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Endless Death

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Horror / P16 / Het
Armin Castiel Lysander Nathaniel OC (Own Character) Pia
20.10.2017
03.05.2022
71
179.308
6
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
16.02.2019 3.175
 
Hallo, hier meldet sich Nasta an einem Samstag und in der falschen Woche! Wenn ihr die Geburtsdaten der Sweet Amoris Charaktere kennt, wisst ihr schon Bescheid - oder ihr habt einfach den Kapitelnamen gelesen. :'D
Nun auf jeden Fall wünsche ich euch viel Spaß mit diesem kleinen Special, das euch hoffentlich gefallen wird.





Nath und ich lernten uns kennen, da waren wir fünf und ich erst seit zwei Monaten in den USA. Aber seinen ersten Geburtstag bekam ich erst mit sieben mit, denn seinen – und Ambers – sechsten und siebten Geburtstag wollten seine Eltern nicht feiern. Zumindest nicht so, wie man sich einen Kindergeburtstag vorstellte. Bei einem kamen Geschäftspartner von Mr Jacott zu einem Geschäftsessen, beim anderen luden die Eltern Jacott bloß ihre Verwandtschaft ein. Umso aufgeregter waren Amber und Nath, dass sie endlich eine richtige Geburtstagsparty bekamen.
Ich saß also bei meinen Eltern im Auto auf der Rückbank und pendelte mit meinen Beinen gegen den Sitz. Mit meinen Fingernägeln spielte ich an meiner Sitzerhöhung herum.
„Mamaaa…? Wann sind wir daa?“, ich sah nach draußen auf die Straße, während ich auf schwedisch ungeduldig wurde. Unser Auto bewegte sich nicht und meine Mutter auf dem Beifahrersitz drehte sich zu mir um.
Wir stehen im Stau, Mäuschen“, antwortete Mama in der gleichen Sprache, „Und ab jetzt auf englisch, ja? Du weißt doch, wie schwer dir das Wechseln noch fällt.
Ja, Mama“, weiterhin ungeduldig fiel mein Blick auf die zwei Geschenke auf dem Sitz neben mir. Amber bekam eine Stoffpuppe von mir, mit schwarzen Haaren und Fuchsohren, sowie mehreren Schwänzen, eine Kitsune, Nathaniel bekam ein ???-Buch, zusammen mit einem dazugehörigen Hörbuch. Die Idee kam von meinem Vater. Er meinte, Nath wäre ein kluger Junge und Rätseln könnte ihm Spaß machen. Niemand konnte ahnen, dass es eine regelrechte Sucht bei Nathaniel auslösen würde, die über die Jahre immer schlimmer werden würde. Mein siebenjähriges Ich blickte nach draußen. Das Wetter war wie so oft im Februar trüb und obwohl es fast Mittag war, neblig. Um meine Langeweile zu vertreiben, fing ich an ein Lied aus dem Musikunterricht zu summen.

Eine halbe Stunde später stoppte unser Auto vor dem Haus der Jacotts und ich schnallte mich sofort ab, als ich hörte, dass die Kindersicherung sich entriegelt hatte. Ich sprang auf, schnappte mir die zwei Geschenke in der kunterbunten, quergestreiften Papptüte und riss die Autotür auf.
Svea! Vorsichtig!“, Papa musste sich wirklich erschrocken haben, nur das erklärte, dass er in der Öffentlichkeit Deutsch mit mir sprach.
Tschuldigung, Papa!“, ich antwortete in meiner Muttersprache.
Eilig blickte ich am Auto links und recht
s und lief dann über die Straße. Stürmisch klingelte ich an dem Tor zu Nathaniels und Ambers Zuhause und wartete. In der Zeit zog ich den linken meiner Zwillingszöpfe fester. Als ich mich zu meinen Eltern umdrehte, kamen sie gemütlich über die Straße. Aufgeregt hüpfte ich von einen Fuß auf den anderen, meine bunt gesprenkelten Leuchtturnschuhe blinkten vor sich hin und meine Zunge spielte in der Lücke, die mein oberer rechter Milch-Schneidezahn vor ein paar Tagen hinterlassen hatte. Schließlich ertönte das Surren der Freisprechanlage.
