Break the Cycle

von Kariliah
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Brad Delson Chester Bennington David "Phoenix" Farrell Joseph "Joe" Hahn Mike Shinoda Rob Bourdon
22.10.2017
09.07.2019
75
109078
7
Alle Kapitel
28 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
„Aber du gibst doch nicht auf, Bourdie.“ Daves Worte ließen Annas Kopf augenblicklich in seine Richtung schnellen, noch bevor sie wirklich realisieren konnte, was sie eben gehört hatte. „Manchmal funktionieren Dinge einfach nicht, egal wie sehr man es versucht.“
In jeder anderen Situation hätte sie nun vermutlich über diese Worte nachgedacht, darüber nachgedacht, wie sehr sie doch ihr Leben zu beschreiben schienen, das aus ihrer Sicht nur aus Scheitern bestand. Nun aber konnte sie an nichts anderes mehr denken, als den Namen, den sie eben gehört hatte. Ließ ihren Blick wieder zu Rob wandern und starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an, noch immer ungläubig darüber, dass es wirklich er war, nach all den Jahren, in den sie ihn vermisst hatte. Und schließlich, als sein Blick den ihren traf, sie den Schreck sah, der ihm ins Gesicht geschrieben stand, wagte sie es endlich, den Namen auszusprechen, der ihr schon seit der ersten Begegnung mit ihm in diesem Raum auf der Zunge lag.

„Robert Gregory Bourdon.“ Sie schüttelte fassungslos den Kopf und trat einen Schritt auf ihn zu, ohne dabei auch nur eine Sekunde ihren Blick von ihm abzuwenden. Nicht einmal die Anwesenheit der anderen, die sie mit fragenden Blicken ansahen, nahm sie mehr war, nun, da sie ihm gegenüberstand. Der Wahrheit ins Auge blickte.
„Du bist es wirklich“, wisperte sie, als hätte sie Angst, dass ihre Stimme den Moment zerstören und sie wie aus einem Traum aufwachen würde. „Ich habe bisher einfach nicht glauben können, dass es wirklich du bist.“ Immerhin war er nun einen Kopf größer als sie, seine Haare, die immer schon lang gewesen waren, reichten ihm nun beinahe bis zu den Schultern und er hatte sich einen Kinnbart wachsen lassen. „Du hast dich so sehr verändert, seitdem wir uns das letzte Mal gesehen haben.“

„Nicht nur ich“, murmelte er, seine Stimme so viel tiefer, als Anna sie in Erinnerung hatte, beinahe schon befremdlich. Und dennoch wusste sie instinktiv, dass er nicht auf ihre äußere Erscheinung anspielte, waren sie beide doch zweifelsohne andere Menschen geworden, in all den Jahren, in denen sie nichts voneinander gehört hatten. In denen sie Stück für Stück zerbrochen waren, die Traurigkeit in den einst so funkelnden Augen ein stummes Zeugnis davon. „Es tut mir Leid, Anna.“ Er wich ihrem Blick aus und starrte betroffen zu Boden, tappte mit seiner gesunden Hand nervös gegen den Eisbeutel. „Du musst so viele Fragen haben.“
„Ich-“ Es kam Anna vor, als hätte ein einziger Satz ihre Erinnerung leergefegt, schaffte sie es doch nicht, eine einzige dieser Fragen, die sie Tag für Tag gequält hatten, in Worte zu fassen. Oder vielleicht war es auch die Tatsache, dass sie am liebsten all diese Fragen auf einmal gestellt hätte, auch, wenn sie es in diesem Moment nur schaffte, Rob fassungslos anzustarren und immer wieder ungläubig den Kopf zu schütteln.

„Ich unterbreche euch ja echt ungern, aber“, Chesters Stimme wirkte, als würde sie aus einem anderen Universum kommen, so entfernt klang sie in ihren Ohren, „ich habe eine Frage: Was passiert hier gerade?“
„Anna und ich, wir sind zusammen aufgewachsen“, fand Rob als erster die Stimme wieder und Anna begann schließlich mit einer ungewohnten Sicherheit die Geschichte zu erzählen, die sie zueinander geführt und wieder auseinandergerissen hatte.
„Wie ihr wisst ist meine Familie ziemlich abgehoben und Patty ist sozusagen unser Mädchen für alles.“ Die Geschichte, die vor einer kleinen Ewigkeit mit einem Arbeitsvertrag, begonnen hatte, und Jahre darauf zwei verlorenen Seelen die Verbindung geben würde, die sie so dringend benötigt hatten.
„Mom arbeitet schon eine Ewigkeit für die Hillingers, aber als sie dann mit mir schwanger war, wollte sie eigentlich kündigen und eine richtige Hausfrau werden. Aber dann ist mein Vater gestorben und sie war auf einmal wirklich auf das Geld angewiesen. Und es gab da auch noch mich und niemanden, der sich um mich kümmern konnte, während sie bei der Arbeit war.“ Es war wie früher, als sie gemeinsam auf den Stufen, die zur Hintertür führten, gesessen und über die Dinge gesprochen hatten, die sie sonst niemandem anvertrauen hatten wollen. Und wie damals sprach Rob mit einer seltsamen Leichtigkeit über das Elternteil, das er nie hatte kennenlernen dürfen, auch wenn nun wohl nicht mehr das kindliche Unverständnis darüber war, was der Tod bedeutete, dafür ausschlaggebend war.

