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Endless Death

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Horror / P16 / Het
Armin Castiel Lysander Nathaniel OC (Own Character) Pia
20.10.2017
07.06.2022
72
182.246
6
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24.08.2018 2.184
 
Nach der Vorstellungsrunde tollte ich mit Flip ein wenig über den Hinterhof und übte mit ihm seine Tricks. Ich strich mir eine lange Strähne meines Haares hinters Ohr. Ich war immer stolz auf mein langes Haar, schließlich gab es selbst in Schweden solch ein hellblondes Haar nicht allzu oft. Aber nun kam es mir wirklich unpraktisch vor. Es verschwendete so viel Shampoo und Zeit, ich hatte wichtigere Dinge im Kopf als mein Haar zu pflegen. Flip schien keine Lust mehr zu haben. Er lag im spärlichen Gras und beobachtete ein Eichhörnchen in der Nähe, das sich nach etwas Essbarem umsah.
„Komm, mein Kleiner! Bei Fuß!“, ich sah Flip an, der sich träge erhob und neben mir nach drinnen ging. Demon lag vorhin in der Cafeteria, sollte er doch mit seinem Freund spielen. Obwohl es mich immer noch wunderte, dass sie sich verstanden. Schließlich waren sie beide Rüden. Vielleicht lag es daran, dass Demon schon etwas älter als Flip war. Flip war gerade einanhalb, während Demon schon drei war. Vielleicht sah Castiels Rüde meinen als seinen Schützling an - oder aber sie hatten ihre Rangfolge einfach geklärt. Eigentlich konnte es mir egal sein. Hauptsache, sie verstanden sich.
Als ich die Cafeteriatür öffnete, traf ich Viola, die mich anlächelte und sich hinkniete um Flip zu streicheln.
„Wie geht es dir, Viola?“, ich sorgte mich darum, wie sie das alles verkraftete. Sie gehörte nie zu den mental belastbarsten Mädchen und es setzte jedem von uns zu. Ich fühlte noch immer das taube Gefühl der Überforderung im Bauch und mein Kopf pochte nach wie vor schmerzhaft. Irgendwie schaffte ich es, mich davon abzulenken, aber ich hatte keine Ahnung, wie lange das noch klappen würde. Es kam mir so vor, als stünde ich auf einer Sandbank, die jeder Zeit urplötzlich von der Flut überflutet werden könnte und alles was sich auf ihr befand würde ins offene Meer gezogen werden.
„Ich... weiß nicht. Meine früheren Ängste kommen mir plötzlich so lächerlich vor“, sie stand wieder auf und sah mich an, "I-ich meine, ich hatte solche Angst vor banalen Dingen wie Lehrer zu fragen, ob sie mir etwas noch einmal erklären könnten. Jetzt wäre ich froh, gäbe es noch Lehrer hier."
„Kann ich gut verstehen. Das alles hier verändert uns. Ich merk es an völlig banalen Dingen“, ich strich mir eine Haarsträhne über die Schulter. Himmel, nervte langes Haar schon immer so?!
„Wie zum Beispiel?“, Viola verwarf ihre Pläne und kam wieder mit mir in die Cafeteria.
„Meine Haare nerven mich plötzlich mit ihrer Länge extrem, weil die so unpraktisch sind. Dabei waren sie das ja immer“, ich gab Flip die Erlaubnis, hinüber zu Demon zu hechten.
„Wohl wahr. Du könntest die Friseurin, Patricia war glaub ich ihr Name, ja fragen, ob sie sie dir kürzen kann. Ich glaub sie schneidet in den Lehrerduschen ein paar Leuten die Haare“, Viola lächelte, „Mir hat sie nur die Spitzen gestutzt und ich fühl mich gleich besser.“
Das klang nach einer guten Idee.
„Danke für den Tipp. Ich geh mir das mal angucken und entscheide dann“, ich schmunzelte.
„Mach das… ich… werde mal Armin suchen gehen“, sie errötete und wurde wieder mehr die preapokalyptische Viola, wie ich sie kannte. Nach meinem Nicken ging sie. Ich wies Flip an, sich zu benehmen und machte mich auf zur Turnhalle.