„Hier ist Mrs Jacott, wer da?“
„Hallo, Mrs Jacott. Ich bin es, Svea“, ich musste mich auf die Zehenspitzen stellen um in den Kreis aus mehreren kleinen Löchern sprechen zu können.
„Ich lass dich rein, Kleines.“
Das Tor klackte und öffnete sich, meine Eltern traten mit mir durch. Wahrscheinlich wollten sie noch Naths und Ambers Eltern Hallo sagen.
Ich lief vor und erblickte Mrs Jacott in der Tür stehen. Kurz vor ihr kam ich zum Stehen.
Hallo, Svea.“
Ich war verdutzt. Sie sprach Deutsch mit mir. Anscheinend bemerkte sie meine Verwirrung.
„Es ist eine Form der Höflichkeit, jemanden
in seiner Muttersprache zu begrüßen“, erklärte sie mir. Naths und Ambers Mutter war eine stille und distanzierte Persönlichkeit, das bemerkte ich schon als Kind.
„Oh… danke“, ich lächelte sie mit meiner Zahnlücke breit an. Sie nickte und beugte sich dan
n ein Stück zu mir runter.
„Lass lieber nicht zu viel Luft an die Lücke, sonst können da Keime herankommen
und sie entzündet sich.“
Inzwischen wusste ich natürlich, dass das
übertrieben war, aber damals glaubte ich ihr und schloss meine Lippen. Wahrscheinlich mochte sie nur den Anblick nicht. Sie musterte mich und griff dann nach meinem linken Zopf, zog mir das Haargummi mit grünen Kugeln aus meinen Haaren und machte ihn neu.
„Er saß tiefer als der rechte Zopf“, Naths Mutter richtete sich wieder auf, als meine
Eltern an der Tür ankamen.
Sie machte einen Schr
itt zur Seite und deutete mir mit einer Handbewegung an, nach drinnen zu gehen. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und sauste an ihr vorbei, rief meinen Eltern ein halbherziges „Bis heute Abend“ zu. Dass meine Eltern noch kurz mit Mrs Jacott sprachen, bekam ich gar nicht richtig mit.
Hastig schlüpfte ich aus meinen Schuhen und meiner gefütterten Jeansjacke, eilte um die Ecke des Flures in Richtung Wohnzimmer. Dort erblickte ich zwei Trauben von etwa gleichaltrigen Kindern. Einmal ein Haufen Mädchen bei Amber und dann die Jungs bei Nath. Damals fiel mir gar nicht auf, dass ich das einzige Mädchen war, dass eine blaue Einladungskarte erhalten hatte.
Hallo, alle!“, rief ich in die Gruppe.
Die Köpfe drehten sich zu mir und es wurde gewunken und gegrinst. Amber und Nath traten etwas aus ihren Grüppchen hervor. Ich hopste regelrecht näher an sie.
„Hallo, Svea!“, Amber lächelte.
Da bist du ja endlich!“, Nath verschränkte die Arme.
„Bist du... unglücklich?“, mir fiel kein passenderes Wort auf
Englisch ein.
„Nein, unzufrieden! Du meintest du wärest früher hier!“, er kratzte sich an dem Pflaster, das er seit einer Rauferei ein paar Tage zuvor an der Wange kleben hatte.
Tschuldigung, Nad. Stau“, ich bekam das Th zu dem Zeitpunkt nicht über meine Lippen, griff also einfach zum D.
Er verdrehte die Augen.
„Das heißt
Nath! Ob du das nochmal auf die Reihe bekommst?“
Ich streckte ihm die Zunge raus.
Du kannst kein Ü!“
Nathaniel brummte, was ich zum Anlass nahm
in der Papptüte zu wühlen und die beiden Geschenke herauszuholen. Die Tüte ließ ich einfach fallen und hielt beiden ihre Geschenke hin.
