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Endless Death

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Horror / P16 / Het
Armin Castiel Lysander Nathaniel OC (Own Character) Pia
20.10.2017
03.05.2022
71
179.308
6
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08.02.2019 2.743
 
Ich sah Kyra noch bei ihrem halsbrecherischen Stunt hinterher, als sie zurück zur Schule fuhr, bevor meine Aufmerksamkeit dem Gammelfleisch auf Beinen galt. Ich eilte den anderen zu Hilfe, die von einigen Zombies drangsaliert wurden – also trat ich einige Male beherzt zu. Wir alle zusammen bekamen die Fleischhaufen dann schließlich unter Kontrolle, was bedeutete, dass diese endgültig tot auf dem Boden lagen und deren Gehirnsuppe aus ihren malträtierten Köpfen floss. Erst dann sahen einige von uns um die naheliegende Ecke, ich eingeschlossen. Vom Militär war nichts mehr zu sehen, ich erkannte aber eine Menge Einschusslöcher überall. In den Straßen, Hauswänden, Bäumen… einfach überall. Aus der Entfernung meinte ich noch Schüsse zu hören, aber vielleicht bildete ich mir das in der Aufregung auch ein. Wobei nein – das war die brutale Realität. Genauso wie die Tatsache, dass Kentin tot war. Erschossen vom Militär, dem er so sehr vertraute. Wie bitter, aber wir hatten gerade keine Zeit zum Trauern. Ich konnte seine Leiche von hier nicht sehen, aber der kurze Augenblick, in dem ich seinen Körper auf der Straße liegen sah, hatte sich in mein Gehirn gebrannt. Es hatte sich so schnell eine Pfütze aus Blut unter ihm gebildet – und sein leerer Blick vor meinem inneren Auge ließ mich erschaudern.
„Und?“, es war Rosalias Stimme, glaubte ich. Ich war so vollgepumpt mit Adrenalin, dass ich mir nicht sicher war.
„Sie sind weg“, ich drehte mich zu den anderen um. Tatsächlich, es stand Rosa neben mir.
Die Kinder weinten leise und das machte mich unruhig. Damit konnte ich nicht umgehen, es verunsicherte mich. Zum Glück kümmerte sich Isabelle um Sarah und Josh, während Pia Devi im Arm hatte.
„Wir sollten nicht hier bleiben“, kam es von John, „Vielleicht fangen sie an, hier zu patrouillieren.“
„Wo sollten wir denn hin? Wir sind viel zu viele für das Auto“, Leigh grübelte.
Zumindest in meinen Augen sahen alle aufgewühlt und ratlos aus.
„Die Kinder müssen auf jeden Fall ins Auto“, John sah die weinenden Knirpse besorgt an, „Ich fahre. Isabelle, steig bitte auch ein, die Kinder vertrauen dir.“
„Pia sollte auch mitfahren. Devi ist schließlich ihre Schwester“, Viola erhob leise ihre Stimme.
„Die Kinder sind allein zu klein für die Sitze. Jemand muss sie sowieso auf den Schoß nehmen“, Patricia hielt Laetis Hand. Ich schätzte, sie wollte auf keinen Fall von ihrer Tochter getrennt werden.
„Ich begleite Devi auf jeden Fall!“, Pia drückte ihre Schwester an sich.
„Ehrlich gesagt, wäre ich ungern von meinen Kindern getrennt“, erwiderte Isabelle.
„Thomas kommt auf jeden Fall ins Auto, er ist auch zu jung“, kam es von Melody, die sich bisher im Hintergrund gehalten hatte.
„Aber ich bin sehr reif für mein Alter, denkt ihr nicht?“, kam es von dem rothaarigen Jungen.
„Das stimmt, Thomas. Das bezweifelt auch keiner. Aber hier geht es eher um die körperliche Stärke“, Lysander schmunzelte ihn an.
„Svea ist kleiner als ich“, erwiderte er und sah mich an. Ja, ich war wenige Zentimeter kleiner als der Dreizehnjährige.
„Sie kann aber Karate, du nicht“, kam es von Rosa.
Im Gesicht des Jungen wurde die Einsicht deutlich.
