Ein Vorbild als Traum

von Twiety
GeschichteFantasy / P12
Lian Shion
31.10.2017
10.11.2017
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Die drei Kinder wurden am nächsten Morgen von Lofus geweckt. Die Sonne war erst zur Hälfte am Horizont zu sehen, folglich musste es noch sehr früh sein.
,,Junger Mann, wie geht es euch?“ fragte Lofus an Darios gerichtet.
Darios, welcher erst halb wach und nicht ausgeschlafen war, da sie fast die gesamte Nacht wach gewesen waren, nuschelte :,,Perfekt, nur Hunger habe ich“.
Der junge Heiler schmunzelte.,, Wenn ihr möchtet, könnt ihr in den Speisesaal gehen. Ich werde in der Küche Bescheid geben, dass sie euch euer Frühstück bereiten sollen“, sagte er an die drei Kinder gerichtet.
,,Sollen wir nicht auf Mutter, Vater und Onkel Anton warten?“, fragte Lian.
,,Meines Wissens nach, haben eure Eltern und euer Onkel sich die ganze Nacht beraten, wie sie vorgehen wollen. Sie werden vermutlich noch einige Zeit schlafen.“, erklärte Lofus.
Darios guckte den Heiler finster an uns sagte kühl:,, Sie beraten also, wann sie mich endlich wieder nach Hause bringen, nachdem sie mich einfach entführt haben? Oder töten sie mich gleich?“.
Lofus schaute Darios perplex an und entgegnete:,,E-Entführt? Davon weiß ich nichts junger Mann, aber ich bin sicher, dass ihnen nichts geschehen wird. Das würde unsere gütige Königin niemals zulassen!“
,,Wenn sie das sagen“, gab Darios, offensichtlich an Lofus Worten zweifelnd, zurück.
Shion verfolgte verwirrt das kurze Gespräch von Darios und Lofus. Er konnte nicht glauben, dass Darios auf dem Wyvern von seinem Vater gesessen hatte, weil er entführt worden war, und dass auch noch von seinem Vater. Er war ein guter Mann, und ein noch besserer Vater. Er könnte niemals ein Kind entführen.
Shion war so in seinen Überlegungen versunken, dass er gar nicht bemerkt hatte, wie die anderen schon aufgestanden waren.
,,Shion? Schläfst du etwa mit offenen Augen? Komm wir wollen frühstücken gehen.“, sprach ihn Lian lächelnd an.
Er errötete kurz, peinlich berührt, stand auf, und ging hinter Lian aus dem kleinen Krankenzimmer hinaus.
Die Stimmung war gedrückt als sie durch die Gänge des Schlosses schritten. Shion konnte immer noch nicht glauben, dass sein Vater Darios entführt haben sollte. Lian schien, auch wenn sie es vorher gut verborgen hatte, ebenso von Darios Aussage überrascht und geschockt zu sein. Darios war am schlechtesten gelaunt. Er schien sich ganz sicher zu sein, dass er recht hatte.
Als sie vor der Tür zum Essenssaal stand, verabschiedete sich Lofus von ihnen, und ging in Richtung Küche.
Die drei Kinder traten ein,setzten sich nebeneinander an den langen verzierten Holztisch, und schwiegen eine Zeit lang. Irgendwann nahm Shion seinen ganzen Mut zusammen. Er musste einfach wissen, was passiert war. Deshalb fragte er Darios:,, Ich frage nicht gerne, aber ich muss wissen ob mein Vater dich wirklich entführt hat, kannst du uns erzählen, was Gestern passiert ist?“.
,,Ich glaube ihr habt recht. Ich sollte es euch erzählen. Vorab müsst ihr wissen, dass mein Vater durch und durch Soldat ist. Er hat trotz der Tatsache, dass er König ist, nie aufgehört einer zu sein. Als mein Großvater noch lebte, war er sogar in der Armee, auch wenn das eigentlich nicht üblich, und auf keinen Fall gern gesehen war. Ich musste mir deshalb auch mein ganzes Leben lang anhören, dass ich zu einem guten Kämpfer werden muss, um seine Ehre nicht zu beschmutzen. Und dieser Krieg bot sich an, damit ich Erfahrung sammeln konnte. I-“, Darios wurde abrupt von Lian unterbrochen, die entsetzt fragte:,, Er wollte, dass du mit auf dem Schlachtfeld kämpfst? Das ist abscheulich!“.
