Dussel und Wastel

KurzgeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12
Dussel
02.11.2017
02.11.2017
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Es war einmal in einem Wald in Kentucky, weit, weit weg von Entenhausen.

Eine kleine Ente in hellblauem Pulli und mit ebenso hellblauer Mütze rennt durch den Wald.
Er hat sich wieder mal mit seinem Onkel Dussel gezankt.
Er wollte doch nur etwas Spaß!
Er rennt und rennt durch die Einsamkeit der Wälder

Bis er mit etwas zusammen stößt.
Er landet ziemlich unsanft und erst, als er sich umsieht, sieht er, was es ist, mit dem er zusammengestoßen ist.
Er sieht auch, dass es kein "etwas" ist, sondern ein "jemand".
Es ist auch kein Tier, sondern ein Mensch.
Eindeutig ein Mann.
Sogar ein Duck, wie Didi bemerkt, als er ihm im Gesicht sieht.

Moment... kennt er ihn nicht aus Onkel Dussels Fotoalbum? Ist das nicht...
"Onkel Wastel!", ruft er erstaunt aus.
Der Mann, also Wastel hat die ganze Zeit nur ruhig, aber mit finsterem Gesichtsausdruck dagestanden.
Jetzt erhellt sich sein Gesicht sogar leicht.
"He, Kleiner, warum Onkel?", fragt Wastel verwirrt.
Dann kommt ihm ein Gedanke. Ist der Kleine etwa...
"Bist du der Sohn meiner Schwester, der bei meinem Bruder lebt?"
"Ja, ich heiße Didi."
"Didi Duck?"
"Genau."
"Wow..." Wastel keucht. "Schön, dich kennenzulernen. War schon ziemlich einfach bisher, ohne Familie. Ist dein Onkel hier?"
"Nee, ich bin abgehauen."
"Sehr gut, wer will schon bei dem bleiben?"
Wastel kann seinen jüngeren Bruder nicht sonderlich leiden, da er zu scheu ist.

"Bist du ganz allein hierher gekommen?", fragte er Didi.
"Ja, ich bin von Entenhausen hier nach Kentucky geflogen."
"Alleine?"
"Ja."
"Wow!" Sofort umarmt Wastel Didi. "Alle Achtung, das zeigt, dass du nicht so tickst wie dein Vormund! Sei mein Gast!"

Wastel führt das Kind zu seiner Hütte.
"Ruh dich aus, kaum zu glauben, dass du so einen langen Flug allein durchgestanden hast, nicht mal ich hätte mir das mit... wie alt bist du?"
"Vier."
"Alle Achtung! Mit vier hätte das nicht einmal ich geschafft, und ich war schon früher immer der Mutigste meines Jahrgangs." Dann wechselt er das Thema. "Hast du Durst?"
"Was hast du denn da?", fragt Didi neugierig.
"Nun ja... ich hätte Cola da."
"Wow!" Didis Augen funkeln. "Ich wollte schon Cola trinken, seitdem Onkel Dussel mich aus dem Dschungel geholt hat, aber er erlaubt es mir nicht, da ich finde, dass ich zu klein bin. Dabei bin ich größer als andere in meinem Alter!"
Wastel lächelt.
"Er meint, dass du zu jung bist."
"Findest du das etwa auch?"
"Nein, nein, ich habe auch in dem Alter meine erste Cola getrunken."
Schnell holt Wastel eine Flasche aus seinem Mini-Kühlschrank, öffnet sie und gießt Didi etwas in Glas.
Er streicht dem Kleinen durch die Haare und sagt: "Cola ist kein Problem, solange du nicht zu viel trinkst."
Didi lächelt und denkt sich: Hier geh ich nicht mehr weg, Wastel ist nun mein neuer Onkel, hier im Wald ist es eh viel cooler als in der doofen Stadt!

Jedoch will es der Zufall, dass Donald und Dussel wenige Stunden später einen Auftrag des DGDs erhalten, der sich ausgerechnet nach...

