Die Alptraumhöhle

GeschichteFantasy, Freundschaft / P16
OC (Own Character)
22.10.2017
22.10.2017
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Man kann diese Geschichte als Fortsetzung von „Die Stadt der verborgenen Schrecken“, aber auch als eigene Geschichte ansehen.

Der Abend war angebrochen und wurde bereits zur Nacht, als eine seltsame Schar einen einsamen Weg entlanglief. Dieser führte in ein kleines Dorf, an dessen Rand ein Gasthaus stand. Sechs Gestalten gingen diesen Weg entlang. Sie alle waren Halbwüchsige, und auch Abenteurer. Doch davon abgesehen, hätten sie unterschiedlicher nicht sein können.
„Dort drüben ist das Gasthaus. Wir haben es bald erreicht.“ rief Kadlin aus.
Kadlin war ein junges Mädchen von vierzehn Jahren... und ein Tiefling. Sie hatte eine menschliche Hautfarbe, spitze Ohren, und auch kleine, vorstehende Hörner. Wie sehr viele Tieflinge, hatte sie auch Krallen an den Fingern und einen Schwanz. Doch ebenso auffällig waren ihre roten Augen und ihre dunkelblauen Haare. Sie trug ein ockerfarbenes Leinenkleid. Auf dem Rücken hatte sie, als Bardin, auch eine Laute, und an der Seite trug sie ihr Sax und ihre beiden Kunai aus Meteoreisen.
„Da können wir uns dann endlich ausruhen.“ meinte Jador.
Auch Jador war ein Tiefling, und dazu ein Junge von sechzehn Jahren. Seine langen, schwarzen Haare reichten ihm bis auf die Schultern, und in seinem Gesicht waren zwei silbrige Augen zu sehen. Ebenso wie Kadlin, hatte er Krallen an den Fingern und einen langen Schwanz, sowie eine menschliche Hautfarbe und spitze Ohren. Seine Zähne sahen jedoch wie Reißzähne aus, und seine Füßen endeten in Raubtierpranken. Wie die meisten Waldläufer, trug er eine grünbraune Lederrüstung und ein dunkelgraues Cape.
„Das wird aber auch Zeit.“ meinte die Halbdrow Ciara.
Sie war ein Mädchen von fünfzehn Jahren und hatte eine schlanke und hochgewachsene Gestalt, womit sie von der Statur her, eher einem Menschen glich als einer Drow, auch wenn sie ihnen optisch deutlich ähnlicher sah. Sie hatte ein rundes, weiches Gesicht, allerdings auch spitze Ohren, mandelförmige, bernsteinfarbene Augen, und weiße, wenn auch kurze, Haare, und eine dunkle Haut. Das Mädchen trug auch einen dunkelgrünen Kapuzenmantel. Doch jetzt, bei Nacht, war die Kapuze zurückgeschlagen und enthüllte ihre Haare.
„Da hat es jemand aber eilig. Ich mag es, in der Natur zu sein.“ meinte Ragin.
Ragin schien zuerst auch ein Junge von vierzehn Jahren zu sein, doch er war deutlich älter... und ein Sonnenelf. Er hatte blonde Haare, die ihm bis auf die Schultern reichten, grüne Augen, und eine leicht gebräunte Haut. Für einen Elfen sah er ungewöhnlich wild und muskulös aus, was aber damit zusammenhing, dass er eine Werkatze war. Er trug schwarze Kleidung, eine ausgefranste Weste und Hose, welche beide schwarz waren. Zudem war er auch barfuß unterwegs und hatte einen Gürtel mit mehreren Taschen um seine Taille geschlungen.
„Da bist du nicht der einzige.“ meinte Inarisos.
Inarisos war fünfzehn Jahre alt und ein Hexenmeister, darüber hinaus jedoch auch der einzige Mensch in der Gruppe. Er hatte rote Haare und blaue Augen, und dazu eine hochgewachsene und schlanke Gestalt. Das Hemd und die Hose die er trug, waren türkisfarben, die Robe die er darüber trug, war jedoch violett. Er hatte auch einen dicken und langen Zauberstab.
„Und schon haben wir das Gasthaus erreicht.“ meinte Soran, als die Freunde vor der Tür standen.
