Break the Cycle

von Kariliah
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Brad Delson Chester Bennington David "Phoenix" Farrell Joseph "Joe" Hahn Mike Shinoda Rob Bourdon
22.10.2017
23.08.2020
94
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10.02.2018 1.183
 
„Da wären wir." Einen Moment bevor der Bus zum Stehen kam löste sich Anna aus ihrer versteinerten Pose, sprang förmlich auf, so als könnte sie es kaum erwarten, endlich nachhause zu kommen, sich in ihrem Zimmer verkriechen zu können. Eine Tatsache, die Mike ihr nicht verübeln konnte, hatte sie vermutlich gerade den schlimmsten Tag ihres Lebens hinter sich.
„Wo müssen wir jetzt hin?" Fragend sah er Anna an, die keine Anstalten machte, sich von der Bushaltestelle zu entfernen, lediglich ihre Tasche umklammerte, als würde sie sämtliche Heiligtümer der Welt darin aufbewahren.
„Da lang", sie deutete auf eine der Straßen, die von der Kreuzung wegführten. Und er brauchte einen Moment, um zu realisieren, wo sie nun hingehen würden, tat sein Bestes, um den Schrecken vor ihr zu verbergen, auch wenn er bezweifelte, dass sie momentan solche Dinge bemerken würde. Jetzt, wo sie noch immer so weit weg von sich selbst war.

„Na dann", vorsichtig legte er ihr einen Arm um die Schulter, war ihm doch nicht entgangen, wie sehr sie noch immer zitterte, bei jedem Geräusch zusammenzuckte, und wenn es nur ein bellender Hund war.
„Du musst mich nicht begleiten", murmelte sie schließlich, auch wenn sie genau wusste, dass sie die Strecke zu ihrem Haus ohne ihn wohl kaum bewältigen konnte, zumindest nicht, ohne dass die Dämonen einen weiteren Angriff auf sie wagen würden. „Wegen mir bist du sicher irgendwann zuhause."

„Hey." Er trat einen Schritt vor sie, nahm sie wieder vorsichtig an den Schultern und wartete, bis sie ihn ansah, ihn zumindest wieder erkannte und nicht mehr in die unendliche Weite starrte. „Ich lasse dich sicher nicht alleine, bis ich weiß, dass du in Sicherheit bist. Und außerdem ist es von hier aus nicht weit bis zum Haus von meinen Eltern." Er lächelte, oder rang sich das beste Lächeln ab, was er zustande brachte, hoffte inständig, dass sie es ihm abkaufte. Nicht hinter die Fassade blickte.
„O-kay." Einen Moment lang runzelte sie die Stirn, unsicher darüber, ob sie ihm denn nun Glauben schenken sollte. Denn irgendetwas an seinen Worten hatte sie gestört, ein kleines Detail an seinem Lächeln hatte es unecht wirken lassen. Nein, kein Detail, der Schatten, der über sein Gesicht gehuscht war, so schnell, dass sie ihn fast übersehen hätte. Aber eben nur fast. „Danke."
„Kein Problem." Wie von selbst fand sie wieder ihren Weg in seine Arme, ehe sie das letzte Stück des Heimwegs antraten, beide unschlüssig darüber, was von nun an passieren würde, welche Auswirkungen die Ereignisse der letzten Stunde auf ihr Leben haben würden.

„Da wohne ich." Ein wenig verlegen deutete Anna auf das Haus hinter dem schmiedeeisernen Tor, das aussah, als würde es aus einem vergangenen Jahrhundert stammen, wie das gesamte Anwesen und auch ihre Familie, wenn sie so darüber nachdachte.
„Nicht schlecht." War Mike bisher so bedacht darauf gewesen, zu ihr zu blicken, so starrte er jetzt bewusst auf den Boden, genau so, dass sie seine Emotionen nicht erkennen konnte, oder vielleicht gerade deshalb erkennen konnte. Aber um sich zu erkundigen, was in ihm vor sich ging kannte sie ihn noch nicht gut genug, wenn sie ihn denn überhaupt kannte.