Herzlichen Glückwunsch!“, ich grinste über beide Ohren.
Die Zwillinge sahen sich kurz an und dann kratzte sich Amber unsicher an der Nase. Sie deutete in Richtung Küche.
„Du solltest sie auf den Tisch legen.“
Die anderen Mädchen riefen wieder nach ihr und sie eilte zu ihnen.
„Wir dürfen sie noch nicht öffnen. Erst später“, Nath sah mich augenscheinlich genervt an,„Komm!“
Er ging vor in die Küche.
Ich folgte ihm und war überrascht, dass ich Mr Jacott nicht vorfand. Im Wohnzimmer war er auch nicht.
„Vater ist in seinem Arbeitszimmer
und arbeitet“, er sah mich mit einem undefinierbaren Blick an.
„Okay…“, es war mir eigentlich ganz recht. Naths Vater machte mir Angst.
Ich legte die Geschenke auf den Küchentisch und ging dann wieder mit Nath zurück. Ich hopste neben ihm her und im Wohnzimmer überkam mich das Bedürfnis, ihn zu umarmen. Was ich auch tat. Im Kindergarten und der Elementary School war ich ihm gegenüber sehr anhänglich. Also schlang ich meine Arme um ihn und drückte mich an ihn.
„Sveaaa!“, er wehrte sich zaghaft.
„Alles Gute zum Geburtstag, Nad!“
Lachend ließ ich ihn wieder los und erblickte bei ihm ein rotes Gesicht.
„Du bist peinlich! Die ganzen Jungs aus unserer Klasse sind hier!“
Allgemeines Lachen der anderen Kinder ertönte. Nathaniel drehte sich zu ihnen, sah sie böse an und dann mich.
„Du bist blöd! Immer blamier
st du mich!“, dann stapfte er davon.
Baff blieb ich stehen, wischte mir über die Augen, die sich mit Tränen füllten. Er konnte so gemein sein und ich war in dem Alter sehr nah am Wasser gebaut. Allein stand ich im großen Wohnzimmer, die anderen Kinder ein ganzes Stück entfernt.
Svea, was machst denn du denn alleine hier? Kümmert mein Sohn sich nicht richtig um seine Gäste?“, Mrs Jacott stand plötzlich neben mir.
Ich hatte nicht genug auf ihre englischen Worte geachtet.
„Können Sie das wiederholen? Ich hab Sie nicht verstanden“, ich sah zu der schlanken Frau hoch. Sie war so hübsch… und groß.
Ihre Präsenz schüchterte mich immer etwas ein, obwohl sie eigentlich nett zu mir war.
„Bitte entschuldige, hab ich undeutlich oder zu schnell gesprochen?“, sie lächelte minimal.
Ich schüttelte den Kopf.
Ich war in Gedanken, Mrs Jacott. Aber danke für Ihre Rücksicht.
Nun, ich hab dich gefragt, ob Nath sich nicht richtig um dich kümmert.“
Ich wusste, wenn ich ihr sagen würde, dass Nath gemein zu mir war, würde sie es seinem Vater erzählen. Mr Jacott war sehr streng zu Nathaniel –
er schrie ihn oft wegen allem Möglichen an. Also schüttelte ich den Kopf.
„Ich bin mit der Menge Englisch überfordert.“
Mrs Jacott stutzte und lächelte dann.
„Das wird schon, Liebes.“

Kurz darauf saßen wir alle an dem Küchentisch. Vor uns standen zwei prächtige Torten, die aussahen, als hätte ein Profi sie gemacht. Ambers Torte war Quietschpink, Nathaniels Marineblau. Ich trug zwar ein pink-grün gestreiftes Kleid, aber ich wollte von der blauen Torte essen. Ich war ja Nathaniels Gast und sehr stolz darauf.
Happy Birdsday to you, happy Birdsday to you, happy Birdsday, dear Nadaniel and Amber, happy Birdsday to you!“, wir sangen alle, aber meine Aussprachefehler hörte man deutlich heraus, was mich traurig machte.
