The Right Man to Punish

GeschichteDrama / P16
"Howlin' Mad" Murdock
22.10.2017
22.10.2017
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Dieses Kapitel
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22.10.2017 2.469
 
Titel: The right man to punish
Autor: Lady Charena (August 2007)
Fandom: The A-Team
Charaktere: Murdock, Team erwähnt
100-ff-Challenge Thema: #034. nicht genug
Word Count: 2453
Rating: PG-15, AR, Selbstmord
Anmerkung des Autoren: Vielen Dank an T’Len fürs Beta lesen.

Summe: Was-wäre-wenn... Murdocks Plan, die Jungs zu retten schief gegangen wäre, als diese nach ihrer Verhaftung zum Tode verurteilt und vor ein Erschießungskommando gestellt wurden?

Warnung: Diese Story endet in einem Selbstmord.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics: Sunrise Avenue




This is the end, you know
the plans we had went all wrong
We got to a point I can't stand
I've had it to the limit;
I ain't more than a minute away from walking

Tell them the fairytale gone bad  
(Sunrise Avenue)





Der Mann saß an der Bar. Seine tief ins Gesicht gezogene Baseballmütze warf einen Schatten über seine Züge. Auf dem Hocker neben ihm lag eine alte, abgetragene Lederjacke. Ab und zu, wenn er sein Glas ausgetrunken hatte und darauf wartete, dass es nachgefüllt wurde, glitt seine Hand von der Theke und streichelte die Jacke, als wäre sie ein geduldig wartendes Haustier.


* * *


Er wünschte sich, er wäre wieder verrückt.

Für eine Weile war er wirklich völlig weggetreten gewesen. Was er genau getan oder gesagt hatte... keine Ahnung. Er hatte einen erstklassigen Blackout, was die Zeit betraf, nachdem man ihm gesagt hatte, dass die Exekution das A-Teams stattgefunden hatte.

Als er irgendwann wieder zu sich kam, befand er sich in seinem Zimmer im Veteranenkrankenhaus, in einer Zwangsjacke, mit gigantischen Kopfschmerzen und einer Schwere in seinem Körper, die ihm verriet, dass sie ihn unter heftige Beruhigungsmittel gesetzt hatten.

Und für einen Augenblick war er sicher gewesen, dass er alles nur geträumt hatte. Die Verhaftung, der Prozess, die Exek... Alles nur Fragmente seines Wahnsinns, eines wirklich schlimmen Albtraums. Sobald er aus der Jacke raus war, würde er den Colonel anrufen oder Face und sie würden ihm den Kopf zurecht rücken, dafür dass er auch nur für einen Augenblick solchen Unsinn denken konnte.

Doch dann war Doktor Richter in sein Zimmer gekommen und hatte ihn von der Zwangsjacke befreit und der erste Blick in sein Gesicht hatte alle Illusionen wie Seifenblasen zerplatzen lassen.

Er hatte versagt. Das einzige Mal, dass ihn das Team wirklich gebraucht hatte; das einzige Mal, als sie ohne ihn keine Chance hatten... das einzige Mal, als es wirklich um Leben und Tod ging... und er hatte versagt. Sie hatten sich darauf verlassen, dass er ihnen helfen würde. Und er war nicht gut genug gewesen.

Man hatte ihm nicht einmal gesagt, wo sie begraben worden waren, noch erlaubte man ihm, ihre Gräber zu sehen. Statt dessen sperrten sie ihn wieder in der VA ein. Vermutlich auf Doktor Richters Veranlassung.

Sein Gefühl sagte ihm, sie hätten ihn statt dessen ebenfalls erschießen sollen.

Er war davor geflohen. Für eine Weile konnte er sich in seinem eigenen Kopf verstecken, wie er es vor vielen Jahren getan hatte, nach den Camps. In einer Welt ohne Wände, ohne dunkle Ecken; hier war es immer warm und hier gab es niemanden außer ihm. Niemanden, der ihm wehtat oder ihn einsperrte oder verließ... In dieser Welt gab es keinen Schmerz, keinen Trost, keine Tränen, kein Lachen – nur eine befreiende Leere. Er saß in einer Ecke seines Zimmers, die Arme um sich selbst geschlungen und wiegte sich stundenlang unablässig vor und zurück.

Aber er war nicht mehr der gleiche wie damals und er fand sich gegen seinen Willen zurück in die Realität gezogen.