...Kentucky führt. Und zwar mitten in den Wald.
Donald ist wieder mal mächtig schlecht gelaunt.
Dussel ist zwar heiterer, aber innerlich besorgt.
Hat Didi wirklich seine Drohung wahr gemacht und ist abgehauen?
Er hat das schon einmal gemacht, aber nur, weil er dachte, sein Onkel würde ihn nicht lieben.
Ein paar Stunden später wurde er zusammen mit seiner besten Freundin Cintia Pavia und einem anderen Jungen - dem Sohn eines Autors von Büchern über Kindererziehung - wiedergefunden.

Als Donald und Dussel über dem Wald ankommen, landet der Flieger natürlich nicht, was auch daran liegt, dass es in der Nähe keinen Flugplatz gibt.
Also müssen die beiden mit einem Fallschirm abspringen.

Die Landung ist dieselbe wie immer: Dussel landet sanft, Donald hingegen auf einem Mammutbaum.
Dann marschieren die beiden ein wenig durch die Wälder, bis...

...bis Dussel ausruft: "Hey Donnie! Schau mal wer da ist!"
"Wer denn?", fragt Donald, und noch bevor er eine Antwort kriegt, rennt Dussel los.
"Hey! Dussel", schreit Donald, doch Dussel hört ihn nicht.

Der Grund: Dussel hat in der Ferne erkannt, wie er im Walt in einer Lichtung zusammen mit ein paar Waldarbeitern Fußball spielt. Ist ja selbstverständlich, ist ja auch der Neffe des Chefs.

"Hey! Didi! Da bist du ja!", ruft Dussel erleichtert aus, rennt zu Didi hin und umarmt ihn fest. "Du hast doch versprochen, nie wieder wegzurennen!"
"Lass ja von meinem Kleinen die Finger los, sonst kriegst du es mit mir zu tun!", bellt da auf einmal eine düstere Stimme.
Dussel schaut sich um.

"Wastel?", ruft er aus.
"Dussel?", ruft die Stimme zurück. "Was machst du denn hier?"
"Die Frage ist eher", entgegnet Dussel, "was mein Neffe bei dir macht."
"Er ist abgehauen", meint die Stimme trocken, es ist natürlich die Wastels. "Bei mir gefällt es ihm nun einmal viel besser. Hat er selbst gesagt."
"Hat er nicht!", knurrt Dussel.
"Hat er doch!", entgegnet Wastel.
"Hat er nicht!", entgegnet Dussel zurück-
"Hat er nicht!", grinst Wastel.
"Hat er doch!", brüllt Dussel, ohne nachzudenken.
"Nah siehste", sagt Wastel grinsend.

"Wie auch immer", schnaubt Dussel, "verbiete ich dir, mir meinen Neffen wegzunehmen!"
"Dein Neffe ist auch meiner", meint Wastel mit verschränkten Armen, "auch wenn ich mich schäme, dich als Bruder bezeichnen zu müssen."
"Jetzt reicht's!", schreit Dussel. "Jetzt auch noch frech werden! Noch ein Wort und ich hau dich sowas von durch!"
"Das ich nicht lache", grinst Wastel. "Der größte Schwächling jenseits von Mexiko will mich verhauen! Überhaupt, ich bin Holzfäller."
"Das ist mir sowas von wurscht!", brüllt Dussel. "Ich sehe schwach aus, habe aber auch geheime Kräfte!"
Sofort stürzt er sich auf seinen älteren, vermeintlich stärkeren Bruder und ein handfester Streit beginnt.

Didi kann sich das nicht länger mit ansehen.
"AUFHÖREN!", schreit er aus voller Kehle. "Schämt ihr euch denn nicht? Ihr seid Brüder und habt euch Jahre nicht gesehen! Los, vertragt euch!".

Sofort hören Wastel und Dussel von einer Sekunde auf die andere auf.
Beide haben ganz zerzauste Haare.
Beide stehen auf, schütteln sich die Hände, umarmen sich und gucken sich schuldbewusst an.
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