„Also hat sie ihn ganz einfach zur Arbeit mitgenommen, immerhin war sie ohnehin schon mein Kindermädchen, oder vielmehr ein Mutterersatz.“ Ein Lächeln schlich über Annas Lippen, auch wenn der Kloß in ihrem Hals mit jedem Wort ein wenig größer wurde, wusste sie doch, worauf die Geschichte hinauslaufen würde. „Wir sind also zusammen aufgewachsen, Rob und ich, wie Bruder und Schwester und waren einfach unzertrennlich. Nur am Vormittag waren wir auf uns alleine gestellt, wenn Rob in der Schule war und ich Hausunterricht hatte. Und dann, am Tag vor meinem zehnten Geburtstag, habe ich ihn zu letzten Mal gesehen. Er ist einfach aus meinem Leben verschwunden, als hätte er nie existiert.“ Sie schüttelte langsam den Kopf, den Blick noch immer auf Rob gerichtet, auch wenn sie nun mehr durch ihn hindurch in die Leere blickte. Dies war der Moment, auf den sie all die Jahre gewartet hatte, den sie sich so oft vorgestellt hatte, und doch kamen die Worte nun mit einer seltsamen Gleichgültigkeit aus ihrem Mund, beinahe so, als würde sie eine Geschichte erfinden und nicht ihre eigene erzählen.
„Ich habe immer wieder nach dir gefragt, meine Eltern und Patty, gefragt wo du bist, aber die Antworten waren immer die gleichen. Dass ich noch zu klein sei, dass die Sache zu kompliziert sei, dass ich eines Tages verstehen würde.“ Jeden einzelnen Tag war sie zu den Erwachsenen gegangen, hatte nach ihm gefragt, sie darum angefleht, ihr endlich eine Antwort zu geben. Und wie damals traten ihr auch jetzt Tränen in die Augen, als sie an die abweisenden Antworten dachte, die sie bekommen hatte, die ihre Hoffnung immer weiter zunichte gemacht hatten. „Aber ich habe nicht verstanden. Stattdessen habe ich mich gefragt, was vorgefallen sein konnte. War ich gemein zu dir gewesen? Wolltest du einfach nicht mehr mit mir spielen? Durftest du nicht mehr mit mir spielen? Oder war dir gar etwas zugestoßen?“ Ein Schaudern lief ihr über den Rücken, als sie an die unzähligen Stunden dachte, die sie damit verbracht hatte, die Nachrufe in allen Zeitungen, die sie hatte finden können, zu durchforsten; an die Momente, in denen sie sich gewünscht hatte seinen Namen zu finden, einfach, um endlich Gewissheit zu haben. Und einmal auch, um nicht allein sein zu müssen. „Irgendwann, irgendwann habe ich mich dann einfach damit abgefunden, dass ich dich nie wiedersehen würde.“ Zumindest nicht in diesem Leben. „Deswegen ist es mir auch so schwer gefallen zu glauben, dass es wirklich du bist, als ich dich gesehen habe.“ Immerhin werden Träume nicht war. „Also Rob, bitte sag mir, warum musstest du gehen?“


„Ich- ich kann nicht.“ Er verzog sein Gesicht zu einer schmerzerfüllten Grimasse von der sie genau wusste, dass sie nicht von seiner Verletzung verursacht wurde, während seine Worte sie wie ein Schlag ins Gesicht anfühlten. Und so packte sie ihn ehe sie sich selbst daran hindern konnte an den Schultern und schrie ihn beinahe an, während heiße Tränen über ihr Gesicht rannen.
„Bitte! Rob, ich habe all die Jahre damit verbracht mir Dinge zusammenzureimen und habe doch keine Antwort gefunden und jetzt-“
„Anna, ich kann es dir nicht sagen!“, fuhr er ihr ins Wort, seine Stimme ebenso laut und zugleich zittrig wie die ihre. „Weil ich weiß, dass wenn ich es tue, sich alles für dich ändern wird.“
„Das ist mir doch egal“, gab sie trotzig zurück. „Sieh‘ mich an, Rob.“ Sie trat einen Schritt zurück und deutete abfällig auf sich selbst, auf das tränenüberströmte Skelett, ein Schatten, der lebte, ohne wirklich lebendig zu sein. „Es gibt nichts, dem ich nachtrauern würde, wenn ich es nicht mehr hätte. Nichts außer dem hier.“ Den Menschen, die ihrem Leben wieder einen Sinn gegeben hatten. „Also sag es mir bitte.“

