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[Tales of Berseria] Von Dämonen und Helden

von Wedernoch
GeschichteFamilie, Fantasy / P16 / Gen
Artorius Collbrande Velvet Crowe
26.10.2017
27.05.2018
9
14.340
1
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Dieses Kapitel
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26.10.2017 1.489
 
Kommentar vor Kapitelbeginn: Vorausgehend sei gesagt, dass ich diese Fanfiction aus einem plötzlichen Impuls heraus begonnen habe, einfach aus Lust und Laune heraus. :) Ich mag vor allem Velvet und Artorius und möchte in den ersten Kapiteln vorrangig deren Beziehung zueinander "erforschen", wie sie hätte sein können, wenn das Schicksal nicht so hart zugeschlagen hätte wie im Spiel. Aber auch den anderen Protagonisten will ich mich gerne zuwenden. Ich wünsche in jedem Fall viel Spaß beim Lesen!
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Stillschweigend betrachtete er seine Frau, wie sie am Tisch saß und weinte. Es schmerzte ihm, sie so zu sehen, und genauso schmerzte ihm jenes, was auch ihr das Herz brach. Sein Sohn verstand es nicht. Er saß auf dem Teppich vor dem Kamin und malte, aber seine Aufmerksamkeit lag auf seinen Eltern. Auf seinem Vater, der an dem Fenster bei der Haustür stand, und auf seiner Mutter, deren Blick den Kompass musterte. Sie hatte ihn als Geburtstagsgeschenk gekauft.
     Ein Geschenk für einen Toten …
Arthur seufzte tief und ließ dabei seine Lider sinken, um sich eine Weile in seine eigenen Gedanken zurückziehen zu können. Vor nunmehr zwölf Jahren waren Celicas Eltern bei der Jagd im Ruhewald umgekommen. Arthur war dabei gewesen. Er hatte gesehen, dass es ein Dämon gewesen war, der die beiden überrascht hatte. Immerhin waren sie eigentlich geübte Jäger gewesen. Arthur fühlte sich verantwortlich für ihren Tod. Als Exorzist, obgleich ihm zurzeit die entsprechenden Kräfte fehlten, hätte er eingreifen müssen. Nun wiederholte es sich. Er war so viel gereist, hatte so viel gesehen und gelernt, und dennoch kannte er kein Heilmittel gegen die 12-Jahre-Krankheit, die seinen Schwager am heutigen Tage, seinem zwölften Geburtstag, dahinraffen würde. Arthur richtete seinen Blick aus dem Fenster in den Vorhof, wo der Grabstein stand, der jenen Ort markierte, an dem die verbrannten Überreste seiner Schwiegereltern bestattet worden waren. Danach sah er hinüber zu dem von Herbstbäumen und -büschen gesäumten Pfad, der zum Marktplatz von Aball mündete. Dort machte er Bewegungen aus.
     „Velvet kehrt heim“, sagte er laut genug, dass seine Frau und sein Sohn ihn hören konnten. Er schlüpfte in seine Schuhe und öffnete die Haustür für seinen Sohn, der aufgeregt vorauslief, um seine Tante nach ihrer langen Reise durch Midgand begrüßen zu können. Natürlich erwartete er auch seinen Onkel. Arthur entsann sich, wie mühevoll es für seinen Schwager Laphicet gewesen war, Celica die Erlaubnis zu entlocken, dass er und Velvet das Königreich bereisen durften. Er war ein Kind und obwohl Velvet durchaus langsam zu einer jungen Frau reifte, konnte Arthur Celicas Bedenken vollkommen nachvollziehen. Ihre Geschwister waren deutlich jünger als sie. Bei Velvets Geburt war Celica so alt gewesen wie Velvet heute. Celica hatte ihre Geschwister daher großgezogen. Es war ihr schwergefallen, sie gehen zu lassen. Vor allem, weil sie wusste, dass Laphicet in ihrer Abwesenheit seiner Krankheit erliegen würde.
     Celica zog ihre Schuhe an und warf sich die dünne Jacke über, um dem sanften Herbstwind zu widerstehen. An Arthurs Seite trat sie auf die Türschwelle, um ihre Schwester daheim begrüßen zu können. Letztendlich war sie glücklich, dass zumindest Velvet bei bester Gesundheit war. Sie schaute hinüber zu ihrem Sohn, der trotz seiner sechs Jahre noch eher ungeschickt auf den Beinen war, und begutachtete ihre Schwester, die es sich auf ihrer Reise wohl angewöhnt hatte, ihre rabenschwarzen Haaren als wallende Mähnenpracht zu tragen. Heiter hob Velvet ihren Neffen auf ihre Arme. Zu heiter, dachte Celica, und noch bevor sie ihre Gedanken weiterführen konnte, entdeckte sie hinter Velvet eine kleinere Gestalt, deren goldgelbe Augen voller Liebe und Entdeckergeist waren, sodass Celica nicht einen Moment daran zweifelte, dass Laphicet gesund heimgekehrt war. Arthur hingegen, der diese Zweifel nicht offenlegte, hatte sie jedoch. Zunächst stand er verwirrt im Türrahmen und Celica eilte voraus, um nicht nur Velvet, sondern auch ihren totgeglaubten Bruder willkommen zu heißen. Nein, nach zweitem Überlegen misstraute auch Arthur der Situation nicht mehr und begrüßte seine Familie, die nach einem halben Jahr wieder vollständig war.
     Celica bereitete das Mittagessen vor und Velvet und Laphicet richteten sich nach der langen Zeit auf Reise wieder Zuhause ein. Vor der Geburt ihres Neffen war Velvet aus ihrem Zimmer im Erdgeschoss in das erste Stockwerk gezogen, aus dem sie, Celica und Arthur in mühsamer Handarbeit ein Zimmer geschreinert hatten. Die beiden hatten zuvor dort geschlafen, waren dann jedoch in den Anbau im Erdgeschoss umgezogen, in dem die Eltern der drei Geschwister ursprünglich gewohnt hatten. Celica hatte diesen Umzug solange wie möglich herausgezögert. Außerdem hatte der Umzug von Velvet ihr die erste Zeit auch nicht gutgetan. Als Velvet ihrem Neffen dabei half, die Leiter zu ihrem Zimmer hinaufzuklettern, konnte Arthur nicht anders als sich daran zu erinnern, wie sie damals vor allem nachts, wenn sie pinkeln gehen musste, von der Leiter gestürzt war und sich verletzt hatte. Die ersten paar Wochen hatte er es sich deshalb zur Angewohnheit gemacht, entweder lang genug wach zu bleiben und sie abzufangen, oder aber drei Matratzen am Fußende der Leiter zu stapeln. Celica hatte ihn als Glucke bezeichnet, denn sie selbst war ganz gelassen damit umgegangen. Kinder tun sich nun einmal manchmal weh, das hatte sie gesagt. Trotzdem ließ Arthur seinen Sohn niemals alleine zu Velvets Zimmer hoch, sondern sorgte dafür, dass er, Celica oder Velvet ihn im Falle eines Sturzes auffangen konnten.
     Arthur war neugierig, weshalb er Laphicet aufsuchte und ihn fragte, was genau geschehen war. Da lächelte sein Schwager ihn an und Arthur glaubte, erstmals wahre Lebensfreude in seinen Augen erkennen zu können. Die ersten zwölf Jahre seines Lebens hatte er schließlich in fast ständiger Krankheit verharren müssen. „Velvet hat nicht aufgegeben!“, begeisterte Laphicet sich, und Arthur konnte sich augenblicklich vorstellen, wie seine Schwägerin entschlossen war, ihren Bruder zu retten. „Ich hab ihr von der Krankheit erzählt, und von dem Omega-Elixier, das angeblich alles heilen könnte. Velvet hat sofort beschlossen, die Zutaten dafür zusammenzusammeln“, Laphicet betrachtete den neuen Kompass, den Celica ihm zur Feier des heutigen Tages geschenkt hatte. „Ich hab deine Notizen gestohlen, Arthur. Es tut mir leid. Aber irgendwie … irgendwie hab ich tief in mir gehofft, dass wir das Omega-Elixier brauen können. Damit ich weiterleben und mit euch allen diese schöne Welt sehen kann. Deine Übersetzungen haben uns sehr geholfen.“
     Laphicet holte aus seiner Tasche einen knittrigen Zettel hervor und reichte ihn Arthur, der darauf seine eigene Handschrift bemerkte. Er hatte die Notizen nicht vermisst, weil er gefühlt seit Jahren nicht mehr in seine alten Bücher geschaut hatte.
     Long Daus Staub.
     Das Horn eines Einhorns. (Narwal!)
     Das Ei eines Wolkenschafes.
     Das Blatt eines Weltenbaumes. (Davahlwald, Marlind)
     Die Gebete (Tränen?) eines Seraphen. (Altes Wort für Malak?)

