Break the Cycle

von Kariliah
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Brad Delson Chester Bennington David "Phoenix" Farrell Joseph "Joe" Hahn Mike Shinoda Rob Bourdon
22.10.2017
23.08.2020
94
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14.09.2018 1.623
 
„Ich werde dich nach Hause tragen“, erklärte er ihr mit einem breiten Grinsen im Gesicht und sah amüsiert dabei zu, wie ihr Blick immer fassungsloser wurde, bis sie schließlich nach einigen Momenten der Stille die Sprache wiederfand.
„Bist du wahnsinnig?“ Sie fuchtelte mit einer Hand vor ihrem Gesicht herum, auch wenn ihm nicht entging, dass sie sich ein Lächeln verkneifen musste und keineswegs so empört klang, wie sie es wohl beabsichtigt hatte.
„Ach komm schon, du hast doch selbst gesagt, dass diese High-Heels unbequem sind.“ Er deutete auf ihre Füße und war einmal mehr dankbar dafür, dass er sich als Mann nicht in solche Foltergeräte zwängen musste.
„Das sind keine High-Heels“, bestand Elisa unterdessen darauf, ihn wieder einmal eines Besseren zu belehren, anstatt das eigentlich Thema anzusprechen. „Dann wäre ich nämlich größer als du.“
„Wie auch immer.“ Seufzend fasste sich Brad an die Schläfen und verharrte in der Pose, bis Elisas Lachen verstummt war und sie ihn lediglich mit einem breiten Grinsen anblickte. Sie wartete geduldig seinen nächsten Zug ab, auch wenn er bestens wusste, dass sie lediglich mit ihm spielte, wieder einmal. Und wie immer würde er auf dieses Spiel eingehen, das ihm solche Freude bereitete. „Lass mich dich einfach durch die Gegend schleppen.“

„Du kennst die Regel“, fiel ihre Antwort kurz aus und versetzte ihn mit einem Schlag zurück in die Kindheit. Dieses kleine Detail war ihm für einen Moment entfallen und erklärte, wieso sie sich weigerte.
„Elisa, nein.“ Er schüttelte energisch den Kopf. Es überraschte ihn eigentlich keineswegs, nutzte sie doch jede noch so kleine Gelegenheit, um ihn an etwas zu erinnern, dass sie sich vor einen kleinen Ewigkeit mit ihrem geheimen Handschlag geschworen hatten. Von dem er sich im Übrigen sicher war, dass sie beide ihn noch immer fehlerlos durchführen konnten.
„Do-och!“, flötete sie, die Unschuld in Person, während die Rädchen in Brads Kopf zu rattern begannen.
„Ich will dir nicht weh tun“, sprach er seine Sorgen aus, die sie lediglich mit einem Schulterzucken abtat.
„Wirst du nicht“, versicherte sie ihm, konnte ihn aber keineswegs davon überzeugen, vor allem, wenn er wieder einen Blick auf ihre Schuhe warf, die nicht unpassender für das sein konnten, was sie sich nun in den Kopf gesetzt hatte.

„Elisa bitte, lass uns dieses eine Mal eine Ausnahme machen“, flehte er sie schon beinahe an, doch sie blieb hart, blickte ihn nur weiterhin mit diesem teuflischen Lächeln an, das ihn immer schwach machte, auch wenn er sein Bestes gab zu widerstehen.
„Nein!“, erklärte sie ihm energisch. „Es ist eine unserer goldenen Regeln. Wenn du mich Huckepack trägst, dann muss ich dich gleich danach auch Huckepack tragen, oder umgekehrt. Und wir haben uns immer daran gehalten, warum also sollten wir das ausgerechnet jetzt ändern?“
Weil wir verdammt noch mal zwei Erwachsene sind, die mitten in der Nachtleicht beschwipst am Heimweg von einer Party sind und du dir mit diesen Schuhen wehtun wirst, wenn du mich trägst?!? Seufzend vergrub er sein Gesicht in den Händen und schüttelte den Kopf, fassungslos darüber, dass ihm wohl kaum etwas anderes übrig bleiben würde, wenn er nicht die ganze Nacht hier stehen wollte.

