Amortentia

GeschichteDrama, Romanze / P16
29.10.2017
17.05.2019
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Tut mir unfassbar leid, dass ihr so lange warten musstet. Waren ein paar harte Monate bei mir. ABer jetzt geht es weiter. Viel spaß damit
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Es war ihr unbegreiflich. Wie hatte Hermine sich nur so etwas rausnehmen können? Sie hatte keine Ahnung. Keiner ihrer Freunde konnte sie verstehen. Nur der, den sie ihr ganzes Leben gehasst hatte. Wie grausam das Schicksal doch manchmal war. Wütend warf sie ihre Bürste, mit der sie noch eben ihr schönes rostrotes Haar bearbeitet hatte, gegen die Wand. Sie hatte genug. Endgültig genug von alledem. Und sie würde nicht einfach herum sitzen und abwarten. Wenn Harry aufwachen würde, würde sie dieses Problem gelöst haben. Und wenn sie dafür ihr Leben riskieren musste, dann würde sie das tun!
Ginny betrachtete sich im Spiegel. Musterte ihre tiefen Augenringe und ihre blasse Haut. Ihre Haare flossen wie flüssiges Kupfer über ihre Schultern und reichten ihr weit über die Schlüsselbeine hinaus über den Oberkörper. Sie waren das letzte Überbleibsel ihrer Schönheit. Alles andere war in den vergangenen Wochen der Verzweiflung gewichen, die ihr ins Gesicht geschrieben stand. Es war ein bizarrer Kontrast und er war ihr ein Dorn im Auge.
Ihre zierlichen Finger schlossen sich um ihren Zauberstab. Sekunden Später hielt sie eine Schere, die zuvor durch das Zimmer zu ihr geflogen war, in der anderen Hand. Ohne lange Zu überlegen Band sie sich die Haare zu einem Tief sitzendem Zopf und schnitt sie einfach ab. Der Zopf fiel zu Boden und mit einem weiteren Zauber löste er sich in Rauch auf.
Natürlich hätte sie sich die Haare auch mit Hilfe eines Zaubers abschneiden können. SO, dass sie eine schicke Kurzzhaarfrisur gehabt hätte, doch das war eben das, was sie nicht gewollt hatte. Ginny betrachtete ihr neues Erscheinungsbild. Ihre einst so schönen Haare hingen nun ausgefranst bis zu ihrem Kinn und fügten sich in das Gesamtbild. Sie sah zum fürchten aus. Jeder der sie so sehen würde, würde nicht daran zweifeln, dass sie zu allem bereit war. Es gab nichts, was sie noch davon abhalten konnte. Und wer es versuchen wollte, würde noch sein Blaues Wunder erleben.
Das Holz ihres Zauberstabes knackte wütend, als sie ihre Hand zu einer wütenden Faust ballte.
5 Tage… In 5 Tagen würde sie an der Demo teilnehmen. Und bis dahin wäre sie vorbereitet. Egal was kommen würde.

