Ein veregneter Tag zu zweit

KurzgeschichteRomanze / P12
25.10.2017
25.10.2017
1
1347
1
Alle
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
 
Wichtelprojekt: Anfang & Ende
Beitrag für Die Hand.
Tut mir leid, dass es solange gedauert hat. Ich hoffe dir gefällt die Geschichte trotzdem.^^
Viel Spaß beim Lesen.

Lg Katty
_________________________________________________

       
Es war ein verregneter Donnerstag, als ich am Morgen meine Balkontür öffnete. Ich blickte hinaus und sah erstaunlicherweise Maxon, welcher unten im Regen hin und her lief. Noch vor nicht allzu langer Zeit war er König geworden und ich seine Königin. Alles fühlte sich noch so unwirklich an, dafür war ich jedoch froh, dass Maxon noch viele seiner Eigenarten behalten hatte. Wie zum Beispiel, dass er gelegentlich draußen spazieren ging. Zwar empfand ich es als verwunderlich, dass er trotz des Regens im Freien umherlief, aber vielleicht musste er einfach seinen Kopf frei bekommen von der ganzen neuen Verantwortung die jetzt auf ihm lastete. Das half ihm immer noch am meisten, dabei war ihm das Wetter wohl egal, nur raus aus seinem Arbeitszimmer, an die frische Luft. Für mich war die Hauptsache, dass ich merkte, dass er immer noch mein Maxon war, auch als neuer König von Illéa. Mit seinen ganzen Eigenarten die ich an ihm liebte. Ich überlegte ob ich zu ihm gehen sollte um ihn wieder in den Palast zu holen. Bei solch einem Wetter war es wahrscheinlich, dass er sich erkälten würde. Besonders wettertauglich angezogen sah er nicht aus. Außerdem schien er wirklich eine Auszeit zu benötigen. Selbst der König konnte sich, besonders an solch einem Tag, frei nehmen um im Palast mit seiner Frau zu entspannen, bevor er mit seiner wichtigen Arbeit fortfahren würde, dachte ich.
Also lief ich ebenfalls hinaus. Ebenfalls ohne Regenschirm, ging ich etwas überschwänglich auf ihn zu, hatte ich doch fast vergessen wie sich frischer Regen auf der Haut anfühlte, nachdem ich meine Zeit nun größtenteils im Palast verbrachte. Maxon schien mich erst nicht zu bemerken, dann schaute er mich verwundert an.
„Was machst du hier? Du erkältest dich noch, Liebling“, sagte er, immer noch etwas abwesend.
„Dasselbe könnte ich dir sagen. Komm wieder hinein, du kannst auch drinnen weiterdenken. Vielleicht nimmst du dir auch einfach den restlichen Tag frei und verbringst etwas Zeit mit mir. Du siehst so aus als bräuchtest du das wirklich, eine kleine Pause.“
„Aber das geht doch nicht“, protestierte er. Mittlerweile waren wir beide schon ziemlich durchnässt und es wurde langsam kühl.
„Du bist heute schon Stunden vor mir aufgestanden um zu arbeiten. Komm schon. Los gehen wir rein du bist schon ganz nass.“
„Na gut“, meinte er ergeben. Zusammen liefen wir schnell ins Haus. Einige Bedienstete hatten uns wohl gesehen und hielten uns warme Decken hin.
„Lasst gut sein, wir nehmen gleich ein heißes Bad.“ Ich zwinkerte meinem verwunderten Mann zu, dieser schien aber keine Einwände zu haben. Er hatte sich wohl bereits seinem Schicksal ergeben, dass ich heute seinen restlichen Tag plante. Er sollte sich wirklich zumindest mal ein paar Stunden entspannen können.