„Also?“ Er brauchte nicht hinzusehen um zu wissen, dass sie ihm einen triumphierenden Blick zuwarf und nur darauf wartete, dass er sich ergab. „Was sagst du?“
„Zehn Schritte“, zischte er schließlich, woraufhin sie ihm lachend ihre Tasche überreichte und ihm den Rücken zudrehte.
„Ich kann nicht glauben, dass ich das mache.“ Kopfschüttelnd legte er ihr die Hände auf die Schultern und versicherte sich noch einmal, dass ihnen wirklich niemand zusah, war es doch nicht unbedingt sein Plan, das Gespött der ganzen Stadt zu werden.



„Du bist schwerer als du aussiehst.“ Elisa lehnte sich ein Stück weiter nach vorne, um besser im Gleichgewicht zu sein, ehe sie scheinbar mit Leichtigkeit einen Fuß vor den anderen setzte und wie erwartet ihre Schritte nicht zählte. Stattdessen war sie darauf aus ihm zu beweisen, dass sie sehr wohl in der Lage war, ihn durch die Gegend zu schleppen.
„Na danke auch!“, gab er sich gespielt empört, während er seinem Hirn befahl, sich nicht darauf zu konzentrieren, wie nahe Elisa ihm nun wieder war, nicht daran zu denken, dass ihre Haare noch denselben Geruch hatten wie früher, als er noch gelegentlich an ihren Zöpfen gezogen hatte. Der Geruch, den er immer mit Geborgenheit in Verbindung gebracht hatte.



„Endstation!“ Erst am Ende der Straße ließ Elisa ihn wieder auf den Boden und drehte sich strahlend zu ihm um und er fühlte sich, als wäre um Mitternacht die Sonne wieder aufgegangen.
„Du bist echt unmöglich.“ Lachend schüttelte Brad den Kopf, ehe er ihr die Tasche zurückgab und sich von ihr abwandte.
„Ich weiß.“ Mit Leichtigkeit sprang sie auf seinen Rücken und schlang ihre Arme um seinen Hals. „Muss ja schließlich mit dir mithalten.“
„Damit hattest du noch nie Schwierigkeiten.“ Immerhin waren sie ein Herz und eine Seele, immer schon gewesen und würden es auch immer sein, oder so hoffte er zumindest.
„Mhm“, murmelte sie nichtssagend, ehe beide in ein Schweigen verfielen, als wollten sie die Stille der Nacht nicht zerreißen. Und genau dieses Schweigen war es nun, dass Brad die Gelegenheit gab, über diesen Abend und seine Beziehung zu Elisa nachzudenken. Zu hinterfragen, ob  sie denn wirklich nur noch als seine beste Freundin war, oder ob sie nicht schon vor langer Zeit mehr für ihn geworden war. Immerhin gab es niemanden, dem er so sehr vertraute wie ihr, bei dem er keine Worte brauchte, um Dinge auszusprechen.


„Was beschäftigt dich?“ Und niemanden, der ihn so schnell durchschaute. „Ich kann dich denken hören.“
„Ich habe darüber nachgedacht, was sich seit unserer Kindheit alles verändert hat“, beschloss er, ihr zumindest einen Teil der Wahrheit zu sagen und war dankbar dafür, dass sie ihn in diesem Moment nichts ins Gesicht blicken konnte.
„Eine ganze Menge, was?“ Sie beugte sich ein wenig nach vorne, sodass ihre Wange seine berührte und sprach das aus, was auch ihm durch den Kopf gegangen war. „Und irgendwie auch gar nichts.“
„Wir machen noch immer jeden Blödsinn zusammen und streiten uns wegen jeder Kleinigkeit, nur um dann gemeinsam darüber zu lachen“, schmunzelte er. „Also nein, es hat sich wirklich nichts verändert.“
„Naja, du weißt jetzt, dass ich Angst im Dunklen habe und davon überzeugt bin, dass Gespenster unter meinem Bett wohnen.“ Sie kicherte, während Brad überlegte, ob er nicht noch etwas über sie erfahren hatte. I can't stop loving you. Die Worte wollten ihm nicht aus den Kopf gehen, aber er wusste genau, was er riskierte, wenn er sie darauf ansprach.
„Wobei das ja eigentlich unfair ist“, fuhr Elisa unterdessen unbehelligt fort, als hätte sie keine Ahnung, welchen Effekt sie auf ihn hatte. „Du kennst ein Geheimnis von mir, jetzt ist es nur fair, wenn du mir auch ein Geheimnis von dir verrätst.“
„Rate“, schlug er schmunzelnd vor. „Immerhin habe ich es auch erraten.“