Hermine hatte das Gefühl, der schlechteste Mensch der Welt zu sein. Einer ihrer Freunde lag im Koma und seine Freundin, ihre beste Freundin, war erfüllt von Angst und Wut, und doch wanderten ihre eigenen Gedanken immer wieder zu dem Abend bei ihrem „Verlobten“. Sie konnte nicht aufhören daran zu denken, was sie getan hätte, wenn sie nicht unterbrochen worden wären. Und wie er darauf reagiert hätte…
Es war zum Mäuse melken. Egal wie sehr sie es auch versuchte, sie konnte sich nicht auf eine Lösung für ihr Ginny-Problem konzentrieren. Es war ihr unmöglich länger als 5 Minuten bei der Sache zu bleiben. Als sie zum 6. Mal innerhalb kürzester Zeit abgeschweift war, gab sie es auf. So sehr sie sich auch wünschte, das es anders wäre, sie würde sich nicht den Problemen ihrer Freunde widmen können, wenn sie sich nicht vorher ihren eigenen stellte.
Sie lehnte sich in ihrem Sessel in der Bibliothek zurück und atmete einmal tief durch. Es würde sie nicht weiter bringen, wenn sie sich selbst einfach einredete, dass es der Alkohol gewesen wäre. Denn das war es nicht gewesen. Sicher, ihr berauschter Zustand hatte sie sicher offener für ihre eigenen Gefühle gemacht, aber er hatte nichts neues erschaffen.
Hermine schlug sich die Hände vors Gesicht. Na super. War sie etwa wirklich dabei, sich in ihren Professor zu verlieben? Es war ja nicht so, als wäre ihr Leben gerade schon kompliziert genug. Doch andererseits… was sprach schon dagegen? Hatte sie selbst nicht gehofft, besser mit ihm auszukommen, für den Fall, dass sie wirklich würden Heiraten müssen? War es da nicht eigentlich gut, wenn sie ihn zumindest begehrte? Ihn vielleicht sogar lieben konnte?
Doch sie war viel zu klug, um sich der Illusion hinzugeben, dass schon alles gut werden würde, wenn sie sich tatsächlich in den Tränkemeister verliebte. Denn auch wenn sie ihn auch von einer sanfteren, besorgteren Seite hatte kennenlernen können, so zweifelte sie ernsthaft daran, dass dieser Mann jemals wieder würde lieben können. Mehr als Freundschaft, oder gegenseitigen Respekt konnte sie wahrscheinlich nicht erwarten. Und auch das würde nicht so leicht werden. Auch wenn sie schon auf einem guten Weg waren.
Sie dachte an ihre Hochzeit. An die Hochzeitsnacht… und wurde Rot. Sie war sich sicher, dass das die kleinste Hürde sein würde. Auch wenn es ihr am Anfang etwas Sorgen bereitet hatte und auch so ziemlich jeder andere der festen Überzeugung war, dass sie zu bemitleiden sei. Sie hatte die Blicke gesehen, mit denen ihr Lehrer sie bedacht hatte. Sie war sich sicher, dass er rein körperlich nicht abgeneigt wäre. Aber ob seine Moral ihm erlauben würde, eine Schülerin zu berühren? Auch wenn sie volljährig, und nicht länger seine direkte Schülerin war? Wenn sie es wollte? Wenn sie mussten?
Das waren ihr definitiv zu viele offene Fragen. Viel zu viele. Und wenn sie eins hasste, natürlich neben Menschen, die Bücher nicht ordentlich behandelten, oder einfach nicht dazu lernten, dann waren das ungelöste Probleme und Fragen, deren Antworten sie nicht kannte.
Hermine stand auf. Es gab nur eine Möglichkeit, diese Sache endlich aus ihrem Kopf zu bekommen, damit sie sich wieder wichtigeren Dingen widmen könnte: Sie musste mit ihm darüber reden!
So simpel wie es sich sagte, war es natürlich nicht. Das wusste sie. Doch sie musste es wagen. Sonst würde sie nie zur Ruhe kommen. So unangebracht das auch sein mochte.

Severus Snape hatte seinen kompletten Unterricht für die nächsten 7 Tage abgesagt. Etwas, das er in seiner gesamten Laufbahn noch nie gemacht hatte. Minerva sollte sich etwas einfallen lassen. Er würde nicht unterrichten. Er könnte es auch gar nicht, selbst wenn er es versuchen würde. Wie sollte er Kinder dabei beaufsichtigen, wie sie gefährliche Zauber ausführten, wenn er selbst nicht bei der Sache war? Er hatte sich ja kaum auf sein Frühstück konzentrieren können. Oder auf das Mittagessen. Seine Gedanken kreisten immerwieder um die Ereignisse der letzten 48 Stunden. Und um sie… Dieses kleine, neunmalkluge Mädchen hatte ihn völlig aus dem Konzept gebracht mit ihrem Auftritt am Abend. So wie sie gesprochen hatte, wie sie seine Blicke auf sich gezogen hatte… Nein, sie war kein Mädchen mehr. Sie war wahrlich eine junge Frau. Und doch… Und doch durfte er nicht so von ihr denken. Schon gar nicht, weil sie eine Schülerin war.
Oh wie oft hatte er seit ihrem Angebot, ihrer Forderung, sie zu heiraten, dieses Zwiegespräch mit sich selbst geführt? Unzählige male. So oft, dass er es aufgegeben hatte, zu zählen. Und immer wieder landete er bei dem gleichen Ergebnis: Egal wie sehr er sie auch begehrte, sie brauchte seinen Schutz. Schutz, weil sie Schülerin und er Professor war. Schutz, weil sie so viel Jünger und unerfahrener mit den Höhen und Tiefen des Lebens war. Und Schutz vor den Todessern. Nur deswegen würde er sie schließlich heiraten. Um sie zu schützen. Es wäre verwerflich, daraus seinen Vorteil zu ziehen. Er würde diese Notlage nicht ausnutzen. Und beim Gedanken an die Hochzeitsnacht wurde ihm ganz anders. Wie sollte er das nur überstehen, ohne Wahnsinnig zu werden?
„Miss Granger… in welche Lage haben Sie mich nur gebracht“ murmelte er und starrte weiter leer durch das verlassene Klassenzimmer.
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