Break the Cycle

von Kariliah
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Brad Delson Chester Bennington David "Phoenix" Farrell Joseph "Joe" Hahn Mike Shinoda Rob Bourdon
22.10.2017
08.09.2019
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Er schwamm in einer dichten Menge aus Menschen, die nun aus dem alten Gebäude drängten, aus den dunklen, altehrwürdigen Mauern hinaus in den strahlenden Sonnenschein. Nahm die einzelnen Personen nicht mehr war, sah ihre Gesichter nur als verzerrte Fratzen, wenn sie an ihm vorüberzogen, einer nach dem anderen, jeder von ihnen auf der Suche nach seiner Bestimmung, die sie hier zu finden versuchten. Hier an diesem Ort, an dem Träume wie Seifenblasen, die gegen eine Dorne stießen, zerplatzten und nichts als eine wage Erinnerung zurückließen und neue geboren wurden, so unschuldig und voller Hoffnung, wie es nur ein Neugeborenes war.

Auch er war deswegen hier, wegen seiner Hoffnungen und Träume. Und um der Realität zu entfliehen, zumindest für ein paar Stunden. Ein paar Stunden, in denen er nicht alle paar Minuten auf sein Handy blickte, bei jedem Klingelton, den er hörte, zusammenzuckte und instinktiv zu seiner Hosentasche griff. So wie er es auch jetzt tat, sich mit einem flüchtigen Blick vergewisserte, dass er keinen Anruf versäumt hatte, keine Nachricht von seiner Familie, dass er dringend gebraucht würde, sich beeilen sollte, da es sonst zu spät sein könnte.

Ein Gedanke, den er schnell wieder vertrieb, sich ins Gewissen rief, dass der Anruf nicht gekommen war, noch nicht. Dass seine filigrane Welt noch stand, wenn sie auch jeden Moment einzustürzen drohte. Ein einziger Anruf. Mit einem Seufzer strich er über das winzige Display, seine Aufmerksamkeit nur noch bedingt auf seine Umgebung gerichtet. Gerade noch so viel, dass er im Augenwinkel sah, wie eine Studentin auf ihn zusteuerte, nicht zu bemerken schien, dass sie jeden Moment mit ihm zusammenstoßen würde. Und ihm in diesem Augenblick die Reaktionsschnelligkeit fehlte, um den unvermeidlichen Zusammenstoß zu verhindern, er nur noch wahrnahm, wie sie ungebremst gegen ihn prallte, mit Entsetzten mitansehen musste, wie sich für einen Moment, einen klitzekleinen Moment sein Griff um das Handy lockerte. Und dieser Moment reichte aus, um es ihm entgleiten zu lassen, seine wichtigste Verbindung zu seiner Familie vor seinen Füßen am Boden zerschellte.

„Pass doch auf!“, schnauzte er die Studentin an, hörte ihrer gestotterten Entschuldigung nur mit halben Ohr zu, sah nicht einmal in ihre Richtung, sondern hockte sich hin, um die Überreste seines Handys zu begutachten. Panisch versuchte, es wieder zu aktivieren, obwohl er genau wusste, dass es ein aussichtsloses Unterfangen war.
„Verdammte Scheiße!“ Frustriert hämmerte er mit seinen Fäusten gegen die Stirn, als ob er so die Zeit zurückdrehen könnte, die Situation ungeschehen machen könnte.
„Oh nein, ist es kaputt?“ Einen Moment lang ließ er seinen Blick zur Seite wandern, zu der Studentin, die nun neben ihm hockte, die Hände vor dem Mund zusammengeschlagen hatte. Als ob sie auch nur annähernd wüsste, was sie in ihrer Unachtsamkeit gerade angerichtet hatte.
„Nein, ich rege mich auf, weil es funktioniert.“ Kopfschüttelnd erhob er sich wieder und hielt ich, die es ihm gleichtat, das Handy unter die Nase, musste sich ausnahmsweise sogar davor zurückhalten, es ihr auf die Nase zu hauen, war sein ohnehin nicht gerade toller Tag gerade um einen weiteren Aspekt schlechter geworden. Sehr, sehr viel schlechter.
„Das ist wirklich Schrott.“ Mit zusammengezogenen Augenbrauen betrachtete sie das Display, das die Begegnung mit dem geschotterten Gehweg offenbar nicht überlebt hatte, nun von einem Muster verziert wurde, das stark an ein Spinnennetz erinnerte.
„Was du nicht sagst, Einstein!“ Genervt überdrehte er seine Augen, ließ den Schrotthaufen in einer der Taschen seiner überdimensionalen Hosen verschwinden und fuhr sich kurz durch die Haare, musste den Drang unterdrücken, sich an ihnen festzukrallen und laut zu schreien. Wie es richtig ging wurde ihm schließlich beinahe jeden Tag am Abend vorgezeigt.

