Break the Cycle

von Kariliah
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Brad Delson Chester Bennington David "Phoenix" Farrell Joseph "Joe" Hahn Mike Shinoda Rob Bourdon
22.10.2017
23.08.2020
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05.10.2018 1.587
 
„Morgen, Patty!“ Verschlafen schlurfte Anna in die Küche, insgeheim dankbar darüber, dass selbst ihre Eltern es vorzogen, nach einer durchfeierten Nacht länger im Bett zu bleiben. Und so war sie nicht im leeren Esszimmer geblieben, dass auch ohne die Anwesenheit der Hausherren nicht einladend wirkte, sondern hatte sich stattdessen zu Patty gesellt.
„Guten Morgen, Liebes!“ Sie verstaute wie immer noch schnell ein paar Dinge, die stets herumzustehen schienen, ehe sie sich mit einer Kanne Tee und zwei Tassen zu Anna an den Tisch setzte und sie lächelnd anblickte. „Wie war die Feier?“
„Lustig, zumindest gegen Ende hin.“ Etwas, von dem sie nie gedacht hätte, es je über eine der eigenartigen Veranstaltungen ihrer Eltern sagen zu können. Normalerweise ließ sie sich am darauffolgenden Tag einfach in Pattys Arme fallen und weinte sich an ihrer Schulter aus. „Es ist wirklich ganz was anderes sich mit seinen Freunden unterhalten zu können als von Mutter und Vater stundenlang zur Schau gestellt zu werden“, gab sie schließlich zu und dachte mit Schaudern an all die Abende, an denen sich jede Sekunde wie ein Jahrhundert angefühlt hatte. Und sie sich mit jeder dieser endlosen Sekunden wertloser vorgekommen war.
„Das ist wirklich schön.“ Die Haushälterin nahm Annas Hände in ihre und drückte sie kurz, ehe sie ihre Stimme senkte und leiser fortfuhr, als hätte sie Angst, dass ihre Vorgesetzten sie hören konnten. „Sie sollten sich wirklich dafür schämen, dich wie ihre Marionette zu behandeln.“
„Das wird sich wohl nie ändern“, flüsterte Anna traurig, dankbar dafür, dass es zumindest eine Person in diesem Haus gab, die sich immer auf ihre Seite stellen würde, auch wenn sie es nur hinter verschlossenen Türen und durch kleine Gesten tat. Außerdem wurde sie ohnehin jeden Tag aufs Neue daran erinnert, dass sie selbst im schlimmsten Fall auf ihre Ersatzmutter zählen konnte.

„Es war wirklich schön, dass die beiden da waren“, gab sie sich dann aber wieder bewusst fröhlich, da sie nicht schon wieder in dunklen Gedanken versinken und das Glücksgefühl noch etwas auskosten wollte.
„War der junge Mann eigentlich auch dabei, von dem du mir erzählt hast?“ Pattys Augen funkelten verschmitzt während Annas Wangen sich auf der Stelle röteten und sie es einmal mehr bereute, ihr davon erzählt zu haben. Andererseits hätte sie es sonst wohl kaum geschafft, ihm das zerstörte Handy zu ersetzten und für die Freundschaft, die danach entstanden war, würde sie auch in Kauf nehmen, dass die Person, die ihr am nächsten stand davon überzeugt war, dass sie sich verliebt hatte.
„Mike wäre meinen Eltern ein Dorn im Auge“, erklärte sie ihr kurz und musste doch beim Gedanken daran schmunzeln, wie wenig er mit seinen feuerroten Haaren zu den anderen Gästen gepasst hätte.
„Soso, Mike heißt er also“, schmunzelte Patty. „Und wer war dann da?“
„Ein Studienkollege und seine Freundin.“ Ihr war bestens bewusst, wie wage diese Beschreibung war und begann sich zu wundern, was wohl seit ihrem Abschied zwischen Brad und Elisa passiert war und ob ihr Plan letzten Endes aufgegangen war. Am liebsten wäre sie jetzt schon zu den anderen gefahren, aber sie wusste genau, dass ihre Eltern dann nur unangenehme Fragen über ihr Verbleiben stellen würde, auf die sie ihnen keine Antwort geben konnte, ohne ihnen von den heimlichen Ausflügen zu beichten.



