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Warte auf mich

von Aelea
GeschichteSchmerz/Trost / P12 / Gen
Mystique / Raven Darkholme Wolverine
26.10.2017
26.10.2017
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26.10.2017 791
 
Fast war er beeindruckt davon, wie sicher ihre Zelle gebaut war.
Es war sinnvoll, natürlich, schließlich hatten sie einen Klon von ihm in der Anlage gehabt und die Zellen sicher vor ihm bauen müssen.
Dennoch war er beeindruckt von der Stabilität des Käfigs. Sie mussten irgendetwas in das Glas gemischt haben, was es stabiler machte - er hinterließ Kratzer darin, aber er konnte es nicht zerbrechen.
Er folgte der Außenseite und suchte nach Fugen, Verschlussstellen, irgendetwas, das ihm einen Ansatzpunkt bot, doch er fand nichts.
An der Rückseite sah er unregelmäßige Muster im Glas - etwas, das aussah wie Kratzer, oder Sprünge. Auf der Innenseite.
Er sah zu Mystique, doch sie schwieg.

"Wie hast du es nur so lange hier ausgehalten?"

Sie zuckte die Schultern. "Am Anfang waren mehr von uns hier."

"Seit wann bist du schon alleine hier?"

Sie schien nachzudenken. "Ich weiß es nicht", sagte sie leise. "Es gibt hier keine Tagesabläufe."

"Seit wann haben sie euch hier festgehalten?"

"Ich weiß es nicht."

Er suchte weiter. Er dachte, dass sie auf Magneto gewartet hatte - darauf vertrauend, dass er sie auch diesmal retten würde. Er konnte sie nicht fragen
"Wo sind die anderen?", fragte sie.
Er sah sie nicht an. Suchte nach Worten. "Die Kinder haben überlebt."
Sie wartete. "Charles ist gestorben. Er war der letzte."
Sie sah zu Boden.

Am Ende riss er einfach den Boden des Raumes auf und folgte den Kabeln, die die automatisierten Lebensmittel- und Wasserspender in ihrer Zelle versorgten. Ein winziger, mehrfach verstärkter Kabelschacht führte hinein, genug für ihn um in die Wand zu hacken, bis sie Sprünge zeigte und Brocken von Glas aus dem Boden brachen.

Mystique kam näher. Vorsichtig stieg sie durch die Öffnung im Boden, kletterte langsam nach oben und stellte sich neben ihn. Legte eine Hand auf das Glas.
Nachdenklich strich sie über die glatte Oberfläche.
"Ich dachte, wenn ich draußen wäre, wäre alles gut. Ich würde die anderen wiedersehen ... und wir würden uns an ihnen rächen."
Sie sah ihn an.
"Jetzt ist alles vorbei. Sie sind alle tot. Alle."
Es gab nichts, was er sagen konnte. Nichts, was es besser machen konnte. Sie war hier gefangen gewesen, als alle, die sie gekannt, die ihr etwas bedeutet hatten, ermordet wurden, und jetzt war sie um ihre Rache gebracht worden.
"Die Kinder sind frei."
"Nicht meine Kinder."
"Die nächste Generation."

"Was tun wir jetzt, Logan?" Sie starrte ihn an. "Womit hast du die letzten Jahre verbracht?"
Die Antwort blieb ihm Hals stecken. Wie konnte er sagen, dass er versucht hatte, ein normales Leben zu führen, während seine Freunde gestorben waren. "Ich habe mich um Charles gekümmert. Und ich war tot."
"Du siehst aus als hättest du es überstanden."
"Ich dachte, diesmal wäre es zu Ende. Ich habe in einem Grab gelegen ... ich vermute, ein paar Wochen. Vielleicht Monate. Wer weiß."
Zum ersten Mal schien sie ihn tatsächlich anzusehen. Sie streckte die Hand aus und berührte sein Haar. "Du bist grau geworden. Ich wusste nicht, dass du alterst. Wieviel Zeit hast du noch?"
Er lächelte "Wieviel Zeit hast du noch?"
Sie lächelte nicht.
"Was tun wir jetzt, Logan?"
"Es ist niemand mehr übrig. Keiner unserer Freunde, keiner unserer Feinde." Er zögerte. "Und ich denke, die Kinder haben eine Chance verdient, selbst zurechtzukommen. Ohne zwei verbitterte alte Großeltern."
"Ich kann mir nicht vorstellen, ein Haus zu bauen und am Strand zu liegen, Logan."
"Ich bin mir fast sicher, dass das hier nicht die letzten Menschen auf der Welt waren, die es verdient haben, ausgehoben zu werden."

Sie sah auf. "Du willst um die Welt ziehen und Verbrecher bekämpfen?"

"Das letzte Mal, als ich es versucht habe, war ich ziemlich gut darin."

"Ich dachte du hättest das aufgegeben."

"Darin war ich nicht so gut."

"Du und ich?" Ein winziges Lächeln umspielte ihre Lippen. Und er dachte, dass sie beide vielleicht die einzigen waren, die verstehen konnten, was der andere durchgemacht hatte.
"Wärst du lieber alleine?"
"Nein." Sie kam näher. Und nickte. "Du und ich."

Sie schloss die Augen. "Logan. Lass uns hier verschwinden."

Sie kletterten aus dem Keller zurück an die Oberfläche und verließen das Gebäude. Es war dunkel.

Es gab keine Richtung. Sie blieben stehen.

"Danke, dass du gekommen bist um mich hier raus zu holen."
"Danke, dass du gewartet hast."

Und zusammen gingen sie los, in die Nacht.
 
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