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Schwarze Rosen und tiefe Narben

von Farnherz
GeschichteSchmerz/Trost, Übernatürlich / P18 / Gen
30.10.2017
30.10.2017
10
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"Die Menschen haben früher geglaubt, wenn jemand stirbt bringt eine Krähe ihre Seele in das Land der Toten. Aber manchmal passiert etwas ganz besonders Schlimmes, das so furchtbar traurig ist, das die Seele keine Ruhe findet. Und manchmal, aber sehr selten, kann die Krähe diese Seele wieder zurückbringen, damit sie den Fehler korrigiert."
Sarah „The Crow - Die Krähe“



Dunkelheit. Dies war das Erste das ihm auffiel, als er zu Sinnen kam. Dann der Geruch nach modrigem Holz und Erde. Er streckte sein Arme aus, doch nur wenige Zentimeter über ihm befand sich eine hölzerne Decke. Da blitzte etwas in seinem Kopf auf. Nur für eine einzige Sekunde, doch er sah es ganz deutlich.
Es war ein Grab. Doch nicht irgendein Grab. Es war Seines. War er tot? Nein, das konnte nicht möglich sein. Schließlich konnte er denken, riechen und wenn es etwas heller wäre sicher auch sehen. Aber was war er dann?
Du musst hier raus… Wo kam auf einmal diese Stimme her? Versuch den Deckel des Sarges zu öffnen. Er tat was die Stimme ihm riet und zu seiner Überraschung ließ sich der Sarg ganz leicht öffnen.
Sofort schlug ihm Regen und kühle Nachtluft entgegen. Er schaffte es nur schwerfällig aus dem Grab zu steigen. Als er versuchte ein paar Schritte zu gehen, fiel er und hielt sich an seinem Grabstein fest.



Danny Jones


1995 – 2015



Lange starrte er auf seinen Namen. Ein Krächzen riss seine Aufmerksamkeit von seinem Namen los und er sah nach oben. Eine Krähe saß auf seinem Grabstein und blickte auf ihn herab. „Verschwinde!“, rief er. Seine Stimme klang rau und kratzig.
Es ist nicht besonders höflich seine Helferin zu verjagen! Überrascht sah er die Krähe an. „Du…? Aber wie…?“, stotterte er. Du wirst schon noch herausfinden, was hier gerade passiert. Komm mit. Mit diesen Worten flog die Krähe davon.
Langsam zog er sich an seinem Grabstein hoch und folgte dem Vogel mit unsicheren Schritten. Langsam ging er über den Friedhof und als das große Eisentor in Sicht kam, beschleunigte er seinen wackligen Schritt noch etwas.
Endlich konnte er den Friedhof verlassen und lief durch die Straßen der Stadt. Die Krähe flog vor ihm und wies ihm somit den Weg. Nach einer Weile kamen sie an einem Wohnblock an. Fragend sah Danny zur Krähe, doch diese krächzte nur.
Also betrat er das Haus. Irgendwie kam ihm hier alles seltsam vertraut vor. Er stieg die Treppen nach oben, bis er vor einer ganz bestimmten Wohnung stehen blieb. Langsam öffnete er die Tür und trat ein.
Die Krähe flog an ihm vorbei in eines der Zimmer und er folgte ihr. Es war ein Schlafzimmer. Allerdings war alles ganz verstaubt, so als wäre lange keiner hier gewesen. Da fiel sein Blick auf den Schreibtisch, welcher in einer Ecke des Zimmers stand.
Er ging darauf zu und nahm eines der Bilder in die Hand, welche darauf standen. Auf dem Bild waren er selbst und ein Mädchen zu sehen. Das Mädchen hatte braunes Haar und grüne Augen und sie beide wirkten glücklich. Da durchzog ihn plötzlich ein heftiger Schmerz, weswegen er sogar das Bild fallen ließ.


„Ach komm schon Danny! Du kennst ihn doch jetzt schon lang genug, da kann ich doch mal mit ihm ausgehen!“, rief das Mädchen vom Bild und sah ihn herausfordernd an. Sie saß im Schneidersitz auf dem Bett hatte ein Kissen auf ihrem Schoß liegen.
„Tut mir leid Shelly, aber als dein großer Bruder muss ich auf dich aufpassen.“, sagte er in einem belehrenden Ton, grinste aber dabei. „Von wegen! Ich bin alt genug!“, rief sie und warf das Kissen nach ihm. Danny wich jedoch lachend aus.
„Oh das wirst du bereuen! Komm her!“, knurrte er spielerisch und stürzte sich auf seine Schwester. „Oh nein, bitte nicht!“, schrie sie und versuchte ihrem Bruder zu entkommen, doch dieser erwischte sie und kitzelte sie durch.
Nach einer Weile hatte er schließlich Erbarmen mit ihr und ließ sie los. „Danny? Wir werden immer für einander da sein oder?“, fragte Shelly plötzlich. „Natürlich. Solange ich lebe kannst du dich auf mich verlassen.“, antwortete er überrascht. „Versprochen?“, fragte sie. „Versprochen.“, sagte er und lächelte seine kleine Schwester an.
„Du darfst mit ihm ausgehen. Aber nur, wenn er dich von hier abholt und auch wieder herbringt.“, erlaubte Danny seiner Schwester nach einer Weile. „Wirklich? Oh danke Danny! Ich werde es ihm sofort erzählen!“, rief sie, umarmte ihn und lief dann aus dem Zimmer.


