Break the Cycle

von Kariliah
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Brad Delson Chester Bennington David "Phoenix" Farrell Joseph "Joe" Hahn Mike Shinoda Rob Bourdon
22.10.2017
23.08.2020
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15.02.2019 1.594
 
„Was ist passiert?! Anna, was ist los?!“, schrie Mike so laut, dass sie ihn vermutlich auch ohne Telefonverbindung hören konnte. Laut genug jedenfalls, dass Chester seinen fahrenden Schrotthaufen herumriss und mit quietschenden Reifen zurück Richtung Annas Haus raste, sehr zum Ärgernis von Rob, der ihn mit freundlicher, aber bestimmter Stimme darauf aufmerksam machte, dass ihrer Freundin nur wenig geholfen war, wenn sie sich sich jetzt Ärger mit der Exekutive einfing.
„Mein Vater hat, hat mich eingesperrt!“, kam es unterdessen stockend vom anderen Ende der Leitung, gefolgt von einem Schluchzen, dass Mike einen Stich ins Herz versetzte, ebenso wie die Tatsache, dass ihr Atem nun wieder schneller und flacher wurde. Zweifelsohne der Beginn einer Panikattacke, von denen er schon genug miterleben hatte müssen um zu wissen, dass sie nun besser nicht zu lange alleine war. Und auch wenn er Rob normalerweise zugestimmt und Chester aufgefordert hätte, sich gefälligst an die Straßenverkehrsordnung zu halten, so bedeutete er seinem Freund nun mit einem Klopfen gegen die Rückenlehne, dass dieser lieber noch etwas aufs Gas drücken sollt. Eine Aufforderung, der er nur allzu gerne nachkam und dem Nesthäkchen lediglich ein resigniertes Seufzen entlockte.

„Wir holen dich da raus“, versprach er Anna und bemühte sich, seine Anspannung vor ihr zu verbergen, brauchte sie jetzt doch jemanden, der sie beruhigte und nicht mit ihr zusammen in Panik verfiel. „Alles wird gut, Anna, wir sind gleich wieder bei dir.“
„Aber, mein Zimmer ist... im, im zweiten Stock“, schniefte sie verzweifelt, während die Rädchen in Mikes Kopf zu rattern begannen. Sie mussten Anna irgendwie aus diesem Haus schaffen, so viel war ihm klar, aber sofern nicht einem von ihnen Flügel wuchsen, würde sich das Unterfangen vermutlich als äußerst schwierig herausstellen. „Und mein Vater hat den Schlüssel.“
„Dann müssen wir dich eben durch das Fenster befreien“, gab er sich trotzdem zuversichtlich, während Chester nun endgültig Blut geleckt hatte.
„Oder wir schlagen ganz einfach alle Türen ein, die uns im Weg stehen!“, verkündete er lauthals und Mike zweifelte keine Sekunde daran, dass er seine Drohung wahr machen würde. Immerhin hatte er ihm schon öfters bewiesen, dass er für seine Freunde durch die Hölle und zurück gehen würde, eine der Eigenschaften, die er so sehr an ihm schätzte.
„Hey Mike, kannst du mir Anna mal einen Moment geben?“ Rob streckte die unverletzte Hand in seine Richtung aus und Mike gab ihm nur zögerlich das Handy, auch wenn er Anna nach der letzten Aussage kurz hatte kichern hören und sie sich offenbar wieder ein wenig gefangen hatte.


