Der Tag an dem das Licht erlosch

von Fynnja
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
Floki OC (Own Character)
22.10.2017
30.09.2018
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Kaum jemand hätte die schludrige, kümmerliche Gestalt für den größten und besten Schiffsbauer halten können, der einst Ragnar Lothbrok zu ruhmhaften Eroberungsfeldzügen verhalf. So fremd war er sich selbst und auch den anderen geworden, sodass er sich selbst für seine Schuld bestrafte, indem er es vorzog für sich alleine zu bleiben. Verlottert und verwahrlost saß er da und lauschte dem beruhigenden Geräusch des Wassers, das in leichten Wellen den Felswänden entgegen schlug. Sein Umhang war völlig durchnässt, aber trotzdem saß er da und lauschte dem sanften Trommeln des Regens, der auf ihn herab fiel. Die Götter weinten mit und um ihn. Um die verlorene Seele des ehemaligen Schiffsbauers. Von Trauer zerfressen; von zwanghaften Schuldgefühlen geplagt, da die Liebe zu Ragnar und der Drang nach Ruhm ihm wichtiger gewesen waren, als seine Helga, ergab sich Floki seinem Schicksal. Dem Schicksal, das die Götter für ihn vorgesehen hatten, als sie ihm das Teuerste und Liebste genommen hatten.

Helga

Der Tod ihrer geliebten Tochter war ihr Untergang gewesen. Auch er selbst hatte sich ohnmächtig und hilflos gefühlt und nicht sehen wollen, was sich direkt vor seiner Nase abspielte. Angefleht hatte sie ihn, ein weiteres Kind zu bekommen, da der Verlust ihrer gemeinsamen Tochter zu schmerzlich gewesen war. Aber sein eigener Schmerz und der Aberglaube hatten ihn dazu gebracht ihr diesen Wunsch zu verweigern. Floki wusste, dass für sie beide ein Kind nie vorgesehen gewesen war und nachdem die Götter ihnen ihre Tochter genommen hatten, wusste er, dass kein weiteres Kind mehr folgen durfte. Denn Floki hatte sich seinen Göttern widersetzt und war dafür hart bestraft worden. Lange hatte er in dem Irrglauben gelebt, dass Helga sich mit seiner Entscheidung abgefunden hatte, aber da hatte er sich bitter getäuscht. Dann hatte sie ihn gebeten sie mit sich auf Reisen zu nehmen und er hatte ohne zu zögern zugestimmt. Sie waren als kinderloses Paar davon gesegelt und zu Dritt zurück gekehrt, da er es nicht mehr über das Herz gebracht hatte, sie von ihrem Entschluss abzubringen. Dem Entschluss, ein fremdes Mädchen, das sich vor ihnen ängstigte, ihre Sprache nicht beherrschte und einer völlig anderen Kultur angehörte, bei sich aufzunehmen. Der Tod war mit ihnen zurück nach Kattegat gekommen. In Form eines unschuldigen Mädchens namens Tanaruz. Helga hatte das arme Mädchen mit ihrer Liebe erstickt, sodass es sich gar nicht anders zu helfen wusste, als zu töten. Zuerst seine Helga. Dann sich selbst, als sie sich mit einem gezielten Stich mitten in ihr Herz erstach. In ihr Herz, das seit dem Tag gebrochen gewesen war, als sie das arme Mädchen in ihrer Selbstgerechtigkeit und Arroganz aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen hatten.

Dennoch; hätte er sich nur nicht geweigert Helga ihren sehnlichsten Wunsch zu erfüllen, so wäre sie jetzt noch am Leben. Floki bereute sein egoistisches Handeln zutiefst. Vor allem aber seine Selbstsucht und auch, dass er sich ihr verweigert hatte. Dabei wollte seine Helga dem Schmerz und der Einsamkeit lediglich entfliehen und er . . . Tja, er war rücksichtslos gewesen und hatte nur an sich selbst und an die Weissagungen der Götter gedacht. Allerdings kein einziges Mal an Helga, die Frau, die er sehr geliebt hatte und selbst jetzt immer noch liebte. Nie würde er es sich verzeihen können, was er ihnen beiden mit seiner fatalen Entscheidung angetan hatte.

Angrboda.

Oft hatte er an seine Tochter gedacht und es kaum ertragen können, zu wissen, dass sein kleines Mädchen von ihnen gegangen war. Der Verlust schmerzte ihn selbst Heute noch tief. Ihr Leben war viel zu kurz gewesen. Floki bereute es zutiefst dem kleinen Mädchen zu ihren Lebzeiten nie offen gezeigt zu haben, wie sehr er sie doch geliebt hatte. Denn auch wenn er seine kleine Tochter von ganzem Herzen geliebt hatte, wusste er beim allerersten Blick auf das kleine Bündel, dass ihnen Unheil drohte. Ja, er war glücklich gewesen, aber er hatte gewusst, dass dieses Glück nicht von Dauer sein würde. Und dann war ihr kleines Mädchen gestorben. Und noch viel Schlimmer: er war nicht bei ihr gewesen. Abwesend, weil die Eifersucht gegenüber dem Christen – Priester ihn dazu gebracht hatte ihn eigenhändig zu erschlagen. Einen Mord zu begehen, für den er bitter büßen musste, als Angrboda daraufhin starb. Starb, weil er seinen König mehr geliebt hatte als sein eigen Fleisch und Blut. Während er seinen düsteren Gedanken nachhing, legten sich zwei zarte Hände, die ihm Trost spenden wollten, voller Wärme und Güte auf seine Schultern.

Lys

Helgas Vertraute und Freundin, die ihm in seiner schwersten Zeit voller Trauer und Selbsthass eine Stütze gewesen war. Nur sie duldete er bei sich, da sie die Einzige war, die ihn jetzt noch verstand. Zarte, verletzliche Lys, die zu einem festen Bestandteil in seinem verkommenen Leben geworden war. Ja, er war verloren. Er war nicht mehr Floki der Schiffsbauer, sondern ein unbedeutender gebrochener Mann. Lys hingegen kümmerte sie um ihn und machte es ihm erträglicher jeden Tag aufs Neue durchzustehen. Lys war der Grund weshalb er noch lebte. Denn auch sie wusste, wie es sich anfühlte einen geliebten Menschen zu verlieren. Auch sie hatte ihren Mann verloren und wusste, wie es sich anfühlte den Schmerz ertragen zu müssen, der bitter an einem nagte. Lys, die auch zu seiner engsten Vertrauten geworden war und ihn in seiner selbst auferlegten Einsamkeit in Schuld und Sühne tröstete.  

Wie sehr er seine Helga vermisste. Seine Gefährtin so sehr vermisste, dass er kaum mit dem seelischen Schmerz umgehen konnte. Sonne meines Herzens. Licht meines Lebens. Floki wusste, dass er ohne sie nie wieder heil werden konnte. Er wusste nicht, wie er auf Dauer ohne sie weiter leben sollte . . .