seit Percivals verschwindende Gestalt aus seinem Blickfeld verschwunden war. Er bemerkte nicht, dass er noch immer weinte und ihm die Tränen in endlosen Bächen aus den Augen tropften. Er spürte nicht, dass er auf die Knie gesunken war, weil seine Beine ihn nicht mehr getragen hatten. Seine Gedanken drehten sich nur um Percival. Darum, dass er ihn verlassen hatte. Und darum, dass wieder einer seiner Pläne in die falsche Richtung gegangen war. Credence hatte ihm gesagt, dass er es nicht versuchen sollte. Aber Percival hatte ja nicht hören wollen.
Fünf Jahre… So lange würde Percival in Askaban sitzen.
Immerhin, wenn diese Zeit um wahr, würden sie in Freiheit leben können. Gemeinsam. Doch wer wusste schon, ob das wirklich geschah? Es schien im Augenblick so weit weg, dass Credence es gar nicht mehr als mögliche Perspektive ins Auge fasste. Die Zeit bis dahin schien so endlos. Er sah nicht mal ansatzweise einen Streifen Licht am Horizont.
Er schluckte und verschloss die Trauer in sich. Trocknete seine Tränen und unterdrückte das Zittern, das seinen Körper erfasst hatte. Flach und hastig sog er die Luft ein. Ihm war schwindelig, seine Hände kribbelten. Er krallte sie in den Beutel, den Percival ihm gegeben hatte, kurz bevor er abgeführt worden war. Den Beutel, in dem alles war, was Credence brauchen würde, um physisch zu überleben. Zaubertränke, Kürbissaft, eine Dose mit nicht enden wollenden Müsliriegeln, ein Zelt…
Er schluchzte erneut und ein Beben erfasste seinen Körper.
Eine warme Hand legte sich auf seine Schulter. „Credence“, sagte eine sanfte Stimme, die ihm vertraut vorkam. Aber es war nicht SEINE Stimme. Dabei sollte ER es sein, der ihn aus diesem Albtraum rettete. Wohin war er verschwunden?
„Credence, lass nicht zu, dass die Dunkelheit dich bekommt“, sagte die Stimme leise. Credence nickte, weil er nicht wusste, was er sonst tun sollte. Doch er fühlte nichts mehr, als Schmerz. Woher sollte er wissen, ob er nicht bereits in die Finsternis gestürzt war?
„Bleib im Licht, Credence“, sagte die Stimme freundlich, „Gib nicht auf, bevor es vorbei ist.“
Die Wärme, die von der Hand ausging, strömte in seinen zitternden Körper. Sie legte sich in seine Brust und linderte den Schmerz ein wenig. Nicht genug, um nicht dennoch am Boden zerstört zu sein. Doch es reichte aus, um wieder zu sich zu finden.
Credence blinzelte. Er bemerkte, dass er am Boden hockte, den Beutel umklammert. In seinem Blickfeld waren drei Paar Füße. Er hob den Blick. Zwei Auroren standen ihm gegenüber und beobachteten ihn. Das dritte Paar Beine gehörte zu Dumbledore, der sich leicht zu ihm hinuntergebeugt hatte und ihn sanft anlächelte. „Würdest du aufstehen, bitte?“, fragte er freundlich.
Credence holte tief Luft und kam auf die wackeligen Beine.
„Die Herren möchten dir die Handschellen abnehmen und deinen Zauberstab zurückgeben“, sagte Dumbledore, halb an Credence, halb an die Auroren gewandt. Einer von ihnen trat vor, als hätte er auf das Zeichen gewartet und löste die magischen Handschellen. Dann griff er in die Innentasche seines Umhangs und zog einen Zauberstab hervor, der Credence sehr bekannt vorkam. Er reichte ihn an Credence weiter, der ein bisschen Erleichterung fühlte. Doch es kam gegen die große Trauer nicht an. Er steckte den Stab in seinen Umhang und die kleine Tasche dazu.
Dumbledores Hand lag noch immer auf seiner Schulter. „Komm mit mir“, bat er, „Wir sollten an einen Ort gehen, an dem wir ungestört reden können.“
„Wo soll das sein?“, murmelte Credence tonlos. Es kümmerte ihn nicht, wohin Dumbledore ihn bringen wollte. Die Dinge hatten auf einen Schlag ihren Wert verloren.
