Prinzipien

von SmaFla
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16
"Howlin' Mad" Murdock Bosco "B.A." Baracus John "Hannibal" Smith OC (Own Character) Templeton "Face" Peck
31.10.2017
31.10.2017
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31.10.2017 1.584
 
"Na, hat dir die kleine Vorstellung gefallen?" fragte eine amüsierte Stimme hinter ihr und auch wenn Scarlets Augen sich noch nicht an das helle Licht gewöhnt hatten; vor ihrem inneren Auge sah sie deutlich einen grinsenden Mann mit kurzen weißen Haaren und einer Zigarre im Mund.

Sekunden später roch sie den charakteristischen Rauch und setzte sich auf. Vor ihr erblickte sie unscharf eine geöffnete Türe die in einen kleinen holzverkleideten Raum führte. Darin befanden sich eine Bank und etwas darüber, ein kleines Wandregal. Da musste sie sich den Kopf gestoßen haben.
Mit zittrigen Knien stand sie auf und traute ihren Augen nicht.
Aber ohne Zweifel. Das war eine kleine Sauna.

"Ich bin hier, weißt du?" ertönte die selbe Stimme erneut und Scarlet drehte sich langsam um.
Hannibal saß lässig auf einem Stuhl, die Füße auf einen anderen gelegt und stütze sich mit einem Arm auf den danebenstehenden Tisch, die Zigarre im Mundwinkel.

Ihre Angst wandelte sich in Wut um und ihr Gesicht verzerrte sich.
"Na komm schon, das war doch ein netter kleiner Spaß, oder?" fragte der Colonel als sich die junge Frau in Bewegung setzte und die Fäuste ballte.
Lässig legte er seine Zigarre in den Aschenbecher auf den Tisch und wartete bis sie nah genug herangekommen war.
Als sie zum Schlag ausholte packte er ihr Handgelenk und ehe sie sich versah lag sie bäuchlings auf dem Boden, ein Arm nach hinten gedreht und Hannibals Knie im Rücken.
"Wenn Sie Zeit brauchen sich zu entspannen, die Sauna hat noch bis 22:00 Uhr geöffnet:" informierte er sie im Ton eines Hotelpagen.
"Warum tust du das?" presste Scarlet die Worte zwischen ihren Zähnen hervor und schnappte nach Luft.
"Nun, du hast mich angegriffen und ich musste mich verteidigen." erklärte er mit unschuldiger Stimme, ohne auch nur im geringsten den Griff zu lockern oder etwas Gewicht von ihrem Rücken zu nehmen.
"Du weißt genau was ich meine." keuchte sie.
"Hm, tut mir Leid, ich glaube du musst mir weiterhelfen."
Wütend versuchte sie sich aufzubäumen, mit dem Erfolg dass ihre Schulter gefährlich knackte und so ließ sie es lieber bleiben.
"Ich habe Zeit." meinte Hannibal gelassen und versuchte, mit der freien Hand seine Zigarre auf dem Tisch zu erreichen, schaffte es aber nicht.
"Na gut, vielleicht doch nicht so viel, also reg dich lieber ab Kleine."
Einen Moment schien Scarlet noch zu überlegen, dann merkte der Colonel wie der Körper unter ihm erschlaffte.
Er ließ sie los und stand auf.
Scarlet bewegte ihren verdrehten Arm vorsichtig auf die ihm bestimmte Position zurück und setzte sich nun schon zum dritten Mal innerhalb weniger Minuten auf.

Sie ignorierte die ausgestreckte Hand Hannibals, zog sich am nächsten Stuhl hoch und ließ sich schwer atmend auf selbigen fallen. Der Colonel hatte ihr ganz schön die Luft abgedrückt.

Hannibal nahm die Zigarre wieder auf und ließ sich auf dem selben Stuhl von vorher nieder. Ein wenig beeindruckt war er ja schon. Bisher hatte es keine Tränen oder hysterisches Kreischen gegeben und trotz der Behandlung von gerade bekam er immernoch böse Blicke ab.
Er wartete Geduldig bis ihre Atmung sich wieder normalisiert hatte und ergriff dann was Wort.
"Ich nehme an du hast ein paar Fragen." sagte er in geschäftsmäßigem Ton und mit ernster Miene.
"Wenn ja, dann ist jetzt der richtige Moment sie zu stellen." Er blies etwas Rauch in ihr Gesicht und sie hustete.

Sie sah sich im Raum um, ein rustikal eingerichtetes Zimmer, der Teil in dem sie saßen ließ sich durch eine fahrbare Wand vom Saunabereich trennen. Neben dem Tisch standen Regale mit Büchern und Gesellschaftsspielen, weiter hinten gab es eine kleine Lounge mit Sesseln, einer Couch und einem Backsteinkamin. Eine große Glastür führte nach draußen in den Garten, dahinter  sah sie nichts als Berge und Wälder.

"Warum bin ich hier?" fragte sie nach einer Weile. "Wo sind wir? Und wielange habe ich geschlafen? Warum habe ich überhaupt geschlafen?"
Sie stützte sich auf dem Tisch ab. Der kleine Kampf gerade hatte ihr die letzten Kräfte geraubt.

"Welche Antwort willst du zuerst hören?"
"Die auf die letzten beiden Fragen."

"Du hast geschlafen, weil Murdock dich mit einer von B.As Spritzen gegen Flugangst betäubt hat. Da er die Spritze leer gemacht hat und die Dosis gereicht hätte um B.A. für ungefähr fünf Stunden aus dem Verkehr zu ziehen hast du so ungefähr vierundzwanzig Stunden geschlafen."

"Wo sind wir jetzt?"

"Im Tal zwischen Scotland und Los Angeles, also in Kalifornien. In einem Wochenendhaus mit Sauna und angelegtem Angelteich. Hier wird uns keine MP finden."