Soran war ein Mädchen von sechzehn Jahren, eine Kriegerin, und ein Halbdrache. Sie sah wie ein aufrecht gehender, humanoider Drache aus, war jedoch etwas größer als ein Mensch. Ihre Haut war bronzefarben, und sie hatte auch Krallen, Flügel und einen Schwanz. Dazu trug sie eine Rüstung aus Metall.
Die Freunde betraten das Gasthaus. Überall saßen Menschen und unterhielten sich, oder aßen und tranken etwas. Doch als sie die sechs Abenteurer sahen, wurde es schlagartig still. Alle Menschen starrten sie an, und in ihren Gesichtern spiegelte sich Wut, Hass, Angst und Verachtung.
„Verschwindet von hier!“ rief einer wütend aus.
„Solche wie ihr haben hier nichts verloren!“ meinte ein anderer.
„Nur die Ruhe, wir wollen euch nichts tun. Wir wollen bloß etwas essen und trinken, und ein Zimmer für eine Nacht.“ redete Inarisos.
„Wie kommt es, dass ein Mensch und ein Elf gemeinsam mit Monstern reisen?“ fragte eine Frau entsetzt, „Drow, Dämonenbrut und Drachenbrut.“
Ciara war verärgert. Ebenso wie Soran und die beiden Tieflinge. Menschen die sie überhaupt nicht kannten, bezeichneten sie als Ungeheuer.
„Sie sind unsere Freunde, sie tun niemandem etwas böses, und sie sind nicht so widerlich wie ihr.“ redete Ragin.
„Wenn ich euch bewirten würde, dann würde ich Ärger mit meinem König bekommen. Drow und Tieflinge sind hier nicht willkommen.“ sagte der Wirt.
„Feigling.“ warf der Sonnenelf ihm vor.
„Wartet.“ sagte plötzlich ein Mädchen und trat vor, „Nicht weit von hier ist eine Höhle. Sie gehört einigen Halblingen. Ganz gewiss werden sie euch aufnehmen.“
„Vielen Dank.“ sagte Jador und lächelte sie an.
Die Freunde ließen sich den Weg zur Höhle beschreiben, und gingen dann los.
Die Menschen im Gasthaus brachen in freudiges Gelächter aus. Schließlich hatten sie sechs vermeintliche Ungeheuer in die Höhle geschickt, in welcher womöglich andere Monster lauerten, und sie töten würden.

Ein halbes Jahr vor der Handlung

Vestaria war stolz auf ihre Ware. Der letzte Streifzug war ein großer Erfolg gewesen, und so hatte sie eine Menge neuer Sklaven gewonnen. Die Drow ging näher an den Käfig heran, und die Sklaven wichen ängstlich zurück. Sie grinste. So gefiel es ihr, sollten sie ruhig Angst vor ihnen haben. Neben dem Käfig brannte eine Fackel. Die Menschen sollten schließlich sehen, an wen sie verkauft wurden. Als Drow konnte sie auch in absoluter Dunkelheit gut sehen, doch für Menschen galt dies nicht.
Ihre Verachtung wuchs. Zeigte das denn nicht, wie minderwertig alle anderen Rassen im Vergleich zu den Drow waren? Als Dunkelelfe geboren zu werden, insbesondere als Frau, war einfach der beste Weg, an Macht zu kommen. Näher kommende Schritte teilten der Sklavenhändlerin mit, dass sie Kundschaft bekam.
Eine wohlhabende und angesehene Drow betrat ihren Hof. Sie wurde von mehreren Drowkriegern flankiert. Auch Vestaria kannte sie, denn sie war eine angesehene Hohepriesterin der Göttin Lolth.
„Hohepriesterin Chadista. Es ehrt mich, dass ihr meinen Laden aufsucht. Was kann ich für euch tun?“ fragte Vestaria untertänig.
Wenn eine so angesehene Person ihre Kundin war, konnte das für sie durchaus einen Aufstieg in der Gesellschaft bedeuten, soviel  war Vestaria klar.
„Ich suche eine gehorsame Sklavin für meine Tochter.“ erwiderte die Drow böse lächelnd.
Vestaria ging zum Käfig, öffnete ihn, und zerrte brutal ein junges Mädchen heraus. Schließlich warf sie sie der Hohepriesterin vor die Füße.
„Dieses Mädchen ist eine gute Ware. Sie ist ihren Preis wert.“ sagte die Sklavenhändlerin.
Die Hohepriesterin besah sich das Menschenmädchen, und nickte schließlich zufrieden. Sie übergab Vestaria einen Beutel Gold und gab dann ihren Kriegern ein Zeichen, das Mädchen mitzuschleppen.

