Ein Vorbild als Traum

von Twiety
GeschichteFantasy / P12
Lian Shion
31.10.2017
10.11.2017
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Zuhause

Shion und Lian saßen mit ihrer Mutter im Speisesaal und wurden von einigen Dienern versorgt. Wie immer war es ein sehr üppiges Mahl. Viel mehr, als sie zu dritt essen konnten, doch so war es nun mal, wenn man zur Königsfamilie gehörte. Doch keiner von ihnen war in der Stimmung zu essen. Ihre Mutter, Yelena, hatte versucht es vor ihnen zu verbergen, doch bei den ganzen Kriegsvorbereitungen war es schwer zu verbergen, dass etwas im Gange war. Sie beide waren noch jung, sieben um genau zu sein, doch auch ihnen war klar, was die Vorbereitung einiger Tausender Soldaten und von Kriegsgerätschaften, wie Katapulten, bedeutete. Doch am schlimmsten lastete die Entscheidung ihres Vaters auf ihnen allen. Er hatte verkündet, dass er in diesem Verteidigungskrieg persönlich mitkämpfen wollte, um die Armee zu unterstützen. Der Grund war einfach: Yoran, ihr Vater, hoffte, dass er auf Gristonnes König treffen würde. Ganz Aitoris war geschockt gewesen, als die Kriegserklärung bekanntgegeben wurde. Shions Eltern ebenso. Yorans Entscheidung an diesem Krieg persönlich teilzunehmen, hatte jedoch eine Welle der Besorgnis durch das Königreich fahren lassen. Es war allgemein bekannt, dass Aitoris' Armee keine große war. Und die Chance, dass sein Vater im Falle der Niederlage getötet werden würde, war nicht gering, wenn man bedachte, dass Gristonnes König auch zuvor schon merkwürdige Entscheidungen getroffen hatte.
Shion saß nun schon seit fast zehn Minuten an einer kleinen Schale Suppe. Seine Mutter schaute ihn besorgt an. Shion hob den Kopf, sah seine Mutter an, und fragte:,,Mutter, ich habe keinen Hunger. Bitte, darf ich aufstehen und frische Luft schnappen? Ich kann nicht mehr“.
Sie seufzte, schaute kurz in Richtung Fenster, durch welches man die Sonne am Himmel stehen sehen konnte und antwortete:,,Ja, nur zu. Aber bitte nimm Lian mit.“
Shion wollte einen Moment widersprechen, doch er trotzte seiner angewöhnten Abneigung Lian gegenüber und nickte. Lian stand, wie er, auf, und zusammen gingen sie aus dem Speisesaal. Sie folgten einem Labyrinth aus Fluren, dass sie in vielen Stunden ihrer Kindheit erkundet hatten, und traten nach etwa fünf Minuten schließlich aus dem Schlossportal. Statt jedoch an einen speziellen Ort zu gehen, setzten sie sich einfach auf die Treppenstufen vor dem Schloss. Shion beobachtete, wie das Sonnenlicht der Mittagssonne im Wasser des reich verzierten Brunnens reflektiert wurde, der im Schlosshof stand. Wäre die Allgemeine Stimmung nicht so gedrückt gewesen, hätte es ein schöner Tag sein können. Der Frühling war kurz davor in den Sommer über zu gehen, und alles war warm und sprudelte vor Lebensenergie. Doch nicht einmal die von der Natur vorgegebene gute Stimmung, kam gegen die schlechte der Menschen an.
,,Was denkst du, wird passieren, sollte Vater sterben?“,fragte Lian geradeheraus. Shion war im ersten Moment perplex, da er niemals mit einer solchen Frage gerechnet hätte. Nicht von Lian. Nicht von jemandem in ihrem Alter. Sie waren noch Kinder, sie sollten sich nicht mit so etwas auseinandersetzen müssen.
,,Nun ja, Mutter bleibt Königin. Und irgendwann wird einer von uns beiden dann die Thronfolge übernehmen.“,sagte er, und schaute ihr in ihre tiefblauen Augen.
,,Nein, du wirst die Thronfolge antreten. Du hast das Vorrecht. Immerhin bist du ein Junge und die kommen doch immer vor den Mädchen, oder?“,sagte sie hoffnungsvoll.
,,Ja, es wäre schon toll König zu werden. Immerhin geht man dadurch in die Geschichtsbücher ein. Vater zum Beispiel ist überall als der stärkste Kämpfer des ganzen Kontinentes bekannt. Wie sieht es mit dir aus? Möchtest du Königin werden?“, ging er auf sie ein.
,,Nein!...also ich denke, dass ich dem nicht gewachsen bin. Daran hängt so viel Verantwortung und es kann so viel schiefgehen wenn man die falschen Entscheidungen trifft...und was, wenn der Krieg mit Gristonne anhält? Ich meine ich könnte niemals in einen Krieg ziehen...glaube ich.“,sagte sie, und Shion war klar, dass sie auf keinen Fall Königin werden wollte.
