GONE WITH THE DEATH?

von Alias-B
GeschichteAllgemein / P16
Angel Buffy Summers Cordelia Chase Dawn Summers Spike
28.10.2017
23.05.2018
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Regungslos steht er am Strand und starrt blicklos auf das Meer hinaus. Ein kalter Wind weht, dicke Regenwolken ballen sich gerade zusammen, nichts Ungewöhnliches im Dezember an der Küste vor Santa Catalina. Die blassrote Sonne verschwindet zusehends hinter den grauen Wolken, es wird allmählich dunkler, und der Sonnenuntergang findet zwar statt, aber er ist unsichtbar.

Seine Gedanken kreisen um ihre letzten gemeinsamen Tage. Hat er sie irgendwie verletzt, beleidigt, ihr nicht genug Beachtung geschenkt? Nein, er kann noch so viel darüber nachgrübeln, er hat nichts dergleichen getan. Ihre letzten gemeinsamen Tage verliefen glücklich und harmonisch.

Es fängt an zu regnen. Er schlendert langsam in Richtung Strandcafé, setzt sich dort an einen Tisch und bestellt einen Kaffee. Das Lokal ist fast leer, und von den wenigen Besuchern erkennt ihn niemand. Sein Leben als kleiner Popstar ist vorbei, es geht nicht mehr, er will es nicht mehr, dieses Leben.
Er packt Gwydion aus, er hat ihn in einem Babygurt, zusätzlich geschützt durch eine warme Decke mit sich herumgetragen.
Behutsam nimmt er den Kleinen auf seinen Schoß. Aber der Kleine schläft nicht mehr und fängt an zu krähen, er hat bestimmt Hunger. Er sollte ins Hotel gehen und ihn füttern.
Liebevoll betrachtet Spike seinen Sohn. Auf Dauer muss er sich etwas einfallen lassen, vielleicht sollte er irgendwo ein Haus kaufen und ein Kindermädchen einstellen. Sowas wie Mary Poppins. Sesshaft werden. Denn er muss etwas tun, jetzt wo die große Apathie verebbt ist und ihn stattdessen Schmerzattacken der Erinnerung überfallen, wenn er an seine Frau denkt, und er denkt immer an sie.
Der Kleine wird sie nie kennen lernen, wird mutterlos aufwachsen, und Spike weiß nicht, wie er damit fertig werden soll. Wenn er an die letzten fünfzehn Monate denkt, muss er feststellen, dass es die glücklichsten seines Lebens waren, oder seines Unlebens – egal! Er hätte wissen müssen, dass es für ihn kein dauerhaftes Glück gibt, dafür hat er zuviel Unheil angerichtet.
Man hat ihm die glücklichste Zeit seines Lebens geschenkt – und sofort wieder genommen. Das ist schon okay, ER hat nichts anderes verdient, aber warum SIE?
Natürlich war sie auch kein unbeschriebenes Blatt, aber im Vergleich zu ihm war sie ein Nichts in Sachen Böses. Warum musste ausgerechnet SIE sterben? Sie, die so liebevoll zu ihm war und deren Glück ihn in den letzten Monaten so eingehüllt hatte, dass es zur gefühlsmäßigen Rückkoppelung kam und er sie wahrhaftig liebte, so sehr liebte, dass er alle Anzeichen des kommenden Unheils übersah. Wie hatte er nur so blind sein können? Er war in die Falle getrapst wie ein Idiot, und sie musste deswegen sterben. Aber sie hatte es gewusst, und sie hatte Vorkehrungen getroffen, um ihn und ihren gemeinsamen Sohn zu beschützen. Was für eine Frau!

Spike überfallen die Erinnerungen, er ist ihnen hilflos ausgesetzt, und sie tun ihm weh, aber ohne sie kann er nicht leben, er denkt daran, wie er sie fand, er denkt an ihr anfangs so unschuldiges Zusammenleben, er denkt an ihre erste Liebesnacht, an ihre Hochzeit, an die Geburt von Gwydion. Und er schüttelt hilflos den Kopf. Wie konnte er ihr damals nur erzählen, was er über den Himmel und über das Leben nach dem Tode denkt. Dass er an nichts glaubt, dass alles nur im Gehirn der Menschen existiert, Gott, der Himmel, die Engel und das Leben nach dem Tode ...
Jetzt würde er sein Gefasel am liebsten ungefaselt machen, jetzt hätte er es gern, wenn sie ihm aus dem Himmel zusehen würde, nein, sie sollte ihm vielleicht nicht immer zusehen, er erinnert sich – automatisch stöhnt er auf – an den total wahnsinnigen Abend, an dem Buffy zu ihm gekommen war, um ihn zu trösten. Was zum Teufel hatte er getan? Aber tatsächlich fühlte er sich danach etwas lebendiger, zum erstenmal seit Wochen. Und gleichzeitig fühlte er sich total beschissen, er hatte seine Frau betrogen, zwar NACH ihrem Tode, doch Betrug ist Betrug. Wie konnte er nur ...

Er greift – mit dem Kleinen im anderen Arm – nach der Zeitung, die auf dem Tisch liegt. Die Schlagzeile und das Foto fesseln ihn sofort. Er stutzt, und seine Augen weiten sich.

„Ach du heilige Scheiße“, stöhnt er gequält auf. „Auch das noch!“
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