Ciara räkelte sich auf ihrem Diwan. Ihr Zimmer war prunkvoll eingerichtet, denn sie gehörte schließlich zu einer reichen Familie. Ihre Mutter machte immer ein großes Geheimnis daraus, wer ihr Vater war, aber das Mädchen wusste schon lange, dass Männer in der Gesellschaft der Drow nicht viel wert waren.
Eigentlich sollte sie jetzt Unterricht bekommen, wie die anderen Drow auch, doch sie wollte nicht zu ihren Lehrern gehen. Nach deren Ansicht war mit Ciara ganz eindeutig etwas nicht in Ordnung. Denn sie hatte keine Freude an den Schmerzen anderer, wie die anderen Drow. Erst vor einigen Tagen hatten sie zwei Zwerge gefangen, und sie im Kampf aufeinander gehetzt. Dem Gewinner wurde versprochen, freigelassen zu werden, aber natürlich hatte man ihn auch getötet. Alle anderen Drow hatten sich über alle Maßen amüsiert, doch Ciara war eher angewidert gewesen. Und sie hatte mit den beiden Zwergen Mitleid gehabt.
Das Mädchen fragte sich, warum sie soviel anders als die anderen Drow war. Was war der Grund dafür, dass sie keine Freude am Bösen verspürte?
Es klopfte an ihre Tür, und einen Moment später öffnete sie sich. Ihre Mutter kam herein und schob ein junges Menschenmädchen vor sich her. Ciara war aufgeregt, sie hatte schon sehr lange keine Menschen mehr gesehen. Und die letzten die sie gesehen hatte, waren Sklaven gewesen, und sie hatte sie nur von weitem gesehen.
„Verehrte Hohepriesterin, warum bringt ihr ein Menschenmädchen zu mir?“ fragte sie, und spielte dabei vor, den Respekt zu haben, den man ihr anerzogen haben sollte.
„Du bist eine Tochter aus gutem Hause, und so sollst du fortan eine Sklaven haben.“ meinte Ciaras Mutter nur.
Sie stieß das Mädchen rüde zu Boden, und verließ den Raum wieder. Ciara näherte sich dem Mädchen. Sie sah übel aus. Man hatte sie offenbar misshandelt, und sie war obendrein auch schmutzig. Als sie sie vorsichtig berührte, zuckte das Mädchen zusammen, als hätte sie sich verbrannt, und wich zurück, bis sie mit dem Rücken an die Wand stieß. Voller Angst sagte sie etwas, was Ciara aber nicht sofort verstand.
„Keine Sorge, ich tue dir nichts.“ sagte sie zu ihr.
Das Mädchen reagierte nicht. Dann fiel Ciara auf, dass sie in der Drowsprache mit ihr geredet hatte. Sie sagte das gleiche noch einmal in der Elfensprache, doch auch jetzt reagierte das Mädchen nicht. Erst als sie den gleichen Satz in der Handelssprache sagte, schien das Mädchen sie zu verstehen.
„Es ist so dunkel. Ich habe Angst.“ sagte das Mädchen.
Es war überhaupt nicht dunkel, zumindest nicht für Ciara. Doch dann fiel ihr ein, was sie im Unterricht gelernt hatte, nämlich, dass die Rassen an der Oberfläche, in den meisten Fällen nicht im Dunkeln sehen konnten. Ciara ging zu einer Kommode und holte eine Fackel hervor, welche sie schnell anzündete. Das Mädchen konnte sich nun offenbar besser zurechtfinden, denn sie stand auf, und sah Ciara an.
„Welche Aufgabe habt ihr für mich, Herrin?“ fragte sie unterwürfig.
„Zuerst werde ich dich reinigen und deine Wunden verbinden. Danach überlege ich mir etwas für dich.“ erwiderte sie.
Ciara hatte noch nie einen Sklaven gehabt. Sie wusste nicht, wie sie damit umgehen sollte. Sie wusste nur, dass im Unterreich, in den Städten der Drow, alle Sklaven waren, die keine Drow waren. Und manchmal waren andere Drow eben doch Sklaven. Sie hatte sich nie viel dafür interessiert.
„Wie heißt du eigentlich?“ fragte Ciara.
„Ich heiße Tanoco.“ antwortete sie.

