lion's strength

von -Tomoe-
GeschichteRomanze, Freundschaft / P16 Slash
29.10.2017
11.02.2019
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Nervös rutschte ich auf meinem grauen Sofa hin und her und starrte fast schon verzweifelt mein Handy an, welches vor mir auf dem kleinen Tisch lag. In den ganzen Monaten, in denen ich Noah kannte, hatte ich ihn kein einziges Mal angeschrieben wegen einer nicht beruflichen Sache und nun stand ich kurz vor dieser Tat. Es verwunderte mich selbst ein klein wenig, dass ich auf diesen Gedanken gekommen war, ihn um einen Gefallen zu bitten. Was sollte schon passieren? Ich meine, mehr als 'nein konnte er nicht sagen, oder? Egal, was in den nächsten Minuten passieren würde oder welche Antwort ich auch von ihm bekäme, ich konnte drüber stehen. Ich seufzte und nahm mein Handy von der Holzoberfläche und legte es in meine Hände, damit ich besser schreiben konnte. Ich öffnete Whatsapp und suchte nach der Nummer meines Kollegen. Sofort fielen mir die dunkelbraunen Haare und die dazu passenden braunen Iren auf, die sein Profilbild zeigten. Ich öffnete den Chat und zum Vorschein kamen einige belanglose Konversationen, die nur die Arbeit betrafen. Meist nur von kurzer Länge und nicht unbedingt literarisch ausformuliert, was sich aber in diesen Moment ändern sollte. Wie sollte ich am besten anfangen? Komisch, dass ich mir darüber Gedanken machen musste. Noch nie hatte ich bewusst ein privates Gespräch mit ihm begonnen. Auch wenn die letzten Monate etwas anderes sagten, so winkte ich es einfach damit ab, dass er zu solchen Zeitpunkten einfach anwesend gewesen war.
Die Tastatur zeigte sich und verlangte von mir gleichzeitig, dass ich endlich die leere Zeile füllen sollte. Sollte ich ihn vielleicht erst einmal mit einem einfachen 'Hey' anschreiben? Nein, das klang irgendwie so, als würde ich nicht zum Wort kommen. Wenn ich ehrlich war, würde ich es auch verwirrend finden, wenn eine Person nur um den heißen Brei herum reden würde. Okay, kommen wir also direkt zur Sache. So konnte ich von ihm eine einfache Antwort bekommen und alles war gut. Ich fokussierte erneut die Buchstaben an und begann zu tippen.

„Hey, kannst du mir einen Gefallen tun?“


Sofort sendete ich die Nachricht ab und ich ließ mich mit einem Seufzten in meine Sofakissen fallen. Was war daran jetzt so schwer gewesen? Mal ehrlich, manchmal konnte ich mich auch wie das erste Auto anstellen. Mein Handy lag stumm neben mir. Vielleicht hatte er gerade etwas anderes zu tun oder ignorierte meine Nachricht. Dann hieße dies für mich eine weitere Nacht auf meinem Sofa zu verbringen. Eigentlich hatte ich nichts dagegen, aber ich wollte endlich alle Sachen in meiner neuen Wohnung aufgebaut haben. Ich hatte meist nur am Wochenende Zeit um umfangreiche Sachen zu erledigen und weiter vor mich her schieben wollte ich es auch nicht. Zur Not musste ich warten, bis Anissa mit ihrem Freund von dem Wochenendtrip zurückkommen würde, auf dem sie sich zur Zeit befanden. Neben mir ertönte ein Vibrieren, welches meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Hatte Noah mir geantwortet? Mit einem neugierigen Blick entsperrte ich mein Handy und gelangte somit wieder in den eben geöffneten Chat.

