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Endless Death

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Horror / P16 / Het
Armin Castiel Lysander Nathaniel OC (Own Character) Pia
20.10.2017
03.05.2022
71
179.308
6
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
22.09.2018 2.226
 
Um 'nen Tag verpennt. Sorry :'D  Ein Dankeschön an Waffelkoenigin für dein Review! Ich habe derzeit nicht die Zeit, zu antworten, aber das kommt bestimmt noch ^^
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Ich sah Kyra noch kurz hinterher, als sie den Raum verließ. Das war öhm… eine neue Art, Amber mundtot zu bekommen. Apropos Amber. Sie war ja auch noch da und starrte an die Wand. Wahrscheinlich war sie genauso verwirrt wie ich, mit so etwas hatte natürlich keiner gerechnet. Sie fing sich aber wieder und wand sich mir zu.
„Nathaniel ist nicht bei dir? Sonst klebst du ihm doch auch immer am Arsch!“, sie stemmte ihre rechte Hand in die Hüfte.
Ich verdrehte die Augen. Natürlich, ich zwang mich Nath auch so sehr auf. War ja nicht so, dass wir seit Ewigkeiten befreundet waren und es von uns beiden aus kam, dass wir viel Zeit miteinander verbrachten.
„Nein, Amber. Er ist nicht hier. Nath und ich sind nicht zusammengewachsen, weißt du?“
„Ja ja, Tomboy. Krieg dich ein!“, ehe ich mich versah, stürmte sie wieder davon.
Ein paar Sekunden war es still, ehe Pia und ich zu lachen begonnen.
Tomboy, ernsthaft?!“, ich schüttelte den Kopf, „Wie kommt sie darauf?!“
Pia zuckte mit den Schultern.
„Du hast kurze Haare?“
Ich schmunzelte bloß schief und hob eine Schulter, schließlich war ich Ambers Verhalten gewohnt. Unglaublich, dass sie als Kind Naths rüpelhaften Schikanen so ausgeliefert war. Nun… vielleicht hatte unter anderem dies sie Jahre später so beeinflusst, dass sie so wurde wie sie gerade war.
„Hast du einen ruhigen Platz gesucht?“, Pia wechselte das Thema und deutete auf meine Hände. Meine Federtasche und meinen Collegeblock hatte ich völlig vergessen.
„Achso, ja. Hab nicht damit gerechnet, dass jemand hier ist“, mein Blick wanderte durch das Fenster nach draußen. Es war windig geworden und die Wolken waren dunkel.
„Du hast Kyra übrigens wirklich nicht verjagt, keine Sorge. Die lässt sich nicht durch das Erscheinen einer einzigen Person verscheuchen. Gerade braucht sie nur Zeit“, sie erhob sich, „Mich vertreibst du ebenfalls nicht, aber ich werde mal nach Devi schauen gehen. Sie ist mit den beiden anderen Kinder bei Isabelle. Bis nachher!“
„Bis dann!“, ich schmunzelte. Mit meinen noch immer anhaltenden Kopfschmerzen hatte ich zugegebenermaßen eine geringe Motivation, zu diesem Spieleabend zu gehen. Aber völlig abkapseln konnte ich mich auch nicht. Hatte ich zwei Wochen lang ziemlich ausgeprägt getan. Pia drehte sich im Türrahmen nochmal zu mir um.
„Die Frisur steht dir übrigens wirklich gut!“, sie lächelte.
„Danke…“, ich war über das Kompliment überrascht und das war wohl an meiner Stimmlage zu hören. Sie kicherte jedenfalls noch einmal und ging endgültig.
Ich setzte mich nach ein paar verwirrten Wimpernschlägen ohne Schuhe und im Schneidersitz in den Sessel, in dem bis vor kurzen Kyra gesessen hatte.