„Na gut.“
„Wir sollten Familien nicht auseinander reißen. Iris, steig du noch ins Auto zu deiner Mutter und deinem Bruder“, Leigh sah sie ruhig an.
Meine rothaarige Klassenkameradin hatte verweinte Augen, nickte aber.
„Okay…“
„Der Rest muss wohl laufen, schätze ich“, kam es von John, der bereits alle Autotüren öffnete und die ausgewählten Personen hineinbat, „Aber wir sollten unbedingt zusammenbleiben!“
„Wohin sollen wir? Hier ist es ja überall ultra eklig! Und wo ist Aaammber?!“, Li betrachtete angewidert einen Kadaver der Zombies. Dem Mann hing ein Auge nur noch an einem einzelnen Strang aus der Augenhöhle.
„Amber sitzt im anderen Auto“, ich sah sie an.
„Wir sollten wirklich los!“, John wurde ungeduldig.
„Ja, wohin denn?!“, kam es von Peggy und Carla.
Es kam ein Chaos auf und es bahnte sich ein Streit an. Das durfte doch nicht wahr sein…
„Leute, Ruhe!“, niemand hörte mich.
„Leute! Ruhe jetzt!“, ich wurde einige Male weiter ignoriert, „Leute! Fresse halten!
Es wurde erst jetzt still und dass, obwohl die meisten meine deutsche Aufforderung wohl nicht verstanden haben werden. Ich war wütend. Wir hatten keine Zeit für den Scheiß! Die Situation war
todernst und ich musste erst laut werden, damit sie ihre verdammten Klappen hielten!
„Es ist egal, wohin wir gehen, Hauptsache weg!“, ich deute
te in Richtung der nächsten Straße, „Den Rest können wir regeln, wenn wir nicht mehr Gefahr laufen, wie Vieh erschossen zu werden und vorübergehend ein halbwegs sicheres Versteck gefunden haben!“
„Svea hat Recht, auch wenn ich es vielleicht etwas mitfühlender ausgedrückt hätte“, Lysander sah in Richtung der im Auto sitzenden Kinder, die wieder zu weinen begonnen hatten. Ups… war das meine Schuld? Oder die vom Streit? Wie auch immer, wir mussten uns beeilen!
„Ein paar sollten vor dem Auto gehen und die Ecken absichern, ob da Untote oder das Militär sind“, kam es von John.
Ich hob bereitwillig meine Hand. Leigh ebenfalls gemeinsam mit Rosalia, die wütend aussah, so wie sie guckte. Sie beide hatten
wie noch Lysander jeweils einen Baseballschläger in der Hand. Die anderen, die keine Schläger hatten, waren mit dicken Ästen bewaffnet, die wohl der kürzliche Sturm von den Bäumen gebrochen hatte.
„Wir passen hier am und hinterm Auto auf“, Lysander sah ebenfalls zorniger aus, als ich ihn jemals gesehen hatte.
Rosa, Leigh und ich gingen vor, bevor John das Auto auf Schrittgeschwindigkeit losfahren ließ. Ich war
angespannt, meine Konzentration messerscharf, erneut hatte ich diesen Tunnelblick, der alles Unwichtige ausblendete. Mein Puls wurde ruhig, ich atmete langsam. Es zählte nur, diese Menschen hier zu beschützen und Gefahren frühzeitig zu erkennen.

Die nächste
n zwei Stunden schlichen wir mitsamt dem Auto durch die Straßen, mussten uns mehrmals kleineren Gruppen Zombies stellen und uns in engen Gassen vor patrouillierenden Militärfahrzeugen verstecken. Ich hörte jedes Mal das Blut in meinen Ohren rauschen, wenn wir alle hinter dem Auto in einer Gasse hockten und jeder seinen Kopf einzog, damit die Männer und vereinzelten Frauen in Camouflage uns nicht bemerkten. Nicht nur einmal hörte ich unterdrücktes Schluchzen neben mir – immer von einer anderen Person. Ich musste mich zusammenreißen, auch wenn mir selbst zum Heulen war.