Erschrocken taumelte er zurück. Das war er gewesen! Er und Shelly, seine über alles geliebte kleine Schwester. Wie konnte er sie nur vergessen? Er wandte sich zu der Krähe, welche auf dem Schreibtischstuhl saß.
„Hast du mich wegen ihr hierher gebracht? Ist meiner Schwester etwas zugestoßen?“, fragte er sie. Doch sie antwortete ihm nicht und sah ihn einfach nur an. Er wandte sich von ihr ab und suchte auf dem Schreibtisch nach weiteren Hinweisen.
Und tatsächlich fand er etwas. Es waren zwei Kinokarten. Er war ein wenig unsicher, was er tun sollte. Sollte er sie in die Hand nehmen und somit erneut solche Schmerzen riskieren oder sollte er es lieber lassen?
Dann würde er aber nicht erfahren, was passiert war. Falls diese Kinokarten ihm überhaupt etwas zeigen würden. Da krächzte die Krähe plötzlich. Überrascht sah Danny sie an, dann murmelte er: „Ist ja schon gut.“
Er wandte sich wieder den Karten zu. Mach schon. Er seufzte einmal und nahm sie in die Hand. Dabei wappnete er sich gegen den Schmerz, welcher sofort kam und noch heftiger war als beim ersten Mal.


„Das war wirklich ein schöner Film. Danke Schwesterherz.“, sagte Danny und legte den Arm um sie. Es war sein Geburtstag und sie kamen gerade aus dem Kino. Es war schon dunkel als sie die Straßen zu ihrem Wohnblock entlanggingen.
Plötzlich hörten sie Schritte hinter sich und eine Stimme fragte höhnisch: „Na seht euch das mal an! Was macht ihr zwei denn so allein hier draußen? Und das um diese Uhrzeit?“ Darauf folgte das Lachen mehrerer Personen.
Langsam drehten sich die Geschwister herum, wobei Danny darauf achtete, dass Shelly hinter ihm blieb. Es waren vier Kerle die vor ihnen standen. Sie mussten alle zwischen zwanzig und vierundzwanzig sein.
„Das hier ist unser Gebiet. Und wisst ihr was mit denen passiert, die sich um diese Uhrzeit in unserem Gebiet rumtreiben?“, fragte der Kerl, welcher uns am nächsten war. Er war scheinbar der Anführer.
Die beiden wichen ängstlich zurück, da die anderen drei sie bösartig angrinsten. Und das konnte nichts Gutes bedeuten. „Was wollt ihr von uns?“, fragte Danny und klang dabei mutiger als er war.
„Oh, wir wollen euch bloß eine kleine Lektion erteilen.“, erwiderte er schlicht. Dann gab er den drei anderen ein Zeichen und rief: „Schnappt sie euch!“ Ängstlich drückte sich Shelly an ihren Bruder, doch einer der Kerle riss sie von ihm fort.
„Na Hübsche?“, sagte er zu ihr und grinste sie dreckig an. „Lasst sie in Ruhe!“, schrie Danny und versuchte zu seiner Schwester zu gelangen, doch der Anführer zog ihn zurück und knurrte: „Hier geblieben Freundchen!“
Danny wollte ihn von sich stoßen, doch der Anführer schlug ihm mit voller Wucht in den Bauch, sodass er zu Boden ging. Dann stürzten sich die zwei anderen Kerle auf ihn und bearbeiteten ihn mit ihren Messern und Fäusten.
Währenddessen ging der Anführer langsam auf Shelly zu und grinste sie bedrohlich an. Sie versuchte zu entkommen, doch sie wurde noch immer von dem letzten der Typen festgehalten. „So und nun zu dir!“, sagte der Anführer, zog sein Messer und hielt es ihr vor ihr Gesicht. Ängstlich starrte sie die Klinge an.
Dann fing er an auch ihr viel zu viele Schnittwunden zuzufügen, während der andere auf sie einschlug. Das Mädchen flehte sie an damit aufzuhören, doch sie lachten nur höhnisch und machten immer weiter. Irgendwann wurde es ihnen aber zu langweilig, sodass sie von den Geschwistern abließen.
Shelly hatte inzwischen, wegen des Blutverlustes, ihr Bewusstsein verloren. Danny war noch bei Sinnen, doch dies sollte nur von kurzer Dauer sein. Der Anführer zog seine Waffe und tötete ihn mit einem gezielten Schuss. Dann gingen die vier einfach lachend weg und ließen die Geschwister einfach auf dem Gehweg liegen.