Irgendwie gehörte ich wohl nicht dazu – oder zumindest fühlte ich mich damals so –
als einziges Kind hier, dessen Muttersprache nicht Englisch war.
Amber durfte ihre Kerzen zuerst auspusten. Ich war verwirrt. Nath war doch älter als sie? Schließlich blies Nathaniel seine aus und wir klatschten so, wie wir es schon bei Amber getan hatten. Er grinste breit und lie
ß sich feiern. Ich bemerkte, wie sein Lachen erstarb als er mich ansah. Hatte ich was falsch gemacht? Oder sah er, dass ich etwas geweint hatte? Mrs Jacott schnitt die Torten an und verteilte die Stücke. Jeder wurde gefragt ob er Blau oder Pink wollte, aber jedes der anderen Kinder hielt sich an das Rollenklischee. Schließlich fehlten nur noch ich und drei Mädchen aus einer anderen Klasse, die ich nicht wirklich kannte.
„Bitte sehr, Svea“, Mrs Jacott hielt mir ein Stück pinke Torte hin.
„Darf ich ein blaues haben?“, ich sah zu Naths Mutter, dessen Blick zu dem… leeren Tortenteller huschte.
„Tut mir leid, Liebes, d
ie ist schon weg.“
Oh, okay“, ich konnte meine Enttäuschung nicht verbergen.
Mrs Jacott verteilte die restliche Torte und ich zupfte an meiner weißen Strumpfhose, blickte nach unten. Ich war doch Naths Gast, wieso war ich dann so abgekapselt von ihm?
Ich saß regelrecht am anderen Ende des Tisches zwischen Ambers Freundinnen eingequetscht. Dabei wollte ich vor allem mit ihm spielen und Zeit verbringen, auch wenn ich Amber mochte. Ich rieb mir wieder die Augen und als ich den Kopf hob… hatte ich einen Teller mit blauer Torte vor mir. Überrascht sah ich in die Runde. Li hatte plötzlich zwei Stücke Torte und… Naths Teller war leer – aber ich sah pinke Buttercreme am Porzellan kleben. Als er bemerkte, dass ich ihn ansah, lächelte er kurz, drehte den Kopf dann aber weg. Jetzt wieder glücklich, genoss ich mein Stück Torte, das Nath mir extra überlassen hatte. Obwohl Nath so lieb war und es mir gab, schmeckte die Torte mir nicht so gut, wie Mamas Prinzessinnenkuchen oder Kladdkaka*. Trotzdem aß ich sie gerne, schielte immer wieder zu meinem besten Freund. Immer wieder lächelte er mich für Sekundenbruchteile an, bevor er wegsah. Mein Herz hüpfte fröhlich in meiner Brust. Ich glaubte, damals war ich etwas verguckt in meinen besten Freund. Aber was bedeutete das schon bei einer Siebenjährigen? Die verliebten sich doch andauernd in irgendwen und irgendwas.

Nach dem Essen ging es dann ans Geschenke auspacken. Von seinen Eltern bekam Nathaniel unter anderem ein Fahrrad, das echt cool aussah. Jeder wollte es bewundern. Ambers hingegen war rosa mit Glitzerbändern und Körbchen. Sie freute sich sehr über die Puppe, die ich ihr schenkte und umarmte mich fest, Nathaniel sah das Buch weniger begeistert an.
„Wehe, es ist langweilig!“, er
zog eine Flunsch.
Ich schüttelte grinsend den Kopf. Das hieß für mich, dass er es zumindest lesen würde.
„Das ist wirklich spannend! Und wenn du das nicht lesen magst, kannst du dir ja das Hörbuch anhören!“, ich klebte wieder an seiner Seite.
„Okay, danke…, Sveezy“, er lächelte. So war mein Spitzname geboren.
Kurz darauf erschien ein Zauberer und führte uns eine Show vor, der wir alle begeistert folgten. Ich saß direkt neben ihm und wir grinsten uns immer wieder gegenseitig an.