Wir fanden schließlich ein verlassenes Restaurant mit vernagelten Fenstern, das wohl schon vor dem Ausbruch der Apokalypse geschlossen war. Auf dem Hinterhof konnten wir das Auto unauffällig verstecken. Also saßen wir nun alle im Staub des leergeräumten Lokals und hielten die Köpfe unten, weil wir alle Angst hatten, dass man uns vielleicht durch Schlitze zwischen den Holzbalken sehen k
önnte.
„Was machen wir jetzt?“, kam es leise von Viola, deren Augen rot und geschwollen waren. Aber ihre Stimme war erstaunlich gefasst, sie bewies mehr Stärke, als ich ihr zugetraut hatte. Ich hatte
sie eindeutig unterschätzt.
„Hier können wir
zumindest nicht bleiben“, Lysander saß in der Ecke neben dem Fenster nicht weit weg von mir.
Mein Blick wanderte durch den Raum. Die Kinder schmiegten sich an Isabelle und Pia, weinten aber nicht mehr. Ich bezweifelte aber, dass es ihnen dadurch besser ging. Jetzt, wo mein Adrenalin sich langsam abbaute, kamen in meinen Kopf Gedanken auf, die ich lieber nicht hätte. Ging es Nath gut? Kyra, Castiel, denen im anderen Auto? Flip? Oh, ich machte mir höllische Sorgen um meinen
kleinen Husky, der schon lange nicht mehr so klein war. Er war ein so sensibler Hund und laute Geräusche hatten ihm schon immer Angst gemacht. Wie sollten wir sie alle nur jemals wiederfinden? Würde ich Flip und Nath je wiedersehen? Mein Magen zog sich zusammen, mein Herz schmerzte und meine Augen wurden feucht. Ich zog meine Beine enger an mich und legte meine Stirn auf meinen Knien ab. Alles an mir stank nach dem Tod, zumindest hatte ich nur diesen Geruch in der Nase. Diesen und Staub, mehr roch ich aktuell nicht. Ich würde töten um jetzt an Flips Öhrchen und Pfötchen riechen zu können, die einfach immer so wundervoll dufteten, wie sie es schon taten, als er noch ein kleiner, tapsiger Welpe war. Okay, töten tat ich aktuell sowieso genug. Ich fühlte mich jämmerlich und wie ein… Haufen Scheiße. So dreckig hatte ich mich das letzte mal gefühlt, als mein Ex mir unterbreitete, dass er mich für eine Wette verarscht und entjungfert hatte – kein Mann bei Verstand würde schließlich mich Oberweiten- und Hinternlose je anziehend finden. Nur… hatte ich zu diesem Zeitpunkt Flip und Nath gehabt, die mir beistanden – und jetzt musste ich befürchten sie nie wiederzusehen. Wüsste ich, dass sie lebten, wir uns aber nicht mehr begegnen konnten, würde ich das noch verkraften, aber diese Unwissenheit, ob sie lebten oder… tot waren, zerfraß mein Inneres förmlich. Schließlich kullerten doch ein paar salzige Tränen bei mir.
„Hatte diese Blonde nicht davon gesprochen, dass ihr Zuhause echt sicher sei?“, es legten sich eigentlich alle Blicke auf Thomas.
„Amber, ja“, murmelte Iris, „Aber wir wissen nicht, wo die Jacotts wohnen.“
Mein Kopf hob sich ruckartig. In mir keimte so etwas wie Hoffnung auf.
„Li und ich wissen es! Wir waren doch beide schon zig mal dort!“
„Echt?“, John sah sowohl mich, als auch Ambers beste Freundin an.
„Klar, ich bin schon eeeewig mit Amber befreundet.“
Ich unterdrückte es, die Augen zu verdrehen.
„Ich kenne die beiden von klein auf und sie haben schon immer dort gewohnt“, ich bekam langsam Kopfschmerzen, als Ernüchterung sich in mir breitmachte, „Aber es ist am anderen Ende der Stadt.“
Es ging ein enttäuschtes Stöhnen durch die Runde.
„Aber eine bessere Möglichkeit haben wir nicht“, Lysander sah mich an, „Du kannst doch sicherlich beurteilen, wie gut das Haus gesichert ist.“
„Es ist verdammt
sicher, mit Überwachungskameras und allem Möglichen. Hohe Wände außen herum, ein massives Tor, durch das man nicht schauen kann, es steht nicht mitten in der Innenstadt, eher im ruhigeren Randgebiet von Boston.“
„Im Reichenviertel, wenn man es genau nimmt“, Li hob die Nase, als wäre das
für sie ein Grund stolz zu sein.