„Ich kaufe dir ein neues.“ Das unerwartete Angebot ließ ihn schließlich aufhorchen, seine Wut einen Moment verblassen. Stattdessen sah er zu ihr, sah sie zum ersten Mal wirklich an, schaute direkt in ihre großen, verschreckten Augen, ein Anblick, der sofort sein Gewissen auf den Plan rief. Ihn beinahe für seine harsche Wortwahl schuldig fühlen ließ. Aber eben nur beinahe, fragte er sich doch augenblicklich wo diese Augen gewesen waren, als sie in ihn gerannt war.
„Na schön“, zuckte er mit den Schultern, presste seine Lippen auf die Dicke eines Stricks zusammen, um jegliche Kommentare, die ihm entwischen wollten, daran zu hindern, seinen Mund zu verlassen. Immerhin hatte sie ihm gerade Schadenersatz angeboten und er wollte nicht noch undankbarer erscheinen, als er es ohnehin schon tat.
„Okay.“ Sie nickte hastig, sodass ihre dunklen Haare über ihre Schultern fielen, ihr noch ein verletzlicheres Äußeres verliehen. Eine Tatsache, auf die er nicht weiter einging, würde er sich auf keinen Fall dazu überreden lassen, sie ungestraft davonkommen zu lassen. Da konnte sie noch so hilflos wirken. „Wann soll ich es dir geben?“
„Sobald du es hast“, schnaubte er deshalb und drehte sich am Absatz um, zog die Kapuze seines Sweaters über die feuerroten Haare und wurde so wieder ein Teil der Menge, wie auch die Studentin, deren Gesicht er schon längst wieder vergessen hatte.


„Hey Mike, welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?“ Kaum war er mürrisch ins Wohnzimmer geschlurft, begrüßte ihn Joe auch schon mit dem üblichen Handschlag und der gewohnten guten Laune, die an Mike abperlte wie Wasser von einem Regenmantel.
„So eine blöde Tussi hat mein Handy geschrottet.“ Zur Bestätigung hielt er ihm das Ding unter die Nase, das sofort genau begutachtet wurde.
„Wie hat sie das denn hinbekommen? Ich meine, die Teile sind normalerweise echt robust.“ Beinahe schon anerkennend nickte Joe, während Mike ihm die Kurzfassung der Geschichte lieferte.
„War mit ihren Gedanken keine Ahnung wo und ist in mich rein gerannt. Aber wenigstens kauft sie mir ein neues.“ Eine Tatsache, die seinen Mitbewohner aufhorchen ließ, durfte Mike doch beinahe umsonst bei ihm wohnen, und das nicht ohne Grund, wusste er doch bestens Bescheid, wie es um seine finanzielle Situation stand.
„Da hast dich ja wenigstens eine Nette niedergerannt. Weil für ein neues Handy geht ja dein ganzer Monatslohn drauf.“ Eine Ansicht, die Mike nur bedingt teilte, verzog er doch sein Gesicht zu einer noch ein wenig düstereren Grimasse.
„Nett würde ich nicht sagen. Wohl eher mehr Geld als Verstand.“ Hatte er doch vor zwei Jahren beinahe alle seine Ersparnisse geopfert, um im Notfall erreichbar zu sein. Und nun das, in einem Moment, in dem er ohnehin schon wieder äußerst knapp bei Kasse war, war der Beginn des Semesters doch stets am teuersten.

„Wie auch immer“, seufzend warf er einen Blick auf die Uhr, die ihn daran erinnerte, dass es bald an der Zeit war, wieder etwas Geld zu verdienen, dass jede Sekunde, die er hier herumsaß und wütend war eine Sekunde war, die ihm an einer anderes Stelle fehlen würde. „Es kotzt mich einfach an, dass sie mich jetzt nicht anrufen können, wenn was ist.“
„Sie wird ihr Versprechen schon halten“, versuchte Joe, ihn ein wenig aufzuheitern, ging bewusst nicht auf seine Wortwahl ein. Wenn und nicht falls. Eine gnadenlose Erinnerungen daran, was Mike jeden Moment mit sich herumtragen musste.
Was er vor der Welt versteckte.
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