Erschrocken ließ Danny die Kinokarten fallen und sah die Krähe an. „Sag mir… sag mir, dass sie noch lebt. Sie kann nicht auch gestorben sein, oder?“, bat er sie. Shelly lebt, mach dir darüber keine Sorgen. Dies ist der Grund, warum du wieder hier bist. Du sollst dich an deinen Mördern und den Peinigern deiner Schwester rächen.
„Und wie finde ich diese Drecksschweine?“, fragte er. Lass das meine Sorge sein. Du solltest dir erstmal andere Kleidung suchen. Mit diesen Worten flog sie hinüber zum Kleiderschrank des Zimmers. Langsam folgte er ihr und öffnete diesen dann.
Bevor er sich etwas Passendes aussuchte zog er den Anzug aus, in welchem er begraben wurde. Dann nahm er sich eine schwarze Jeans, einen schwarzen Kapuzenpullover und ein paar schwarze Schnürstiefel aus dem Schrank und zog alles an.
Dann viel sein Blick auf eine Harlekin-Maske, welche am Schrank hing. Vorsichtig nahm er sie in die Hand. Sie war weiß, die Augen waren schwarz umrandet. Durch jedes Auge zog sich ein senkrechter schwarzer Strich. Die Lippen waren ebenfalls schwarz und wurden durch einen schwarzen Strich an jeder Seite, welcher an dem Mundwinkel begann, zu einer Art Lächeln verlängert.
Doch kaum hatte er die Maske in der Hand, durchzuckte ihn wieder ein heftiger Schmerz. Vor Überraschung ließ er die Maske fallen, kniff die Augen zusammen und verzog schmerzverzerrt das Gesicht.


„Danny beeil dich, sonst kommen wir noch zu spät!“, rief Shelly von draußen. „Ja ja, ich bin ja gleich fertig!“, rief er zurück. Sie waren zu einer Halloweenparty eingeladen, doch er konnte sich nicht für ein Kostüm entscheiden.
Das war eigentlich nicht ganz richtig, denn er hatte ja schon die Maske. Nur das dazu passende Outfit fehlte ihm. Schließlich entschloss er sich dazu, einfach etwas Schwarzes anzuziehen.
Nachdem er sich also angezogen und sich die Harlekin-Maske aufgesetzt hatte, verließ er sein Zimmer und ging ins Wohnzimmer, wo seine Schwester schon auf ihn wartete. Auch sie trug nur einfache schwarze Kleidung.
Das Besondere an ihrem Outfit, war die Sugar Skull Maske. Beide mussten sich angrinsen, denn ihre Maske trugen sie jedes Jahr an Halloween. Dies taten sie schon, als sie noch Kinder waren und um die Häuser zogen.
„Jetzt sollten wir uns aber wirklich auf den Weg machen. Die anderen fragen sich bestimmt schon wo wir bleiben.“, sagte Shelly. Danny konnte nur über die Ungeduld seiner kleinen Schwester lachen. Zusammen verließen sie dann endlich ihre Wohnung.


Er sah die Maske noch einen Moment an, dann verließ er sein Zimmer und ging ins Bad. Er suchte eine Weile, doch dann fand er das was er suchte: Schminke. Er konnte sich daran erinnern, dass Shelly diese oft verwendet hatte.
Er schminkte sich das komplette Gesicht weiß und nahm dann einen schwarzen Lippenstift, um sich so zu schminken, wie seine Harlekin-Maske. Als er fertig war, sah er sich im Spiegel an. Er war sehr zufrieden mit dem Ergebnis.
Seine blauen Augen wirkten eisig und das schwarze Haar ließ ihn zusammen mit der Schminke gefährlich, geradezu tödlich aussehen. Er ging zurück in sein Zimmer und sofort kam die Krähe angeflogen und setzte sich auf seine Schulter.
Langsam ging er auf den Schreibtisch zu und hob das Bild von sich und seiner Schwester auf. Er würde schon dafür sorgen, dass diese Kerle ihre gerechte Strafe bekamen und Shelly wieder sicher war. Er schloss die Augen und fasst meinte er, seine geliebte Schwester lachen zu hören, so wie früher.
Dann öffnete er sie wieder und stellte das Bild zurück auf seinen Platz. Danach ging er zum Fenster und öffnete dieses. „Finde sie!“, sagte er zu der Krähe, welche daraufhin in die regnerische Nacht davonflog. Schweigend sah er ihr nach und bereitete sich innerlich schon auf seine Rache vor.
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