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A Vampire Academy story: Bloodhunt

von xviola-k
GeschichteDrama, Fantasy / P16 / MaleSlash
OC (Own Character)
20.10.2017
02.01.2018
4
9.576
2
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
20.10.2017 1.760
 
Eins

“Angst haben wir alle. Der Unterschied liegt in der Frage wovor.”
- Frank Thiess


Ich amtete tief durch und blinzelte mein Spiegelbild an. Das Gewicht meines Oberkörpers lastete schwer auf meinen Armen, die ich auf ein Waschbecken des Badezimmers in meinem Wohnheim stützte. Der Tag, auf den wir alle gewartet hatten, war gekommen - und ich stellte mich wie ein Feigling an.
Mein Herz pochte wie wild vor Aufregung in meiner Brust, so sehr ich es auch zur Ruhe aufforderte. Verbissen betrachtete ich mich und kniff die Augen zusammen. Mit etwas zu viel Kraft stieß ich mich dann vom Waschbeckenrand ab, woraufhin das Keramikbecken ein leises Knirschen von sich gab, das nicht gut klang.
Doch darauf konnte ich nicht achten, ich war auch mit den schnellen Schritten, mit denen ich zur Sporthalle lief, beinahe zu spät. Vor der Tür wartete bereits Hayden auf mich, wie immer eine für einen Dampir sehr große und düstere Erscheinung. Stets in schwarz gekleidet und mit aschblondem Haar sah er bereits jetzt aus wie ein Wächter, obwohl er ebenso Novize war wie ich.
Als er mich sah, schmunzelte er kaum merklich, ehe er mich mit einem gespielt strengenden Blick bedachte. Jeder andere, der ihn nicht so gut kannte wie ich, hätte bei einem solchen Blick inne gehalten und womöglich so etwas wie Furcht empfunden. "Wächterin Yates, Sie sind zu spät", schalt er mich und behielt seine grimmige Miene bei.
Das machte er immer - auch wenn es noch sechs Monate bis zu unserem Abschluss dauerte, nannte er mich eine Wächterin. Es hatte damit angefangen, dass ich von einer mittelmäßigen Schülerin in der Mittelstufe zur besten des Jahrgangs geworden war, sobald wir in die Oberstufe kamen. Dies hatte allerdings auch einen Grund. Seitdem ich nicht in der Lage gewesen war, beim Angriff auf die St. Vladimir's, den Ort, den ich mein Zuhause nannte, meine beste Freundin gegen einen Strigoi zu verteidigen und mit ansehen musste, wie ihr die Kehle aufgerissen worden war, gab es für mich nur noch eins: Diese Akademie mit Bestnoten verlassen und eine glorreiche Wächterin werden.
Somit nahm ich diese gesamte Ausbildung und das Dasein als Wächterin vermutlich wesentlich ernster als viele anderen meiner Mitschüler. Auch ernster als Hayden, auch wenn ich in diesem Falle diejenige war, die abwinkte: "Ja ja, ich weiß." Ich wollte nicht darauf eingehen, dass ich Angst vor dem Praktikum hatte. Dass es mir Herzrasen bereitete, wenn ich daran dachte, meinem Abschluss näher zu kommen und mich der wirklichen Welt stellen zu müssen.
Ich weiß, dass es purer Ironie glich, Angst vor der Welt außerhalb der Akademie zu haben, wo ich doch nichts anderes wollte, als eine der größten Wächterinnen aller Zeit zu werden. Doch so war es - und ich schämte mich dafür. Selbstzweifel waren keine Probleme, mit denen man sich als Damphir in der Wächter-Ausbildung herumschlagen durfte.
Schnell betraten er und ich die Sporthalle, wo noch immer reges Gemurmel herrschte. Gerade als wir uns einen Weg in die vorderen Reihen gebahnt hatten, ergriff Alberta das Wort und Stille überschattete den Raum. Teils aus Ehrfurcht, teils aus Spannung stellten sich augenblicklich alle Gespräche ein, als sie sprach: "Sie wissen wohl alle, weswegen Sie hier sind."
