Break the Cycle

von Kariliah
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Brad Delson Chester Bennington David "Phoenix" Farrell Joseph "Joe" Hahn Mike Shinoda Rob Bourdon
22.10.2017
23.08.2020
94
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26.10.2018 1.468
 
„Also ich schließe mich Chester an“, kicherte Anna und warf Mike, der seit ein paar Tagen am Heimweg immer bei ihr auf der Rückbank saß, einen entschuldigenden Blick zu. „Trotzdem würde dir ein wenig Schlaf gut tun.“
„Ach was, Kaffee reicht doch vollkommen.“ Er zuckte mit den Schultern, auch wenn ihm bestens bewusst war, wie sehr sein Körper nach etwas Ruhe schrie. Immerhin hatte er die letzte Nach damit verbracht, fünf verschiedene Versionen der Setlist, auf die sie sich am Vortag geeinigt hatten, auszuarbeiten und hatte ihnen zu Beginn der Probe - nachdem Brad noch einmal jedem hatte versichern müssen, dass er sich keinen schlechten Scherz erlaubt hatte - die Vor und Nachteile jeder einzelnen Version erläutert.
„Du weißt genau, dass das auf Dauer ungesund ist.“ Auch im Halbdunklen konnte er sehen, wie Anna besorgt ihre Stirn runzelte. „Ich will nicht, dass du uns eines Tages noch einfach umkippst.“
„Ich hab keine Zeit bewusstlos zu sein“, gab er zurück, verbitterter als er es beabsichtigt hatte, auch wenn seine Worte der Wahrheit entsprachen. Das Leben, das er im Moment lebte, ließ es einfach nicht zu, dass er sich eine Pause gönnte und so quälte er sich jeden Morgen im Wissen aus dem Bett, dass er trotz der anstrengenden Stunden voller Lernen, Arbeiten und Proben am Abend nicht zur Ruhe kommen würde. Dazu kreisten einfach zu viele Gedanken in seinem Kopf herum, Gedanken, über die er mit niemandem sprechen konnte.
„Aber ich werde sicher nicht ewig aufs Schlafen verzichten“, fügte er schließlich nach einigen Momenten, in denen die beiden anderen nicht wirklich Worte gefunden hatten, hinzu. Versuchte damit, den Ernst der Lage etwas herunterzuspielen und die Stimmung wieder zu heben. Immerhin hatten sie nach wie vor allen Grund zu feiern. „Sonst bestehe ich bald wirklich aus siebzig Prozent Kaffee.“
„Tust du doch ohnehin schon.“ Chester warf ihm über den Rückspiegel einen kurzen Blick zu, ehe er sich wieder darauf konzentrierte, an der richtigen Kreuzung abzubiegen, nachdem er sich am Vortag verfahren hatte, da er damit beschäftigt gewesen war, immer und immer wieder zu wiederholen, wie sehr er sich doch über diese einmalige Chance, die sich ihnen nun bat, freute.

„Du bist richtig davon abhängig.“ Worte, die Alarmglocken bei Mike schrillen ließen, auch wenn ihm bewusst war, dass Anna lediglich scherzte und ihn zum Lachen bringen wollte. Was ihr auch beinahe gelungen wäre, zumindest, wenn sie wo anders gewesen wären. Aber in diesem Moment blieb ihm das Lachen im Hals stecken, während sein Blick zu Chester wanderte, der das Lenkrad nun ein klein wenig fester umklammert hielt, als er es noch vor einem Augenblick getan hatte.
„In gewissen Weise sicher“, gab er nachdenklich zurück, verzweifelt darum bemüht, das Gespräch in eine andere Richtung zu locken. „Sehen wir uns morgen in der Mittagspause?“
„Sicherlich.“ Sie schien sein Zögern nicht bemerkt haben, schien nicht gesehen zu haben, welchen Effekt ihre Worte auf seinen besten Freund gehabt hatten, eine Tatsache, die ich erleichtert aufatmen ließ. „Ich muss doch ohnehin fast nie anwesend sein.“
„Na dann bis morgen!“
„Tschüss, Anna!“ Wie immer hatte Chester das Auto einige Meter von Annas Zuhause entfernt geparkt und war scheinbar wieder bester Laune, als sie sich von ihnen verabschiedete.
„Danke fürs heimbringen!“ Anna winkte ihnen ein letztes Mal zu, ehe sie sich auf machte, um wieder in das Haus zu schleichen. Mittlerweile hatte sich dieser Teil des Tages schon zur Routine entwickelt, sodass sie keineswegs mehr so aufgeregt war wie noch vor einer Woche. Im Gegenteil, mittlerweile fühlte es sich schon beinahe gut für sie an, wie ein Schatten durch den Garten zu huschen und anschließend so leise es ging in ihr Zimmer zu tapsen. Denn auch wenn sie genau wusste, dass sie dabei war etwas Verbotenes zu tun, so fühlte sie sich in diesen Moment so frei wie sie es selten tat, hatte sie doch die Gewissheit, dass sie es wieder einmal geschafft hatte, sich dem Einfluss ihrer Eltern zu entziehen und stattdessen ihrem Herzen zu folgen.



Trotzdem kam an diesem Abend ein mulmiges Gefühl in ihr auf, als sie die letzten Stufen nach oben schlich. Etwas stimmte nicht, das fühlte sie deutlich, nur was, das konnte sie nicht sagen. Zumindest bis zu dem Moment, als sie vorsichtig die Tür zu ihrem Zimmer aufstieß und ihr Herz einen Schlag aussetzte, wurde sie doch nicht von der Dunkelheit, sondern dem frostigen Blick ihrer Eltern begrüßt.