,,Das wird schon, ich bin sicher, dass......warte mal, sieh mal, dort am Horizont. Das muss Vater sein!“, sagte Shion aufgeregt, und Lian hatte den größer werdenden dunklen Punkt am Horizont nun auch endlich ausgemacht. Beide liefen in Richtung Schlosstor, wo sie auf ihren Vater warteten. Überaus glücklich, dass es ihm anscheinend gut ging, fingen sie schon einige Minuten, bevor er überhaupt vor ihnen landete, zu winken an. Als er endlich bei ihm ankam, sprangen sie ihm beide in die Arme, ohne auf den Jungen zu achten, der zusammengesunken vor ihrem Vater saß.
Lian fing an zu weinen und versuchte zwischen den Schluchzern einen vollständigen Satz herauszubringen:,,Vater, ihr habt uns so gefehlt!“
Yoran stieg mit ihnen beiden in den Armen von seinem Wyvern, setzte Shion ab, versuchte dies auch bei Lian, schaffte es aber nicht, da sie sich an ihm festklammerte. Shion hatte keine Tränen in den Augen, doch seine Erleichterung seinen Vater zu sehen war riesig. Er hatte seinen Anblick noch nie so zu schätzen gewusst, wie in diesem Moment und saugte jedes kleine Detail seines Vaters auf. Er sah ihn viel bewusster als je zuvor. Yoran war ein Mann mit der stattlichen Größe von fast zwei Metern. Er hatte rostbraunes Haar, grüne Augen, und trug immerzu eine leichte Rüstung, dessen Farbe identisch mit der seines Vaters war.
Nachdem Lian sich beruhigt hatte, schaffte Yoran es, sie abzusetzen. Er wandte sich seinem Wyvern zu, und nahm einen Jungen von seinem Rücken. Er war vermutlich etwa einen halben oder ganzen Kopf größer als Shion. Er trug schwarze und dunkelblaue Klamotten. Augenscheinlich schlief er, doch selbst als ihr Vater ihn hochnahm, wachte er nicht auf.
Yoran lächelte seiner Tochter zu, und sagte:,, Lian, ich freue mich wirklich euch wiederzusehen, aber kannst du ganz schnell einen Heiler holen, und deiner Mutter von meiner Ankunft berichten?“, woraufhin sie unsicher nickte, dem Jungen einen misstrauischen Blick zuwarf und in Richtung Schlossportal loslief.
Shion drehte sich zu seinem Vater um:,, Vater, wer ist dieser Junge? Er kommt mir nicht bekannt vor“.
Yoran entgegnete:,,Dieser junge Mann ist der Prinz Gristonnes. Er wird eine Zeit lang... unser Gast sein“.Shion fiel auf, dass sein Vater etwas unsicher wirkte.
Nach etwa zehn Minuten, kamen mehrere Leute aus dem Schloss gerannt. Neben dem Heiler, Shions Mutter und Lian, waren noch Shions Onkel, und ein Stallbursche dabei, der sich um den Wyvern kümmern würde.
Yoran wandte sich seiner Frau zu, küsste sie einmal zur Begrüßung, und sagte dann zu ihr und seinem Bruder:,, Wir müssen reden...aber drinnen“, er drehte sich zu Shion und Lian um, und fuhr fort:,, Ihr beiden könnt mit dem Prinz von Gristonne gehen. Vielleicht ist es gut für ihn, wenn er gleichaltrige bei seinem Erwachen sieht.“, und damit drehte er sich um und ging in Richtung Schlossportal. Yelena und Shions Onkel folgten ihm.
Der Heiler, ein junger Mann namens Lofus, hob den bewusstlosen Prinzen hoch, sagte den beiden Kindern sie sollen ihm folgen, und ging auch in Richtung des Schlossportals.

***
Anton war der jüngere Bruder von König Yoran. Um genau zu sein, war er vier Jahre jünger. Er war Anführer der königlichen Ritter, und war bei Kriegsbeginn mit einigen dutzenden Verteidigungstruppen im Schloss gelassen worden. Dies war natürlich nichts gegen die Armee von Gristonne, doch hatten sie an der Front jeden Mann brauchen können. Außerdem war auch Anton ein Ritter mit viel Talent, der es problemlos alleine mit einem Dutzend Soldaten aufnehmen konnte. Da er sich gerade auf solche Situationen spezialisiert hatte, fertigte er sich eine spezielle Lanze an, die an beiden Seiten eine Spitze besaß. Dieses Talent hätte zweifellos auch auf dem Schlachtfeld viel genutzt, doch wollte Yoran, dass er persönlich auf seine Familie aufpasste.
Zusammen mit Yoran und seiner Frau Yelena ging er in Richtung des Kriegsrates, wo sie sich besprechen wollten.
Kaum waren sie eingetreten, drehte sich Anton zu Yoran um, dem das Unbehagen ins Gesicht geschrieben stand,,Bruder, was macht der Prinz von Gristonne mit dir auf einem Wyvern? Und dann auch noch ohnmächtig. Bei allem Respekt mein Bruder, aber was hast du angestellt?“, fragte Anton misstrauisch.
