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Nullerjahre

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Bob Andrews Justus Jonas Peter Shaw
01.11.2017
28.02.2021
16
51.773
22
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01.11.2017 504
 
Hier der Link zum Cover:https://picload.org/view/drrpwari/0678b1c7-c43f-4afb-81a8-1fb15b.jpg.html


Nullerjahre

Prolog
Es ist wie bei allen Hochzeiten. Sie ist überirdisch schön mit ihren hochgesteckten Haaren und dem weißen Kleid und er einfach nur strahlend glücklich.
Es tut dir leid, dass du es nicht bist. Du hast dir wirklich Mühe gegeben, das kann dir keiner vorwerfen, aber was soll man gegen diese verdammten Gefühle schon tun?
Da gibt es keine Pille für wie für Kopfschmerzen. Einfach mal kurz einwerfen und weiter geht es. Gefühle sind fies, heimtückisch und sie jucken wie alte Narben bei kaltem Wetter.
Das kleine Standesamt von Rocky Beach ist bis auf den letzten Platz besetzt und immer noch genau so rustikal in seinem achtziger Jahre Charme wie du es in Erinnerung hast.
Hier vergeht die Zeit nicht. Hier wird die Welt unter einer Schicht von Staub konserviert wie in einem alten Grab. Du fragst dich, ob irgendwann jemand kommen wird und Schicht für Schicht mit einem Pinsel und viel Geduld freilegen wird.
Doch was wird er finden?
„Sie dürfen die Braut jetzt küssen."
Und das tut er.
Die Leute johlen.
Blitzlichter flammen auf.
Wahrscheinlich war die Standesbeamtin auch schon immer da.
Du rückst unruhig auf deinem Stuhl hin und her und lässt den Blick durch die Menge schweifen. Der Mann neben dir räuspert sich, weil du ihn aus Versehen angestoßen hast. Egal.
So viele Gesichter, die dir vertraut sind, jedenfalls dann, wenn man ein paar Jahre von ihnen abrechnet wie von einer Gleichung.
„Netter kleiner Ort. Ein bisschen Retro vielleicht, aber irgendwie hat das ja etwas.“ Der Mensch an deiner Seite lehnt sich in seinem Stuhl zurück. „Es muss nett gewesen sein, hier aufzuwachsen."
Du weißt nicht, was du ihm antworten sollst. Dass nett ja irgendwie die kleine Schwester von scheiße ist? Dass es dir leidtut, ihn mit hierher geschleppt zu haben und dann die ganze Zeit Trübsal zu blasen und an jemand Anderen zu denken?
Du zuckst nur mit den Schultern.
Das Brautpaar hat den Raum verlassen, wahrscheinlich, um draußen vor dem Ozean noch weiter abgelichtet zu werden. Die ersten Gäste tun es ihm gleich.
Du hasst das Kratzen der Stuhlbeine über den Linoleum-Boden, das Nuscheln ihrer Stimmen.
„Alles gut?"
Du spürst die Hand des Menschen auf deiner Schulter, seinen besorgten Blick in deinen Haaren.
Nein, es ist nichts gut!
Die Welt verschwimmt vor deinen Augen, doch du zuckst nur mir der Schulter.
Du zuckst mit der Schulter und denkst nach. Über früher und wer du damals warst und wie verrückt doch das Leben ist, dass es uns an Orte wie diese hier führt, wenn man gar nicht mehr hier sein will. Du denkst nach über die Auswirkungen, die schon kleinste Entscheidungen haben, die wir treffen, und wie viele Leben es eigentlich gibt, die wir nicht leben, und in diesem Moment, da ist dir das Leben, das du nicht führst, näher als dein eigenes und du wünschst dir sehr, du könntest einfach hinüberspringen und alles wäre gut.
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