Ich schluckte und ballte meine rechte Hand stärker zur Faust. Meine Nervosität spannte meine Nerven und es fiel mir schwer, ruhig zu stehen. Hayden, der meine Unbehaglichkeit spürte, sah mich von der Seite aus an und nahm dann stillschweigend meine Hand. Sanft strich er mit dem Daumen über meine Haut, was veranlasste, dass ich mich beruhigte. "Die nächsten sechs Wochen stellen den wichtigsten Teil Ihrer Ausbildung dar. Heute wird Ihnen mitgeteilt, welchen Moroi man Ihnen zugeteilt hat. Die Broschüren diesbezüglich haben Sie bereits vor kurzem erhalten und in der Hoffnung, dass Sie sie alle gelesen haben, werden wir schnell zum Punkt kommen und nur die wesentlichen Regeln wiederholen."
Mit diesen Worten gab sie das Klemmbrett an Stan, der vielen von uns verhasst war. "Also gut, bringen wir's schnell hinter uns. Da Sie alle noch Novizen sind, werden Sie anstatt sieben Tage nur sechs Tage in der Woche Dienst haben. Stellen Sie sich darauf ein, dass man in der wirklichen Welt nicht so zimperlich mit Ihnen umgehen wird. Sie werden dem Ihnen zugeteilten Moroi überall hinfolgen, egal, wie unangenehm Ihnen das auch erscheinen mag. Es ist nicht der Moroi, der Sie in seinen Alltag integrieren muss; Sie müssen den Weg in sein Leben finden. Seien Sie sein unsichtbarer Schatten, wenn er dies wünscht, oder aber sein Freund. Jeder Moroi hält dies anders - und egal, für welche Art er sich entscheiden wird, Sie werden sich dem fügen. Ist das klar?"
Mit dieser Frage ließ er seinen Blick durch die Reihen wandern. Ich wusste, was er in uns sah: Wir alle konnten es kaum erwarten, zu erfahren, welchen Moroi man uns zugeteilt hatte. Es gab mehr von ihnen als von uns und keiner von uns hatte einen Einfluss darauf, was die Wächter als das für uns Beste erachteten.
Nachdem Stan uns alle mit seinem strengen Blick bedacht hatte, fuhr er fort. "Angriffe durch uns Lehrer können zu jeder Zeit geschehen und wann immer dies geschieht, werden wir in Schwarz gekleidet sein. Seien Sie also immer auf der Hut und nehmen Sie die Situation ernst. Wir werden die Strigoi der echten Welt mimen und entsprechend sollten Sie sich auch verhalten. In diesem Moment steht das Leben des Moroi, den Sie beschützen, und Ihr eigenes auf dem Spiel. Dass Sie uns dabei verletzen könnten, ist daher notwendig, also bitte keine falsche Scheu." Er sagte das mit diesem wissenden Unterton, dass manche ihr ehrfürchtiges Schweigen unterbrachen und ein Raunen durch die Sporthalle ging.
"Sie werden an diesen sechs Tagen vierundzwanzig Stunden lang im Dienst sein, aber Sie dürfen bei Tageslicht schlafen, wenn Ihr Moroi das ebenfalls tut. Innerhalb von Gebäuden sind Strigoi-Angriffe im Bereich des Möglichen, also wiegen Sie sich nicht auf der sicheren Seite, nur weil es Tag ist." Aufgrund des Angriffes vor drei Jahren wussten wohl viele von uns, wie Strigoi aussahen und was für eine tödliche Gefahr von ihnen ausging. Ich für meinen Teil wusste nur zu gut, was es bedeutete, sich in Sicherheit zu wiegen. Der Wächter, der unser Gebäude bewacht hatte, wurde von zwei Strigoi überwältigt und getötet, sodass es an uns Schülern gewesen war, uns zu verteidigen. Nie wieder würde ich still stehen und dabei zusehen, wie andere mich verteidigten. Ich würde an erster Front stehen.
Er fuhr fort und erläuterte weitere Details des Praktikums, die ich jedoch bereits auswendig kannte. Also klingte ich mich aus seiner Ansprache aus und konzentrierte mich auf die Wärme, die von Haydens Hand ausging und die immer noch die meine hielt. Vor drei Jahren waren wir einst zu dritt gewesen: Er, Jane und ich. Sie waren ein Paar gewesen, und trotz dessen hatte ich mich nie wie das fünfte Rad am Wagen gefühlt. Sie hatten gewusst, dass es keine Zukunft hatte, doch solange wir an der Akademie waren, sagte niemand etwas zu Liebeleien unter Damphiren.