Als ich die angelehnte Tür aufschob, erblickte ich Patricia, die einen Stuhl in den Raum gestellt hatte und gerade jemanden die Haare schnitt. Sonst war niemand mehr da. Sie drehte ihren Kopf kurz, als sie mich hörte.
„Warte nur einen Augenblick, Liebes, dann bin ich fertig“, sie lächelte mir kurz entgegen und arbeitete noch ein paar Minuten weiter.
Mit einem fröhlichen „Gefällt es dir?“, bat sie die Person vom Stuhl aufzustehen und an einen Spiegel über den Waschbecken zu treten. Es war Melody, die sich das Haar um einen, vielleicht zwei Zentimeter hatte kürzen lassen. Die nun mehr oder weniger jetzige Klassensprecherin, niemand interessierte sich mehr für solche Ränge, betrachtete sich kurz im Spiegel. Sie sah zufrieden aus und spielte mit einer Haarsträhne.
„Es ist wirklich wunderschön. Ich danke Ihnen, Patricia!“
„Nicht so förmlich meine Liebe! Nichts lieber als das!“, die Friseurin grinste zufrieden. Melody nickte strahlend. Sie war wirklich hübsch. Ich hätte nicht verstanden, wieso Nath sich nie auf romantischer Ebene für sie interessiert hatte, wüsste ich nicht, was sie für anstrengende, besitzergreifende Charakterzüge aufzuweisen hat. Dennoch war sie kein schlechter Mensch, auch wenn ich nie wirklich warm mit ihr geworden war. Sie schien mich nicht sonderlich zu mögen. Wir alle hatten unsere Fehler. Melody verabschiedete sich von Patricia und wandte sich mit einem strahlenden Lächeln um. Doch dieses erlosch blitzartig, als sie mich entdeckte. Als ihr Blick meinen kurz traf, hatte ich das Gefühl, er würde mich erdolchen. In Ordnung. Sie konnte mich nicht nur nicht leiden - sie schien mich zu hassen. Warum auch immer. Melody stolzierte also an mir vorbei und ließ mich mit Patricia allein.
„Was kann ich für dich tun, Svea? Setz dich doch.“
Ich war kurz verwirrt, wie sie nach dieser kurzen Vorstellungsrunde meinen Namen schon können konnte. Sie schien meine Verwirrung zu sehen, als ich meine vier Buchstaben auf den Stuhl setzte.
„Das gehört zu meinem Job, Liebes“, sie lächelte und reinigte ihre Bürste, indem die die Haare aus ihr hinaus nahm und zu Boden fallen ließ, bevor sie die Reste von Melodys Haar beiseite fegte. Dann kam sie wieder zu mir und fing an umsichtig meine Haare zu bürsten. Ich blickte an die Fliesen gegenüber von mir und genoss es. Sie war wirklich sanft und strahlte eine Vertrautheit auslösende Ruhe aus.
„Du hast so wunderschönes Haar... so lang und gepflegt... und dann noch diese Farbe!“, sie strich mit der Hand der Bürste hinterher, „und das natürlich! Es war Liebe auf dem ersten Blick, Svea. Ich freue mich, mit so einem schönen Haar arbeiten zu dürfen!“
Ich schmunzelte und war gerührt von ihrer Begeisterung. Es waren nur Haare in einer etwas ungewöhnlicheren Farbe.
„Sehr, sehr gerne, Patricia. Ich nehme an, Sie haben auch die Haare Ihrer Tochter und von Kyra geschnitten - und die beiden haben wirklich schönes und gepflegtes Haar.“
„Dutze mich ruhig, aber ja, das stimmt und vielen Dank, Svea. Aber Laeti hat ihre Haare auch unabhängig davon immer gut behandelt und Kyra war mit ihr so oft bei mir im Salon, dass das nur naheliegend war. Ich kenne sie ja auch schon ewig“, sie bürstete weiter, während sie mit mir sprach, „Was kann ich denn für dich und deine weißgoldene Haarpracht tun?“
Ich überlegte kurz mit einem Blick auf die Fliesen an der Wand gegenüber. Ich spiegelte mich leicht in ihnen. Zumindest meine Umrisse konnte ich erahnen. Ich traf einen Entschluss, während sie so zärtlich mein Haar bürstete. Das würde bald nicht mehr möglich sein.
