Herbstwindmelancholie

DrabbleAllgemein / P12 Slash
Alison DiLaurentis Emily Fields
31.10.2017
31.10.2017
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Wichteln: Herbst-Drabbles


Herbstwindmelancholie


für Mosaikmaedchen



Der Wind zieht unheilvoll rauschend durch die Bäume und lässt Emily frösteln, obwohl die wirkliche Winterkälte noch in weiter Ferne liegt. Doch die gruselige Atmosphäre sowie die herbstliche Melancholie, die sie in den letzten Wochen oft übermannte, sind ohnehin stärker, als jegliche Kälte, die von außen kommt. „Ich weiß nicht, ob ich bereit bin, Ali schon wieder zu sehen.“ Fast ist sie selbst ein wenig von den Worten überrascht, die ihr da entkommen sind. Das Friedhofstor wird in den Windstößen auf und zu geschoben und unweigerlich denkt sie an die lange Zeit, in der sie Alison alle für tot hielten.

Der Gedanke an Alison hinter dem kalten Marmor hatte sie oft fühlen lassen, als wäre sie selbst eingesperrt. Lebendig hinter Gesteinsschichten verborgen, zu weit entfernt von anderen Menschen als dass Rufen und Schreien sich gelohnt hätten, als dass menschliche Wärme mehr als eine verblassende Erinnerung sein könnte. Zu weit entfernt vom Wind als dass sie sich hätte frei fühlen können. Gerade im Herbstwind hatte sich ihre Trauer um Alison und das meist schamhaft verschwiegene Gefühl neugewonnener Freiheit oft zu einer warmen, wohlwollenden Melancholie vermischt. In jedem Windstoß, der ihr den Geruch von Regen und gefallenen Blättern entgegentrieb, hatte sie Momentaufnahmen der Zeit mit Alison wieder erleben können. Mit ihr über herbstliche Straßen laufen, in den Händen aromatisierte Kaffees aus der Brew. Ihre Hände, die sich ab und an berührten – wie Freundinnen das nun einmal taten, oder war da mehr? In Emilys Erinnerungen war da immer so viel mehr. So viel Ungesagtes, das sich aber in einem Blick oder einem Lächeln verriet. Oder im Herbstwind, der Ali die Haare, die in ihrer Farbe den goldgelben Blättern glichen, ins Gesicht wehte, sodass Emily sich schmerzhaft wünschte, sie zur Seite schieben und Alison küssen zu dürfen. Vielleicht hätte sie das auch gedurft. Vielleicht.

Wenn sie jedoch durch dieses Tor schritten, wäre da kein ‚vielleicht‘ mehr. Keine im warmen Herbstlicht erstrahlende Traum-Alison. Sie würde der echten Alison gegenüber stehen, die nicht von Trauer und Erinnerungen weichgezeichnet wäre. Der schönen, liebenswürdigen, aber auch grausamen Alison, der der Kuss in der Bibliothek nichts bedeutet hatte. Emily schluckt. Das alles war egal. Alison war in Gefahr, und egal, ob sie nur mit Emilys Zuneigung, die so anders war, als die der anderen, gespielt hatte, sie würde sie immer retten. Sie beißt die Zähne zusammen und lässt sich vom Wind durch das Friedhofstor treiben, auf Alison zu. (Vielleicht.)


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Hallo Mosaikmaedchen!

Ich habe mich wahnsinnig gefreut, Vorgaben für 'Pretty Little Liars' zu bekommen, da ich diese Serie gerade wie am Fließband verschlinge. Es war schön, in diesem Wichteln meinen Einstieg in das Fandom zu wagen.
Ich wünsche dir noch eine schöne Herbst- und Winterzeit!

Liebe Grüße
fortassis
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