Es tat gut, das alles Erlebte noch einmal aufzuschreiben und somit Revue passieren zu lassen. Mir half es dabei etwas damit abzuschließen und es als vergangen abzustempeln. Einfach waren die Erinnerungen dennoch nicht und würden sie wohl auch nie werden. Die Geräusche des Windes waren von dem peitschenden Regen gegen die Fensterscheiben ergänzt worden. Kyras frische Luft schnappen würde so wohl ins Wasser fallen, beziehungsweise ziemlich nass werden. Ich war überrascht, wie viel aus mir raus auf das Papier sprudelte, als ich einmal damit anfing alles niederzuschreiben. Dabei war ich nie eine Tagebuchschreiberin gewesen. Es verwunderte mich, dass ich auch meine Gefühle so klar benennen konnte, das konnte ich selten von mir behaupten. Aber mir war bewusst, dass ich gestern Angst, Panik, Unsicherheit und noch viele weitere negativen Gefühle verspürt hatte. Nach einer Weile legte ich meinen Kugelschreiber zur Seite. Meine Hand schmerzte vom konzentrierten, kleinen Schreiben und ich schüttelte sie aus. Warum schrieb ich auch immer so verkrampft?
„Hey, Kara!“
Ich hob verwirrt meinen Blick und erblickte den grinsenden Armin.
„Oh hi, Armin“, mein Blick wanderte an ihm entlang. Er hatte seinen Nintendo 3DS in der Hand.
„Der hat noch Saft?“
„Hatte das Ladekabel mit“, er grinste.
„Reeeein zufällig!“, ich lachte, glaubte ihm aber nicht.
„Aber sicher!“
Armin ließ sich in den freien Sessel neben mir fallen und schaltete den Handheld ein.
„Aber mal ernsthaft… verrat keinem, dass ich das Ladekabel zuhause eingepackt hab, ja? Sonst heißt es wieder ich sei unverantwortlich und bla“, er kratzte sich am Kopf.
„Nun gut... so ein Kabel tut schließlich keinem weh. Solange du keinen wichtigen Gegenstand dafür zurückgelassen hast“, ich schüttelte schmunzelnd den Kopf.
„Neee!“
Es lief darauf hinaus, dass Armin und ich abwechselnd den Handhelden in der Hand hielten und daddelten. Für zwei Stunden hatten wir viel Spaß und lachten herzlich.
Schließlich reichte ich Armin seinen Handheld und erhob mich aus meinem Sessel.
„Ich werde mal nach Flip schauen gehen. Versohl Ganon allein den Hintern!“, ich lachte kurz.
„Mach ich, Kara-Zelda!“, Armin salutierte salopp. Ich verdrehte schmunzelnd die Augen und winkte beim Hinausgehen leger aus dem Handgelenk.
Als ich Flip fand, stellte sich heraus, dass er bei dem Wetter nicht nach draußen wollte. Ich konnte es ihm nicht verübeln. Er ließ nur einmal kurz Wasser und sprintete sofort wieder hinein - und war bereits nach den wenigen Sekunden völlig durchgeweicht. Er schüttelte sich und sprenkelte mich mit Regenwasser. Ich tadelte ihn und er sah mich mit Welpenaugen an.
„Ja ja, du Lausbub!"“, das Lachen konnte ich mir nur schwer verkneifen und holte alte Handtücher aus den Lehrerduschen, die Patricia schon zum Haare schneiden verwendet hatte, um ihn trocken zu rubbeln.
Kaum, dass Flip trocken war, ging ich mit ihm in die Cafeteria, um etwas zu trinken und auch ihm Wasser zu geben. Immer wenn ich meinen Kopf bewegte, erwartete ich, dass Haare verrutschten, was selbstverständlich nicht passierte. Es würde wohl dauern, bis ich mich daran gewöhnen würde, so kurzes Haar zu haben.
Alexy, Rosalia und Iris hatten ihre Köpfe gerade in einem Karton, der auf einem der Tische stand.
„Hey, Svea! Hilfst du uns ein paar Spiele für nachher auszusuchen?“, Iris lächelte mich bittend an. Einen Augenblick lang überlegte ich, dann zuckte ich mit den Schultern.
„Warum nicht?“
Die nächste Viertelstunde suchte ich mit den Dreien Gesellschaftsspielklassiker aus, die vom vielen Gebrauch nicht schon bis zur Unkenntlichkeit zerfleddert waren.
„Danke für deine Hilfe, Svea“, Alexy grinste, „Hast du Armin gesehen?“
„Vorhin war er noch im Pausenraum. Müsstest du mal gucken, ob er noch dort ist“, ich unterdrückte den Drang, mir an die schmerzende, pochende Schläfe zu fassen.