Eine Realität, die einschloss, dass er die Schuld am Tod seiner besten Freunde... seiner Familie... trug. Und er hätte es geschafft, wenn Stockwell den Plan nicht verraten und ihn und Santana hätte verhaften lassen. Frankie. Er wusste, dass Hannibal gewollt hätte, dass er sich um Frankie kümmerte, der als Unbeteiligter in die Sache mit hinein gezogen worden war.

Aber Frankie war ihm völlig egal.

Und Hannibal war tot.

Der einzige, um den er sich kümmern wollte, war dieser Verräter Stockwell. Er fragte sich, wie es sein würde, Stockwell an einen Pfahl zu binden und ein Gewehr auf ihn zu richten. Würden die toten, kalten Augen hinter den gelben Gläsern dann Emotion zeigen? Angst?

Er hatte zuvor in seinem Leben Menschen getötet. Beim CIA. Als Soldat in Vietnam. Er hatte es immer gehasst.

Jetzt wollte er zum ersten Mal töten. Er wollte Stockwell um sein Leben betteln hören, ihn für seinen Verrat bezahlen lassen. Er wollte, dass Stockwell ihn ansah, wenn er ihn tötete, damit er genau wusste, dass er sterben würde und wer dafür verantwortlich war. Er wollte, dass Stockwell wusste, dass er einen... nein, den wirklich größten Fehler seines Lebens gemacht hatte, als er sich mit dem A-Team anlegte.

Deshalb war er aus dem Krankenhaus geflohen, sobald sie die Sicherheitsmaßnahmen ein wenig gelockert hatten. Er hatte fast fünfzehn Jahre dort verbracht, und sie wussten noch immer nicht, dass er die Routine kannte? Sie glaubten ihn ruhiggestellt in seinem Zimmer eingesperrt, während er mit dem Bus kreuz und quer durch die Stadt fuhr.

Aber Stockwell war verschwunden. Es schien, als hätte er nie existiert.

Er verkroch sich in ihrem Haus. Face hatte einen Teil ihres Geldes gut angelegt und eines Tages davon dieses Haus für sie gekauft – natürlich lag es am Strand und sie hatten ihn damit aufgezogen. Sie benutzten es nie auf Dauer, eine Art letzter Zuflucht, für den Fall, dass sie eine sichere Unterkunft brauchten.

Jeden Tag fuhr er mit einem Mietwagen – Face hatte einen Satz gefälschter Führerscheine, Ausweise und Kreditkarten für jeden von ihnen im Haus eingelagert – in die Stadt und telefonierte von einer anderen Telefonzelle aus. Er trennte sich dafür sogar von seiner Lederjacke mit ihrem zu leicht wiedererkennbaren, auffälligen Rückenmotiv. Die Anrufe, die er tätigte, galten Menschen die seit fast zwanzig Jahren versuchten, seine Existenz zu vergessen. Doch er erreichte nichts. Keine seiner Anfragen brachte irgendein greifbares Ergebnis. Stockwell war wie vom Erdboden verschluckt. Aber er hatte natürlich auch den Rückhalt seiner geheimnisvollen Organisation, die seine Spur verwischte.

Er hatte sich an diesen letzten Strohhalm geklammert. Doch auch der ging schließlich in Flammen auf und ihm wurde klar, dass er das Ende seiner Möglichkeiten erreicht hatte. Es war vorbei. Sein verrückter Rachefeldzug hatte sich in Rauch aufgelöst, bevor er überhaupt angefangen hatte. Er hatte alles versucht, aber es war nicht genug.

Ohne zu wissen, wohin er gehen oder was er nun tun wollte, verließ er das Haus am Strand.

Irgendwann später fand er sich vor einer Bar wieder und beschloss, dass sich zu betrinken ein guter Anfang sein würde.


* * *


Der Mann, der an der Bar saß, winkte den Barkeeper zu sich und verlangte dieses Mal gleich nach der Flasche. Es war entweder der Tonfall seiner Stimme oder die Gleichgültigkeit des Barkeepers, doch er bekam sie ohne Widerspruch über den Tresen geschoben.

Er legte ein paar Scheine auf die Theke, mehr als er schuldete und rutschte langsam von dem Barhocker. Er taumelte auf wackeligen Beinen und hielt sich am Tresen fest, bis er seine Balance einigermaßen wiedergefunden hatte. Dann nahm er die Lederjacke und drückte sie an sich, während er mit der anderen Hand die Flasche umschloss.

Niemand versuchte ihn aufzuhalten, nur ein paar gleichgültige Blicke folgten ihm auf dem Weg zur Tür. Er glitt aufatmend hinter das Steuer des Mietwagens.

