Break the Cycle

von Kariliah
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Brad Delson Chester Bennington David "Phoenix" Farrell Joseph "Joe" Hahn Mike Shinoda Rob Bourdon
22.10.2017
23.08.2020
94
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13.04.2018 1.254
 
Sobald Mike auf der Bühne stand, gab es nur noch die Musik für ihn. Die Klänge, die ihn leiteten, die ihn fernsteuerten, als wäre er ein Roboter. Die Welt um ihn herum hatte er dabei keineswegs ausgeblendet, aber sie erschien ihm so seltsam fern, als würde er sie aus großer Distanz betrachten und nicht mehr wirklich ein Teil von ihr sein. Er schwebte wie ein Astronaut über ihr, fern von allen Dingen, die sonst auf ihm lasteten, die in diesen Momenten zu verschwinden schienen.
Eine wichtige Eigenschaft, wie sich bei den gelegentlichen Auftritten in kleinen Clubs herausgestellt hatte, da er so zwar die Reaktionen des Publikums mitbekam, die Menschen aber trotzdem in einer anderen Dimension zu existieren wirkten. Beinahe so, als würde alles jenseits der Bühne wie in einem Film ablaufen und Mike nur ein stiller Zuseher sein, obwohl er doch die Hauptrolle spielte.

Aber jetzt, wo er Anna beobachtete, zusah, wie sie in sich zusammensackte und verzweifelt versuchte, sich unsichtbar zu machen um dadurch den Blicken der andern  zu entgehen, fühlte er sich, als hätte ihn die Schwerkraft wieder gepackt, als wäre er mit aller Wucht zurück auf die Erdoberfläche geschleudert worden, dorthin, wo Kummer und Scherz auf ihm lasteten und ihn niederdrückten. Brauchte einen Moment, um sich vom abrupten Aufprall zu erholen, zu realisieren, dass er keinen Film sah, ehe er sich von seiner Gitarre befreite und etwas unbeholfen über das Chaos aus duzenden Kabeln hinwegstolperte.
Und irgendwann, es fühlte sich an wie eine kleine Ewigkeit, auch wenn es vermutlich nur Sekunden waren, bemerkten auch die anderen was geschehen war, ließen nach und nach die Musik verstummen. Zuerst Chester, der ein paar Takte lang mit geschlossenen Augen gesungen hatte und nun mitten in einem Wort verstummte, dann Rob, der seine Drumsticks ein letztes Mal auf eine Snaredrum krachen ließ, ehe er erschrocken aufsprang, die anderen endgültig darauf aufmerksam machte, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. Linsey und Elisa hatten Anna je eine Hand auf den Rücken gelegt und warfen sich hilflose Blicke zu, verstand doch niemand so genau, was sie so plötzlich zum Weinen gebracht hatte.


„Anna!“ Kaum war Mike zum Sofa gelangt überließ ihm Elisa wortlos ihren Platz, sodass er seine weinende Freundin in die Arme nehmen konnte, was sie widerstandslos zuließ, sich an ihm festhielt, als würde ihr Leben davon abhängen. „Alles ist gut.“
„Nein!“ energisch schüttelte sie den Kopf, ehe sie ihr Gesicht wieder in seinem T-Shirt vergrub, einerseits um ihre Tränen aufzuhalten und andererseits um zu verhindern, dass die anderen sie ansehen konnten. Damit sie nicht sahen, wie sehr sie sich für ihre Tränen schämte, vergossen vor einer Gruppe Fremder und ohne einen für sie ersichtlichen Grund.

„Dann müssen wir eben dafür sorgen, dass es wieder gut wird.“ Zaghaft schielte sie in die Richtung der Stimme, die wohl zu Brad gehören musste und sah durch den Tränenschleier, dass ihr Elisa wortlos, aber dafür mit einem besorgten Gesichtsausdruck Taschentücher entgegenstreckte.
„Danke.“ Ganz vorsichtig, als würde sonst etwas Böses geschehen, griff sie nach dem weichen Papier, wischte sich damit die Tränen aus dem Gesicht und versuchte sich darauf zu konzentrieren, wie Mike sie in seinen Armen hielt, ihr sanft über den Rücken strich und alleine mit seiner Anwesenheit dafür sorgte, dass sie sich sicher fühlte, in dieser so eigenartigen Situation.
„Tut mir leid, ich weiß auch nicht ganz, was gerade mit mir passiert ist.“ Sie lachte verlegen, noch immer darauf bedacht, keinem von ihnen in die Augen zu sehen und setzte zu einer Erklärung an, von der sie hoffte, dass die anderen sie verstehen würden. „Ich habe noch nie ein Lied gehört, dass mich so sehr berührt hat. Es war fast so, als würde ich es mit meinem Herzen hören können, versteht ihr?“