"Und warum bin ich auch hier?"

"Ah, jetzt wirds interessant. An was kannst du dich noch erinnern?" fragte er und lehnte sich vor.

"An.. alles." antwortete sie.

"Sehr schön, dann kann ich mir die langweilige Nacherzählung ja sparen."
Er sah sie mit durchdringendem Blick an.

"Weißt du, wenn jemand in sein Verderben rennen möchte, versuche ich dieser Person im Allgemeinen zu helfen. Aber wenn diese Person weder auf mich, noch auf eine andere vernünftige Stimme hört, dann mache ich mir keine weitere Mühe und lasse die Person eben in ihr Verderben rennen. Aber in diesem Falle wäre das auch unseres gewesen."

Er wartete ihren fragenden Blick ab und sprach dann weiter.
"Wenn Lynch dich in die Finger gekriegt hätte, und das wäre ohne den geringsten Zweifel passiert, hätte er keine zehn Minuten gebraucht um rauszukriegen wo B.A. arbeitet und dass Murdock immernoch mit uns unterwegs ist. Face und ich haben einen ständig wechselnden Wohnsitz, aber die anderen beiden würden alles verlieren was sie noch haben, vor allem Murdock. Der ist in seiner Anstalt gut aufgehoben und vor allem sicher vor der MP."

Er rückte etwas näher an sie heran und sie lehnte sich unbehaglich zurück.
"Das A-Team hilft vielen Leuten, aber meine Leute gehen immer vor. Immer. Und wenn sie durch das kindische und egoistische Handeln einer verzogenen Göre gefährdet werden, dann kann ich das unter keinen Umständen tolerieren."

In seiner Stimme lag eine bedrohliche Härte und Scarlet schluckte hörbar.
Er lehnte sich wieder zurück und sie entspannte sich ein wenig.

"Ich sehe, es brennt dir eine Frage auf der Zunge."

"Face, ähm, der Lieutenant, hat mir erzählt, dass Amy, eine Reporterin, euch eine Weile geholfen hat und auch schon öfter direkten Kontakt mit der MP hatte. Und ihr habt sie gehen lassen, obwohl ie alles über euch weiß." brachte sie schließlich heraus.

Der Colonel grinste innerlich. Seine Einschüchterungstaktik funktionierte großartig. Aber er behielt seine ernste Miene ohne mit der Wimper zu zucken bei.

"Das war zwar keine Frage aber ich lass das trotzdem mal gelten. Der Unterschied zwischen dir und  Amy ist, dass Amy existiert. Sie ist eine bekannte Reporterin, schreibt für einen großen Verlag und hat viele Freunde. Wenn Lynch sie ein wenig zu hart angefasst hätte oder sie sogar unter fadenscheinigen Gründen hätte verhaften lassen, wüssten sämtliche Staaten am nächsten Morgen Bescheid, inklusive Regierung und sämtliche hochrangigen Militärs. Zeitungen und Medien können einen großen Druck ausüben."

Er machte eine theatralische Pause.

"Bei dir ist das was anderes. Du besitzt keinen Pass, keinen festen Wohnsitz, hast keine sozialen Kontakte und bist eine flüchtige Verbrecherin. Kein Hahn würde nach dir krähen wenn du in irgendeinem dunklen Loch verschwindest. Auf der Flucht erschossen, bei Bandenstreitereien umgekommen oder einfach untergetaucht. Die einzige Identität die du besitzt, ist dein Steckbrief. Und das weiß Lynch auch."

Hannibal wartete, bis die Worte Wirkung zeigten und versetzte ihr dann den Gnadenstoß.

"Du hast jetzt genau zwei Möglichkeiten und lass dir versichert sein, das Angebot ist einmalig. Also hör gut zu."

Er setzte sich etwas gemütlicher hin und paffte nochmal an seiner Zigarre, bevor er sie weglegte.

"Erste Möglichkeit: Wir besorgen dir eine neue Identität, mit Pass und allem drum und dran und du kannst ein neues, bescheidenes und vor allem ruhiges Leben anfangen. Ehrliche Arbeit, keine krummen Dinger, kein hochrangiger Posten, keine Öffentlichkeit. Kellnerin, Dienstmädchen, Putzfrau, eben sowas.
Zweite Möglichkeit: Du bleibst und wirst ein mehr oder weniger freier Mitarbeiter des A-Teams. Du hast ein paar Eigenschaften die wir ganz gut gebrauchen können, du bekommst eine kleine Ausbildung in Nahkampf und militärischen Codes, lernst Schießen und hast die Möglichkeit deine Taten zumindest etwas wieder gut zu machen."

Wieder eine kleine Pause.
"Wir geben dir Zeit zum Überlegen, aber eins solltest du noch wissen. Falls du die erste Möglichkeit wählst, bricht jeglicher Kontakt zwischen uns ab. Du vergisst wer wir sind und was wir zusammen erlebt haben. Einfach alles. Und falls wir jemals was von dir hören, in der Zeitung lesen oder auch nur den leisesten Verdacht haben, dass du wieder krumme Dinge drehst und meine Leute und mich damit in Gefahr bringst, kommen wir zurück. Und glaub mir, wir werden dich finden."

Seine Stimme glich einem Rasiermesser und die schwarzen Lederhandschuhe knirschten, als er eine Pistole aus seinem Hosenbund zog und sie beiläufig auf den Tisch legte.
"Deine Wahl."

Dann sah er auf die Uhr.

"Ich gehe jetzt eine Runde Angeln mit den Jungs. In zwei Stunden sind wir mit dem Abendessen wieder da und dann möchten wir eine Antwort hören."

Ohne eine Reaktion abzuwarten stand der Colonel auf und verließ den Raum.