„Leute, ich habe etwas zu berichten!“ Nun, da alle versammelt waren, war Brad also endlich dazu bereit, das breite Grinsen in seinem Gesicht zu erklären, das ihnen in den letzten Minuten, in denen sie noch auf Mike und Chester gewartet hatten, die wieder einmal eine gemeinsame Schicht im Burgerladen hatten einlegen müssen, eigentlich schon alles verraten hatte, was sie wissen wollten.
„Na dann fang am besten damit an, dass du uns berichtest, wo du letzte Nacht so gewesen bist!“ Dave blickte ihn herausfordernd an, obwohl längst klar war, dass Annas Plan voll und ganz aufgegangen war, auch wenn er und Elisa ihr bestes taten, es zu verheimlichen und so taten, als wäre nichts Außergewöhnliches vorgefallen.
„Ist das nicht…“
„Dave hat dich was gefra-agt!“, flötete Chester unschuldig, wirkte mit dem spitzbübischen Lächeln beinahe wie ein Engel mit Heiligenschein, auch wenn den anderen auch bestens bewusst war, das in einem Moment wie solchen eher ein kleines Teufelchen in ihm schlummerte.
„Ich habe bei Elisa“, er hielt kurz inne und warf dem Sänger einen schelmischen Blick zu, ehe er das nächste Wort bewusst langsam aussprach, jede einzelne Silbe extra betonte, „übernachtet.“
„Alter, versau mir nicht meine Witze!“ frustriert ließ Chester den Kopf hängen, während Brad und Elisa lachend abklatschten, war ihm doch klar gewesen, auf welches Wort er gehofft hatte, um wieder seine Späße mit ihnen zu treiben. Nicht umsonst waren die beiden ihren Schlachtplan durchgegangen, bevor sie sich auf den Weg hierher gemacht
„Huh, welche Witze?“ Nur Rob sah wie so oft fragend in die Runde, hatte er doch keineswegs verstanden, was Chester vorgehabt hatte und wartete nun auf eine Erklärung, die er jedoch nicht bekam.
„Rob, möge deine Seele immer so unschuldig und rein bleiben.“ Dave trommelte mit seinen Fingern auf einem der Becken herum, ehe er in den Angriffsmodus schaltete und wesentlich weniger subtil fragte, als er es noch eben getan hatte „Aber jetzt Karten auf den Tisch, was läuft zwischen euch?“
„Wer weiß, wer weiß.“ Elisa hatte sichtlich Gefallen an dem Spiel gefunden, wickelte sie doch scheinbar gedankenverloren die Fransen am Ende ihres Schals um die Finger, mit einem todernsten Gesichtsausdruck, als würden sie Daves Worte überhaupt nicht betreffen.
„Naja, spätestens in neun Monaten werden wir es wissen.“ Schulterzuckend schielte Joe von seinem DJ-Pult zu ihnen, eine Anspielung, die sogar das Nesthäkchen verstand. Oder zumindest wirkte es wieder einmal so, als würde Rob hinter seinem Drumkit schrumpfen, während entschieden Protest gegen diese Anschuldigung eingelegt wurde.
„Hey, wir haben nic-“
„Wollt ihr das jetzt auch noch abstreiten?“ Chester sah mit einer hochgezogenen Augenbraue zwischen ihnen hin und her und fing dabei an, triumphierend zu grinsen, war ihm mehr als bewusst, dass es nun schon eine sprachliche Meisterleistung oder sehr viel Talent beim Lügen brauchte, um sich noch herausreden zu können. Auch wenn die beiden definitiv dazu in der Lage waren, hatten sie es doch immerhin jahrelang geschafft, ihre Gefühle füreinander zu leugnen. Zudem waren sie auch stur genug, um sich auf eine Debatte mit Chester einzulassen. Andererseits gab es immer noch den Bericht von Anna und die Tatsache, dass Brad und Elisa erst am späten Nachmittag beim Appartement aufgekreuzt waren, und zwar gemeinsam.
Und eins und eins zusammen zählen konnten sie, mit Ausnahme von Rob vielleicht, alle.