Ich verabschiedete mich und streifte mit Flip über die Gänge bis zum Schlafraum der Mädchen. Der Husky ließ sich direkt auf meinem Platz nieder, schloss die Augen für ein Nickerchen und ich öffnete das Fenster weit, bevor ich mir unter Flips Protest die Decke unter ihm nahm. Dann kletterte ich auf die Fensterbank und wickelte mich in den Stoff. Der kalte Wind und der nasse Sprühregen, den ich noch abbekam, taten mir gut. Zumindest für ein paar Minuten, bis es mir dann auch schließlich zu kalt wurde. Noch immer in die Decke gewickelt, saß ich unter dem Fenster und massierte meine Schläfen. Bis auf die gedämpften Geräusche des Sturms draußen und Flips Atmung war es still und das genoss ich unsagbar. Nichts passierte und das empfand ich als gut. Lieber nichts als Zombies. Ich hörte schlurfende Schritte und schreckte sofort hoch. Allerdings entspannte ich mich wieder, als ich Nathaniel erkannte.
„Hey, stör ich?“, er sah erschöpft aus und lehnte im Türrahmen. Nath war blass und sein Haar zerwühlt, die Augen vom Schlafmangel gerötet und trocken. Es wunderte mich nicht, schließlich war er mehr als 24 Stunden wach.
„Nein, alles gut“, ich stand schmunzelnd auf und stellte mich zu ihm. Flip schlief in Seelenruhe.
„Müde?“, ich sah zu ihm hoch und direkt in seine von Augenringen umrahmten Augen. Eigentlich war die Frage überflüssig.
„Ja... sieht mans?“, er unterdrückte ein Gähnen.
„Du hast Augenringe wie ein Panda“, ich schmunzelte und legte nach kurzem Überlegen meine Hand auf seinen Oberarm, „Komm, ich schätze, wir können beide einen starken, aber widerlichen Kaffee vertragen.“
Nathaniel nickte bloß.
In der Küche angekommen, trafen wir Carla, die gerade dabei war, Brot für das Abendessen zu schneiden. Nath kümmerte sich um den Kaffee, während ich Carla half die Brotscheiben zu bestreichen und zu belegen. Es war nicht zu leugnen, dass ich mich mit den ganzen Aufgaben und dem Helfen ablenkte, um nicht über gestern nachdenken zu müssen. Schließlich kamen Viola und Kim in die Küche, um Carla zu unterstützen. Nath drückte mir meinen schwarzen Kaffee in die Hand und wir schlurften in die Cafeteria. Wir setzten uns an ein Tischende an einem Fenster und tranken die bittere Flüssigkeit. Ein Tee wäre mir eigentlich viel lieber. Kaffee schmeckte mir nicht sonderlich gut und ich bekam Bauchschmerzen davon, aber bei Kopfschmerzen half er mir ein wenig. Mein Blick legte sich auf Nathaniel, der zwischen seinen Schlücken in die dunkelbraune Brühe schaute. Er sah müder aus als je zuvor und ich sorgte mich. Hoffentlich konnte er in dieser Nacht endlich schlafen.
Lysander kam zu uns an den Tisch. Er grüßte mit einem Nicken.
„Habt ihr Kyra gesehen? Die Braunhaarige mit den grünen Augen.“
„Nein, tut mir leid, Lysander“, Nath hielt sich die Hand beim Gähnen vor den Mund.
„Ich hab sie vor… vielleicht zwei Stunden kurz mit Pia im Pausenraum getroffen, aber sie ist wieder gegangen. Danach hab ich sie nicht mehr gesehen“, ich schüttelte den Kopf.
Er nickte und sah dabei ziemlich nachdenklich aus.
„Trotzdem danke“, er ging.
Durch Lysanders Frage nach Kyra kam mir Amber wieder in den Sinn.
„Amber hatte dich gesucht. Hat sie dich gefunden?“
Nathaniel seufzte.
„Ja…“
„Du klingst ja nicht sehr begeistert“, ich zog eine Augenbraue nach oben, stützte meinen Ellenbogen auf die Tischplatte, meinen Kopf auf meine Handfläche und sah ihn eindringlich an. Er nahm noch einen Schluck von dem Gesöff.
„War wie immer nur Schwachsinn, der sie auf die Palme brachte und sie sich erhoffte, dass ich das für sie lösen würde.“
Ich nippte an meinem Kaffee und verzog das Gesicht, während ich ihn sich aussprechen ließ.