Yoran fing an zu erklären, was über an der Grenze zu Gristonne passiert war. Als er fertig mit seinem Bericht war, rieb sich Yelena die Augen und Anton schüttelte den Kopf. Er war fassungslos, wie der Krieg ihre Moralvorstellungen so schnell in den Hintergrund gerückt hatte. Wenn nach nur einer Woche des Krieges, von dem bisher nur an einem gekämpft wurde, schon ein Kind entführt und als Geisel genommen wird, was sollte dann passieren, wenn der Krieg länger andauerte?
Bevor Anton jedoch seine Meinung zu dem Thema beisteuern konnte, ergriff Yelena das Wort:,, Okay, Yoran, du musst den Jungen zurückbringen. So tief darf uns der Krieg nicht sinken lassen. Niemals, und erst recht nicht jetzt schon!“, sie klang dabei entschieden, und niemand außer Yoran hätte jetzt noch den Mut gehabt etwas zu erwidern
,,Yelena, ich verstehe deinen Einwand vollkommen, doch ist das jetzt geschehen. Meine einzige Bedingung für die Rückgabe des Jungen war das Ende des Krieges. Loyt ist ein fähiger General, er wird den Gristonnern eine Waffenruhe vorgeschlagen haben, damit sie das Angebot durchdenken können. Sie werden es annehmen. Der Junge ist der einzige Prinz des Königreiches und die Königin verstarb vor einigen Jahren. Wir müssen nur abwarten, und der Krieg wird beendet werden. Ihr wisst, dass ich recht habe!“, versuchte Yoran sie umzustimmen.
Yelena schien nicht ganz überzeugt zu sein, nickte jedoch, und sagte:,,Na gut, wir werden warten“
Anton wusste, dass er dazu nichts zu sagen hatte und nur wegen hier war, da er der Bruder von Yoran war, doch er nickte trotzdem.
***
Es war schon fast Abend, als der Junge erwachte. Shion und Lian saßen Links und Rechts neben seinem Bett und hatten geduldig auf sein erwachen gewartet. Er sah sich misstrauisch um, war jedoch beruhigt, als er bemerkte, dass zwei Kinder bei ihm saßen.
,,Wo bin ich ?“, fragte er mit zittriger Stimme. Sein Magen rebellierte immer noch wegen des Fluges mit dem Wyvern. Dieser Mann war definitiv kein netter Mensch gewesen, dachte er bei sich.
,,Im Schloss von Aitoris. Unser Vater brachte dich her. Wie heißt du?“, fragte Shion geradeheraus, wofür dieser einen bösen Blick von Lian abbekam. Er verstand nicht genau, was daran schlimm gewesen war, hob jedoch trotzdem entschuldigend die Hände.
Der Prinz von Gristonne, welcher ihr kleines nonverbales Gespräch mitverfolgt hatte, sagte:,,Es ist schon okay. Mein Name ist Darios, ich bin der Prinz von Gristonne. Ohne euch beleidigen zu wollen, muss ich sagen, dass ich mir ein Krankenzimmer in eurem Schloss etwas luxuriöser vorgestellt habe“, er lächelte während er das sagte. Doch ganz gelogen war seine Bemerkung nicht gewesen. Wenn man sich umschaute, bemerkte man, dass das kleine Zimmer so spärlich eingerichtet war, dass Wortwörtlich nur drei Möbel darin standen. Das Bett dessen Matratze mit Stroh gefüllt war, und die beiden Stühle. Rechts neben seinem Bett stand außerdem noch ein Eimer mit Wasser. Etwa einen halben Meter über seinem Bett war ein kleines Fenster in die Steinmauer eingelassen. Alles in allem war dies seiner Meinung nach ein Krankenzimmer, dass man so nur in einem Bauerndorf vorfinden sollte und niemals in einem Schloss.
Anscheinend gefiel es dem jungen,aitorischen Prinzen, dass der ältere Junge jetzt schon Witze machte, denn er grinste noch breiter zurück. Das dieser Witz keiner war, konnte er ja nicht wissen.
,,Also, ich bin Shion, und dies ist meine Schwester Lian. Wir sind die Kinder des Königs und der Königin von Aitoris.“, stellte sie Shion vor. Darios nickte lächelnd zur Antwort. Er mochte den kleinen Prinzen gerne.....ganz im Gegensatz zu seinem Vater.
,,Darf ich dir eine Frage stellen Darios? Kannst du uns etwas über Gristonne erzählen? Wir wissen praktisch nichts darüber“, fragte Lian schüchtern.
,,Na klar“, antwortete Darios und fing an zu erzählen. Er war irgendwann so im Redefluss drinnen, dass er gar nicht bemerkte, wie es langsam Nacht wurde. Doch auch die Kinder hörten nicht auf, über Aitoris zu reden. Und so erzählten sie sich bis in die späte Nacht hinein Geschichten über ihre Länder und schliefen irgendwann einfach ein.


So viel zum 2. Kapitel. Das 3. wird vermutlich noch Heute kommen. Ich hoffe ihr hattet ein wenig Spaß beim Lesen^^
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