„Sag mal, Elisa“, beschloss der Sänger trotzdem noch eins draufzusetzten und sie endgültig Schachmatt zu setzten, „ist es nicht etwas zu warm für einen Schal?“
„Wir haben November?“ Sie hockte mit verschränkten Armen auf dem Sofa und sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an, nicht einmal ein Hauch eines Rotschimmers auf ihren Wangen.
„Wir haben eine Heizung?“, konterte Dave augenblicklich und tauschte einen siegessicheren Blick mit Chester aus, dem er noch vor wenigen Minuten die Kurzfassung der neuesten Ereignisse geliefert.
„Ich habe Halsweh?“, versuchte sie den beiden einzureden, auch wenn ihre Stimme nicht im Entferntesten danach klang und Chester diese Aussage lediglich zum Anlass nahm, sich neben sie fallen zu lassen und ihr einen Arm um die Schulter zu legen.
„Siehst du, das kommt davon wenn man nichts anhat“, tadelte er sie, als würde er mit einem kleinen Kind sprechen, während sie nur ihr Gesicht in einer Hand vergrub und sich fragte, ob es nicht vielleicht doch besser gewesen wäre, einfach Hand in Hand mit Brad in den Raum zu kommen. Zumal nun auch Joe seinen Gefallen daran gefunden hatte, sie langsam in die Ecke zu drängen.
„Oder tut dir der Hals weh weil du zu laut geschr-“
„Leute!“, fiel ihm Mike ins Wort und deutete auf Rob, der wie versteinert dasaß und verstört in die Ferne starrte, wie immer, wenn das Gesprächsthema seiner Freunde unter die Gürtellinie wanderte. „Wenn ihr keinen neuen Schlagzeuger haben wollt, dann hört ihr jetzt lieber auf. Unserer ist nämlich gerade dabei zu sterben. Also Brad, raus mit der Sprache, was läuft zwischen Elisa und dir?“
„Ja gut, wir sind zusammen. Aber das war nicht, was ich sagen wollte“, gab sich Brad schließlich kopfschüttelnd geschlagen, was einen kleinen Freudenschrei aber vor allem erleichtertes Aufatmen von Seiten seiner Bandmitglieder zu Folge hatte. Doch ehe einer von ihnen, insbesondere Chester, der in seinem Kopf einen Fragenkatalog zu erstellen schien, die Gelegenheit hatte, noch weiter ins Detail zu gehen, übernahm er wieder das Wort.

„Eigentlich wollte ich euch gute Nachrichten überbringen, aber wenn ihr sie nicht hören wollt“, zuckte er mit der Schulter und grinste die anderen an, deren Aufmerksamkeit ihm nun endgültig gewiss war.
„Doch wollen wir!“, erwachte Rob aus seiner Schockstarre um ihm augenblicklich zu widersprechen und streckte dabei einen Arm samt Drumstick in die Höhe, als wäre er in der Schule und wollte die Aufmerksamkeit auf sich lenken. „Bitte sag’s uns!“
„Wenn ihr drauf besteht.“ Er machte eine dramatische Pause, ehe er die erlösenden Worte verkündete. „Haltet euch Mittwoch frei, wir haben eine Einladung von Warner Music.“



Authors Note
Für alle, deren Seele ebenso unschuldig und rein ist, wie die von Rob:
„Ich habe bei Elisa geschlafen“, zuckte Brad scheinbar gleichgültig mit den Schultern, während Chester mit funkelnden Augen aufsprang und ihm einen Arm um die Schulter legte.
„Bei oder mit?“ Das teuflische Grinsen in Chesters Gesicht wurde noch ein wenig breiter, während er auf die Antwort des Gitarristen wartete und Rob einen entschuldigenden Blick zuwarf, nachdem der Schlagzeuger einmal mehr von Kinn bis Haaransatz rot angelaufen war und mit großer Sorgfalt seine Drumsticks musterte.
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