„Mein Büro. In Hogwarts.“
Credence nickte schwach. Dumbledore drückte leicht seine Schulter. „Lass uns gehen“, sagte er und Credence setzte sich in Bewegung.

*


Er erinnerte sich nicht mehr genau daran, wie er hierhergekommen war. Obwohl es gerade vor ein paar Minuten erst geschehen war, verschwanden die Erinnerungen daran, wie er es bis in Dumbledores Büro geschafft hatte, in der eisigen, deprimierenden Trauer, die in seinem Inneren wuchs.
Dumbledore stellte eine Tasse vor ihm ab, aus der es dampfte. Dann setzte er sich ihm gegenüber an den Schreibtisch, stellte die Ellbogen auf die Tischplatte und verschränkte die langen Finger vor seinen Lippen. Credence fühlte seinen Blick auf sich, während er die heiße Flüssigkeit beäugte, die vor ihm stand. „Kamillentee“, beantwortete Dumbledore seine unausgesprochene Frage, „Für die Nerven.“
Credence schaute aus trostlosen Augen zu ihm auf. Die Trauer hatte ihm die Lippen versiegelt und ihn seiner Emotionen beraubt. In ihm war nur noch Platz für dumpfe, tote Hoffnungslosigkeit. Sie fror ihn ein, zog ihn schwer hinab.
„Möchtest du darüber reden?“, fragte Dumbledore und schaute ihn mit geduldiger Aufmerksamkeit an.  Credence schüttelte den Kopf. Bei dem Versuch, seine Gedanken in Worte zu fassen, quollen nur weitere Tränen aus seinen Augen. Er schniefte und wischte sie sich von den Wangen.
„Es muss ein ziemlicher Schock für dich gewesen sein“, sagte Dumbledore leise. Credence nickte.
Stille breitete sich zwischen sie.
Credence nahm einen Schluck Tee, weil er Dumbledores sanften Blick nicht mehr ertrug und sich davon ablenken wollte. Die Wärme, die in ihn strömte, konnte sein eingefrorenes Herz nicht aus dem kalten Griff der Trauer befreien.
„Wie geht es dir jetzt?“, hörte er den Mann fragen.
Credence schüttelte langsam den Kopf. „Wie soll es mir schon gehen?“, fragte er tonlos und schaute ihm offen in die blauen Augen. „Meine Welt ist...“, er stockte und schluchzte auf, ehe er sich eine Hand auf den Mund schlagen konnte.
„… in Scherben“, beendete Dumbledore seinen Satz und als Credence nickte, sagte er leise: „Der Anfang ist immer das schwerste.“
Credence antwortete darauf nichts.
Als er lange schwieg, hörte er Dumbledore sagen: „Glaub mir, ich weiß, wie du dich fühlen musst.“
„Sie wissen nichts davon“, murrte Credence und schüttelte den Kopf, „Sie haben keine Ahnung, wie ich mich fühle.“ So, als hätte ihm jemand einen Dolch in die Brust gerammt. Und ihn dann herumgedreht. Credence wollte sein Herz herausreißen, damit es ihn nicht mehr peinigte. Wie sollte der Mann schon wissen, wie sich das anfühlte?
„Glaub mir, Credence. Ich kenne das Gefühl“, sagte Dumbledore leise. Sein verständnisvoller Tonfall fing an, Credence auf die Nerven zu gehen.
„Ach ja?“, sagte er und riss den Kopf hoch. Trotzig blickte er ihm ins Gesicht. „Was wissen Sie schon?“, fragte er ungewohnt eisig, „Sie mussten das nicht erleben. Wie der, den Sie liebten, vor Ihren Augen verschwand und Sie nicht wussten, ob Sie ihn jemals wiedersehen werden!“
„Ehrlich gesagt“, hob Dumbledore mit einem traurigen Lächeln an, „… habe ich das schon durchlebt. Ja.“
„Tatsächlich?“, fragte Credence irritiert und die Verwunderung über Dumbledores offene Worte lenkte ihn ein wenig von seiner Angriffslust ab.
Dumbledore, der seine Reaktion mit einem Seufzen kommentierte, hob an: „Ich war jung, wie du, Credence. Jung und unheimlich verliebt. Doch es hatte nicht sollen sein.“
Die Art, wie er das sagte, ließ Credences aufgebrachtes Wesen aufhorchen. „Was ist geschehen?“, fragte er leise.