„Anna Hillinger.“ Die Stimme ihres Vaters, so kalt wie der Schauer, der ihr nun über den Rücken lief, ließ sie zu Eis erstarren. „Wo bist du gewesen?“
„Ich…“, war das einzige Wort, das sie noch herausbrachte, ehe das Monster in ihr wieder erwachte und ihr die Kehle zuzudrücken schien, es unmöglich machte, auch nur einen weiteren Laut hervorzubringen, während sie nur darauf warten konnte, dass ihr jeden kleine Bisschen Glück, das sie in den letzten Stunden gefühlt hatte, wieder genommen wurde.

„Ich höre?“ Er hatte einen Schritt auf sie zu gemacht, die noch immer wie versteinert im Türrahmen stand und zu Boden starrte, in der Hoffnung, er möge sich doch unter ihr öffnen und sie von hier wegbringen. Weg von dieser grausamen Situation, aus der sie als Verlierer hervorgehen würde.
„Ich h-habe Freunde getroffen“, brachte sie schließlich stockend hervor, ehe ihr etwas einfiel, das sie mit sehr viel Glück davor bewahren konnte, für ihr Verhalten bestraft zu werden. „Elisa und Brad.“
„Um elf Uhr nachts.“ Natürlich hatte es keine Sekunde gedauert, ehe ihre Mutter ihre Pläne zerstört hatte und sie wieder als das unartige Kind dastand, das sich vor seinen Eltern zu rechtfertigen hatte.
„W-wir haben die Zeit übersehen.“ Etwas, das in den letzten Tagen immer wieder vorgekommen war, vergingen die Stunden zusammen mit ihren Freunden doch immer wie im Flug, während es sich nun anfühlte, als würde jede Sekunde ein Jahrhundert dauern. Und genau diese Stille, das Warten auf eine Reaktion, war es, das ihrem Dämon immer weitere Kraft verlieh. Ihn dazu verleitete, Anna immer neue Versionen dessen zu präsentieren, was als nächstes geschehen würde.


„Soso.“ Sie konnte den Boden knarren hören, als ihr Vater noch einen Schritt auf sie zuging und sie dabei zusammenzuckte, wurde ihr doch noch einen Moment, bevor er die Worte aussprach bewusst, dass es ein kleines Detail gab, das alle ihre Pläne zunichtemachte.. „Und warum riechst du bitteschön nach Zigaretten-Rauch?“
„Auto“, war das einzige, das sie noch hervorbrachte, war ihr doch klar, dass jeglicher Protest zwecklos war. Wozu erklären, dass sie von einem Freund nachhause gebracht worden war und er ein offensichtliches Nikotinproblem hatte? Wozu erklären, dass sie eine erwachsene Frau und kein kleines Kind mehr war? Wozu erklären, dass sie nichts falsch gemacht hatte, wenn sie in den Augen ihrer Eltern einen unverzeihlichen Fehler begangen hatte?

„Du treibst dich also spätabends in der Stadt herum und lässt dich dann von irgendeinem Kettenraucher heimbringen?“ Natürlich hatte ihre Mutter einen Weg gefunden, die Situation zu verdrehen, sodass sie als verantwortungslos und dumm dastand. „Mit wem hast du dich wirklich getroffen?“
Ich habe euch doch die Wahrheit gesagt! Die Stimme in ihrem Kopf schrie, aber es wollte ihr kein Wort über die Lippen kommen. Es war, als hätte sie wieder einmal verlernt zu sprechen, während ihre Mutter mit schriller Stimme weitere Vorwürfe machte.
„Bestimmt war auch Alkohol im Spiel und wer weiß schon, was das für Menschen sind, mit denen du deine Abende verbringst! Was fällt dir eigentlich ein?“
„Stell dir vor, dich hätte jemand mit wem auch immer du dich getroffen hast gesehen! Du weißt genau, dass unsere Familie einen Ruf zu verlieren hat!“ Am liebsten hätte sie laut aufgelacht, so lächerlich wie die Worte ihre Vaters doch waren. Es ging hierbei nicht um ihre Sicherheit, es ging nur um seinen Erfolg, wie konnte es auch anders sein? „Und ich werde nicht zulassen, dass du dich weiterhin mit solchen“, er suchte einen Moment nach dem richtigen Wort und als er wieder sprach, war der Abschaum in seiner Stimme nicht zu überhören, „zwielichtigen Gestalten triffst.“

Aber ihr kennt Brad und Elisa doch! Sie wollte protestieren, sich gegen diese Anschuldigungen wehren, und doch stand sie nur weiterhin wie eine Statue da, die ins Leere starrte, während ihr Urteil verkündet wurde.

„So wie es aussieht haben wir wohl keine andere Wahl als dich zu bitten, ab sofort beim Abendessen anwesend zu sein.“ Am Ende des Tages hatte sie es offenbar einfach nicht verdient, glücklich zu sein. „Und ich bekomme deinen Schlüssel, damit du nicht auf die Idee kommst, danach noch zu deinen Freunden zu schleichen.“

Aber das hatte sie ohnehin schon vor vielen Jahren herausgefunden.



Authors Note
Was meinst ihr, wird Anna sich an diese neue Regelung halten oder wird sie gemeinsam mit den Jungs einen Weg finden, nach wie vor die Abende im Hauptquartier zu verbringen?
Davon abgesehen: Jeder verdient es glücklich zu sein, auch wenn das Leben einem manchmal etwas anderes weismachen will…
Bis zum nächsten Mal!
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