„Okay.“ Wie oft hatten sie dieses Spiel als Kinder gespielt, hauptsächlich, um die Geduld des anderen auf die Probe zu stellen. „Ich weiß, dass du enge Räume nicht sonderlich magst, was mich bei deiner Figur ja ehrlich gesagt wundert.“
„Wer hat mich mal daran gehindert aus dieser Rutsche beim Burgerladen zu kommen?“ Er drehte seinen Kopf ein wenig, gerade so weit, dass er sehen konnte, wie sie schuldbewusst zu Boden blickte.
„Vielleicht habe ich es wirklich verdient in einen Kasten eingesperrt zu werden“, gab sie schließlich zögerlich zu, hatten sich beide Vorfälle doch innerhalb eines halben Jahres ereignet. „Wir sind also beide für das Kindheitstrauma des jeweils anderen verantwortlich.“
„Kann man so sagen, ja“, lachte Brad, ehe Elisa ihre ersten Vermutungen präsentierte.

„Ich weiß, dass du keine Angst im Dunklen hast. Oder vor Geister, Dämonen und alles, was damit verwandt ist.“ Er musste es sich verkneifen, sie daran zu erinnern, dass es solche Gestalten vermutlich nicht gab und somit kein Anlass bestand, sich vor ihnen zu fürchten.
„Du hast keine Höhenangst und Fliegen macht dir auch nichts aus.“ Etwas, für das er dankbar war, wusste er doch, dass touren sonst schwierig werden könnte, sollte Linkin Park denn jemals berühmt werden. „Außerdem hast du keine Angst vor Schlangen oder Insekten.“ Genauso wenig wie Elisa, mit der er früher diverse Tierchen eingesammelt hatte, um wahlweise seine kleinen Brüder oder die Nachbarskinder zu erschrecken.
„Nadeln und Clowns machen dir soweit ich weiß auch nich-“
„Wie kommst du bitte auf Clowns?“, fiel er ihr lachend ins Wort und spürte, wie sie mit den Schultern zuckte.
„Könnte doch sein, dass du dich davor fürchtest von ihnen verfolgt zu werden, mit ihren roten Nasen und Ballontieren.“ Er wusste genau worauf sie hinaus wollte, hatte er ihr nach seiner Mandeloperation mit zehn doch wochenlang die Ohren damit vollgejammert, wie sehr ich die Clowns gestört hatten, die dazu da gewesen waren, die kleinen Patienten aufzumuntern. Und auch wenn es rückblickend betrachtet eine wirklich tolle Idee des Krankenhauses gewesen war, in diesem Moment hatte er lieber in Ruhe unter seinen Halsschmerzen leiden wollen.

„Und du hast auch keine Angst davor, mit Menschen zu sprechen, oder Referate zu halten, oder zum Arzt zu gehen oder“, sie hielt einen Moment inne. „Gibt es überhaupt etwas, wovor du Angst hast?“
„Jeder hat vor etwas Angst“, meinte er nichtssagend, amüsierte er sich doch köstlich darüber, wie sehr sie sich in die Sache hineinsteigerte.
„Bekomme ich einen Tipp?“ Einen Moment war er dazu verleitet sie einfach weiterraten zu lassen, andererseits sah er seine Chance, ihr auf eine unverfängliche Weise zu sagen, wie viel sie ihm bedeutete.
„Es hat mit dir zu tun.“


Authors Note
Wovor Brad wohl Angst hat? Was denkt ihr?
Davon abgesehen treiben mich die beiden echt in den Wahnsinn und ich bekomme hier schön langsam ein schlechtes Gewissen, nachdem das Ziel der Geschichte ja eigentlich ist, Anna und Mike zusammen zu bringen…
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