Dumbledores Lächeln wurde eine Spur bitter. „Er ist gegangen“, sagte er und in dem Moment, in dem er ‚er‘ sagte, fiel es Credence wie Schuppen von den Augen. Daher also sein Wohlwollen gegenüber der Beziehung zwischen Percival und ihm. Er war genau wie sie. Credences Augen weiteten sich.
„Wieso ist er gegangen?“, wagte er die leise Frage.
„Wir hatten unterschiedliche Ansichten“, sagte Dumbledore und seine Stirn zog sich in Falten, während er versonnen auf die Tischplatte vor sich schaute. „Am Anfang glaubte ich noch, wir wollten das Gleiche. Doch irgendwann erkannte ich, dass ich seine Methoden nicht vertreten konnte.“ Er hob den Blick und schaute Credence in die Augen. „Wir hatten eine gemeinsame Idee von einer besseren Welt“, sagte er leise, „Wir wollten sie verändern. Für das größere Wohl.“
Etwas in Credence regte sich bei den letzten Worten. Sie kamen ihm bekannt vor. Er kramte in seinem Gedächtnis. Dumbledore kam ihm zuvor. „Ganz recht“, sagte er nickend, „Gellert Grindelwald war es, der mir zum Verhängnis wurde.“
„Grindelwald“, hauchte Credence atemlos. Die Geschichte lenkte ihn beinahe von seiner eigenen Misere ab. „Unmöglich“, sagte er und schüttelte den Kopf. Dumbledore war so anders wie dieser eiskalte, skrupellose Mistkerl, der ihn in Paris beinahe gefoltert hätte.
„Naivität der Jugend“, erwiderte Dumbledore mit einem traurigen Lächeln, „Doch es war anders als es bei dir war. Grindelwald hat mich verlassen. Percival wurde dir genommen. Das bedeutet, in deinem Fall gibt es noch Hoffnung.“
„Ist das so?“, fragte Credence, der bei der Nennung von Percivals Namen schmerzerfüllt zusammenzuckte und sein Herz wehmütig nach ihm rufen hörte. Er legte eine Hand auf seine Brust, um es zum Schweigen zu bringen.
Dumbledore nickte. „Fünf Jahre sind nicht die Unendlichkeit, Credence“, sagte er freundlich, „Lass dir das von einem erfahrenen alten Mann wie mir sagen.“ Er zwinkerte ihm zu. Diese leichte Geste nahm einen Teil der Schwere, die auf Credences Brust und seinen Schultern lastete. Er konnte einen Augenblick freier atmen. „Das sehe ich anders“, sagte er dennoch, weil er Angst davor hatte, sich an die Hoffnung zu klammern.
„Wir werden tun, was Percival sich für dich gewünscht hat“, sagte Dumbledore ruhig, „Du wirst deine Zaubererausbildung absolvieren. Damit wirst du so beschäftigt sein, dass du gar nicht merken wirst, wie schnell die Zeit vergeht. Und ehe du dich versiehst, wird Percival wieder vor dir stehen.“
Credence gefiel das Bild, das Dumbledore zeichnete. Trotzdem, wenn er sich klarmachte, dass heute gerade Tag Eins seiner Trennung von Percival war, wollte er erneut weinen. Der Weg bis zu diesem Ziel schien endlos. Er schüttelte den Kopf und schluckte die Tränen hinunter, während er noch einen Schluck Tee nahm.
Nach einer Weile sagte er: „Und wie funktioniert das? Wann fange ich an?“
„Nun“, sagte Dumbledore und lehnte sich in seinem Stuhl zurück, während seine rücksichtsvolle, sanfte Art einer sachlichen, strategischen Planung wich. „Pilliwickle hat dir das Recht eingeräumt, an jede Zaubererschule dieser Welt zu gehen. Percival hat Hogwarts für dich vorgesehen, wohl, weil er fürchtet, dass Ilvermorny zu gefährlich für dich werden könnte. Immerhin liegt es mitten in Amerika und der MACUSA dürfte im Augenblick noch nicht sonderlich gut auf euch zu sprechen sein, nachdem er selbst in der Verhandlung ziemlich einstecken musste.“ Er senkte den Kopf und blickte ihn mit einem kleinen Lächeln über die Ränder seiner Halbmondbrille an. „Das bedeutet aber nicht, dass du hier unterrichtet werden musst. Es gibt noch andere Schulen, auf verschiedenen Kontinenten. Wenn du auf eine bestimmte möchtest, helfe ich dir, dich dort anzumelden.“
„Gibt es eine Schule, die näher an Askaban liegt?“, fragte Credence leise, während er auf die Tasse hinabblickte, die er zwischen seinen Fingern drehte.