Es waren schon einige Wochen vergangen, seitdem Tanoco zu Ciaras Sklavin gemacht worden war. Doch für eine Sklavin hatte sie erstaunlich wenig zu tun. Eigentlich saßen die beiden Mädchen einfach nur den ganzen Tag über zusammen, und Tanoco erzählte Ciara von der Oberfläche. Obwohl das Mädchen aus einem kleinen Bauerndorf kam, und auch nicht viel von der Welt gesehen hatte, konnte sie doch immerhin das erzählen, was ihr die verschiedenen Abenteurer erzählt hatten, die hin und wieder in ihr Dorf gekommen waren.
„Es kann überall anders aussehen.“ sagte Tanoco, „Manchmal bist du in einem Wald, manchmal bist du in einem Sumpf, und manchmal bist du im Gebirge. Es gibt auch das Meer. Das ist ganz viel Wasser auf einmal, es reicht von einem Horizont zum anderen, und du kannst viele Tage oder Wochen auf dem Meer unterwegs sein, ohne jemals Land zu sehen.“
„Das klingt ja unglaublich.“ staunte Ciara, „Und was ist denn ein Horizont?“
Tanoco lachte, und erzählte es ihr.
Beide Mädchen stiegen aus dem Wasser, in welchem sie gebadet hatten, und trockneten die jeweils andere mit einem großen Stofftuch ab. Schließlich stellten sie sich vor einen Spiegel, und sahen sich an. Das Zimmer von Ciara hatte nun mehrere Halterungen in den Wänden, in denen Fackeln leuchteten. So konnte Tanoco nun ebenso gut sehen wie an der Oberfläche.
„Ich bin ein bisschen neidisch auf deine Schönheit.“ sagte das Mädchen schließlich.
„Bin ich wirklich so schön?“ fragte Ciara.
„Darauf kannst du wetten! Ich glaube, die meisten Jungs aus meinem Dorf würde sich freuen, wenn sie dich so sehen könnten.“ sagte sie leicht errötend.
„So? Du meinst nackig? Was ist denn so besonders daran, wenn ein Junge mich nackig sieht?“ fragte Ciara naiv.
„Weißt du das wirklich nicht?“ fragte Tanoco.
„Nein, überhaupt nicht.“ gab Ciara zurück.
„Also, wenn ein Junge und ein Mädchen zusammen sind, und sich dann nackig ausziehen... dann... also zuerst legt er seine Hände auf deine Brüste... und dann.“ das Mädchen war nun deutlich errötet.
Schließlich beugte sie sich vor, und flüsterte Ciara den Rest ins Ohr, obwohl niemand in der Nähe war, der sie hätte belauschen können.
„Was, wirklich?“ fragte sie schließlich, nun auch errötet.
„Ja, wirklich.“ antwortete Tanoco, „Ich habe es einmal gemacht. Ein Abenteurer, ein Halbelf, er war ungefähr so alt wie wir.“
„Glaubst du, ich finde vielleicht irgendwann einen Jungen... der das gleiche auch mit mir macht?“ fragte Ciara errötet.
„Ganz bestimmt. Aber dazu musst du das Unterreich verlassen.“ sagte Tanoco.
„Das Unterreich verlassen?“ fragte Ciara, „Aber wo soll ich denn hingehen? Und überhaupt, wird man mich an der Oberfläche nicht hassen, weil ich zu den Drow gehöre?“ fragte Ciara.
„Das weiß ich leider nicht. Aber wenn du hierbleibst, wirst du schlecht dran sein. Ich weiß nicht warum, aber du bist anders als die anderen Drow. Du bist so mitfühlend. Du magst wie eine Drow aussehen, aber du bist keine von ihnen.“ erzählte sie, „Ich bin so froh, dass du meine Freundin bist.“
„Ja, wir sind Freunde. Freunde. Ein seltsames Wort. Die Drow benutzen es nur selten.“ redete Ciara.
Es klopfte an der Tür, und ein weiterer Sklave trat herein. Es war ein Elf, und er war auch ungefähr in dem gleichen Alter wie die beiden Mädchen. Während Tanoco versuchte, ihre Blöße zu bedecken, hatte Ciara nichts dagegen, dass er sie nackig sah.
„Die Hohepriesterin wünscht eure Anwesenheit, Herrin Ciara.“ sagte er, und schaute demütig zu Boden.
„Ich werde mich gleich auf den Weg machen.“ erwiderte Ciara, und der Sklave ging wieder.
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