„Ich nehme das dann einmal als Kompliment“, war es schließlich Chester, der die angespannte Atmosphäre brach und sie dazu brachte, mit einem Schmunzeln zu ihm zu sehen und zu nicken.
„Definitiv, ich hab noch nie etwas Vergleichbares gehört.“ Zuhause lief meistens klassische Musik, was sie durchaus zu schätzen wusste, da ihrer Meinung nach eine besondere Magie in den Werken der alten Meister lag, aber zugleich war sie so nicht gerade am neuesten Stand, was die Musikwelt angelangte. Und wenn sie einmal aktuelle Lieder hörte, so waren es meist fürchterliche Liebeslieder, gesungen von einer Gruppe junger Männer, die den Texten nach zu urteilen keine Ahnung von Gefühlen hatten. Wobei sie auch hier nicht die richtige Person war, um zu urteilen.

„Vielleicht sollte ich das in die nächste Bewerbung schreiben“, grübelte Brad unterdessen laut vor sich hin, strich sich dabei mit einer Hand über seine Bartstoppel, „Wenn Sie eine Band suchen, die selbst den hintersten Winkel Ihres gefrorenen Herzens berührt, sind Sie bei uns richtig. Wir liefern Ihnen Musik, die selbst den gefühlslosesten Menschen der Welt zum Weinen bringt.
„Kein Wunder, dass du nur Absagen kassierst.“ Elisa runzelte die Stirn, auch wenn Anna das leichte Schmunzeln auf ihren Lippen nicht entging, als sich Brad empört zu ihr drehte.
„Was soll das jetzt wieder heißen? Mach’s doch besser, wenn es dir nicht passt.“ Er verschränkte seine Arme, sofern das dank seiner Gitarre möglich war und sah sie herausfordernd an.
„Das ist eine verdammt gute Idee. Vielleicht bekommt ihr dann in näherer Zukunft einen Plattenvertrag.“
„Nicht, wenn du so langsam schreibst, wie du es sonst immer tust“, konterte er binnen Sekunden, was sie tatsächlich für einen Moment sprachlos zurückließ, ehe sie beide Hände in die Hüften stemmte und den Kopf schief legte.
„Bradford Philip Delson, ich schreibe nicht langsam, ich habe mich nur im Gegensatz zu dir um einen Haushalt zu kümmern.“ Eine Aussage, auf die hin er nur mit den Augen rollte, ein genervtes Seufzen von sich gab.
„Komm mir nicht wieder damit, es hat dich niemand darum gebeten!“
„Wer hat mich verzw-“

„So Kinder, genug für heute.“ Chester packte beide an einer Schulter und schob sie so ein Stück auseinander, auch wenn das nicht die Blicke unterbinden konnte, die sie sich zuwarfen und mehr als tausend Worte sprachen. „Lasst uns lieber wieder etwas Musik machen. Weißt du, Anna, wenn wir warten, bis die zwei die Dinge zwischen ihnen geregelt haben sitzen wir in ein paar Jahrzehnten noch da.“
„Hey, das stimmt nicht!“ Elisa sah ihn empört an, während Joe nur den Kopf schüttelte, wieder einmal auf einen sarkastischen Tonfall zurückgriff.
„Nein, überhaupt nicht, wie kommt Chester nur auf die Idee?“ Ein Kommentar, das die anderen offenbar ziemlich lustig fanden, während Anna nur fragend in die Runde blickte, auch wenn sie sich sicher war, früher oder später eine Erklärung dafür bekommen. Oder zumindest hoffte sie das.

„Wollten wir nicht wieder spielen?“, war es schließlich Brad, der sie zurück zum eigentlichen Thema brachte, dabei ein paar Töne auf seiner Gitarre spielte, als könnte er es kaum erwarten, das nächste Lied zu präsentieren und nicht verzweifelt versuchen, das Thema zu wechseln.
„Kommst du auch, Mike?“ Erst jetzt, wo Chester ihn ansprach fiel Anna auf, dass sie noch immer an seiner Schulter lehnte und er einen Arm um sie gelegt hatte, als wäre es das Normalste auf der ganzen Welt.
„J-ja klar.“ Sie beide liefen ein wenig rot an, als Mike aufstand, sich mit einem letzten fragenden Blick versicherte, dass es ihr wieder gut ging. Er hatte sie getröstet und deswegen in den Arm genommen, das wiederholte sie immer und immer wieder, während sie ihm ein schwaches Lächeln schenkte.
Aus welchem Grund sollte er denn sonst ihre Nähe suchen wollen?


Authors Note
Liest das hier noch jemand?
Wenn ja, hallo, ich hoffe, das Ganze gefällt dir soweit!
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