„Beauxbatons vielleicht“, sagte Dumbledore sinnend und lächelte, „Aber das ist die einzige Schule, in der du keinen Zutritt haben wirst. Es ist eine reine Mädchenschule.“
„Dann möchte ich hierbleiben“, entschied Credence und blickte wieder zu ihm auf, „Wann kann ich anfangen?“
Ein kurzes Lächeln flackerte über Dumbledores Gesicht. „Eins nach dem Anderen, mein Junge“, sagte er freundlich, „Das neue Schuljahr beginnt am ersten September. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun.“
Credence schaute ihn fragend an. Er hatte keine Vorstellung davon, was ihn erwartete. Oder davon, was dazugehörte, damit alles so verlief, wie Percival sich das vorgestellt hatte. Er schluckte und zwang sich, sich auf Dumbledore zu konzentrieren, um nicht erneut in trüber Traurigkeit zu versinken.
„Ich werde mit Professor Dippet sprechen, dem Schulleiter von Hogwarts“, sagte Dumbledore ernst und lehnte sich wieder vor. Er setzte die Ellbogen auf der Tischplatte ab und legte das Kinn auf die ineinander verschränkten Finger. „Die Entscheidungen aus den Verhandlungen verpflichten Hogwarts dazu, dich aufzunehmen, wenn du es wünschst, da wir dem britischen Zaubereiministerium unterstehen. Professor Dippet muss darüber unterrichtet werden.“
Credence nickte langsam und versuchte, sich den Namen einzuprägen. Sollte er tatsächlich hier anfangen, würde er wissen müssen, wie der Schulleiter hieß.
„Darüber hinaus“, fuhr Dumbledore fort und lächelte ihm freundlich zu, „bist du zu alt und zu erfahren, um im ersten Jahr zu beginnen. Da Percival dich bereits in einigen Bereichen unterrichtet hat, werden wir dich einem Test unterziehen, der dein Wissen auf die Probe stellt, damit wir einschätzen können, wo wir ansetzen müssen.“
„In Ordnung“, sagte Credence mit kratziger Stimme. Er räusperte sich. Die Aussicht darauf, gleich am Anfang einer Prüfung unterzogen zu werden, machte ihn nervös.
Dumbledore nickte und warf ihm über die Ränder seiner Brillengläser einen sanften Blick zu. „Bis die Einzelheiten geklärt sind, möchte ich dich bitten, in die Höhle zurück zu kehren und dort zu wohnen. Das Zelt trägst du bei dir?“
Zur Antwort hob Credence den kleinen Stoffbeutel in die Höhe. Dumbledore sah zufrieden aus.
„Es wird nicht für lange sein“, versprach er und lehnte sich zurück. „Und du bist jetzt freier als zuvor“, rief er ihm ins Gedächtnis, „Du kannst gehen wohin du möchtest, niemand wird dich aufhalten oder dich festnehmen. Vielleicht nutzt du die Zeit, um dir Hogsmeade anzusehen? Da gibt es einige Läden, die dir gefallen könnten. Trägst du Geld bei dir?“
„Ein wenig…“, sagte Credence und dachte mit mulmigem Gefühl an die wenigen Sickel und Galleonen zurück, die ihnen auf die letzten Tage noch geblieben waren.
„Das ist kein Grund zur Beunruhigung“, sagte Dumbledore, der seinen Gesichtsausdruck gesehen hatte und lächelte, „Der MACUSA soll für deine Lebenshaltungskosten aufkommen. Wir werden dafür sorgen, dass sie sich an diese Vereinbarung halten.“
Credence nickte. Dankbarkeit kam in ihm auf. Der Mann sorgte sich rührend darum, dass er nicht den Boden unter den Füßen verlor, ohne einen Gegenwert zu verlangen. Es wärmte ihm das taube Herz so sehr, dass er erneut in Tränen ausbrach.
Dumbledore reichte ihm milde lächelnd ein Taschentuch.
„Alles wird gut, Credence“, sagte er und Credence schluchzte erneut auf. Diesen Satz hatte er in den letzten Stunden so oft gehört, dass er ihn schmerzhaft an Percival erinnerte. Dennoch nickte er, denn er wollte gern an der Hoffnung festhalten, um die Tage irgendwie zu überstehen. Zu wissen, wie es für ihn in den nächsten Tagen weitergehen sollte, half ihm, etwas wie eine Perspektive aufzubauen.