Er war verrückt, ja – aber nicht so verrückt, dass er seinen Plan nüchtern ausführen konnte. Und er fühlte sich noch immer nicht betrunken genug.

Seine Hände zitterten, als er den Wagen startete. Er wusste, dass er zwar noch nicht betrunken genug war, um zu tun, was er plante – aber eigentlich zu betrunken, um zu fahren. Es hielt ihn nicht davon ab, das Auto aus der Parklücke und auf die Straße zu steuern.

Zurück zu dem Haus am Strand. Es war der einzige Ort, der noch irgendeine Bedeutung für ihn hatte. Der einzige Ort, an dem er ihnen noch einmal nahe sein konnte. Und sie für sein Versagen um Verzeihung bitten.


* * *


Ungeachtet seines Zustandes kam er wohlbehalten dort an, parkte das Auto nachlässig in der Einfahrt. Er nahm seine Jacke und die Flasche vom Beifahrersitz und kletterte mit einiger Mühe aus dem Wagen. Offenbar hatte er die Tür offengelassen, als er weggefahren war – gut, denn mit seinen zitternden Händen konnte er kaum den Schlüssel festhalten.

Seine Jacke und die Flasche im Arm, wanderte er durchs Haus, fast als würde er nach etwas suchen. Er begann sich wieder entsetzlich nüchtern zu fühlen.

Das erste Zimmer war Hannibals. Er öffnete den Schrank und fuhr mit der Hand durch die Kostüme, die dort hingen. Johnny B.s Pelzmantel in trauter Zweisamkeit mit der Westernkluft von Rufus Cantrell. Er hatte nicht gewusst, dass der Colonel einen Teil seiner Kostüme hier aufbewahrte, sie hatten mehrere Verstecke, verteilt über die ganze Stadt. Er schloss die Schranktüren und ließ seinen Blick durch den Raum schweifen. Er war schlicht und unpersönlich eingerichtet, ein paar Bücher auf einem Regal, Hannibals Makeup-Utensilien-Koffer auf einer Kommode.

Er trat zu dem Regal, nahm wahllos eines der Bücher heraus. Es blätterte sich in seiner Hand von selbst auf, weil etwas zwischen den Seiten steckte – ein Bild von Maggie. In anderen Büchern steckten andere Bilder. Eines davon zeigte Dana und Kid. Ein anderes – es war zusammengefaltet und eselsohrig – war das gleiche, dass sie zwischen Raymonds Sachen gefunden hatten. Es war einen Tag vor Raymonds Rückkehr in die Staaten aufgenommen worden. Sanft klappte er das Buch wieder zu und stellte es zurück an seinen Platz. Er lächelte, als er den Humnidor sah, den er bei Wheel-of-Fortune gewonnen und Hannibal geschenkt hatte. Es waren sogar noch ein paar Zigarren darin. Er nahm eine davon heraus und steckte sie gedankenverloren in die Brusttasche seines Hemdes.

Das nächste Zimmer war B.A.s. Der Schrank enthielt nur ein paar Kleidungsstücke und natürlich einen Werkzeugkasten. Auf einem Regal befanden sich verschiedene... undefinierbare... Gegenstände, die ganz offenbar von den Kindern aus dem Jugendzentrum stammten. Selbstgebastelte Geschenke für ihren besten Freund. Auf der Kommode neben dem Bett stand ein Foto von seiner Mutter. Eine goldene Kette mit einem kleinen, zierlichen Kreuzanhänger war davor auf den Boden gefallen. Er hob sie auf und sah, dass die Kette zerrissen war. Sie kam zu der Zigarre in seine Tasche.

Das nächste Zimmer war sein eigenes. Jemand – vermutlich Face – hatte das Chaos aufgeräumt, dass er bei seinem letzten Besuch hinterlassen hatte. Er blieb an der Tür stehen. Ein Stapel frisch gewaschener und ordentlich gefalteter T-Shirts lag vergessen auf dem Bett mit der Range-Rider-Bettwäsche. Unter dem Kissen sah ein abgegriffener Plüschhund heraus. Billy. Der erste Billy, das einzige Relikt aus seiner Kindheit, dass ihm geblieben war. Er sah auf den Boden, neben seinen Füßen, wo er seinen neuen Billy zu sehen pflegte. Er war nicht mehr da.

Er trat zum Bett, zog das Plüschtier unter dem Kissen hervor und betrachtete es einen Moment. Dann stopfte er es unter sein Hemd und schloss leise die Tür hinter sich.

