Break the Cycle

von Kariliah
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Brad Delson Chester Bennington David "Phoenix" Farrell Joseph "Joe" Hahn Mike Shinoda Rob Bourdon
22.10.2017
23.08.2020
94
163.399
10
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Dieses Kapitel
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24.08.2018 2.037
 
Authors Note
Die in diesem Kapitel verwendeten Songtext-Ausschnitte stammen aus Bryan Adams' Please forgive me.


„Brad?“ Erst nach einer gefühlten Ewigkeit, in der eisiges Schweigen zwischen ihnen geherrscht hatte, wandte sich Elisa wieder zaghaft an ihn und riss ihn so aus seinen Gedanken. In den letzten Minuten hatte er diese Feier immer mehr zu verfluchen angefangen, nachdem ihm klar geworden war, dass seine beste Freundin ihm vermutlich noch länger deswegen böse sein würde. Aber genau dieser Gedanke war es auch, der ihn jetzt ein wenig schroffer antworten ließ, als er es eigentlich wollte.
„Was?“ Er hätte auf sein Gefühl hören und sich weigern sollen, hierher zu kommen, so viel war ihm mittlerweile klar.
„Lass uns tanzen.“ Sie stand wieder vom Boden auf und strich ihr Kleid glatt, während Brad immer noch mit verschränkten Armen an der Mauer lehnte, sein Gesicht ebenso ausdruckslos wie das der Figuren aus Marmor, die den Raum dekorieren sollten.

„Frag wen, der das auch kann“, brummte er und rollte mit den Augen. Der Abend war gelaufen und jetzt hieß es nur noch zu warten, bis sie endlich nachhause gehen konnten. Und nachdem Elisa ohnehin schon sauer auf ihn war, sah er keinen Grund dazu, sich auch noch vor den Augen aller Anwesenden lächerlich zu machen.
„Bradford Delson, ich weiß zufälligerweise ganz genau, dass du das kannst.“ Sie sprach noch immer im Flüsterton, doch die Wut in ihrer Stimme war nicht zu überhören, zumal sie ihre Hände in die Hüfte gestemmt hatte und die Augenbrauen zusammenzog. „Immerhin habe ich über zwei Jahre lang mit dir einen Tanzkurs besucht.“
„Ja und?“ Er zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Ich tanze trotzdem nicht mit dir.“
„Komm schon, nur ein Tanz, bitte?“ Sie sah ihn mit großen Augen an, die Hände aneinandergelegt, als wäre sie ein kleines Kind, das ihn um Süßigkeiten anbettelte. „Dann lasse ich dich auch weiter in deiner Ecke versauern.“
„Ich versauere überhaupt nicht“, zischte er, wohlwissend, dass in ihren Worten zumindest ein Fünkchen Wahrheit steckte.

„Dann beweis es und tanz‘ mit mir.“ Sie trat einen kleinen Schritt zurück und sah ihn herausfordern an, die Arme nun ebenfalls wie er verschränkt. Und je länger sie ihn so anstarrte, desto mehr begann sein Widerstand zu bröckeln.
„Wenn es denn unbedingt sein muss.“ Seufzend stieß er sich von der Wand ab, während Elisa einen kleinen Freudensprung machte, ehe sie ihre Handtasche, die Brads Meinung nach komplett nutzlos war, nachdem man kaum mehr als einen Schlüssel darin verstauen konnte, auf den Boden stellte und ihre Weste, die er als ebenso unnötig ansah und jetzt schon wusste, dass sie am Heimweg frieren würde, darauflegte.
„Also gut.“ Er räusperte sich kurz, ehe er ihr mit einer übertriebenen Geste seine linke Hand entgegenstreckte. „Darf ich bitten, Lady Elisa?“

Ein Lächeln schlich in ihr Gesicht, als sie zu ihm aufsah und behutsam ihre Linke darauflegte, wie sie es schon so oft getan hatte. Wie immer darauf wartete, dass sie sich bei ihm unterhaken konnte, ehe sie die beiden einen verschmitzten Blick zuwarfen, der lauter sprach als Worte es konnten. Brad mochte nicht in bester Stimmung sein und alles andere als begeistert davon, mit ihr auf der Tanzfläche zu stehen, aber das hieß noch lange nicht, dass er seinen Kampfgeist aufgegeben hatte. Gemeinsam würden sie den anderen zeigen, was es hieß zu tanzen, so viel stand fest.