„Ich lasse dir etwas zu essen aus der Schulküche einpacken“, sagte Dumbledore und schnippte dann mit dem Finger, ehe er „Holly“ sagte. Es knallte und plötzlich stand ein kleiner Hauself neben ihnen, der sich tief verneigte. „Meister Dumbledore hat Holly gerufen?“
„Bitte pack für unseren Freund ein wenig Essen ein“, bat Dumbledore freundlich, „Von allem etwas. Es sollte für zwei Tage reichen.“
„Holly tut was Meister Dumbledore ihr befielt“, sagte der Hauself ergeben und Credence stutzte, als ihm klar wurde, dass es eine Elfe war. Es knallte erneut und sie verschwand in einer Rauchwolke.
Credence sah sie verschwinden und wünschte sich, er könnte sich genauso einfach in Rauch auflösen. Es kam ihm armselig vor und er schüttelte den Kopf, um den negativen Gedanken zu vertreiben.
Dumbledore hatte den Blick von ihm abgewandt und schaute versonnen an einen Punkt irgendwo hinter ihm und Credence nutzte die Gelegenheit, um sich zu sammeln und ein wenig Ruhe in sich zu finden. Unter den jetzigen Umständen war das ein Ding der Unmöglichkeit, doch immerhin gelang es ihm, weitere Tränen zu unterdrücken. Er trank noch einen Schluck Tee, während sie schwiegen und leerte die Tasse schließlich ganz.
Es knallte erneut und in einer Rauchwolke erschien die Hauselfe. Sie trug ein großes Päckchen, das ähnlich aussah wie jene Fresspakete, die Credence bereits zuvor von Dumbledore erhalten hatte.
„Vielen Dank, Holly“, sagte Dumbledore und nahm ihr das Päckchen ab. „Du kannst gehen.“
Holly verbeugte sich und verschwand abermals, während sich Dumbledore langsam erhob. Credence schaute zu ihm auf.
„Ich bringe dich zur Höhle“, sagte Dumbledore freundlich und reichte das Essen an ihn weiter. Credence schob das kleine Stoffsäckchen in eine Tasche seines Umhangs und nahm das Päckchen entgegen.
Er folgte Dumbledore aus dem Schloss heraus und über das Schulgelände. Hin und wieder kamen ihnen Schüler unterschiedlichen Alters entgegen, in lange schwarze Umhänge gehüllt wie jenen, den er selbst trug. Einige von ihnen blickten Credence neugierig hinterher. Er senkte den Blick und tat, als wären sie nicht da. Er mochte die Aufmerksamkeit nicht.
Als sie an den Toren des Schulgeländes angelangten, hielt ihm Dumbledore seinen Unterarm hin. „Ich denke, wenn wir apparieren, sind wir schneller“, sagte er. Zögernd ergriff Credence den Arm. Keine Sekunde später verschwanden sie, wurden eng zusammengedrückt und ihm trieb es die Luft aus den Lungen. Dann weitete sich die Welt um sie herum wieder aus und als er festen Boden unter den Füßen fand, stand er am Eingang der Höhle. Credence keuchte und fühlte, dass sich seine Kehle schmerzhaft zuschnürte, obwohl das Apparieren vorbei war. Heute Morgen noch war er mit Percival gemeinsam hier gewesen. Und er hatte Percivals Worten geglaubt, dass sie zusammen zurückkommen würden. Nun ohne ihn hier zu stehen, überwältigte Credence erneut. Er nahm einen zittrigen Atemzug, während ihn eine neue Tränenwelle überrollen wollte. Er fühlte Dumbledores Hand auf seiner Schulter.
„Kannst du das Zelt allein aufstellen?“, fragte der Mann sanft.
Credence nickte fahrig, während ihm die Tränen über die Wangen liefen. Starr blickte er in die Höhle hinein, doch er nahm sie kaum wahr.
„Ich werde jetzt gehen“, sagte Dumbledore leise. „Sollte irgendetwas sein, bin ich jederzeit für dich da. Hogwarts steht dir offen. Die meiste Zeit findest du mich in meinem Büro.“
Credence nickte erneut, während er sich auf die Unterlippe biss, um ein Schluchzen zu unterdrücken. Dumbledore drückte seine Schulter. „Das ist nicht das Ende, Credence“, erinnerte er ihn, „Es ist der Anfang.“
Nun erlaubte sich Credence noch ein Schluchzen.