Face‘ Zimmer war das letzte. Es war ordentlich, genau wie Face es mochte. Das Bett frisch bezogen, die Designeranzüge und maßgeschneiderten Hemden gebügelt. Anders als die meisten seiner erschwindelten Apartments und Häuser war das Zimmer schlicht, fast spärlich eingerichtet. Helle Wände, weiße Möbel, ließen den Raum größer wirken, als er tatsächlich war. Keine Bilder an den Wänden, dafür ein unauffälliges, kleines Holzkreuz, keine dekorativen Kleinigkeiten, keine Staubfänger. Es war ein neutraler Rückzugsort für einen Mann mit so vielen Gesichtern. Neben der Tür stand griffbereit ein Aktenkoffer, der hinter einem doppelten Boden Face‘ Werkzeuge enthielt – Lockpicks, Visitenkarten, Ausweise.

Er trat zum Bett, ließ seine Hand über das Kopfkissen gleiten – und dann darunter. Seine Finger schlossen sich um den kühlen Griff einer Waffe. Face‘ ganz persönliche Version eines Trostspenders a lá Billy.

Er lächelte, als er die Waffe in den Bund seiner Hose steckte.


* * *


Er verließ das Haus über die Terrasse, folgte einem schmalen Trampelpfad zum Strand. Der nasse Sand entlang der Wasserlinie klebte an seinen Schuhen, machte ihm klar, dass zumindest sein Körper den Effekt des Alkohols spürte. Er ließ seine Jacke in den Sand fallen und setzte sich darauf, die langen Beine vor sich gekreuzt.

Er stellte die Flasche neben sich in den Sand und holte die Zigarre aus der Brusttasche seines Hemdes, entfernte die Zellophanhülle und zog ein Streichholzbriefchen aus der Hosentasche. Das Logo der Bar prangte darauf. Er erinnerte sich nicht, sie mitgenommen zu haben.

Es gelang ihm erst beim dritten Versuch, mit seinen zitternden Händen ein Streichholz anzustreichen und die Zigarre anzuzünden. Er begann prompt zu husten, was ihn zum Lachen reizte. Ohne hinzusehen, griff er mit der anderen Hand nach der Flasche, öffnete ihren Verschluss und nahm einen großen Schluck. Ein klein wenig Wärme breitete sich in seinem Magen aus., als er die Flasche zurück in den Sand stellte. Die Zigarre zwischen den Zähnen festklemmend, zog er die Goldkette aus der Tasche und hielt sie in die Sonne. Sie blinkte und blitzte und warf ihre Reflektionen über seine Gesichtszüge. Die Kette war zerbrochen, aber es gelang ihm, sie in seinem Nacken zusammen zu knoten. Das Metall lag kühl auf seiner Haut.

Eine lange Zeit saß er so da, starrte aufs Meer hinaus, rauchte und trank – ohne zu denken, ohne sich zu erinnern. Er beobachtete die Wellen, die langsam näher kamen. Irgendwann würde die Flut auch die Stelle erreichen, an der er jetzt saß.

Asche tropfte von der Zigarrenspitze und hinterließ einen Brandfleck auf seiner Hose.

Schließlich erfüllte eine herrliche Taubheit seinen Körper und er kicherte, als die Flasche seinen gefühllosen Fingern entglitt. Doch sie zitterten nicht mehr, als er Face‘ Waffe hervorzog. Er checkte sie, entsicherte sie und legte sie auf seinen Oberschenkel, seine Finger glitten liebkosend den Lauf entlang.

Schließlich drückte er die Zigarre an seiner Schuhsohle aus und ließ den Stumpen fallen. Dann öffnete er die beiden oberen Knöpfe seines Hemdes, so dass Billy seinen Kopf herausstrecken konnte. Die dunklen Augen des Plüschtiers schienen ihn nachdenklich zu betrachten.

Er richtete sich auf die Knie auf und hob die Waffe. Presste die Mündung gegen seinen Kopf, oberhalb des Ohres. Spürte das kalte Metall gegen seine Haut. Es war nicht das erste Mal... jedoch das erste Mal, dass die Hand, die die Waffe hielt, seine eigene war.

Das Gefühl, ein Leben in seiner Hand zu halten. Ein Leben, dass er beenden wollte. Das Leben eines Mannes, den er bestrafen wollte.

Das Gefühl, zu wissen, dass er sterben würde. Warum. Und wer sein Leben beenden würde.

Er hoffte, die Jungs würden ihm auch hierfür verzeihen... verzeihen, dass er zu schwach war, ohne sie weiter zu leben. Zu schwach war, mit der Schuld zu leben.

Er lächelte, als er den Abzug drückte.


Ende
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