„Anna, hast du noch immer das gleiche Zimmer wie früher?“ Kaum hatte er Anna an der Leitung, warf Rob ihr gleich seine Frage entgegen und flehte alle höheren Mächte an, dass die Antwort positiv ausfallen würde. Immerhin hatte er, auch nach all den Jahren in denen er weg gewesen war, noch einen gewissen Heimvorteil gegenüber den beiden anderen.
„Ja, wieso?“, fragte sie ihn verwundert, offenbar noch nicht wieder ganz Herrin über ihre Gedanken. Denn er bezweifelte stark, dass sie vergessen hatte, was sie als Kinder so oft versucht hatten, waren sie doch oft genug von seiner Mutter dabei erwischt und deswegen zurechtgewiesen worden.
„Klettere auf die Überdachung vom Balkon, wir holen derweil die Leiter aus eurer Gartenhütte“, erklärte er ihr und den beiden im Auto hastig, ehe Anna seine Pläne mit trauriger Stimme zunichtemachte.
„Das geht nicht so einfach, mein Vater hat vor ein paar Jahren ein Schloss anbringen lassen, nachdem ein paar Dinge gestohlen worden sind.“ Rob verfluchte ihn und den Dieb im Stillen, während er im Kopf die Möglichkeiten durchging, die ihnen noch blieben. Natürlich könnte er Anna dazu anstiften, jeglichen Stoff, den sie in ihrem Zimmer hatte, aneinanderzuknüpfen und wie Häftlinge es so oft in Filmen taten zu ihnen klettern, aber auf diese Weise würde sie sich vermutlich verletzten. Immerhin brauchte man sie nur anzusehen um zu erkennen, dass sie kaum Kraft hatte.

„Hast du vielleicht irgendetwas Spitzes in deinem Zimmer das zu uns runterwerfen kannst?“ Er bemühte sich, so heiter wie nur irgendwie möglich zu klingen und starrte angestrengt aus dem Fenster, wagte er sich mit dieser Frage doch auf dünnes Eis und zwar nicht nur, weil er in wenigen Momenten erklären würde müssen, warum er Schlösser knacken konnte.
„Ein paar Haarnadeln auf jeden Fall.“ Dem Rascheln im Hintergrund nach zu urteilen durchsuchte Anna gerade alle Schubladen in ihrem Zimmer. „Oh, ich hätte auch noch ein paar Stecknadeln, obwohl ich schon ewig nicht mehr genäht habe.“ Dabei hatte sie es schon als Kind geliebt, ihren Stofftieren neue Kleidung zu geben.
„Kannst du beides irgendwo einwickeln und zu uns runterwerfen? Wir sind jetzt wieder in deiner Straße.“ Er klemmte sich das Handy zwischen Ohr und Schulter und gab Chester mit einer Geste zu verstehen, dass er das Auto besser abstellte, bevor einer der Nachbarn geweckt wurde.
„Mach ich, aber beeilt euch bitte“, flehte sie, während Rob einen prüfenden Blick in Richtung des Hauses warf, waren doch nur wenige Minuten vergangen, seitdem Anna eingesperrt worden war.
„Ich leg‘ jetzt auf, okay? Klettere schon mal raus, wir sind gleich da.“ Zwei beleuchtete Fenster und keines davon gehörte zu Annas Zimmer, also waren ihre Eltern tatsächlich noch wach und es umso schwieriger, sie unbemerkt aus dem Haus zu schaffen. Wenn sie denn überhaupt so weit kamen, ohne davor erwischt zu werden.



„Hey Rob, willst du uns vielleicht in deine Pläne einweihen?“ Mike sah ihn fragend an als er sein Handy wieder zurückbekam, wenngleich er sich schon denken konnte, was ihnen nun bevorstand. Immerhin sah das Anwesen der Hillingers mit seinem schmiedeeisernen Zaun etwas wie eine Festung aus, die es nun einzunehmen galt.
„Wir brauchen eine Leiter, damit Anna nach unten klettern kann, aber die Gartenhütte ist mit einem Schloss versperrt, das wir jetzt gleich knacken werden, alles klar?“ Und damit verschwand er ins Freie, während Chester ihm einen amüsierten Blick zuwarf, kam es doch zweifelsohne nicht alle Tage vor, dass sie Rob so aufgeweckt erlebten.
„Na dann mal los“, seufzte Mike, ehe er sich zu Rob gesellte und mit ihm in Richtung des Hauses blickte, um die Lage ein weiteres Mal abschätzen zu können. „Wir können nur hoffen, dass uns keiner sieht.“
„Und wenn schon!“ Chester schien sich im Gegensatz zu ihm keine Sorgen zu machen, huschte er doch ohne Zögern in den Garten und ließ den ihnen damit keine andere Wahl, als ihm zu folgen. „Wenn sie uns die Bullen auf den Hals hetzen, erzählen wir denen einfach, dass Anna eingesperrt war.“
„Ja klar, weil das ja gut gehen wird.“ Mike rollte mit den Augen, ehe er sich wieder darauf konzentrierte in der Dunkelheit seinen Weg zu finden, da er nur ungern über einen der unzähligen Deko-Gegenstände stolpern wollte, die hier herumstanden. „Wem werden sie glauben? Dem Boss von irgendeiner Firma oder einem Haufen junger Typen, die vermutlich aussehen, als würden sie öfter Mal irgendwo einsteigen?“
„Mike hat Recht, außerdem würde er Anna sicher freilassen und somit würden wir wieder als die Schuldigen dastehen.“ Rob hatte mittlerweile die Führung übernommen und brachte sie zu dem kleinen Vorbau, der offenbar nicht nur als Eingangsbereich diente, sondern auch die Basis für einen Balkon bildete, von dessen Überdachung nun eine bekannte Stimme zu hören war.