„Ich kann nicht.“ Ein energisches Kopfschütteln unterstrich die Worte, die zwischen zusammengebissenen Zähnen hervorgepresst wurden. Aber Anna konnte ihn nicht damit davonkommen lassen, nicht jetzt, wo sie so knapp davor war, endlich seine Seite der Geschichte zu erfahren.
„Hat es mit meinen Eltern zu tun?“, sprach sie schließlich das aus, was sie ohnehin die längste Zeit über vermutet hatte. Und die gespenstische Stille, die sich in dem Raum ausgebreitet hatte, gab ihr schließlich die Antwort, die Rob nicht hatte sagen wollen. „Ich habe Recht, oder?“, hauchte sie schließlich die Worte, die seinen Blick wieder zu ihr wandern ließen, einen Blick, der ihr bewusst machte, wie sehr er unter dem litt, was er nun zu erzählen hatte.



„Am Tag vor deinem zehnten Geburtstag, ich erinnere mich noch genau, wir haben gerade auf der Terrasse mit dem Spielzeugbauernhof gespielt, hat dich deine Mutter mit nach drinnen genommen, weil sie dir angeblich etwas wegen dem Unterricht sagen musste.“ Als Rob schließlich sprach, war seine Stimme sachlich, so wie auch ihre es gewesen war, als sie an dem Teil angelangt war, der am schlimmsten gewesen war. „Du hast mir versichert, dass du gleich wieder da sein würdest und mich ermahnt, dass ich nicht das Einhorn nehmen sollte, weil es doch deine Lieblingsfigur war. Und dann warst du weg und ich wusste nicht, dass es für immer sein sollte.“
„Ich hab gewusst, dass du es mir nicht wegnehmen würdest, so wie ich dir niemals den Löwen weggenommen hätte. Aber wir haben uns trotzdem immer daran erinnert, es war fast schon ein Ritual, eines von vielen“, überkam es Anna, ehe sie den Worten Einhalt gebieten konnte, beinahe so, als wollte sie dem Moment ein wenig von seiner Schwere nehmen.
„Wir haben wirklich in unserer eigenen kleinen Zauberwelt gelebt, was?“ Er fuhr sich verlegen durch die Haare, hatte offenbar die Hoffnung, dass er mit dem bereits Gesagtem davonkommen würde und keine weitere Erklärung abgeben musste.
„Was ist dann passiert, Rob?“ Anna wollte ihm nicht wehtun, wollte sich selbst nicht mehr verletzten, und doch wusste sie, dass ihrer beider Leid nur größer wurde, je länger die Vergangenheit ignoriert wurde.

„Dein Vater ist aufgetaucht und hat mich mit in sein Büro genommen, du weißt sicher noch-“
„Der verbotene Raum. Wie oft haben wir versucht uns dort hinein zu schleichen?“ Sie konnte die zwei kleinen Kinder förmlich vor ihrem geistigen Auge sehen, wie sie vor der dunklen Tür standen, hinter der sich das Unbekannte verbarg.
„Mindestens einmal im Monat.“ Und doch ist es nie gelungen. Zumindest nicht, solange sie noch zusammen waren.
„Was hat er dir gesagt?“ Behutsam legte sie ihm eine Hand auf die Schulter, während Rob stur auf den Boden vor ihren Füßen starrte, die Worte herunterratterte, als stünden sie dort geschrieben, dabei immer weiter in den kindlichen Tonfall verfiel, der ihr noch so lebendig in Erinnerung war.
„Er hat mir gesagt, dass ich nicht mehr zu dir spielen kommen konnte, was mir ein Rätsel war, immerhin war doch am nächsten Tag dein Geburtstag und ich hatte meine Karte für dich gebastelt. Also habe ich ihm gesagt, dass ich einfach am übernächsten Tag kommen würde, wenn er lieber alleine feiern wollte. Immerhin haben wir ja auch in der Schule nachgefeiert, wenn jemand am Wochenende Geburtstag gehabt hat. Aber er hat  gemeint, dass ich auch dann nicht wiederkommen durfte. Und auch nicht am Tag danach, oder am Tag nach dem, nie wieder. Und dann hat er gefragt, ob ich verstanden hätte und ich habe genickt.“ Er schluckte und ließ seine Worte einen Moment wirken, ehe er schließlich aufsah, die mit geröteten Augen anblickte und dennoch klar war, dass seine Entscheidung gefallen war. Was auch immer ihn davon abgehalten hatte, sich ihr zu erkennen zu geben, ihr all diese Dinge zu sagen, wurde nun von ihm ignoriert, als er sich räusperte und mit der Stimme eines Erwachsenen weitersprach.

„So ganz habe ich nicht verstanden, oder den Erst der Situation begriffen, dazu war ich wohl einfach noch zu klein. Also habe ich mich am nächsten Tag, an deinem zehnten Geburtstag, ins Haus geschlichen, um dir deine Karte zu geben. Aber bevor ich dich finden konnte, hat dein Vater mich gefunden.“



Authors Note
Überrascht? Oder war euch schon längst klar, was die Verbindung zwischen Rob und Anna ist?
Review schreiben