Als es dann darum ging, die Spielzeuge auch zu testen, ließ Nath niemanden auf seinem neuen Fahrrad fahren. Auf den Gepäckträger durften wir uns nicht setzen.
„Zu gefährlich“, waren die Worte von Mrs Jacott, was ja auch stimmte. Als Kinder sahen wir das natürlich nicht.
Nathaniel verweigerte jedem das Fahrrad und fuhr selbst jauchzend quer durch den Garten. Selbst Castiel hatte er es verboten, der jetzt mit den anderen Jungs begeistert das ferngesteuert
e Auto bewunderte. Mich interessierten weder das Auto, noch Ambers selbstlaufendes Barbiepferd. Also versuchte ich auch einmal mein Glück bei Nathaniel und dem Fahrrad.
„Nad!“, ich sprach laut, damit er stoppte, was er auch tat, „Darf ich einmal? Ich bin doch deine beste Freundin!“
Ich war so neugierig auf dieses Fahrrad.
Besonders, weil es seines war.
„Nein“, war Naths Antwort, aber er sprach weiter, „Es ist dir zu groß.“
Das stimmte.
„Okay…“, ich wand mich schon halb ab, da sah ich, wie Nath seine Mutter dabei beobachtete, wie sie kurz
hineinging – wahrscheinlich um etwas zu trinken für uns zu holen.
Eilig sah er dann mich an.
„Los! Spring auf!“
Ich war verwirrt.
„Los! Bevor sie zurückkommt, nehm ich dich eine Runde mit!“
Grinsend und ohne zu zögern, setzte ich mich bei ihm hinten aufs Rad und streckte meine Beine weg von den Speichen, hielt mich am oberen Ende des Gepäckträgers fest.
Vor Freude quietschend und lachend fuhr ich bei ihm mit, meine Zöpfe wehten im Wind hin und her. Ich hörte auch ihn Lachen und alles, was an dem Tag vielleicht schiefgelaufen war, war vergessen.
„Halt dich gut fest, Sveezy! Ich werd schneller!“, rief er
und trat fester in die Pedale.
Ich quiekte vergnügt bis… die wütende Stimme von Mrs Jacott Nath erschreckte, er den Lenker zur Seite riss und das Fahrrad mit uns polternd umfiel. Ich schrie voller Schmerzen auf, fing an zu weinen. Die Köpfe drehten sich in unsere Richtung und Nathaniels Mutter kam angelaufen. Er warf das Fahrrad auf die andere Seite, zog es somit von mir runter. Weinend setzte ich mich auf, fasste an die so sehr schmerzende Stelle an meinem inneren linken Knöchel. Ich spürte meine Haut anstelle der Strumpfhose und etwas Feuchtes in Richtung meiner Füße laufen. Als ich hinunterschaute und das Blut sah, wurde mein Weinen noch lauter.
„Nathaniel Frank Jacott! Ich sagte dir, dass das gefährlich ist!“,
Mrs Jacott klang wütend und hockte sich zu mir hinunter.
„Ruhig, Svea. Ich schau mir deine Wunde einmal an, ja?“,
zu mir sprach sie jedoch sanft.
Ich nickte schwach und rieb mir immer noch weinend die Augen. Ihre warmen Hände spürte ich schmerzhaft an der Wunde.
„Warte hier mit ihr!“, sie sah Nathaniel böse an.
Er nickte schwach und kniete sich neben mich.
„Tut mir leid, Sveezy. Das ist meine Schuld.“
„Nicht schlimm“, presste ich zwischen meinem Schluchzen hervor.
Ich gab Nath keine Schuld. Die Tränen stoppten nicht. Die anderen Kinder waren zwar auch direkt bei uns, ich spürte lauter Hände an meinen Schultern und hörte viele „Arme Svea!“, „Tut es sehr weh?“ und „Nicht weinen!“.
A
ber ich erinnerte mich nicht, wer jetzt was sagte oder machte. Nur, dass Nath tröstend meine Hand hielt, wusste ich noch.