Bereit? fragte er sie, das Wort nur mit seinem Mund geformt, während er sich ihr gegenüber hinstellte, wie immer den kleinen Abstand, auf den sie sich ebenso ohne Worte geeinigt hatte, zu ihr ließ.
Wenn du es bist. Elisa schmunzelte und sah mit ihren dunklen Augen zu ihm hoch, die nun so sehr funkelten, wie sie es schon lange nicht mehr getan hatten, ehe sie ihm behutsam eine Hand auf die Schulter legte. Eine einfache Berührung, die sich in diesem Moment seltsam fremd für ihn anfühlte, obwohl er genau wusste, dass er schon hunderte Male mit ihr getanzt hatte und er nicht überrascht sein sollte. Und so griff er nach ihrer freien Hand, die sie kurz drückte, wie es eine kleine Tradition vor jedem Tanz geworden war, und legte die andere auf ihren Rücken. Die er allerdings beinahe wieder weggezogen hätte, als Haut auf Haut traf, bestand Elisas Kleid doch offenbar aus deutlich weniger Stoff, als er angenommen hatte.
Überrascht? Natürlich war ihr sein kurzes Zucken nicht entgangen und so sah sie nun mit einem hinterhältigen Grinsen zu ihm hoch, das so einiges für ihn erklärte. Wenn Elisa mit ihm spielen wollte, dann würde er sich eben darauf einlassen. Nur über ihre Ziele war er sich alles andere als im Klaren, als die ersten Worte des Liedes den Beginn ihres Spieles ankündigten.


It still feels like our first night together


Es war eine kleine Ewigkeit vergangen, seitdem er zum letzten Mal getanzt hatte - wenn man von den paar Schritten, die er, wie er niemals zugeben würde, immer wieder in seinem Zimmer übte absah - und doch wusste sein Körper genau, was er zu tun hatte, sobald er sich in Bewegung gesetzt hatte. Elisa hatte sich leicht nach hinten gelehnt, den Kopf ein wenig zur Seite gedreht und sich wie so oft komplett in der Musik verloren, während er sie mit einem Schmunzeln beobachtete und den Tanz führte. Und auch nach all der Zeit brauchte es nicht mehr als ein wenig Druck gegen ihren Rücken oder einen sanften Zug an ihrer Hand um ihr zu verstehen zu geben, was er vorhatte.

You're still the one


Sie stand nun schräg neben ihm, hielt lediglich seine Hand fest, während sie die Schritte mit einer solchen Sicherheit ausführte, dass er sich einen Moment wunderte, ob er neben ihr nicht wie ein kompletter Anfänger aussah. Es war fast so, als wäre sie seit dem letzten gemeinsamen Tanz besser geworden, schwebte sie doch buchstäblich über das Parkett, ihre Bewegungen so flüssig, als wären ihre Knochen verformbar. Beinahe schon bereute er es, als er sie mit einer Drehung wieder in seine Arme führte.

First time our eyes met
Same feeling I get
Only feels much stronger


Erneut warf sie ihm diesen verspielten Blick zu und lehnte sich wieder gegen seine Hand, dieses Mal jedoch ohne ihren Kopf zur Seite zu neigen. Stattdessen blickte sie ihn einfach nur an, mit ihren dunklen Augen, die ihm so vertraut waren. Und doch wusste er, dass er sie heute zum ersten Mal mit anderen Augen sah. Zum ersten Mal wirklich die Frau sah, zu der sie herangereift war, von der er genau wusste, dass sie in der Lage war, ihn so aus der Fassung zu bringen wie es sonst niemand vermochte.


Das Schmunzeln wich nicht von ihrem Gesicht, während sie sich von ihm in eine Figur nach der nächsten führen ließ, jedes Mal, wenn sie wieder in seinen Armen war, ein kleines Stückchen näher an ihm stand. Und ihn dabei unschuldig ansah, mit einem Blick, den er nicht zu lesen vermochte.

You're the only one I'll ever want, formte sie schließlich lautlos den Liedtext mit ihrem Mund, streifte mit ihrer Linken wie zufällig über seine Brust, als sie sich von ihm wegdrehte, ihr Blick einen Moment dem seinen entglitt. Und schließlich, als sie wieder zu ihm kam, die kurze Pause abwartete, ehe sie drei Schritte um ihn lief, ihre Rechte dabei nicht in seine Hand legte, sondern stattdessen auf seiner Schulter ruhen ließ, ihn so ein wenig zu sich zog.

„Please forgive me, if I need you like I do.“ Sie flüsterte die Worte nur und doch war sich Brad sicher, dass sie genau wusste, dass er sie gehört hatte. Zumal das Lächeln auf ihren Lippen noch ein wenig breiter geworden war, als sie ihn wieder losließ und für einen Moment wieder die Tanzhaltung einnahm, ihn dabei beinahe schon herausfordernd ansah. Aber er würde abwarten, so lange, bis sie sich ihres Sieges sicher war. Und so drückte er sie sanft gegen die linke Seite und hatte sie Momente später wieder neben ihm stehen, nur, um sie wenige Augenblicke danach wieder zu sich zu ziehen.

