Masken

von Narina
GeschichteAbenteuer, Familie / P16
02.11.2017
12.11.2017
5
4188
2
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Hier dann also auch mein Beitrag zum Wettbewerb. Wenn schon ganz viele Cosplays zu FE geplant und teils fertig/in Arbeit sind, muss ich diese Gelegenheit doch auch nutzen. Ich wünsche viel Spaß!
Im Falle eines Gewinnes würde ich die Switch Variante bevorzugen.
_____

Das Geräusch vertrauter Schritte riss Lian aus ihrer Konzentration. Sie ließ das Buch sinken und blickte auf, spürte Sorge als Knoten in ihrem Magen, als sie Shions Grinsen sah. Sollte er nicht im Unterricht sein?

„Es sind neue Händler in der Stadt“, kam er ohne Umschweife zum Thema und sie seufzte.

„Mutter hat uns verboten, das Schloss zu verlassen. Es ist zu gefährlich.“

Shion seufzte dramatisch und ließ sich aufs Sofa fallen, knapp neben die Dokumente, die sie dort abgelegt hatte. „Lian, sie ist nicht da. Es ist nie etwas passiert, wenn wir draußen waren, sie wird nicht einmal davon erfahren!“

Lian klappte das Buch zu und sah ihn wieder direkt an. „Neue Händler, sagst du?“

Er nickte begeistert und es war schwer, sich von seiner Freude nicht anstecken zu lassen. „Wir können auch unsere Schwerter mitnehmen, wenn dich das beruhigt.“

Mit einem knappen Nicken legte sie ihre Lektüre beiseite und stand auf. Er hatte recht, ihnen war nie etwas passiert und sie waren dreizehn, sie konnten sehr gut auf sich aufpassen. Außerdem, was sollte bei einem Besuch auf dem Markt schon passieren? Lian folgte ihrem Bruder aus der Bibliothek und sah sich vorsichtig um, doch niemand bemerkte sie, als sie ihre Waffen holten und in die Geheimgänge schlichen.

Draußen war es warm und sonnig und im Stillen dankte sie ihrem Bruder dafür, sie aus der stickigen Bibliothek geholt zu haben. Das Lachen der Leute war bereits aus der Entfernung zu hören, ebenso die Musik der reisenden Schausteller. Lian entspannte sich, als sie durch vertraute Straßen ging und ihr die ersten Gerüche in die Nase stiegen, von exotischen Gewürzen und heimischen Delikatessen. Ihr Magen knurrte und sie erinnerte sich daran, dass sie nicht zum Mittagessen erschienen war.

„Sieh mal.“ Shion klang fasziniert und als sie seinem Blick folgte, blieb sie erstaunt stehen. Ein Pegsasus und ein Wyvern standen friedlich beisammen und hatten die Köpfe aneinander gelehnt, während sie abwechselnd mit den Flügeln schlugen, um Insekten zu vertreiben. Lian hatte davon gehört, dass die Reiter beider Spezies zusammenarbeiten konnten, aber eine solche Vertrautheit war ihr nicht bekannt gewesen. „Können wir uns das näher ansehen?“

„Nein“, beharrte sie. Wem auch immer die Tiere gehörten, die Besitzer würden es wohl nicht mögen, wenn Fremde einfach so vorbeikamen. „Komm, wir suchen uns was zu essen“, schlug sie vor. Das erregte zumindest seine Aufmerksamkeit und er setzte sich wieder in Bewegung, lächelte strahlend den Leuten zu und schaffte es, sich von ihnen nicht aufhalten zu lassen.

Als sie weniger später mit heißen Waffeln auf einer Bank saßen, nahm Lian sich Zeit, die Marktbesucher zu betrachten. Sie hatte das Gefühl, beobachtet zu werden, aber das war nicht ungewöhnlich. Immerhin waren sie die Kinder des Königspaares. Irgendetwas gefiel ihr daran jedoch nicht, es war, als würde die Dunkelheit, die anderswo im Land lauerte, sich auch hierhin ausbreiten.