„Bitte schneid es ab. Richtig schön kurz.“
Ihr fiel die Bürste aus der Hand und es schepperte, als sie auf dem Boden landete.
„Dieses wunderschöne Haar einfach ab?“, sie klang erschrocken.
„Unter diesen Umständen stören sie bloß. Außerdem könnte ich sie nie so pflegen, wie sie es nötig hätten. Lieber kurzes und gepflegtes Haar, als langes ungepflegtes“, meine Stimme klang ziemlich rational, schätzte ich, denn Patricia zögerte mit der Antwort. Sie schien zu überlegen.
„Nun gut, du hast Recht. Aber du bekommst einen hübschen Kurzhaarschnitt von mir“, sie bückte sich um ihre Bürste aufzuheben und wegzulegen. Ich hörte sie ihre Schere ausklopfen, um sie von restlichen kleinen Härchen zu befreien. Sie legte mir ein Handtuch auf die Schultern und ich griff nach dessen Enden.
„Mach es dir gemütlich, Svea.“
Ich nickte bloß.
Während sie meine Haare Stück für Stück kürzte, hatte ich meine Augen geschlossen. Ich wollte keine Schemen der Zwischenschritte in den Wandfliesen sehen. Patricia erkannte schnell, dass ich mehr die Zuhörerin als Rednerin war und quasselte mit mir über ein paar schöne Dinge, die sie in dieser verlassen wirkenden Schule fand. Flip und Demon fand sie entzückend, unseren Zusammenhalt toll - ich genoss es, ihr zu lauschen, während immer mehr meines Haares zu Boden fiel und mein Kopf immer leichter wurde.
Schließlich legte sie die Schere beiseite und pinselte Haarreste aus meinem Nacken, fuhr einmal über meine Kopfhaut.
„Ich bin zufrieden. Schau es dir an“, sie nahm mir das Handtuch von den Schultern und ich stand auf. Die Menge an Haaren auf dem Boden erschreckte mich dann doch, aber mein Kopf fühlte sich ungewohnt, aber herrlich leicht an. Ich trat mit pochendem Herzen an den Spiegel und erkannte mich im ersten Moment selbst nicht wieder, als ich mich auf die Zehenspitzen stellte um etwas zu sehen. Zuerst dachte ich an Kara aus Detroit: Become Human in hellblond, dann sah ich auch kurz Ähnlichkeiten zur Frisur von Victoria Chase aus Life is Strange. Es… war neu, anders und… irgendwie befreiend. Es gefiel mir. Ich drehte mich zu Patricia, die meine Reaktion beobachtete. Ich lächelte, also schien sie zufrieden.
„Es ist toll! Danke, Patricia!“
„Gerne, Svea. Aus dem Haar können wir sicherlich was Schönes machen. Du wirst mir nicht glauben, wie vielseitig man Haar weiterverwenden kann“, sie schien genauso glücklich mit ihrer Arbeit zu sein, wie ich.
Ich blieb noch und betrachtete mich weiter im Spiegel, solange wie Patricia noch aufräumte. Mein Angebot ihr zu helfen hatte sie ausgeschlagen. Pünktlich zum Mittagessen gingen wir wieder nach oben zu den anderen. Ich war gespannt, wie die Reaktionen auf meine Radikalveränderung sein würden. Besonders neugierig war ich aber auf die Reaktion von Nath - das konnte ich nicht einen Augenblick lang leugnen.
Immer wieder strich ich mir selbst über den Kopf. Ich bekam das Grinsen nicht aus meinem Gesicht und gluckste wie ein kleines zwölfjähriges Schulmädchen.

