Betrug

KurzgeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
??? Leiftan Miiko Nevra OC (Own Character)
29.10.2017
29.10.2017
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Nach einer spontanen Idee habe ich mich entschlossen, wieder eine FF zu Eldarya zu schreiben ^^
Es spielt kurz nach der Episode 13 und ist meine Interpretation, wie diese weiterverlaufen wäre :D kleine Spoiler enthalten, falls man noch nicht soweit ist oder weitergespielt hat ^^

Annie <3

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Mit Entsetzen in den Augen rissest du dich von Nevra los. Wut stieg in dir auf, als du dir über deine Lippen wischtest und die letzten Spuren des Zaubertrankes entferntest. Tränen bildeten sich in deinen Augenwinkeln und rannen unaufhörlich über deine Wangen. Du konntest deinen Ärger nicht in Worte fassen. Schließlich hatte er es geschafft, dir dein Leben wegzunehmen. Deine Freunde, deine Familie! Niemand würde sich mehr an dich erinnern. Du wurdest ausgelöscht! Als hättest du nie existiert.

Stinkwütend gingst du auf ihn los. Sprangst auf ihn und rissest ihn zu Boden. Wutentbrannt schlugst du auf ihn ein. Immer wieder trafen deine Fäuste sein sonst so makelloses Gesicht. Blut tropfte aus seiner Nase, doch du hörtest nicht auf. Er wehrte sich nicht einmal!

Erst als du von ihm runtergerissen wurdest, gabst du nach. Aufgelöst sahst du zu Miiko, welche dich mit einem leidvollen Blick musterte. Kopfschüttelnd gingst du an sie vorbei und verließest den Raum. Du wolltest nichts mehr mit diesen Leuten zu tun haben! Immerhin hatten sie dir alles genommen und du wusstest, dass alle unter einer Decke steckten.


Deine Füße trugen dich durch die Halle bis zu deinem Zimmer. Lautstark schlugst du die Tür hinter dir zu und ließest dich sogleich auf den Boden niedersinken. Mehr und mehr Tränen rannen über dein Gesicht. Frustriert hieltest du dir deinen zitternden Körper. Er bebte regelrecht. Du konntest es immer noch nicht glauben, was geschehen war.

Zuerst war da der Brief von einem Mann namens Ashkore und die Offenbarung der einen Zutat, die deine Existenz auslöschen sollte. Darum musstest du an all deine Liebsten denken! Damit sie dich vergessen sollten! Und dann der Kuss, den du dir sehnlichst erwünscht hattest. Doch er entpuppte sich nur als Mittel zum Zweck. Du warst so enttäuscht. Wegen Nevra, wegen allem. Dir wurde nicht einmal die Wahl gelassen. Du warst dir sicher, dass du all dem zugestimmt hättest, wäre dir noch ein wenig Bedenkzeit geblieben. Allerdings war dies nicht der Fall gewesen.


Schluchzend legtest du deine blutigen Hände vor dein Gesicht. Immer mehr gequälte Schreie verließen deinen Mund. Du konntest einfach nicht mehr. Was blieb dir, nachdem du nun endgültig dein altes Leben verloren hattest?

Eine Welt voller Verräter? Eine Welt voller Lügner und Betrüger? Nur einem konntest du wirklich glauben. Ashkore! Er war der Einzige, welcher dir die Wahrheit erzählte. Kein anderer hatte dir von den wahren Absichten hinter der Herstellung des Trankes mitgeteilt. Du warst in ein offenes Messer gelaufen und nur er hatte dich gewarnt!

Schleunigst rappeltest du dich auf und liefst zu deinem Kleiderschrank, aus welchem du dir eine Jacke nahmst. Mit eiligen Schritten ranntest du aus deinem Zimmer hinaus ins Freie. Keiner sollte dich sehen! Oder eher gesagt, wolltest du ihnen nicht begegnen. Dir wurde übel bei dem Gedanken, dass du Nevra noch einmal antreffen würdest.


Als du draußen ankamst, traf dich ein kühler Luftzug, der dich frösteln ließ. Du warst froh über deine Entscheidung, eine Jacke angezogen zu haben. Erst jetzt, wo sich dein Adrenalin gedrosselt hatte, spürtest du den Schmerz an deinen Händen. Sie brannten fürchterlich. Doch du ignoriertest es, so gut es ging. Schließlich erinnerte er dich daran, welche Genugtuung dir diese Schläge auf den Schwarzhaarigen einbrachten. Sie waren das Einzige, dass dich daran hinderten, vollkommen wahnsinnig zu werden.