„Zieh nicht so ein Gesicht.“ Shion klopfte ihr auf die Schulter und sie bemühte sich um ein Lächeln. Es war nicht leicht, nun, da sie nicht mehr von Hunger und Neugierde getrieben war. Irgendetwas schien in den Schatten zwischen den Ständen zu lauern und ihr in den Nacken zu atmen.

„Spürst du nichts?“, erkundigte sie sich bei ihrem Bruder, doch er zuckte nur die Schultern.

„Nur freundliche Blicke“, erklärte er, die Füße von sich streckend und die Augen schließend. Wie konnte er so sorglos sein? Täuschte ihre Wahrnehmung sie wirklich? Oder war nur sie in der Lage, zu erkennen, dass dort eine Bedrohung warten konnte?

Lian sah sich aufmerksamer um, doch sie konnte niemanden entdecken. Die beiden Frauen, die sich in der Nähe Kleider ansahen, stammten nicht von hier. Von ihnen ging jedoch auch keine Gefahr aus, soweit sie das sagen konnte. Eine von ihnen, mit kurzen, roten Haaren, wehrte sich entschieden gegen den Vorschlag, ein knapp geschnittenes Kleid anzuziehen. Die andere schmollte, wickelte eine Strähne lilafarbenen Haares um einen Finger und stieß weiterhin auf taube Ohren. Lian schüttelte den Kopf. Irgendwo hinter den Frauen, in der Dunkelheit, die die Sonne nicht erreichen konnte, konnte sie eine Bewegung ausmachen, flüchtig und viel zu vage, um sicher sein zu können, dass es sich um mehr als einen Streich ihrer Sinne gehandelt hatte.

„Schwesterherz.“

„Huch?“ Sie schüttelte erneut den Kopf. „Verzeihung, ich war in Gedanken.“

„Du machst dir zu viele Sorgen“, sagte er. „Genieß den Tag. Mutter wird bald wieder zu Hause sein und dann haben wir keine Gelegenheit mehr, uns fortzuschleichen.“

Lian seufzte. Vielleicht hatte er recht. Die diplomatischen Missionen ihrer Mutter waren selten genug, dass sie jede Chance nutzen sollten. Und dennoch wurde sie das mulmige Gefühl nicht los, konnte nicht verhindern, ständig über die eigene Schulter zu sehen, als sie unterwegs waren. Den Waren der Händler schenkte sie kaum Aufmerksamkeit.

Nur bei den Schaustellern blieben sie eine Weile stehen. Lian trat dichter an ihren Bruder, als einer der Tänzer sie von seinem Pausenplatz aus eindringlich beobachtete. Sie konnte ihn nicht einschätzen, er wirkte zu fremd und unnahbar und sie konnte beim besten Willen nicht sagen, ob er wirklich nur als Schausteller hier war oder ob ihre Paranoia langsam gute Gründe bekam.

„Können wir wieder gehen?“, flüsterte sie schließlich, als ihr auffiel, wie sie ihre Hand um den Griff des Schwertes verkrampft hatte.

Shion wollte protestieren, doch sie hielt seinem Blick stand und er runzelte die Stirn. Offenbar merkte er jetzt, wie wichtig ihr die Rückkehr ins Schloss war. „Na gut“, erwiderte er mit einem tiefen Seufzer. Als sie merkte, welchen Weg er einschlug, war es bereits zu spät für eine Warnung. Sie hatten die dunkle Gasse, den kürzesten Weg zurück, erreicht, als sie plötzlich in ein grinsendes Gesicht hinter einer Axt blickten. Lian wirbelte herum, doch auch von anderen Seiten stürmten Angreifer auf sie zu. Ihr Herz schlug unnatürlich schnell, als sie trotz der gegnerischen Überzahl ihr Schwert zog.
Review schreiben
 
'