„Um was geht es denn?“


Zu meinem Überraschen schien Noah noch nicht einmal abgeneigt, aber was noch nicht ist kann ja noch werden. Da er nun schon zurückgeschrieben hatte, konnte ich ihm auch von meinem kompletten Vorhaben erzählen:


„Kannst du mir helfen meine Möbel zusammenzubauen?“


Diesmal legte ich das Handy nicht zur Seite und starrte die ganze Zeit auf den Bildschirm. Es dauerte nur einige Sekunden bis mir der grüne Balken erneut anzeigte, dass er online war. Die Buchstaben begannen sich zu wandeln und nun wurde mir signalisiert, dass er schrieb. Zögerlich schaute ich auf den Chatverlauf und wartete auf eine Antwort seinerseits. Eine Nachricht ploppte am Ende des Bildschirms auf und zog meine Aufmerksamkeit auf sich:

„Warum nicht. Wie ist deine Adresse?“
 

Mehrere Male las ich den kurzen Satz, der auf dem weißen Untergrund geschrieben war. Schnell wurde mir bewusst, dass ich nicht damit gerechnet hatte, dass Noah wirklich zusagen würde, geschweige denn nicht einmal zögerte. Langsam gewöhnte sich mein Gehirn und mir wurde bewusst, dass er in nicht all zu ferner Zukunft durch diese Wohnungstür stapfen würde, welche die Vorderseite meines Flures bildete. Ich wusste nicht, ob ich diese Vorstellung komisch oder interessant finden sollte. Zu meinem Überraschen war es eine eigenartige Mischung aus beidem und erst jetzt wurde mir wieder bewusst, dass ich mich immer noch mitten in einer Unterhaltung mit Noah befand. Über meine Tagträume schüttelte ich den Kopf und kam mir dabei schon wie mein Exfreund Daniel vor, welcher mir die letzten Jahre genau einen solchen Blick geschenkt hatte. Ich tippte schnell meine Adresse ab und schickte diese Nachricht an meinen Mitarbeiter. Puh, also würde ich den heutigen Abend tatsächlich mit Noah Jackson verbringen. Früher hätte ich für solch eine Chance Bäume ausgerissen, doch seitdem wir uns kannten, wurde es zu meinem Alltag. Ich legte mein Handy wieder auf den kleinen Tisch und stand von meinem bequemen Sofa auf. Ich pustete mir eine meiner brauen Strähnen aus dem Gesicht und ging vorerst in meine neue Küche, da ich noch genug Geschirr sortieren musste. Es war irgendwie schon komisch, zwar hatten Noah und ich von Anfang an Differenzen, jedoch verdankte ich ihm eigentlich diese süße Altbauwohnung. Auch wenn ich die gemeinsame Zeit mit Anissa vermissen würde, so war ich doch gleichzeitig froh, dass ich nun meine eigenen vier Wände besaß. Es wurde auch langsam fällig. Ich meine, bei Anissa hatte ich nun mehrere Monate auf einer Matratze gehaust und war so gesehen nur ihr Gast gewesen.  Endlich fühlte es sich so an, dass ich mein Leben selbst meistern konnte und nicht von etwas abhängig war. Außer von Noah, welcher zu meiner Erleichterung mein Bett aufbauen würde. Kaum zu Glauben, dass aus uns beiden so etwas wie eine... Bekanntschaft geworden ist? Gut, ich konnte zwar nicht einordnen, welche Beziehung wir zueinander hatten. Naja, wie dem auch sei, lieber eine lockere Beziehung zu ihm, als das wir uns die ganze Zeit nur anschreien.
Das plötzliche Klingeln riss mich aus meinen Gedanken und ich zog meine Hände aus dem Hängeschrank, mit welchen ich mich die letzten Minuten beschäftigt hatte. Ich zupfte mir mein einfaches Shirt zurecht und hätte mir für diese mädchenhafte Geste im nächsten Moment schon wieder eine reinhauen können. Ich betätigte den grünen Knopf, welcher die Haustür öffnete und ließ Noah somit in dieses Haus. Etwas locker lehnte ich mich gegen den alten Holzrahmen der großen Tür zu der Wohnung und wartete darauf, dass Noah um die Ecke geschlendert kam. Die Schritte signalisierten mir, dass er mit jeder Treppenstufe näher kam und es dauerte nicht lang, bis seine große Gestalt zum Vorschein kam. Seine Parka war von einigen dunklen Punkten überseht, wahrscheinlich regnete es draußen wieder.