Patricia lächelte mich noch einmal an und öffnete schließlich die Tür zur Cafeteria. Es kam uns ein köstlicher Geruch entgegen, der meinen Appetit weckte. Ich hatte gar nicht gemerkt, was ich für einen Hunger hatte. So ein Käsebrot hielt ja auch nicht lange satt. Die Friseurin ging vor mir hinein und ließ keinen Blick auf mich zu. Ich hörte Viola sie fragen, ob ich bei ihr war. In dem Moment nahm ich es Patricia ab, die Tür aufzuhalten und der Blick auf mich wurde frei. Ein Kreischen ertönte plötzlich im gesamten Saal. Es war Alexy.
„Wo ist dein wunderschööneees Haar?!“, er riss die Arme in die Luft. Ich lachte leise, mehr um das unangenehme Gefühl des Angestarrtwerdens zu überdecken.
„Aktuell in einer Mülltüte in den Lehrerduschen.“
„Da ist es besser aufgehoben“, Amber lachte hämisch.
„Eigentlich ist es eine Schande, junge Dame. Svea hatte sehr schönes, sehr gesundes Haar. Hat sie ja immer noch, nur in kurz“, Patricia nahm ihr den Wind aus den Segeln. Amber wendete beleidigt ihren Blick ab.
„Leute, Essen ist fertig!“, Iris und Carla kamen aus dem Küchenbereich. Es kam ein Heidenlärm auf, als ein Großteil der Leute lautstark die Stühle nach hinten schob. Ich erblickte Nath, der neben Armin saß. Die beiden und auch Viola, warteten bis zumindest die meisten nicht mehr die Gänge zwischen den Tischen verstopften. Nath hatte mir einen Platz frei gehalten. Er begutachtete meine neue Frisur genau.
„Ist ungewohnt, aber steht dir wirklich gut“, er lächelte. Waren seine Wangen… rosa?
„Danke“, ich grinste, „Wollen wir uns etwas zu essen holen, solange noch was da ist?“
„Besser wäre es“, Armin lachte und nahm Violas Hand in seine. Viola lächelte mir entgegen.
„Du siehst großartig mit den Haaren aus.“
„Danke, ich bin auch erleichtert, dass es mir steht“, ich schmunzelte und wir stellten uns hinter Leigh in die Schlange.
„Hat was von Kara“, Armin grinste, „Fällt mir gerade auf.“
„Hab ich mir auch gedacht, als ich mich das erste mal so gesehen habe. Soll ich mir einen blauen Kreis auf die Schläfe malen?“, ich gluckste. Nath und Viola sahen uns verwirrt an.
„Du weißt doch dieses Spiel mit den Androiden. Ihr Haarschnitt erinnert an den von einem Charakter davon“, Armin zog Viola enger an sich. Sie lief rot an.
„Ich glaub, ich weiß, welches du meinst, du hattest mir davon erzählt“, Nath stand von uns Vieren ganz hinten, hinter ihm war nur noch Kentin.
„Sicherlich, Bro.“
Kurz darauf saßen wir mit unserer Gemüsepfanne mit Nudeln am Tisch und aßen. Carla und Iris konnten wirklich großartig kochen und dazu noch sparsam und gesund. Jeden Tag Fleisch mussten wir uns aber wirklich abgewöhnen. Es tat gut, etwas Warmes im Magen zu haben. Hoffentlich würde ich es dieses Mal bei mir behalten. Ich musste mich wirklich erst an das kurze Haar gewöhnen- aus der Gewohnheit heraus, wollte ich mir ständig eine Strähne hinters Ohr klemmen, die gar nicht mehr da war. Als ich meinen Blick beim Kauen kurz hebte, sah ich Pia zusammen mit Devi, Kyra und Laeti - so hieß Patricias Tochter, meinte ich zumindest. Pias Blick traf meinen nur zufällig. Sie lächelte mir zu und schenkte dann Devi ihre Aufmerksamkeit, die damit kämpfte, den Brokkoli zu zerkleinern. Nach dem Essen traf ich mich mit Castiel, um die Hunde zu füttern und holte dann meinen Schreibkram, um mich in den Pausenraum zu setzen. Ich war aber nicht die erste, die auf diese Idee gekommen war. Pia saß ebenfalls dort und bei ihr war eine weitere Person - ebenfalls braunhaarig.

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Dieses Kapitel wurde Ihnen präsentiert von: @Nastalia
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