Darios hob beschwichtigend die Hände und erklärte:,, Nein, er wollte, dass ich ein Gefühl dafür bekomme ein Befehlshaber zu sein. Ich sollte erleben wie es sich anfühlt in einem Krieg zu sein. Das mag sich vielleicht schlimm anhören, doch war es das tatsächlich nicht. Ich musste quasi nur anwesend sein, um die Stimmung dort mitzuerleben. Er wollte, dass der Krieg für mich etwas reales ist, und nicht nur ein Wort, dass einen nicht berührt.
Als das Kriegshorn geblasen wurde, war das wie mein Wecker. Ich hätte mich fertigmachen sollen, und dann die Schlacht und ihren Verlauf beobachten sollen. Doch zwanzig Minuten, nachdem das Horn geblasen wurde, kam euer Vater in unser Lager, überwältigte meine Wachen, und trat in mein Zelt. Anscheinend hatte er nicht mit mir gerechnet, sondern mit meinem Vater, denn er sah sehr überrascht aus, als er mich sah. Er hat dann anscheinend kurz abgewägt, was er machen sollte.
Wisst ihr, mein Vater hat mir immer schlechtes über euren Vater erzählt. Dass er ein Heuchler ist, dass er ein Mensch ist, der immer alles mit Gewalt löst, und noch andere solcher Sachen. Ich hatte also über die Jahre einen Hass auf ihn entwickelt, da mein Vater regelmäßig mit neuen Schreckensgeschichten über euren Vater ankam. Und ich habe es geglaubt. Und ich glaube es auch jetzt noch, denn wie euer Vater sich Verhalten hat, passte zu dem, was mein Vater mir erzählt hatte. Er hat meine zwei Leibwachen getötet! Sie waren meine Freunde.....“, Darios hatte sich in rage geredet und jetzt hatte er Tränen in den Augen.
Lian stand auf, ging zu ihm, und umarmte ihn. Shion legte seine Hand auf Darios Schulter, und sagte:,, Es tut mir echt Leid Darios, ich hätte nicht fragen sollen.... Ich wusste nicht, dass dich das so mitnimmt.“
Darios löste sich aus der Umarmung. Er wischte sich die Tränen aus den Augen und sagte leise:,, Danke ihr beiden. Ich werde die Geschichte nicht weitererzählen. Ich habe euch euren Vater schon schlecht genug gemacht. Außerdem passierte danach sowieso nicht mehr viel“.
Die drei saßen die nächsten fünf Minuten weiter schweigend dort. Dann kamen endlich die Diener, und deckten den Tisch. Sie stellten einen Korb mit schon in zwei Hälften geschnittenen, warmen Brötchen, einige Krüge mit Milch und Wasser, zwei Kannen Tee, einige Teller mit diversen Wurst-und Käsesorten, und ein Block Butter auf den Tisch.
Alle drei aßen, hungrig wie sie waren, zwei Brötchen, und tranken alle Krüge Milch aus, während sie wieder eine Unterhaltung über die Unterschiede zwischen Gristonne und Aitoris starteten. Irgendwann, nach einer Stunde, als sowohl die Brötchen, als auch der Tee schon kalt waren, überlegten sie zusammen, warum Darios Vater Aitoris den Krieg erklärt hatte.
,,Darios, hat dein Vater nicht irgendwas erwähnt?“, fragte Shion, als die Frage aufkam.
,,Nun ja, mein Vater, hasst den euren abgrundtief. Vermutlich wäre er froh wenn er im Laufe des Krieges stirbt. Außerdem hat mein Vater allgemein eine eher Negative Meinung eurem Land gegenüber. Einmal, vor ein paar Monaten, habe ich ihn bei einem Gespräch mit seinem General belauscht, und er meinte, dass Aitoris so viele Talentierte Kämpfer, vor allem Ritter, hervorbringt, was früher oder später zu einem Problem für ihn werden könnte.“, erklärte Darios.
,,Er will Aitoris erobern, nur weil er unseren König nicht mag, und Angst vor unserer mickrigen Armee hat? Tut mir leid, Darios, aber das ist Wahnsinn!“, sagte Lian entsetzt
,,Ja das IST Wahnsinn, gut erkannt Lian“, lobte eine Stimme hinter ihnen.
Sie drehten sich in ihren Stühlen um. Hinter ihnen stand Yoran. Doch jetzt war er nicht in seiner roten Rüstung, was sehr ungewohnt war.
Yoran ging zu Darios, kniete sich hin und sagte:,, Junger Prinz, ich weiß, dass ich Gestern niemals wieder rückgängig machen kann, doch du sollst wissen, dass ich das nicht gerne getan habe, und auch nur mit dem Ziel, diesen Krieg zu beenden, bevor er zu große Ausmaße annehmen kann“.