Er flüsterte mir etwas zu, wohl in der Absicht mich zu trösten: „Und du bist auch überhaupt nicht peinlich.“
Kurz darauf kehrte Mrs Jacott in Begleitung ihres Mannes zurück, der mich wortlos hochhob und in die Küche trug, wo er mich auf einem Stuhl absetzte. Nathaniel folgte seinen Vater, zog aber regelrecht den Kopf vor ihm ein. Doch sein Vater bemerkte ihn natürlich trotzdem.
Er brüllte und schimpfte ihn an, wie Nath nur so unverantwortlich sein konnte und dass es ein klares Verbot gegeben hatte! Mr Jacott machte mir, während seine Frau meiner Strumpfhose das Bein abschnitt,
um an meinen Knöchel zu kommen und mir den Schuh auszog, mehr Angst als das Blut.
Nathaniel stammelte Erklärungen. Sein Vater brüllte weiter, dass diese ihm egal seien. Mrs Jacott reinigte vorsichtig meine Wunde und wickelte einen einfachen Verband um sie. Dann griff sie zum Telefon und telefonierte mit meinen Eltern, erklärte ihnen, was passiert war. Dann legte sie auf.
„Deine Eltern holen dich gleich ab und fahren mit dir einmal zu Arzt“, sie lächelte mir zu, „Nur um zu überprüfen, ob alles okay ist.“
Ich nickte und schniefte.
„Darf ich mitfahren?“, presste Nathaniel leise hervor. Sein Vater wollte schon wi
eder anfangen zu brüllen, als ein Blick seiner Frau ihn stoppte.
„Lass ihn mit. Dann sieht er, was er angestellt hat.“
Sie entfernte sich mit ihm ein Stück und flüsterte. Nathaniel stand stumm an meiner Seite.

Kurz darauf kamen meine Eltern an. Mein Vater hob mich auf seine Arme, flüsterte sanft auf Deutsch auf mich ein, während meine Mutter mit Mrs Jacott sprach. Papa trug mich zum Auto und setzte mich auf meine Erhöhung, schnallte mich an. Nur Sekunden später kam Mama mit Nathaniel im Schlepptau dazu. Sie trug seine Sitzerhöhung unterm Arm und befestigte sie neben meiner. Sie strich mir beruhigend über den Kopf, richtete meine Zöpfe liebevoll und gab mir einen Kuss auf die Stirn.
Alles wird gut, Engelchen.
Ich genoss es, ihr vertrautes und sanftes Schwedisch zu hören. Als sie die Rückbank verlassen hatte, krabbelte Nath ins Auto und setzte sich. Er schnallte sich an und ergriff dann meine Hand.
Während der Stunde, die wir wegen des Wochenendverkehrs zum Krankenhaus brauchten, ließ er sie auch nicht mehr los. Auch nicht, als ich während dieser Zeit vor Erschöpfung einschlief.
In der Notaufnahme angekommen, meldete meine Mutter uns an und mein Vater trug mich ins Wartezimmer. Es war proppenvoll und er konnte sich ein Seufzen nicht verkneifen.
Wir warteten Stunden, bis ich endlich an der Reihe war. Mein Knochen lag ein wenig frei, der Knöchel war verstaucht und es würde eine Narbe bleiben, aber trotz der Schmerzen hatte ich an diesem Tag am meisten Spaß, als ich mit Nath im Wartezimmer saß und er mir einen blöden Witz nach dem anderen erzählte, Fratzen zog und mich besser aufheiterte, als es sonst jemande
m möglich war. Auch als ich nach der Behandlung mit meinen Eltern und Nathaniel bei McDonalds saß, einen Verband trug und Schmerzmittel intus hatte, lachte ich Tränen. Dank dieser Erfahrung war uns beiden eines klar: unsere Freundschaft war unerschütterlich – und ich nicht peinlich.



* Kladdkaka ist ein schwedischer Schokoladenkuchen, der wörtlich übersetzt so etwas wie Klebe- oder Schmierkuchen heißt und noch einen Schokokern hat.




Dieses Kapitel wurde Ihnen präsentiert von: @Nastalia
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