„Hey.“ Ich versuchte meine Stimme so normal klingen zu lassen, wie es mir nur möglich war. Meine leichte Nervosität war mir jedoch unbegründet.“Hey.“, sagte er mit seiner angenehmen Stimme und schenkte mir dabei sogar ein nettes Lächeln, Okay, was war hier los? Ich trat zur Seite und gewährte ihm Eintritt in meine Wohnung. Sein großer Körper trat an mir vorbei und ich ließ die Wohnungstür wieder in das Schloss fallen. Erst mit dem hellen Licht im Flur sah ich die kleinen Regentropfen, welche sich wie winzige Perlen in seinem Haar gesammelt hatten. Er stellte einen kleinen Koffer, welcher mir erst jetzt auffiel, auf den Holzfußboden und zog seine Jacke aus. Noah schien meinen unwissenden Blicken zu folgen und erklärte mir sofort, um was es sich bei seinem Mitbringsel handelte:“Werkzeugkoffer.“ Ich nickte und deutete ihm an mir in mein Schlafzimmer zu folgen. Ich schaltete das Licht an und zum Vorschein kam ein Baukasten, welcher auf dem Boden lag, und ein paar leere Regale, die an den Wänden standen.“Du weißt schon, dass du daran Schuld bist, wenn ich es nicht schaffe mein Buch zu schreiben.“, begann mein Mitarbeiter zu witzeln, was ich nur mit einem kurzen wütenden Blick quittierte.“Hat dich dein Bett schon so sehr geärgert, dass dir der Sinn für Humor genommen wurde?“, zog er mich auf. Ich zog die Luft zwischen meinen Lippen ein und wollte mir somit ein Schmunzeln verkneifen. Seit wann hatten wir zusammen Spaß?“Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich nach einem Bett sehne. Ich hab fast ein halbes Jahr lang auf einer Matratze gehaust.“ Noah trat weiter in den Raum hinein und ließ sich neben den vielen Holzbrettern auf dem Boden nieder.“Eine Frage hab ich noch.“, sagte mein Mitarbeiter, während er seinen Koffer öffnete.“Die wäre?“ Ich tat es ihm gleich und setzte mich auch auf den Fußboden zu meinen Kartons, welche noch in die leeren Regale eingeräumt werden wollten.“Warum fragst du nicht deinen neuen Lover?“ Noah setzte sich ein belustigtes Gesicht auf und zog eine Augenbraue nach oben.“Wer hat es dir verraten?“ Meine Stirn runzelte sich und in meinem Kopf formte sich schon eine Antwort zusammen, welche er zugleich bestätigte:“Anissa.“ Kurz seufzte ich, jedoch war mir bewusst, dass es nichts Schlimmes war, dass Noah von meiner, nennen wir es Beziehung, wusste. Ja, es war tatsächlich passiert, dass ich wieder so etwas wie einen Freund besaß. Ich griff seine vorherige Frage wieder auf:“Weil Julian auf einer Geschäftsreise ist.“ Ein kurzes Schmunzeln seinerseits riss mich aus der Tätigkeit einen der Kartons mit dem improvisierten Cuttermesser, welches eigentlich nur ein gewöhnliches Messer zum Schneiden war, zu öffnen.“Was ist?“ Wieder musterte ich ihn mit einem unwissenden Blick, während er mir ein richtiges Teppichmesser reichte.“Nichts, es wundert mich nur nicht, dass dein neuer Freund wieder ein Anzugträger ist.“, sagte Noah mit einer monotonen Stimme, die Schrauben in einem der Bretter drehend.“Woher willst du das denn wissen, du kennst ihn doch gar nicht.“, winkte ich seine Bemerkung ab.“Gut, welchen Beruf hat denn dieser Julian?“ Ich konnte aus Noahs Stimme nicht heraushören, ob er diese Frage ernst meinte oder mich doch nur aufziehen wollte.“Er arbeitet in einer Versicherungsfirma.“, knirschte ich hinter meinen Zähnen hervor. Er schaute mich mit einem typischen Blick an, der ausdrückte:Ich hab es dir doch gleich gesagt.“Egal was du sagst, nur weil er einen ähnlichen Beruf wie Daniel hat, heißt das nicht, dass er genau so ist. Ganz im Gegenteil, Julian ist wirklich ein netter Kerl.“, sagte ich mit vollem Selbstbewusstsein.“Wenn du meinst.“ Noah konzentrierte sich immer noch auf die Bretter, welche er versuchte zusammenzuschrauben und ich musterte ihn dabei. Wieso sah er bei dieser Aussage so selbstsicher aus? Selbst wenn er eine negative Erfahrung gemacht hatte, so musste dies nicht heißen, dass es bei Julian und mir auch so ausgehen musste. Manchmal war Noah vielleicht so etwas, was man eine Schulter zum Anlehnen nennen konnte, und kurze Zeit später misstraute er wieder der ganzen Welt.
