Break the Cycle

von Kariliah
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Brad Delson Chester Bennington David "Phoenix" Farrell Joseph "Joe" Hahn Mike Shinoda Rob Bourdon
22.10.2017
23.08.2020
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01.06.2018 1.389
 
„Guten Morgen, Anna!“ Wie immer an diesem Tag schlug ihr Herz ein wenig schneller als sonst, als sie sich zu ihren Eltern gesellte, konnte sie sich doch nie sicher sein, wie sie dieses Jahr an ihrem Geburtstag gelaunt sein würden.
„Alles Gute zum Geburtstag!“ Ob sie nun wollte oder nicht, als ihre Eltern aufstanden, um sie kurz zu umarmen, gerade so lange, dass sie sich nicht unbehaglich fühlte, schlich sich unweigerlich ein Lächeln in ihr Gesicht. Heute würde zum ersten Mal seit Langem wieder ein guter Geburtstag werden, hatte es doch auch schon Jahre gegeben, in denen sie sich praktisch den ganzen Tag lang angeschwiegen hatten.
„Bitte sehr.“ Ihre Mutter überreiche ihr lächelnd ein kleines Päckchen, das sie neugierig beäugte, und abzuschätzen versuchte, was sich im Inneren befinden konnte. Wobei sie innständig hoffte, dass es keine Kette war, denn in diesem Fall würde die Stimmung vermutlich von einem Moment auf den nächsten umschlagen. Die kleine Box mit dem Logo eines Juweliers darauf, die unter dem Geschenkpapier zum Vorschein kam, war allerdings kein gutes Zeichen.


„Gefällt es dir?“ Ihre Mutter sah sie gespannt an, eine Aufrichtigkeit in ihrem Blick, die sie schon lange nicht gesehen hatte. Und zum ersten Mal seit langem würde sie ihr mit der gleichen Ehrlichkeit begegnen können.
„Es ist wunderschön.“ Vorsichtig hob sie das silberne Armband aus der Verpackung, betrachtete es ein wenig genauer. Ihre Eltern hatten ein paar Anhänger für sie ausgesucht, wobei sie zugeben musste, dass sie die Wahl positiv überraschte.
Neben dem Anfangsbuchstaben ihres Namens war ein notenförmiger Anhänger am Armband befestigt, offenbar eine Anspielung daran, dass sie klassische Musik liebte, ein Buch, war es doch kein Geheimnis, dass Geschichten ihre Welt waren. Und eine kleine Weltkugel, die sie ein wenig verdutzt zurückließ.
„Dir steht die ganze Welt offen“, erklärte ihr Vater in seiner wie immer sachlichen Stimmlage, und trotzdem berührten sie seine Worte auf eine eigene Art. Zwar wusste sie genau, was er damit meinte, aber insgeheim hatte sie noch eine andere Interpretation dafür. Vielleicht war dieser Geburtstag wirklich ein Aufbruch in ein neues Zeitalter, eines, in dem sie nicht länger eingesperrt sein würde, in diesem unsichtbaren Käfig.
„Danke.“ Das kleine zusätzliche Gewicht an ihrem Handgelenk fühlte sich ungewohnt an, doch sie wusste genau, dass sie das Armband genauso hüten würde wie ihre Kette, die nun seit genau einem Jahrzehnt um ihren Hals hing.


„Alles Gute, Liebes!“ Kaum hatte sie die Küchentür geöffnet, wurde sie auch schon von Patty geherzt, die es kaum hatte erwarten können, Anna auf ihre herzliche Art zu gratulieren, die von ihren Eltern wohl kaum gern gesehen war, war sie doch am Ende des Tages immer noch die Haushälterin.
„Danke!“ Mit einem breiten Grinsen im Gesicht setzte sie sich an den Tisch, der wie jedes Jahr beinahe unter einem Haufen Ballons verschwand. Und irgendwo dazwischen lag ein kleines Geschenk für sie, wie damals die Kette. „Darf ich es aufmachen?“
„Einen Moment noch, Liebes!“ Natürlich musste Patty diesen feierlichen Moment für immer festhalten und war dabei, sich mit den Einstellungen ihrer Kamera herumzuärgern, die sie schon so lange besaß, wie Anna nur denken konnte. „Jetzt.“
Sie wusste bereits, dass die Haushälterin ihr ein Buch geschenkt hatte, dazu war die Form des Päckchens einfach viel zu verräterisch, doch als sie die Verpackung entfernt hatte, stutzte sie. Anstatt des erwarteten Cover mit dem Titel darauf kam ein buntes Notizbuch zum Vorschein, verziert mit einem goldenen Schriftzug.
Live the story you want to tell.“ Die Worte zogen sie unweigerlich In ihrem Bann, wusste sie doch genau, was Patty ihr damit sagen wollte. Und doch legte sie ihr eine Hand auf die Schulter und erklärte ihr mit sanfter Stimme, wieso sie gerade dieses Geschenk ausgesucht hatte.