„Halte durch. Er würde nicht wollen, dass du leidest.“
Fahrig wischte sich Credence mit einem Ärmel die Wangen trocken und nickte noch einmal. Er holte tief Luft und gab sich Mühe, weitere Tränen zurück zu halten.
Dumbledore ließ ihn los. „Ich werde dich morgen Abend besuchen“, sagte er. Es klang wie ein Versprechen. Etwas, woran sich Credence klammern konnte, um die nächsten Stunden zu überstehen. „Ist gut“, sagte er leise.
Dumbledore trat einen Schritt zurück und Credence, der um Fassung rang, griff mit zitternden Fingern nach dem kleinen Stoffbeutel und öffnete ihn. Er kramte nach dem Zelt, fand es und zog es heraus. Dann legte er das eng zusammengerollte Bündel auf den Boden, zog den Zauberstab und wies darauf. Vor seinen Augen baute sich das Zelt auf.
„Sehr schön“, hörte er Dumbledore anerkennend sagen. Credence wandte sich zu ihm herum. Er besann sich seiner guten Erziehung und senkte kurz vor ihm den Kopf. „Danke, dass Sie mir helfen bei… allem.“
Dumbledore lächelte. „Gern“, sagte er und nickte ihm dann zu. „Also dann, morgen Abend sehen wir uns wieder.“
„In Ordnung“, sagte Credence leise und wandte sich dem Zelt zu.
„Ach, und Credence?“, fragte Dumbledore, als Credence schon den Zelteingang zur Seite schlagen und eintreten wollte. Der junge Mann drehte sich wieder zu ihm herum und schaute ihn an.
„Vor einigen Jahren, als meine Beziehung zu Grindelwald öffentlich wurde, gab es einen ziemlichen Skandal“, sagte Dumbledore und schenkte ihm ein bitteres Lächeln, „Mittlerweile gerät diese Sache in Vergessenheit und es ist mir gelungen, meinen Ruf wiederaufzubauen. Dennoch wäre ich dir dankbar, wenn du das, was ich dir über mich erzählt habe, für dich behalten würdest.“
„Natürlich“, sagte Credence aufrichtig. Dumbledore nickte zufrieden.
„Bis morgen“, sagte er.
„Bis morgen“, antwortete Credence.
Dann trat Dumbledore einen Schritt zurück und disapparierte mit einem Knall. Credence holte tief Luft und trat ins Zelt ein.

Er hatte es nicht für möglich gehalten, was ihn alles an Percival erinnern konnte. Das Sofa, auf dem sie so oft gesessen hatten. Der Esstisch, an dem sie gegessen hatten. All die Erinnerungen an schöne Stunden… All das war Vergangenheit. Und Credence stand hier, unschlüssig im Eingangsbereich und hatte beinahe das Gefühl, dass er sich die Erinnerungen mit Percival nur eingebildet hatte. Sie schienen so weit weg zu sein.
Was ihn am meisten schmerzte, war die Tatsache, dass er ihn überall sah und doch allein hier war. Sie hätten gemeinsam zurückkommen sollen. Diese Hoffnung war nicht eingetreten.
Credence sank das Herz so weit, dass ihm übel wurde. Seine Eingeweide verkrampften sich in dem kalten Griff der Trauer. Der Würgreflex trat ein, während ihm neue Tränen kamen.  
Hastig stürzte er zur Toilette und kniete sich dann davor nieder. Er würgte, während ihm das Wasser aus den Augen tropfte, doch es kam nichts als Spucke. Am liebsten hätte er sich das Herz herausgerissen. Es fühlte sich kalt und tot in ihm an, als würde er einen Klumpen Eisen in der Brust tragen.
Weinend und vor Kraftlosigkeit zitternd brach Credence mitten im Bad zusammen und sank vollends auf den Boden. Er konnte nicht anders. Seine Atmung wurde flach, während ihn die letzten Tränen verließen.
Bald hatte er nicht mal mehr die Kraft, zu weinen. Die Tränen versiegten. Er blieb im Bad liegen, ungeachtet der kalten Fliesen. Sie kamen an die Kälte in seinem Inneren nicht heran.
Gnädiger Schlaf holte ihn und gab ihm, wenigstens für einen Augenblick, so etwas wie Ruhe.
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