Ihr Verlust hatte ihn wie mich gleichermaßen getroffen und seitdem sie für immer fort war, verband uns eine ureigene Kraft, die sich nicht recht beschreiben ließ. Es war, als wüsste er noch vor mir, was ich in diesem Moment brauchte. Und egal, was es war, er war bereit, es mir zu geben. Wir lebten wie zwei Magnete, die sich gegenseitig anzogen - bewegte er sich, bewegte ich mich. Unsere Anziehung war stark, doch was wir waren, wusste ich nicht.  Und ich hatte auch kein Bedürfnis danach, es zu definieren.
Nach einer gefühlten Ewigkeit überreichte Stan wieder das Klemmbrett an Alberta. Wir Novizen schienen kollektiv die Luft anzuhalten. "Kommen wir also zum Wesentlichen. Ich werde jetzt Ihre Namen alphabetisch vorlesen und Ihnen mitteilen, welcher Moroi Ihnen zugeteilt worden ist. Wächter Hyde wird Ihnen dann ein Päckchen mit Informationen zu Ihrem Moroi aushändigen, der seinen Stundenplan, seinen Hintergrund und dergleichen erläutert."
Beginnend mit A würde es eine Weile dauern, bis ich aufgerufen wurde. Dies galt allerdings nicht für Hayden. "Hayden Brokehill. Aurica Conta." Als ich rasch zu ihm aufsah, verriet seine Miene nichts. Ohne zu zögern, ließ er meine Hand los und ging nach vorne, um sein Päckchen zu erhalten. Aurica gehörte zu einer der königlichen Familien und war uns beiden gut bekannt. Auch wenn wir nicht direkt mit ihr befreundet waren, so hatten wir regen Kontakt. Sie war eine der wenigen Schülerinnen an der Akademie, die sich die Selbstverteidigung beibringen ließen. Allein dieser Umstand hatte sie in meinem Ansehen um einiges nach oben katapultiert, und obendrein hatte sie eine hohe Meinung von uns Damphiren. Anders als viele andere Royals schien sie uns nicht bloß für Fußvolk zu halten. Ich freute mich, dass Hayden es so glücklich getroffen hatte und hoffte inständig, einen ihrer Freunde zu erwischen, um nicht die nächste Zeit von ihm getrennt zu sein.
Je mehr sich die Reihen mit wartenden Novizen lichtete, umso angespannter wurde ich. Ich wusste, dass Hayden sich mit seinem Päckchen an eine der Wände gelehnt hatte und auf mich wartete, - so hatten wir es abgemacht - und seine bloße Präsenz half mir dabei, mich zu besinnen. Die letzten Wochen über war ich vollkommen ruhig gewesen, sodass ich meinen plötzlichen Anflug von Furcht am ersten Tag des Praktikums nicht deuten konnte. Ich erkannte mich selbst nicht wider - nie zuvor waren mir Selbstzweifel gekommen.
Doch war jetzt nicht die Zeit, ihr auf den Grund zu gehen. "Aviana Yates." Ich straffte mich und fokussierte Alberta.
"Laurean Voda." Der Name hallte in meinem Kopf wider, währenddessen ich rein automatisch nach vorne zu Wächter Hyde hin ging. Mit einer leeren Miene nahm ich ihm das Päckchen ab. Ich wusste nicht, ob ich mich freuen sollte oder nicht. Wie sich die letzten Monate herausgestellt hatte, waren Aurica und Laurean ein Paar. Jedoch war er gänzlich anders als sie; Er war ganz und gar eine ekelhafte Hoheit, zu gut für Nichtkönigliche und erst recht für Damphire. Ich wusste nicht, was sie abgesehen von seinem Äußeren an ihm fand, und ebenso wenig verstand ich, warum er sich auf ein Mädchen einließ, das für eine aktivere Rolle der Moroi in Sachen Verteidigung gegen Strigoi stand, wo er doch niemals einen Finger krümmte.
Aber etwas Positives hatte es: Ich würde vermutlich einen Teil meiner Zeit mit Hayden verbringen können. Und je mehr Schritte ich auf ihn zuging, schien mir das der einzige Lichtblick zu sein, wenn ich mich daran erinnerte, wie das letzte Zusammentreffen von Laurean und mir abgelaufen war.
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