Darios saß nur da, guckte zu Boden und sagte nichts. Ihm fehlten die Worte, denn das Bedauern in Yorans Worten war echt. Außerdem, war es nicht okay einen Jungen als Geisel zu nehmen, wenn dadurch Tausende von leben gerettet werden? Trotzdem stand sein jetziges Verhalten im totalen Gegensatz zu dem, was er gehört, und am Tag zuvor gesehen hatte.
,,Du musst nichts sagen, du sollst nur wissen, dass dir nichts passieren wird. Wenn dein Vater kapituliert, werde ich dich nach Hause bringen.“, sagte Yoran, nachdem Darios nicht reagiert hatte.
Plötzlich trat ein Mann in den Speisesaal. Seine grüne Rüstung war blutbeschmiert.
,,Mein König, ihr müsst unbedingt in den Kriegsrat kommen,es ist dringend!“, sagte der Mann. Yoran wuschelte seinen Kindern durch die Haare, und folgte dann dem Mann in Richtung Kriegsrat.

***

Als sie in ankamen, waren auch sein Bruder und seine Frau im Raum. Yelena sah noch sehr verschlafen und müde aus, während Anton hellwach wirkte.
Yoran drehte sich zu dem Mann und sagte:,, Ihr tragt Botenkleidung, was ist passiert?“.
Der Bote holte tief Luft und fing an zu erzählen:,, Als ihr Gestern Mittag mit dem gristonnischen Prinz davonflogt, zog General Loyt die Armee zurück und machte beantragte eine zeitweilige Waffenruhe. Gristonnes Antwort kam nach nur zwei Stunden; sie waren einverstanden und wollten zwei Tage Bedenkzeit. Also warteten wir. In dieser Nacht, als alle schliefen und froh waren, dass die erste Schlacht so kurzweilig war, wurden wir plötzlich von scheinbar unbekannten angegriffen. Doch nach kurzer Zeit war klar, dass Gristonne der Angreifer war. Wir wurden vernichtet...die Armee gibt es nicht mehr. General Loyt beauftragte mich euch davon zu berichten. Mein König, meine Königin, die gristonnische Armee ist auf dem Weg hierher. Sie sind etwa einen Tagesmarsch von hier entfernt.“
Yoran war fassungslos. Diese Nachricht war wie ein Schlag ins Gesicht für ihn. Er hatte den Jungen mit sich genommen, um den Krieg zu beenden, und die Verluste gering zu halten. Doch jetzt war die ganze Armee von ihnen vernichtet. Sie hatten im Schloss und in den umliegenden Dörfern noch etwa 2000 Soldaten stationiert, doch war das nichts gegen die Armee von Gristonne.
Yoran schaute seine Frau an, die ihr Gesicht mit den Händen verdeckte. Er ging zu ihr, und umarmte sie. Dann hauchte er ihr ein leises:,, Es tut mir Leid“, in die Ohren. Sie schaute ihn trotzdem nicht an.
Anton drehte sich zu seinem Bruder und sagte:,, Wir müssen reagieren Yoran! Wir können uns jetzt unserer Verzweiflung hingeben. Wir müssen Yelena und die Kinder hier wegbringen, während unsere letzten Truppen sich auf die Verteidigung der Hauptstadt vorbereiten“.
Der König wusste, dass sein Bruder recht hatte.
,,Du hast recht, Bruder. Nimm dir die besten Männer die du findest, und evakuiere Yelena, Shion, Lian und den Prinzen von Gristonne. Ihr müsst ein Schiff nehmen und versuchen euch auf die unerforschten Inseln im Norden abzusetzen.“, befahl er.
Yelena riss die Augen auf und sagte:,,NEIN! Yoran, du willst doch nicht etwa den Kampf gegen Gristonne anführen? Das ist Selbstmord!“.
Er seufzte und entgegnete:,, Ich habe dieses Dilemma erst verursacht, und jetzt muss ich mit den Konsequenzen leben. Außerdem werde ich nicht zulassen, dass einer von euch wegen mir stirbt !“.
Anton drehte sich zu Yelena und sagte:,, Yelena, Yoran hat recht. Außerdem haben wir keine Zeit für Diskussionen.“
Yelena schaute wortlos zu Boden und nickte. Dann ging sie zu Yoran und flüsterte:,, Ich liebe dich, vergiss das nicht“.
Er gab ihr einen Kuss und ging dann aus dem Raum. Ein letztes mal würde er kämpfen.
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