Du folgtest dem üblichen Weg zu dem riesigen Kirschblütenbaum in der Nähe des Brunnens. Dort hattest du den Mann mit der seltsamen Maske immerhin das letzte Mal getroffen. Nun hattest du die Hoffnung, auch diesen Ashkore antreffen zu können.

Dennoch liefen dir ständig einzelne Tränen über deine bereits geröteten Wangen, welche du immer wieder verzweifelt wegwischtest. Dein Herz tat dir schrecklich weh. Noch nie in deinem Leben wurdest du so sehr verletzt. Am liebsten hättest du auch deine Erinnerungen an diesen Moment gelöscht. Diese warmen Lippen auf deinen. Die Zunge, die sich zwischen ihnen drängte. Und dann die Flüssigkeit, welche sich in deinen Mund breitmachte. Dir blieb nichts Anderes übrig, als sie zu schlucken, ansonsten wärst du erstickt. So wie es dir jetzt in den Sinn kam, wärst du doch lieber so elendig krepiert.


Erleichterung machte sich in dir breit, als du endlich den Baumstamm mit den rosaroten Blättern an den Zweigen wahrnahmst. Es war Abend geworden, weshalb deine Chance größer geworden war, ihn vielleicht zu begegnen.

Kraftlos ließest du dich auf die Bank in der Nähe von dem Kirschblütenbaum nieder. Du musstest dir eingestehen, dass du wirklich erledigt warst. Diese ganze Situation hatte dir die letzten Kräfte geraubt. Doch du wolltest nicht einfach aufgeben! Denn du wolltest ihn sehen, damit er dich mit sich nahm.

„Bitte, Ashkore“, flüstertest du. „Bitte tauch auf!“

Flehend betrachtetest du den riesigen Baum vor dir. Ein seichter Wind traf dich, worauf du deine Augen schlossest. Du vernahmst das Rascheln der Blätter, die sich durch den sanften Luftzug in Bewegung setzten. Für einen Moment vergaßest du alles um dich herum. All den Schmerz, den Frust und die Trauer. Erstmals warst du wieder ein wenig glücklich. Trotz deines zarten Lächelns lief eine Träne über dein blass gewordenes Gesicht. Du wolltest nur noch hier weg.


Langsam öffnetest du deine Augen und blicktest auf. Eine schwarz gekleidete Gestalt befand sich unmittelbar vor dir. Seine leuchtend roten Augen funkelten dich an und du erkanntest sofort, um wen es sich handelte.

„Du“, kam es wie ein verblüffter Hauch über deine Lippen.

Er trat ein paar Schritte auf dich zu und stand nur noch einen halben Meter von dir entfernt. Als er zum Sprechen ansetzte, erklang eine tiefe Stimme: „Du wolltest mich sehen?“

Verwundert schossen deine Augenbrauen in die Höhe. Du warst verwirrt. Schließlich hattest du nicht ihn gebeten, hierher zu kommen, sondern diesen-

„Ashkore?“, fragtest du, worauf er dich eindringlich betrachtete. „Du bist also derjenige, der mir den Zettel hinterlassen hatte.“

Ein Nicken kam seitens des Mannes. Erneut traf euch eine sanfte Briese, welche deine Haare zum Schaukeln brachte. Erwartungsvoll schautest du den Mann an, der dann das Wort erhob: „Du hast also endlich bemerkt, dass dich alle anlügen. Wie ich sehe, bist du auf sie hereingefallen.“

Diesmal musstest du nicken. Wütend balltest du deine Hände zu Fäusten und vergrubst deine Fingernägel in dem Stoff deiner Hose. Du spürtest immer noch seine Blicke auf dir.

„Nimm mich mit! Bitte! Du bist der Einzige, dem ich noch vertrauen kann“, flehtest du und sahst ihn dabei hoffnungsvoll an.

Doch seine Worte brachten dich erneut ins Wanken: „Nein, du bleibst hier!“ Sein Befehl missfiel dir, weshalb du schlagartig aufsprangst. Hilflos umfasstest du seine Oberarme, du verfingst dich regelrecht in ihnen.

„Bitte, nimm mich mit! Ich tue alles, um mit dir mitkommen zu dürfen!“, betteltest du verzweifelt. Wieder traten Tränen aus deinen Augenwinkeln und bahnten sich ihren Weg über deine Wange. Als er sich aus deinem Griff befreite, blicktest du betreten auf den Boden. Nun hattest du auch ihn verloren. Den Einzigen, den du wirklich noch Vertrauen schenktest. Doch als du eine Hand auf deiner Wange spürtest, musstest du plötzlich aufschauen.