Dabei
war das nicht einmal ihr Zuhause. Und selbst wenn – es war keine Leistung, reiche Eltern zu haben. Nath hätte eindeutig lieber durchschnittliche gehabt. Ich bekam Magenschmerzen, wenn ich daran dachte, wer in diesem Haus war. Diesen Mann wollte ich eigentlich nie wieder sehen und jetzt mussten wir bald wohl auf seine Gnade hoffen. Dabei war Frank Jacott auch nicht sonderlich gut auf mich zu sprechen – kein Wunder, ich hatte ihm das Jugendamt auf den Hals gehetzt – zu Recht – und ich würde es immer wieder tun. Ich zuckte kurz erschrocken auf, als ich Lysander neben mir bemerkte. Erst jetzt wurde mir wieder bewusst, dass er ja davon wusste, wie es um Nathaniels Familiensituation stand. Armin war damals krank gewesen als ich herausfand, dass Naths Vater ihn schlug und Lysander hatte ich danach am meisten vertraut. Auch wenn Lys und ich nie viel miteinander sprachen, hatten wir uns doch immer ganz gut verstanden. Ich hatte mich ihm anvertraut und er hatte mich dabei bestärkt, meinen Entschluss, das Jugendamt zu kontaktieren, durchzuziehen. Er stand damals mit mir zusammen in der hintersten Ecke des Schulhofes und leistete mir emotionalen Beistand, als ich die Nummer des Jugendschutzes wählte. Er wusste, dass ich diesen Mann zutiefst verabscheute. Lys wusste, was für ein Monster Nathaniels Vater war. Castiel auch, aber der war nicht hier – und Li? Ich war mir nicht sicher, ob Amber ihr so etwas erzählen würde. Ich bezweifelte es – und interessieren würde es sie wohl auch nicht.
„Sicher, dass du da hin willst?“, flüsterte mir der Weißhaarige zu. Ich wand ihm langsam mein Gesicht zu. Um uns herum diskutierten alle.
„Es geht nicht um mich, Lys. Es geht um die Leben dieser Menschen hier“, ich sah ihn an. Mir war bewusst, dass ich feuchte Augen hatte und man das sicherlich gut sah, „Amber wird die andere Autogruppe bestimmt auch dazu bringen, zu ihr nach
Hause zu fahren und Nath wird es wohl zähneknirschend auch einfallen, wenn er denn… lebt. Nur bei Kyra mache ich mir Gedanken. Sie kann nicht wissen, wo das ist.“
Lysander sah mich vielsagend an. Er machte sich sicherlich genauso schlimme Sorgen um Castiel und Kyra, wie ich um Nath und Flip.
„Es geht ihnen bestimmt gut, Svea. Ich muss einfach d
aran glauben. Du darfst die Hoffnung nicht aufgeben, du musst ihnen unbedingt vertrauen.“
Ich nickte schwach. Lysanders Optimismus war einfach bewundernswert.

Alle zusammen hatten sich darauf geeinigt, zum Haus der Jacotts zu gehen. Ich haderte noch mit mir, ob ich ihnen erzählen sollte, dass Mr Jacott nicht der netteste Zeitgenosse war. Wir aßen alle noch ein paar Cracker aus dem Kofferraum des Autos und tranken etwas Wasser, bis wir uns wieder vorsichtig auf die Straßen wagten. Leigh und Rosa blieben nun hinten beim Auto und passten dort auf, vorne gesellten sich Lysander und überraschenderweise auch Viola zu mir.