„Jungs?“ Annas dunkler Haarschopf erschien über der Kante, gefolgt von einem unförmigen Etwas, das sie in der Hand hielt und offenbar die von Rob gewünschten Instrumente beinhaltete. „Ihr seid tatsächlich gekommen.“
„Natürlich sind wir das!“, bemühte sich Mike zu flüstern. „Aber wir sollten uns jetzt besser beeilen.“ Und damit flog ihm auch schon das unförmige Etwas entgegen, das er gerade noch so zwischen seinen Händen einklemmen konnte, bevor es in seinem Gesicht landete. Was sich allerdings als ein Fehler herausstellte.
„Verdammte Sch-!“ Er wusste, dass er leise sein musste, aber in Anbetracht der Tatsache, dass sich gerade mehrere spitze Dinge in seine Handfläche bohrten, fiel es Mike schwer, seinen Flüsterton beizubehalten.
„Warum musst du es auch fangen?“ Rob nahm ihm das Bündel kopfschüttelnd aus der Hand, während er seine Hände kritisch beäugte und schließlich beschloss, dass seine Reaktion vielleicht ein wenig übertrieben gewesen war. „War doch klar, dass es stachelig ist.“
„Tut mir Leid!“, kam es unterdessen vom Dach, auch wenn Mike ihr Kichern nicht entgangen war. Wenigstens hatte er sich also nicht umsonst in die Handflächen gestochen.
„Wir gehen jetzt zum Schuppen, sind in ein paar Minuten wieder da“, flüsterte Rob, ehe er den beiden mit einer Handbewegung bedeutete, ihm in dem hinteren Bereich des Anwesens und damit immer weiter weg von den lichtspendenden Straßenlaternen zu folgen. Immerhin brannte auf dieser Seite des Hauses kein Licht, also war die Wahrscheinlichkeit, bei ihren bevorstehenden Einbruchsversuch entdeckt zu werden ein wenig geringer als befürchtet.


„Na dann mal los“, murmelte Rob zu sich selbst, ehe er vor dem Schloss in die Hocke ging und einige Nadeln aus dem Tuch zog, das Anna ihnen zugeworfen hatte. Eigentlich sollte es eine Kleinigkeit für ihn sein, die Tür zu öffnen, hatte er es doch schon mit weitaus komplizierteren Schlössern aufgenommen, doch als er die Nadel ansetzte, tat sich ein Problem für ihn auf. „Verdammt, das wird nichts.“
„Was ist los?“ Chester hockte sich neben ihm und sah ihn fragend an, während Rob seine Lippen fest aufeinander presste, damit der hilflose Schrei, der in seiner Kehle steckte nicht entwischte. Da konnte er seine Talente einmal für die gute Sache einsetzen und dann stand er sich selbst im Weg.
„Ich kann meine Hand nicht drehen und mit Links kann ich das nicht.“ Hilflos schlug er mit seiner gesunden Hand gegen das Holz, ehe er seinen Freund mit traurigen Augen anblickte. „Sieht so aus, als würden wir einen anderen Plan brauchen.“
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