Wobei er seine Pläne dabei ohne Elisa gemacht hatte, die sich mit einem schnellen Schritt ein wenig weiter drehte und ihm so den Rücken zugekehrt hatte, als sie wieder vor ihm stand und nun zweifelsohne die Führung von ihm übernommen hatte, nachdem sich seine Gedanken in diesem Moment überschlugen. Sie tanzte dieselben Schritte wie er, vermutlich mit ein wenig mehr Anmut, während seine Hände wie von selbst auf ihrem Bauch zu liegen kamen und es ihr so unmöglich machten, sich wieder weiterzudrehen. Was sie allerdings auch nicht vorzuhaben schien, da sie ihre Rechte auf seine legte, die Finger mit seinen verschränkte, als wollte sie nicht, dass dieser Moment jemals endete und er sie jemals wieder losließ.

Still feels like our best times are together
Feels like the first touch
Still getting closer baby
Can't get closer enough


Und schließlich drehte sie sich bei einem Schritt ein wenig, sodass sie ihre linke Hand in seinen kurzen Locken vergraben und ihn so noch ein wenig zu sich ziehen konnte, ihr Kopf nun ganz vorsichtig gegen seinen gelehnt. Ihr Rücken streifte bei jeder Bewegung an seiner Brust und er wusste genau, dass es besser war, nicht weiter darüber nachzudenken, wie nahe sie ihm in dieser Pose wirklich war.

I remember everything
I remember all the moves


„I remember you“, flüsterte sie ihm ins Ohr, ehe sie sich elegant aus seiner Umarmung drehte und wieder ihm die Führung überließ. Und in diesem Moment hätte er nichts lieber getan, als sie wieder zurück in seine Arme zu ziehen und nie wieder loszulassen. Einfach nur die Wärme ihres Körpers, die er nun so schmerzlich vermisste, an seinem zu genießen und sich mit ihr in der Melodie des Liedes zu wiegen.

„So if I love you a little more than I should.“ Elisa stand nach einer Drehung wieder vor ihm und sah ihn mit diesem Blick an, der sein Herz ein wenig schneller schlagen ließ, zumal sie ihn mit ihrer linken Hand, die sie ein wenig anders als sonst hielt, näher an sich heranzog und er so jedes einzelne Wort verstand, das sie mitsang. „Please forgive me, I know not what I do.” War er sich vor ein paar Minuten noch sicher gewesen, dass dies ein Spiel für sie war, dessen Ziel es war, ihn aus der Fassung zu bringen, so begann er nun daran zu zweifeln.

„Please forgive me”, sie senkte ihren Blick ein wenig und murmelte die letzten Worte des Refrains so leise, dass er nur sah, wie sie ihren Mund zum Text des Liedes bewegte. I can't stop loving you.


Beinahe schon schmerzte es ihn, als er sie wieder vorsichtig gegen den Rücken drückte und sich zusammen mit ihr ein wenig drehte, ehe sie mit einem Schritt nach hinten die Distanz zwischen ihnen vergrößerte, dabei noch immer lautlos mitsang. The one thing I depend on is for us to stay strong. Ohne Elisa war er nicht derselbe, das wusste er genau, sie kannte jeden seiner Gedanken, vielleicht noch ein wenig besser, als er selbst es tat.

„With every word and every breath I'm praying. That's why I'm saying”, murmelte sie neben ihm, ohne ihn dabei anzusehen, bis sie wenige Herzschläge später wieder ihm gegenüber stand, ihre Hände an seine gelegt und direkt in seine Seele zu blicken schien. Und so war es nun Brad, der seine Finger mit ihren verschränkte und sie so nahe bei sich hielt, während er zum ersten Mal während eines Tanzes leise mitsang. Die Worte murmelte, die direkt aus seinem Herzen zu kommen schienen. „Please forgive me, if I need you like I do. Babe believe it, every word I say is true.”

Erst als die letzten Worte des Refrains verklungen waren ließ er Elisa wieder los und trat einen kleinen Schritt zurück um ihr den Freiraum zu lassen, sich zu den letzten Takten des Liedes im Kreis zu drehen und für einen Moment der Mittelpunkt aller zu sein, wo sie doch ohnehin immer der Mittelpunkt seiner Welt war. Und schließlich ließ sie sich fallen, wusste genau, dass er sie auffing und fest an sich drückte, während sie die letzten Worte des Liedes in sein Ohr flüsterte.

„I can't stop loving you.”
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