„Du glaubst auch, dass ich für immer single bleiben werde, oder?“, schnaubte ich fast schon. Ich schob einen Stapel von Büchern in das Regalfach vor mir.“Das nicht. Bloß ich denke, dass du dir die falschen Männer aussuchst. Du hast doch gesehen, wohin dich solche Typen führen.“ Ich wusste nicht, ob er sich wirklich sorgte oder einfach hier als ein Besserwisser dastehen wollte. Obwohl ich mir doch eher Letzteres vorstellen konnte.“Willst du mir jetzt meine Männer aussuchen, oder wie?“ Diese Unterhaltung hatte sich in eine komische Richtung entwickelt.“Oh Gott nein, ich stelle mir mein Leben doch etwas unterhaltsamer vor.“, lachte Noah.“Vielleicht ist Julian ja der Mann, mit dem ich bis an das Ende meines Lebens zusammen sein werde.“ Ich versuchte mit Optimismus seine negativen Gedanken in eine andere Richtung zu lenken.“Okay, wenn es so sein sollte und du deinen neuen Freund wirklich heiraten solltest, dann spendiere ich dir 20€. Verlierst du, dann bekomme ich das Geld.““Als ob du jetzt wirklich mit mir eine Wette über meine Beziehung abschließt.“ Mit einem misstrauischen Blick schaute ich zu meinem Mitarbeiter, welcher mich nur belustigt anlächelte.“Wieso nicht? Was hast du schon zu verlieren?“ Ich zögerte etwas, da ich immer noch über die moralische Wertigkeit dieser Wette nachdachte. Aber wo er recht hatte... was sollte denn schon großartig passieren, als das ich um 20 € ärmer wäre. Noah hielt mir symbolisch sein Hand entgegen, welche ich mit Bedacht einschlug. Dieser Abend hatte eine komische Wendung genommen, doch nun wollte ich meine Interessen ein Stück voran bringen.“Wie weit bist du mit deinem Buch?“, wechselte ich das Thema.“Mehr als die Hälfte habe ich bis jetzt.“, gab er nur als knappe Antwort.“Und um was geht eigentlich?“ Mein Gesicht wandelte sich in ein Lächeln um und ich wollte endlich erfahren, über was Noah in seinem nächsten Buch schreiben würde.“Das ist geheim.“ Seine Antwort war so trocken, dass ich fast schon dachte ich hätte mich verhört.“Ich bin deine Managerin, wieso kannst mit mir darüber nicht reden?“ Dieser Gedanke machte mich schon ein wenig sauer. Ich meine, selbst wenn er mich als Mensch nicht mochte, so konnte er es mir wenigstens auf beruflicher Ebene sagen.“Weil ich es dir nicht verraten werde. Du wirst es am Ende schon sehen.“ Auf seinem Gesicht ließ sich ein dreistes Lächeln nieder, was mich nur zum Augen rollen brachte.“Du bist ein Sturkopf.“, gab ich monoton von mir und riss mit einer geschickten Handbewegung den nächsten Karton auf.“Sag, was du willst. Ich verrate es dir trotzdem nicht. Vor allem dann nicht, wenn ich merke, dass du eigentlich ein krasser Fan von mir bist.“ Ich schaute ihn ahnungslos an, doch er deutete mit seinen Fingern auf den Inhalt des Kartons. Ich folgte seiner Geste und meine Augen weiteten sich, als ich am Zielpunkt angekommen war. Vor mir lag jenes Buch, welches Noahs erstes Werk war. Hastig schlug ich die Klappen des Kartons wieder zu und schaute zu ihm hinüber. Seine Gesicht hatte diesen Ausdruck, dass er wusste er würde in dieser Unterhaltung die Überhand besäßen.“Es ist nicht das, was du denkst.“, rechtfertigte ich mich. Er musste ja nicht wissen, dass ich diesen Wälzer unzählige Male schon gelesen hatte. Ich drehte ihm den Rücken zu und ließ das Buch schnell im Regal verschwinden, sodass er nicht die vielen Kerben, die das Buch trug, sehen konnte.“Ich hab so viele Bücher, kann schon sein, dass ich mir irgendwann Mal deines gekauft habe.“, winkte ich ihn ab und bemerkte erst zu spät, dass eine Hand über meine Schulter griff und sich das genannte Buch wieder von seinem Platz zog. Okay, das war es dann mit der heimliche Fan-Dasein.“Interessant, dass diese Buch so viele Falten besitzt, wenn du es nur mal so gekauft hast.“ Ich merkte sofort, dass seine überlegende Stimme nur aufgesetzt war.“Gut, ich gebe es zu, dass mir dieses Buch bei einer Entscheidung geholfen hat. Bist du jetzt zufrieden?“ Sein Lächeln ließ nicht nach:“Schon. Bei was konnte ich dir denn helfen?“ Ich zog meine Augenbrauen nach oben:“Tja, dass ist genau so geheim, wie dein neues Buch.“ Auch ich setzte mir ein Grinsen auf und zog ihm das Buch wieder aus der Hand.“Gut gespielt, Miller.“, entgegnete er mir.