„Liebes, ich weiß wie sehr du Geschichten liebst, sie zu lesen und sie dir auszudenken, aber nun ist es Zeit, dass du deine eigene Geschichte schreibst, verstehst du?“ Ohne ihren Blick von dem Schriftzug zu nehmen, nickte Anna langsam. Patty hatte ihr einen Notizblock geschenkt, aber nicht, damit sie sich Geschichten ausdachte, sondern damit sie die Zeilen mit dem füllen konnte, was sie erlebte. Sie hatte noch nie zuvor ein Tagebuch geführt, es nie für notwendig gehalten, ihr eintöniges Leben, das tagein, tagaus gleich aussah, festzuhalten. Und ihre Gefühle steckten ohnehin in den Geschichten, in den Charakteren, die sie sich ausdachte. Nun aber hatten sich die Dinge geändert, nun gab es eine Welt, in der sie selbst die Hauptrolle spielte, nicht wusste, auf welche Wendungen und Überraschungen sie sich zubewegte, die Worte sprechen musste, die sie von Zeile zu Zeile brachten.
„Danke, Patty.“ Sie umarmte die Frau flüchtig und tippte auf den Notizblock. „Und nicht nur dafür.“
„Immer doch, Liebes.“ Die Haushälterin drückte Anna einen Kuss auf den Kopf. „Aber jetzt wieder zurück zu deinen Eltern mit dir, soweit ich weiß haben sie dir noch etwas zu sagen.“
„Was denn?“ Der vielsagende Ton ihrer Stimme ließen unweigerlich Alarmglocken in ihrem Kopf schrillen, da solch ernste Gespräche meist nichts Gutes verhießen. Andererseits wirkte Patty nicht besorgt wie sie es schon oft genug gewesen war, verfügte sie doch zweifelsohne ein gutes Gespür dafür, wie sich die Stimmung im Haus entwickeln würde.
„Das musst du schon selbst herausfinden.“ Sie schmunzelte, ein klares Zeichen dafür, dass sie mehr wusste, als sie zugab und die Neuigkeiten offenbar nicht schlecht waren.
„Bin schon unterwegs.“ Seufzend schüttelte sie den Kopf und drückte ihr Geschenk ein wenig fester an sich, als sie erneut das Speisezimmer betrat und sich zurück an ihren Platz setzte.


„Wir haben dir etwas zu berichten, Anna“, begann ihr Vater ohne Umschweife, sah sie über den Tisch hinweg mit seinen dunklen Augen an, die sie noch nie zu lesen vermocht hatte. Vermutlich der Grund, wieso er ein solch erfolgreicher Geschäftsmann geworden war. „Wie du weißt ist es für unser Unternehmen äußerst wichtig die Beziehungen zu unseren Partnern zu pflegen. Und nachdem das letzte Jahr aus wirtschaftlicher Sicht äußerst erfreulich war, werden wir am Freitag eine Feier in unserem Haus veranstalten.“
Anna hatte gelernt, dass es an dieser Stelle besser war, nichts zu sagen und einfach abzuwarten, auf was ihr Vater hinauswollte. Denn ob sie von seiner Idee begeistert war oder nicht würde nichts, rein gar nichts an seinen Plänen ändern sondern höchstens dafür sorgen, dass er sie tagelang noch abweisender behandelte.
„Natürlich wirst du auch dabei sein“, erinnerte er sie Momente später daran, dass sie in wenigen Tagen wieder wie eine Puppe vorgeführt wurde, verziert und darauf geschult, zu lächeln, an Seite ihrer Eltern Hände zu schütteln und schweigend Konversationen zu lauschen, die sie nicht interessierten.
„Gleichzeitig fänden wir es aber auch eine ausgezeichnete Gelegenheit, ein paar deiner Studienkollegen kennenzulernen, immerhin ist die Wirtschaft immer auf der Suche nach jungen Talenten.“ Natürlich interessierten sie sich nicht für die Menschen, mit denen sie ihre Tage verbrachte, sondern nur für das Geld, das man mit ihnen verdienen könnte.
„Wir würden uns sehr freuen, wenn du jemand mitbringen würdest“, schloss ihre Mutter mit einem Lächeln, das ein wenig zu erzwungen wirkte, um aufrichtig zu sein. Und doch, das Angebot stand und sie wusste auch schon genau, wen sie einladen würde, auch wenn ihr klar war, dass es schwer sein würde ihn zu überzeugen.
„Ich-“ Sie starrte auf das weiße Tischtuch, versuchte, in ihrem Kopf die richtigen Worte zu finden. „Danke für das Angebot, ich werde einen Kollegen fragen ob er Zeit hat, nachdem manche Kurse auch am Abend stattfinden.“
„In Ordnung.“ Es überraschte sie auch nach all den Jahren immer noch, wie förmlich die Gespräche in ihrer Familie abliefen, wie wenig Emotion hinter jedem einzelnen Wort steckte. Welchen starken Kontrast Linkin Park doch nur dazu darstellte.

„Ich habe nur noch eine Frage“, unsicher sah sie auf, „wäre es meinem Kollegen unter Umständen möglich, eine Begleitperson mitzubringen? Immerhin wird es mir nicht möglich sein, mich den ganzen Abend nur mit einer Person zu unterhalten.“
„Sehr gut mitgedacht, Anna, natürlich.“ Die Worte ihres Vaters erstaunten sie, war es doch ein offensichtliches Lob, etwas, das nicht oft vorkam. So selten, dass es sich beinahe falsch anfühlte, so, als hätte er sie getadelt.
„D-danke“, stammelte sie deshalb, ihren Blick noch immer auf den Tisch gerichtet, ehe ihre Gedanken wieder zu ihrem Plan abschweiften, dessen Umsetzung noch etwas ungewiss war. Immerhin musste sie die vermutlich sturste Person auf der ganzen Welt davon überzeugen, sie mit seiner potentiellen Partnerin zu der vermutlich langweiligsten Feier des Jahres zu begleiten.
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