„Sie hatte mal wieder überhöhte Ansprüche und beschwerte sich übers Mittagessen“, er verdrehte die Augen.
„Aber es war lecker“, stellte ich verblüfft fest. Wieso vergaß ich eigentlich nach dreizehn Jahren Bekanntschaft mit Amber immer noch, dass sie völlig verwöhnt war?
„War es auch, aber sie meckerte, dass es zu fettig gewesen wäre und sie noch dick werden würde“, Nathaniel stöhnte genervt, „Manchmal frage ich mich, ob sie wirklich so dumm ist oder ob sie nur so tut.“
Es überraschte mich, Nath so über seine Schwester reden zu hören.
„Mit so einer Wortwahl hätte ich nicht gerechnet...“, ich richtete meinen Oberkörper auf.
Er suchte meinen Blickkontakt und hielt ihn aufrecht.
„Meine Geduld ist diesbezüglich zu Ende! Wir haben eine verdammte Zombieapokalypse und sie sorgt sich um ihre beschissene Figur!“, er sah wirklich wütend und gereizt aus.
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.
Er schien es mir anzusehen, zumindest vermutete ich das, denn er machte eine abtuende Handbewegung und meinte, dass ich nichts sagen müsse, weil er schon verstehe. Als unsere Kaffeetassen dann leer waren, schoben wir die Stühle zurück und brachten sie in die Küche. Auf dem Weg dahin sah ich zu Nathaniel hoch.
„Sie wird den Ernst der Lage schon noch bemerken, Nath. Mach dir keine Gedanken darum. Es ist Amber. Vielleicht hat sie auch nur gemeckert, damit ja keiner auf die Idee kommt, dass ihr das Essen geschmeckt haben könnte. Sie hat ja schließlich einen Ruf zu verlieren“, ich schmunzelte und auf sein Gesicht schlich sich ein halbes Lächeln. Das war mir lieber als gar keins, aber ein ganzes hätte mir deutlich besser gefallen.
Wir gingen in den Pausenraum, der nun völlig leer war. Wir setzten uns beide ohne Schuhe auf das Sofa, jeder von uns an eine Sofalehne gestützt. Seine Beine reichten auch angewinkelt bis zwischen meine Füße und nach einer Weile, in der wir nicht sprachen, sondern einfach unsere gemeinsame, friedliche Zeit genossen, fing er an, mit seinen Füßen meine zu kitzeln. Ich konnte nicht anders als zu kichern und mich unter den Berührungen zu winden.
„Nath, hör auf, bitte! Stopp!“, mir schmerzte inzwischen der Bauch vom ganzen Lachen und mein Flehen war mehr ein Keuchen als alles Andere.
Er hörte erst damit auf mich zu kitzeln, als Flip sich durch die angelehnte Tür quetschte und mit Anlauf auf uns beide sprang. Mein Husky drehte sich dann auf unseren Beinen auf den Rücken und forderte Streicheleinheiten ein. Nach einem Augenblick fing Nath an zu sprechen.
„Ich bin ja eigentlich kein Hundemensch, aber Flip ist toll“, er schmunzelte.
„Will ich auch für dich hoffen! Sonst wäre ich schwer beleidigt!“, ich lachte, stoppte aber schnell, als ich Naths traurigen Gesichtsausdruck sah.
„Mir fehlt Snowy…“, er sah mir nicht in die Augen, aber der Kummer war mehr als deutlich. Kurz zögerte ich, dann schickte ich Flip vom Sofa und nahm Nath in den Arm. Sofort schlangen sich seine Arme um mich und sein Kopf legte sich auf meinem ab. Ich streichelte über seinen Rücken und nach einer Weile hoch zu seinem Nacken. Er bekam eine Gänsehaut, die mich überraschte, aber ich dachte nicht weiter darüber nach. Auf jeden Fall wurde sein Griff um mich noch ein wenig fester und er zog mich näher an sich. Er war warm und roch vertraut. Es fühlte sich gut an und so viel es mir nicht schwer, in der Umarmung zu verweilen. Zumal das Schluchzen aus seiner Kehle mich so oder so davon abhielt.

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Dieses Kapitel wurde Ihnen präsentiert von: @Nastalia
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