Sie erklärte mir, dass die Zombies sie inzwischen fürchterlich wütend machten. Ich konnte sie gut verstehen. In mir sammelte sich auch ein
Zorn, den ich nur dank der Disziplin, die ich durch das Kampftraining hatte, kontrollieren konnte. In Schritttempo durch die Stadt und dabei Zombiegruppen und Militärfahrzeugen auszuweichen war schwieriger als einen Sack Flöhe zu dressieren. Wir liefen wahrscheinlich etliche Kilometer, Meilen – was auch immer – mehr, als wir normalerweise müssten. Aber wir konnten nicht mit Ästen, Baseballschlägern und einer einzelnen Schusswaffe bewaffnet gegen über zwanzig Untote kämpfen, geschweige denn hatten wir eine Chance gegen ausgebildete Soldaten. Kentin war tot, dass war schon viel zu viel. Es durften nicht noch mehr sterben. Nicht heute und auch in Zukunft nicht. Die Stunden zogen sich wie Kaugummi, es passierte nicht viel und doch waren alle Nerven zum Reißen gespannt. Je weiter wir das Zentrum Bostons verließen, desto weniger Zombies und Soldaten bildeten eine Gefahr für uns. Irgendwann am Nachmittag wurde es dann schließlich langsam dunkel und Regen setzte ein. Erneut suchten wir Schutz in einem leerstehenden Haus. Dieses Mal war es aber keine alte Pizzeria, sondern ein Wohnhaus. Es war leer, die Bewohner hatten es wohl überstürzt verlassen – oder es wurde geplündert. Jedenfalls lagen überall leere Schubladen herum. Essen gab es keins mehr und nur noch völlig nutzlose Kleidung hing in den Schränken. Ein Abendkleid war nicht das, was wir in einer Apokalypse brauchen konnten, aber als die Kinder dann endlich eingeschlafen waren, deckten wir sie mit den Wolldecken aus dem Kofferraum zu und legten sie aneinander gekuschelt auf das Sofa. Sämtliche Fenster hatten wir verhangen und jede einzelne Tür versperrt. Es war düster im gesamten Haus und draußen prasselte der strömende Regen. Wir saßen alle beisammen im Wohnzimmer. Einige waren wie die Kleinsten schon eingeschlafen, wie Iris, die ihren Kopf auf die Schulter ihrer Mutter gelegt hatte. Thomas hielt die Hand seiner Mutter und schien auch bereits zu schlafen. Aber auch Viola neben mir war bereits im Land der Träume, lehnte dabei an der Seitenwand der Couch. Melody murmelte mit Carla, Li und Peggy, John sprach leise mit Lysander und Leigh. Der Schwarzhaarige hatte seinen Arm um Rosalia gelegt, die sich ohne zu schlafen an ihn lehnte. Patricia und Laeti schliefen ebenfalls Arm in Arm an das Sofa gelehnt. Ich saß mit angezogenen Knien dort und versuchte, das Geschehene zu realisieren. Durch einen reinen Zufall hatte ich wenige meiner Habseligkeiten dabei. Mein Collegeblock, meine Federtasche, mein Buch, das Familienfoto und Wechselkleidung für zwei Tage. Mehr besaß ich nicht mehr. Der Rest – und war er noch so nützlich gewesen – war unwiederbringlich weg. Ich hatte keine Kraft, alles was heute passiert war aufzuschreiben. Es fühlte sich so surreal an und dann doch so brutal real. Ich hatte die Gewissheit, dass unsere Leben nun besonders barbarisch sein würden. Die Apokalypse war absolut real.
Ich ging noch einmal zur Toilette, stellte fest, dass ich keinen einzigen Tropfen Blut verloren hatte, bevor ich an Violas Seite zurückkehrte. Mit einer schrecklichen Angst und Sorge um Nath, Flip
und die anderen schlief ich irgendwann mit tränennassen Augen ein. Ich hatte still und heimlich einige Träne vergossen. Mein Schlaf war unruhig und leicht, es kam mir nicht so vor, als hätte ich auch nur ein Auge zugetan. Ich fühlte mich geschlaucht und war unglaublich hungrig, aber die Kinder gingen wirklich vor. Da es glücklicherweise fließend Wasser gab, konnten wir alle wenigstens genug trinken. Irgendwann war es schließlich soweit, dass wir los mussten. Es wurde hell und der Niederschlag hatte stark nachgelassen. Nur noch ein leichter Nieselregen war übrig.
Ich fühlte mich absolut nicht bereit dazu, da raus zu gehen.







Dieses Kapitel wurde Ihnen präsentiert von: @Nastalia
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