„Muss ich ja, wenn du mein Kollege bist.“, platze es etwas dreist aus mir heraus. Hatte ich dies jetzt wirklich gesagt? Das Geräusch des Bohrers verstummte und ich wunderte mich, was Noah die Sprache verschlagen hatte. Langsam drehte ich mich in seine Richtung und konnte nur sehen wie er mich einfach nur anschaute, bis er anfing zu lachen. Mein Blick wurde ratlos, aber er lachte einfach weiter. Wenn ich ihn dabei so beobachtete, hatte er ein herzliches Lachen, wozu man gern einstimmte. Ich konnte mir gut vorstellen mich in meinen Kollegen getäuscht zu haben. Vielleicht war er ja nicht der sture Mann, wie ich immer von ihm dachte?
„Ich muss wirklich sagen, dass ich mir diesen Abend nicht so vorgestellt habe.“ Langsam beruhigte sich Noah wieder und widmete sich wieder seiner Arbeit.“Soll das jetzt heißen, dass ich deine Vorstellungen enttäuscht habe?“, hakte ich neugierig nach.“Ganz im Gegenteil: Ich hab seit langem mal wieder viel Spaß.“ Etwas verwundert stoppte ich in meiner derzeitigen Bewegung eines meiner Bücher zwischen die restlichen zu quetschen und rief mir Noahs eben gesprochenen Satz noch einmal in meine Erinnerungen. Hatte er mir gerade indirekt damit ein Kompliment gemacht? Auch wenn er in den letzten Monaten versucht hatte, mich bei negativen Gedanken wieder aufzumuntern, so hatte er diesen Kommentar dieses Mal aus freien Stücken gesagt.“Hilfst du mir mal kurz?“, riss mich sein angenehme Stimme aus den Gedanken. Er deutete mir, dass er fast mit dem Zusammenzubauen meines Bettes fertig war und ich ihm nun bei den letzten Schritten helfen sollte. Ich erhob mich von dem Holzfußboden und folgte seinen Anweisungen, die er mir gab. Nach einigen Minuten stand das Gestell auch schon an seinem Platz und ich war erleichtert diese Nacht endlich wieder auf einer Matratze mit Lattenrost zu verbringen. Schnell zogen wir noch die Matratze auf das Gestell und mein Bett war somit endlich aufgebaut.“Hast du das gerade eben ernst gemeint?“ Meine Stimme unterstrich eine gewisse Unsicherheit, als ich wieder zu Noah schaute.“Was? Du meinst, dass ich heute viel Spaß hatte? Natürlich, warum denn nicht? Oder denkst du etwa anders?“ Mein Mitarbeiter ließ sich auf die Matratze sinken und musterte mich unwissend.“Nein, ganz im Gegenteil. Bloß wenn ich daran denke, wie wir uns kennengelernt haben.“, begann ich zu schmunzeln und nahm auch an der Kante platz.“Na und? Fangen so nicht die besten Freundschaften an?“, warf er trocken in den Raum und mir blieb fast der Atem in der Kehle stecken. Freundschaft? Wir beide pflegten eine Freundschaft? Seine braunen Iren schauten zu mir hinüber und sahen meinen verwunderten Blick.“Hab ich jetzt etwas falsches gesagt? Ich dachte ein Fan freut sich, mich einen Freund zu nennen.“ Schon wieder schmückte ein dreistes Lächeln sein Gesicht und ich wusste sofort, dass er mich wieder aufziehen wollte.“Ich haue das Buch gleich weg.“, sagte ich frech, was ihn nur zum Lachen brachte.