„Da fällt mir ein, ich habe mich nie vorgestellt." Verlegen streckte sie ihm die Rechte entgegen, wohl wissend, wie absurd das in Anbetracht der Tatsache, dass sie ihn noch vor wenigen Minuten geküsst hatte, war. Eine Tatsache, die ihr jetzt, wo der erste Schreck verflog, mehr zu denken gab als alles andere und langsam aber sicher die Röte in ihr Gesicht steigen ließ. „Anna Hillinger."
„Michael Kenji Shinoda, aber bitte nenn mich Mike." Er versuchte so förmlich zu wirken, wie er es nur konnte, als er ihre Hand nahm und sie schüttelte, Anna ihn mit großen Augen ansah. Und dann verzog sie ihren Mund zu einem Schmunzeln, noch immer weit entfernt von einem Lachen, aber ein Anfang, wie er fand.
„Ich weiß, dein Freund hat dich so genannt."
„Stimmt, Joe neigt dazu das in die Welt hinauszuschreien." Grinsend schüttelte er seinen Kopf im Gedanken daran, was er wohl dazu sagen würde, wen er hiervon wüsste. Was beinahe unvermeidlich war, wenn er daran dachte, wo er jetzt eigentlich sein sollte.
„Aber sag mal, woher kennst du eigentlich meinen Namen?"
„Den muss ich wo aufgeschnappt haben", wich er ihr ein wenig aus, konnte er sich doch selbst keinen Reim darauf machen. Rob hatte von Anfang an gewusst, wer die Studentin war, soviel war er sich mittlerweile sicher. Und, dass der Junge vermutlich noch weitaus mehr wusste, als er ihm gegenüber zugeben würde.

„Ach so." Einen Moment herrschte verlegene Stille zwischen ihnen, bevor Anna eine Hand hob und ihm scheu zuwinkte, als wäre er mehrere Meter entfernt und würde nicht direkt vor ihr stehen. „Guten Heimweg, und danke nochmal, ich bin dir etwas schuldig."
„Bist du nicht." Entschieden schüttelte er den Kopf. „Sieh es als Entschuldigung dafür, dass ich mich am Anfang wie das größte Arschloch verhalten habe."
„Hast du nicht!", widersprach sie ihm sofort. „Du hattest jedes Recht dazu, auch mich sauer zu sein."
„Habe ich sehr wohl. Und jetzt Gute Nacht, sonst diskutieren wir morgen noch." Grinsend tätschelte er ihren Kopf, unsicher, wann ihre Beziehung die Grenze von Bekanntschaft zu Freundschaft überschritten hatte. Ob sie es denn überhaupt hatte.
„Diese Debatte ist noch nicht zu Ende, Michael Kenji Shinoda!" Mit einem letzten tadelnden Blick verschwand sie hinter dem Gartentor und ließ Mike zurück, alleine mit seinen Gedanken und der Leere, die sich nun um ihn herum breit machte. In dem Moment, in dem Anna wieder zu sich selbst gefunden hatte, hatte auch er sich wieder ganz gefühlt, genau wie wenn er mit seinen fünf besten Freunden zusammen war.

Apropos Linkin Park...Voll schlechtem Gewissen fischte er sein Handy aus der Hosentaschen, während er sich auf den Weg zurück zur Bushaltestelle machte, jedoch nicht ohne zuvor sicherzugehen, dass Anna ihn nicht sah.
„Verdammt." Fünf Anrufe in Abwesenheit, eine Zahl, bei der normalerweise sein Herz einen Schlag aussetzen würde. Nun aber, da er wusste, was das Problem war und sich vergewissert hatte, dass die Anrufe aus dem Hauptquartier kamen, konnte er mehr oder weniger beruhigt zurückrufen, auch wenn es ein wenig erfreuter Chester war, der im Appartement von Dave und Brad ans Telefon ging.



Authors Note
Ab hier betrete ich komplettes BTC-Neuland, nachdem Annas etwas unheimliche Begegnung am Heimweg das letzte war, was ich schon einmal geschrieben habe. Allerdings war ich mit dieser ersten Version mehr als unzufrieden, da die Charaktere viel zu fröhlich waren und sich gewisse Dinge zu schnell entwickelten.

Andererseits hatten Chester und Rob in der ersten Version eine größere Rolle, die sie allerdings auch wieder bekommen werden, da ich mir so einiges für die Jungs überlegt habe. Noch ein Grund, warum ich die Geschichte nicht einfach fortgesetzt habe, sondern noch einmal komplett neu geschrieben. Wobei diese Version übrigens jetzt schon doppelt so lange ist und noch das eine oder andere Kapitelchen dazukommen wird, gemessen an den ganzen Post-Its auf meinem Kleiderschrank ;)
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