Die Notizen waren nicht sonderlich ausführlich, aber offenbar hatten sie ausgereicht. Das freute Arthur. Laphicet trat an ihn heran und sprang begeistert auf. „Velvet war richtig bei der Sache, als sie die Notizen gesehen hat. Wir haben uns sogar mit Aifreads Piraten zusammengetan, um an all diese Orte zu kommen!“, begeisterte er sich. Unterdessen war Arthur davon weniger angetan. Er hatte Velvet ausdrücklich gesagt, nur mit offiziellen Passagierschiffen zu reisen. Dass sie sich nicht daran gehalten hatte, war eine Sache. Dass sie direkt Kontakt mit Piraten gesucht hatte war noch einmal eine ganz andere. Einen kleinen Tadel würde sie sich später wohl anhören müssen.
     „Bei Aifreads Piraten war ein Malak. Das hab ich Velvet erzählt. Und als ich dann vor ein paar Tagen richtig krank geworden bin, hat sie sich auf den Boden geworfen und ihn angefleht, sein Gebet für das Elixier zu geben. Es waren übrigens die Tränen nötig, kein Gebet. Der Malak musste sich überwinden, für mich zu weinen, obwohl ihn außer mir und Aifread gar keiner gesehen hat. Aber er hat es letztendlich getan.“
     Die Glückseligkeit, mit der Laphicet all dies erzählte, ließ Arthur für einen Moment vergessen, in welche Gefahr die beiden sich für all dies begeben hatte. Ein Bündnis mit Piraten, unerforschte Gebiete erkunden, die Suche nach Zutaten, die nur selten zu finden waren und stellenweise sogar als legendär galten. Sie hatten es tatsächlich geschafft, das Omega-Elixier zu brauen. Das war eine Erkenntnis, die Arthur in jedem Fall seinen Notizen hinzufügen sollte: das Omega-Elixier war echt, und es kurierte in der Tat tödliche Krankheiten.
     Arthur erwiderte Laphicets Freude nun, beugte sich zu ihm hinunter und zog ihn für eine Umarmung an sich heran. Er klopfte ihm sanft auf den Hinterkopf und sagte, wie glücklich er war, dass Laphicet der Familie noch erhalten bleiben würde. Und Laphicet klammerte sich an ihn und begann zu weinen, das erste Mal seit langer Zeit, weil er leben durfte und das Schicksal ihm endlich wohlgesonnen war.
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