„Keine Angst, ich dachte auch nicht, dass ich dich irgendwann mal nicht hassen könnte. Aber sind wir doch mal ehrlich: du weißt schon genug von mir und ich von dir.““Und das macht eine Freundschaft aus?“, hakte ich gespielt misstrauisch nach.“Wir können uns gern wieder hassen.“, entgegnete mir Noah.“Nein nein. So ist es schon okay.“, sagte ich zufrieden und ließ mich mit dem Rücken auf die Matratze fallen.“ „Schon okay“... Eigentlich finden mich Frauen relativ begehrenswert und nicht nur zufriedenstellend.“ Auch er sank mit seinem Rücken auf den weichen Untergrund.“Welche Frauen? In deinen Träumen vielleicht.“, zischte ich kurzer Hand hinter meinen Lippen hervor und kassierte mir dafür einen leichten Schubser durch seine linke Hand, was mich wieder zum kichern brachte.“Du bist echt eine der nervigsten Frauen, die ich jemals kennengelernt habe.“Noah drehte seinen Kopf in meine Richtung und schenkte mir ein Lächeln, welches in mir ein warmes Gefühl auslöste. Es war eine Mimik, welche ich nur selten zu Gesicht bekommen hatte und doch schien es mir genau deswegen so aufrichtig. Ich quittierte sein Lächeln:“Und du einer der größten Sturköpfe, die ich je kennengelernt habe.“ Dieser Moment schien fast schon zu schön, um wahr zu sein und doch schaffte es ein Geräusch uns aus dieser Position zu lösen. Das Klingeln, welches mir in diesen Moment als besonders nervig vorkam drang in meine Ohren und brachte mich zum aufstehen.“Wer ist das denn jetzt?“, seufzte ich genervt und konnte im Augenwinkel sehen, dass auch Noah sich von seinem Platz löste.“Ja?“ Ich nahm den Hörer des Summers ab.
„Ich bin es.“, sprach mir eine bekannte Stimme entgegen. Ich betätigte den Knopf, welcher die Haustür öffnete.“Wer stört uns um diese Uhrzeit noch?“, fragte Noah, als er aus dem Schlafzimmer kam.“Julian ist anscheinend eher von seiner Geschäftsreise zurückgekommen.“, sagte ich. Meine  Stimme klang in diesem Satz so schüchtern, als würde ich diese Nachricht eher negativ ansehen. Eigentlich müsste ich mich doch freuen, oder? Mein Freund war wieder von seiner Reise zurückgekehrt und ich machte keine Freudensprünge?
Noah zog sich die olivfarbene Jacke von dem Kleiderhaken und warf sie sich über seine Schultern.
„Ich denke es ist Zeit zu gehen.“, sagte er monoton. Ein Klopfen an der Wohnungstür zog meine Aufmerksamkeit auf sich und mir fiel im gleichen Moment wieder ein, dass ich nur die untere Tür geöffnet hatte. Vor mir stand Julian, welcher mich mit einem Lächeln begrüßte. Er hatte sich nicht einmal seine Jacke angezogen und trug sie über seinem Unterarm, in der anderen Hand sein Aktenkoffer. Er kam auf mich zu und gab mir einen Kuss auf die Lippen, welchen ich eher nur zögerlich erwiderte.“Wir sehen uns bei der Arbeit.“, sagte Noah kurz und stieg an uns vorbei ins Treppenhaus. Sein Abgang war eben so schnell wie seine Verabschiedung gewesen. Hatte ich etwas Falsches gesagt, weswegen er nicht noch bleiben wollte? Unwissend schloss ich die Tür hinter mir und widmete mich wieder Julian, welcher seinen Koffer schon neben dem Schuhschrank abgestellt hatte.“Und wie war deine Geschäftsreise?“, erkundigte ich mich, um meine Gedanken loszuwerden.“Wie immer stressig. Aber jetzt bin ich ja hier.“ Er lächelte mich an und zog mich in einen weiteren Kuss, welchen ich dieses Mal mit mehr Überzeugung entgegnete.“Wer war der Typ eigentlich?“ Er zog sein Jacket aus und hing es an den Kleiderhaken, welcher bis gerade eben noch Noahs Jacke Halt gegeben hatte.“Noah? Er ist mein Arbeitskollege...ein Freund.“, sagte ich zögerlich, während meine Gedanken immer noch in einem Chaos versanken.
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