Break the Cycle

von Kariliah
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Brad Delson Chester Bennington David "Phoenix" Farrell Joseph "Joe" Hahn Mike Shinoda Rob Bourdon
22.10.2017
23.08.2020
94
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25.05.2018 1.366
 
„Kommt du morgen wieder?“ Nein. Rob kannte die Antwort auf Chesters Frage noch bevor Anna den Kopf schütteln konnte, denn er wusste genau, was morgen passieren würde, wieso es ihr nicht möglich sein würde, wieder zuschauen zu kommen. Er hatte das Datum oft genug auf dem Kalender gesehen, ihren Namen und eine Zahl daneben, aufgeschrieben noch vor all den andere Dingen, die an diesem Tag zu erledigen waren.
„Was?“ Natürlich reagierten die anderen wesentlich weniger gleichgültig als er, der noch immer hinter seinem Drumkit saß, seine Wasserflasche in der einen Hand, die Drumsticks in der anderen und sich nicht anmerken ließ, wie viele Erinnerungen sich nun langsam wieder ihren Weg in seinen Kopf bahnten. „Wieso nicht?“ Chester sah drein, als hätte ihm sie gerade den Weltuntergang prophezeit und wenn er genauer drüber nachdachte, würde sie das nun auch tun.

„Weil ich morgen Geburtstag habe.“ Sie hatte diesen Tag schon immer gehasst, das wusste er ganz genau, hatte sich immer fürchterlich geschämt, wenn es wieder soweit war und sie einen Tag lang das Zentrum aller Aufmerksamkeit war. Trotzdem hatte er es sich nie entgehen lassen, ihr jedes Jahr eine Karte zu basteln und es war zu seiner Tradition geworden, sie ihr zu geben, bevor sie die Geschenke ihrer Eltern bekam und sich über Dinge freuen musste, von denen er wusste, dass sie ihr keine Freude bereiteten. Es war zu seiner Aufgabe geworden, ihr ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, sie an ihrem Ehrentag zumindest einen Moment lang glücklich zu machen.
„Und meine Eltern werden darauf bestehen, dass ich den Tag mit ihnen feiere“, lieferte sie nach kurzem Zögern noch eine weitere Erklärung. Rob konnte sich noch gut an diese Tage erinnern, auch wenn er sich beinahe sicher war, dass sich die Abläufe geändert haben mussten, in den letzten zehn Jahren.

„Glaubst du nicht, sie würden dich am Abend ein wenig mit deinen Freunden feiern lassen?“, dachte Dave laut nach, was Annas erneutes Kopfschütteln zur Folge hatte. Vermutlich wussten ihre Eltern nicht einmal, dass sie gerade hier war. Oder zumindest konnte sich Rob nicht vorstellen, warum sie ihre Ansichten auf einmal geändert haben sollten, nach allem, was er in den letzten zehn Jahren über die Hillingers herausgefunden hatte.
„Naja“, verlegen fuhr sie sich durch die Haare und schaute kurz zu Mike, der sich offenbar ein Grinsen verkneifen musste, als sich ihre Blicke trafen. Eine Kleinigkeit, die Rob verwirrte, war es doch etwas, was er von keinem von beiden gewohnt war. „Die Sache ist, wenn meine Eltern erfahren, dass ich hier bin, habe ich vermutlich für den Rest meines Lebens Hausarrest.“

„Was sind deine Eltern bitte für schräge Typen?“ Die anderen sahen sie mit einer Mischung aus Verwirrung und Überraschung an, während Rob nur kaum merklich den Kopf schüttelte, wusste er doch genau, dass seine Freunde nicht verstehen würden, egal wie gut Anna die Sache zu erklären versuchen würden. Zumal er wusste, dass sie ihre Situation ohnehin selbst nicht ganz verstand.
„Naja, sie sind eben sehr streng?“ Es war vermutlich das erste Mal, dass ihr jemand diese Frage gestellt hatte, die ihr zudem offensichtlich unangenehm war, gemessen daran, wie sie nun wieder ihre Schutzhaltung einnahm, fast schon zu schrumpfen schien, als sie ihre Arme um die Körper schlang. Sie hatte das schon immer getan, in Situationen, aus denen sie so schnell wie möglich entkommen wollte, wenngleich es damals noch weniger davon gegeben hatte und ihr Drang danach Unsichtbar zu werden noch nicht zu stark ausgeprägt gewesen war. Und wie damals weckte diese Pose auch jetzt in ihm seinen Beschützerinstinkt, hatte er es doch schon damals als seine Aufgabe gesehen, alles Übel von ihr fernzuhalten so gut es eben ging, auch wenn sie älter und damals dadurch auch ein wenig größer als er war.