„Ich brauche dich hier. Es kommt die Zeit, wo ich dich mit mir nehmen kann“, vernahmst du ihn, woraufhin sich ein erfreutes Lächeln auf deinen Gesichtszügen bildete. Erleichterung machte sich in dir breit und du sankst mit deinem Gewicht nach vorne. Direkt in seine starken Arme, die sich um dich legten. „Bleib hier und sei meine Augen und Ohren. Ich bin immer da und beobachte dich. Sei unbesorgt. Irgendwann hole ich dich zu mir.“

Dennoch machte sich Zweifel in dir breit. Woher solltest du wissen, dass er dich nicht auch anlog? Unsicher entferntest du dich von ihm und blicktest erneut in sein maskiertes Gesicht. Von dem ersten Moment eurer Begegnung an fragtest du dich, was hinter der schwarzlackierten Maske steckte.


„Wie kann ich mir sicher sein, dass du mich wirklich kommen holst?“, erkundigtest du dich bei ihm und wagtest es nicht, wegzusehen.


Überrascht sahst du, wie er seine Drachenmaske anhob. Nur seine Lippen kamen zum Vorschein. Du erkanntest, dass selbst sein Hals von dem schwarzen Stoff umhüllt war und bis zu seinem Kinn reichte. Erst spät bemerktest du, wie er sich dir näherte.

Verlangend legte Ashkore dir seine Lippen auf den Mund. Ein angenehmes Kribbeln machte sich in dir breit. Dein Herz beschleunigte sich ungemein. Du hättest nie gedacht, dass er dich jemals küssen würde. Dir wurde allmählich klar, dass du den Feind begehrtest! Doch wer sagte, dass er es tatsächlich war? Wem konntest du wirklich vertrauen?

Immer mehr nahm dich der Unbekannte in seinen Besitz. Es dauerte auch nicht lange, bis du seinen Kuss erwidertest. Du warst überrascht, wie weich seine Lippen waren. Sie schmiegten sich perfekt an deine. Genüsslich schlossest du die Augen und drücktest dich gegen ihn. Seine Arme schlossen sich um dich. Immer weiter gingst du auf ihn ein. Du konntest es nicht glauben, was du gerade tatst. Es fühlte sich so surreal an. Doch sein leidenschaftlicher Kuss verriet dir das Gegenteil.


Plötzlich vernahmst du ein Geräusch hinter dir. Augenblicklich löste sich Ashkore von dir und zog wieder seine Maske über die untere Hälfte seines Gesichts. Du erkanntest nicht, ob er lächelte. Doch er strich dir noch einmal mit dem Daumen über deine Lippen. „Ich komme bald wieder!“, konntest du ihn noch sagen hören, bevor er in der Dunkelheit verschwand.

Du musstest noch einmal kräftig seufzen. Nie im Leben hättest du gedacht, dass so etwas nochmal geschehen würde. Sehnsüchtig blicktest du in seine Richtung, in der er verschwunden war. Doch auf einmal tauchte jemand hinter dir auf. Du musstest dich nicht umdrehen, um zu wissen, dass es Leiftan war.

Er trat hinter dir und strich dir im nächsten Moment beruhigend über deine Oberarme. Du ließest diesen Kontakt zu. Schließlich hatte er dir nie etwas getan. Du hattest ihm immerhin auch dein Leben zu verdanken! Wie solltest du da böse auf ihn sein, nur weil Nevra und Miiko dich hintergangen hatten? „Ist alles gut bei dir?“, fragte er dich mit leiser Stimme.

Nickend hauchtest du: „Jetzt schon.“ Lächelnd lehntest du dich nach hinten und spürtest seine starke Brust an deinem Rücken. Er schlang seine Arme um dich, was dir keineswegs Unbehagen verschaffte. Du mochtest seine Nähe. Sie wirkte vertraut, so wie bei Ashkore.

„Gehen wir zurück ins Hauptquartier? Es wird kalt und ich möchte nicht, dass du mir noch krank wirst“, erklang nun seine besorgte Stimme, worauf du zustimmtest.


Gemeinsam gingt ihr zurück zu eurem Schlaftrakt. Dabei hingst du mit deinen Gedanken immer noch dem Maskierten nach. Wann du ihn wohl wiedersehen würdest?
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