Von der Badewanne stieg heißer Dampf auf. Maxon ließ sich langsam ins Wasser gleiten um sich an die Hitze zu gewöhnen, die er eigentlich nicht sonderlich mochte. Doch nachdem uns die nasse Kälte des Regens in den Körper gewandert war, fühlte sich diese Wärme ziemlich angenehm an. Sein Gesicht entspannte sich sichtlich und es freute mich zu sehen wie sein Stress bereits etwas von ihm abfiel.
„Das hast du wirklich gebraucht, Liebster“, sagte ich lächelnd, während ich mich ihm gegenüber in die Wanne setzte. Er erwiderte mein Lächeln.
„Du kennst mich eben zu gut, America.“
Ich rutschte etwas näher zu ihm, fuhr sanft über seine Haut, sein Gesicht und küsste ihn. Unter meinen liebevollen Berührungen und Küssen, die er ebenso erwiderte, spürte ich deutlich wie seine Anspannung, durch den ganzen Stress in letzter Zeit, weiter abfiel. Auch mir tat es gut.
Maxon hatte so viel zu tun in den letzten Tagen, dass ich ihn fast nur beim Essen sah oder wenn er spät abends neben mir müde ins Bett fiel. Am morgen stand er dann vor mir auf und es begann von neuem. Aber ich wusste ja, dass es nicht anders ging. In unserem Land gab es nun große Veränderungen die geplant und durchgesetzt werden mussten. Es hatte zu viele Opfer gegeben, in Zukunft musste das verhindert und wieder Ordnung hergestellt werden für alle Menschen. Dennoch wir waren erst frisch verheiratet und oft bedauerte ich es, dass wir so wenig Zeit füreinander hatten.
Ich fuhr über Maxons starken Rücken und spürte seine Narben. Einen kurzen Moment dachte ich, dass es auch ein Opfer gab, dass es mehr als verdient hatte gestorben zu sein und Wut kochte in mir hoch, darüber was meinem Liebsten angetan wurde. Doch ich verscheuchte diesen Gedanken wieder schnell aus meinem Kopf.
Nachdem Maxon und ich uns genug in der Badewanne entspannt hatten, beschloss ich, dass wir in die Küche gehen könnten. Bis zum nächsten planmäßigen Essen war es noch eine Weile hin, aber das warme Wasser hatte mich hungrig gemacht. Außerdem gab es sicher noch ein paar kleine Köstlichkeiten für uns, perfekt für einen entspannenden Tag. Auch Maxon schien sich für diese Idee begeistern zu können. In seinem Gesicht machte sich ein schelmisches Grinsen breit, die Leichtigkeit seines Gesichtsausdrucks machte mich glücklich. Ich hatte es bereits geschafft seinen ernsten, nachdenklichen Blick umzustimmen.
In der Küche angekommen, dauerte es nicht lange und uns wurde ein Tablett mit leckerem süßen und herzhaften Gebäck gebracht. Maxon nahm es an und wir liefen zu dem kleinen Kinosaal. Langsam wurde auch mein Liebster immer ausgelassener, gab mir ungestüme Küsse, wenn gerade kein Bediensteter anwesend war, dass ich schon bedenken hatte, dass er das Tablett dabei fallen lassen würde. Doch nichts dergleichen passierte. Wir setzten uns in den leeren Raum. Maxon stellte das Tablett neben mir ab und ich kuschelte mich an ihn, als der Film begann. Hin und wieder nahmen wir uns etwas zu essen, es war köstlich wie immer, was in der Palastküche zubereitet wurde. Aber heute schien es besonders gut zu schmecken, wenn ich hier mit meinem Liebling alleine saß und einen schönen Film schaute.
Schließlich verging der Tag viel zu schnell, aber Maxon schien viel entspannter als einige Stunden zuvor. Auch wenn ich ihn gelegentlich dabei erwischte, wie er wohl doch noch über seine Arbeit grübelte, doch er schien wohl schließlich eine Lösung gefunden zu haben, für sein Problem weshalb er heute früh im Regen herumgelaufen war. Morgen würde leider alles wie gehabt weiterlaufen. Doch wenigstens hatten wir diesen einen Tag zusammen. Hoffentlich würden wir uns in Zukunft auch noch weitere kleine Auszeiten wie diese, zu zweit, nehmen können.
Am Abend lagen wir in unserem gemeinsamen Bett. Mein Kopf ruhte auf seiner Brust und lauschte seinem Herzschlag, sein Arm war um mich gelegt und streichelte zärtlich meine Schulter.
“Und bereust du es, heute nicht mehr für dein Land getan zu haben?”, fragte ich ihn.
“Auch ein König darf einen Tag nur mit seiner liebreizenden Frau verbringen”, sagte er in einem Ton bei dem ich die Augen verdrehen musste aber mich gleichzeitig lächeln ließ. Er lachte leise und küsste meine Stirn.
“Schließlich habe ich noch meine Berater. Es behagt mir zwar nicht so sehr ihnen heute die restliche Arbeit ganz allein zu überlassen, aber morgen werde ich mich wieder ganz meiner Arbeit und meinem Land widmen. So Gern ich doch weiter Zeit mit dir verbringen würde. Aber sicher hat sich heute einiges angesammelt, dass es morgen noch anstrengender werden wird. Doch dafür hatte ich heute so einen wundervollen Tag mit dir. Um nichts auf der Welt würde ich darauf verzichten wollen, auch wenn die Arbeit dadurch härter wird. Ich liebe dich, meine America.”
Der liebevolle Ton in seiner Stimme ließ mein Herz höher schlagen. Ich liebe diesen Mann einfach viel zu sehr, dachte ich und erwiderte seine Worte mit einem besonders zärtlichen Kuss. Wir kuschelten uns aneinander. Es war noch nicht spät, aber morgen würde Maxon genug zutun haben, sodass er wenigstens einmal länger schlafen könnte, hatten wir beschlossen.
Es war immer noch ein verregneter Donnerstag, als die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwand.
Review schreiben
 
 
'