„Weißt du, Anna, es ist gar nicht so schlecht, dass du morgen nicht kommen kannst“, grübelte Chester plötzlich vor sich hin, was einen verwirrten Blick ihrerseits zur Folge hatte, sie offensichtlich von einer Sekunde auf die nächste wieder daran zweifelte, hier wirklich willkommen zu sein. Einen Moment lang überlegte Rob deshalb etwas zu sagen, doch bevor ihm die richtigen Worte dazu in den Sinn gekommen waren, bevor er es geschafft hatte, diese Worte mit seinem Mund zu formen und auszusprechen, kam Mike ihr schmunzelnd zur Hilfe. „So haben wir wenigstens Zeit, deine Geburtstagsfeier zu planen.“
„Oh nein!“ Lachend vergrub sie ihr Gesicht in ihren Händen, während Mike ihr vorsichtig auf den Kopf tätschelte, eine Geste, die unweigerlich ein Lächeln auf Robs Gesicht zauberte. Die Art und Weise wie die zwei miteinander umgingen, die kleinen Gesten, die so gar nicht in ihre übliche Verhaltensmuster passen wollten sagten ihm, dass sich die beiden noch näher kommen würden, als es ihnen im Moment vielleicht lieb war.
„Oh doch, hab ich Recht Leute?“ Natürlich stimmten sie ihm zu, woher sollten sie denn auch wissen, dass sie es hasste, Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu sein? Andererseits wäre dies vielleicht die Gelegenheit ihr zu zeigen, dass Geburtstage nichts Schlechts sein mussten, wenn sie im Beisein der richtigen Menschen gefeiert wurden.

„Das wird peinlich werden“, murmelte Anna verlegen, woraufhin Mike wie erwartet energisch den Kopf schüttelte. Er kannte sie am besten von allen, wenn auch vermutlich noch nicht ganz so gut wie Rob es insgeheim tat, der immerhin in ihr größtes Geheimnis eingeweiht war. Oder dahinter gekommen war, an diesem einen Abend, an dem nichts so verlaufen war, wie er es gewohnt war.
„Keine Sorge, ich passe schon auf, dass keiner auf dumme Gedanken kommt“, versicherte er ihr mit einem Seitenblick auf Chester, der in die Luft starrte und vor sich hinpfiff, ganz so als ob er sich nicht im Geringsten angesprochen fühlen würde.

„Nachdem wir das geklärt hätten, wollen wir dich mal nachhause bringen, was? Wäre doch blöd, wenn du nicht zu deiner eigenen Party kommen darfst.“ Er klimperte mit dem Schlüsselbund in seiner Hosentasche.
„Okay, dann bis Montag!“ Anna wank ihnen zum Abschied zu und während Rob ebenfalls seine Hand ein Stück hob, fällte er einen Entschluss. Sie würde heuer wieder eine Karte von ihm bekommen, auch wenn das hieß, dass möglicherweise alles aufflog. Aber er hatte nun endlich wieder die Gelegenheit dazu, nach neun Jahren, in denen er jedes Mal mit einer Karte begonnen hatte und sie im Endeffekt doch nur in eine Lade des Schreibtisches gewandert war.



Zwanzig. Kopfschüttelnd zog Anna die Vorhänge zur Seite, blickte einen Moment lang aus dem Fenster, ließ den so vertrauten Anblick der Umgebung auf sich wirken. Zwei Jahrzehnte war sie nun schon hier gefangen, in diesem unsichtbaren Käfig, aus dem sie nie so recht auszubrechen hatte vermögen. Zwei Jahrzehnte war sie nun schon auf dieser Welt, zwanzig Jahre, sehr viel mehr, als sie sich vor ein paar Jahren noch zugetraut hätte. Und noch etwas hatte heute einen runden Geburtstag. Heute vor zehn Jahren hatte sie ihren Spielkameraden, ihren besten Freund, ihren Bruder, zum letzten Mal gesehen. Vor einem ganzen Jahrzehnt, und eine Antwort auf ihr warum hatte sie nie bekommen, weder von ihren Eltern noch von Patty.
Am Anfang hatte sie sich jeden einzelnen Tag gefragt, wann sie ihn denn wiedersehen würde, bis schließlich ein ob daraus geworden war. Und nun, nun hoffte sie lediglich, dass es ihm gut ging, wo immer er auch war. Wobei sie einen Verdacht hatte was seinen Verbleib anging, der ihr allerdings zu absurd vorkam, um ihn laut auszusprechen, viel zu wahrscheinlich war es doch, dass sie sich damit fürchterlich blamierte.

Das kurze Klingeln ihres Handys, welches das Empfangen einer Nachricht verkündete, riss sie schließlich aus den Gedanken und zauberte das erste Lächeln des Tages auf ihr Gesicht, wusste sie doch schon genau, von wem diese Nachricht stammte, da es nur eine Person gab, die außer ihren Eltern ihre Telefonnummer kannte.

morgen & happy bday :) feier schoen &wir sehen uns am montag –m


Schmunzelnd schüttelte sie den Kopf ob der Tatsache, dass er die Nachricht unterschrieben hatte, obwohl er doch wissen musste, dass sie seine Nummer kannte, ehe sie den kurzen Text noch einmal las, den ersten Geburtstagswunsch seit 10 Jahren, einem Jahrzehnt, den sie von einem Freund erhalten hatte. Und dieses bittersüße Gefühl, die Hoffnung, dass sie ab sofort keinen Geburtstag mehr nur mit ihren Eltern feiern musste, würde sie sich von niemandem nehmen lassen.
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