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Endless Death

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Horror / P16 / Het
Armin Castiel Lysander Nathaniel OC (Own Character) Pia
20.10.2017
07.06.2022
72
182.246
6
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01.06.2018 1.938
 
Lysander und Leigh lagen sich einen Augenblick lang in den Armen und wir schwiegen. Keiner dachte im Traum daran, sie zu stören. Sie lösten sich schließlich doch und wir betraten zusammen die Wohnung, die überraschend modern eingerichtet war. Ich hatte sie mir im viktorianischen Stil vorgestellt – sofern ich sie mir denn überhaupt vorgestellt hatte. Aber es standen mehrere Modepuppen herum, an allen hing halbfertige Kleidung. Ansonsten war alles ordentlich. Wir gingen in die Küche, in der Leigh Tee und Kaffee aufsetzte und wir alle am Küchentisch saßen, um den wir alle auffindbaren Stühle gescharrt hatten. Ich war regungslos, hatte meine Hände im Schoß gefaltet und starrte an die Fliesen der Küche. Schwarzweiße Fliesen. Immer abwechselnd. Schwarz, weiß, schwarz, weiß und schwarz und weiß. Ich bekam die Gespräche der anderen gar nicht mit, war in eine Starre verfallen, die ich nicht erklären konnte. Mein Geist war so damit beschäftigt, die Erlebnisse der letzten… vielleicht zwei Stunden zu verarbeiten, dass es die aktuellen Ereignisse ignorierte. Schließlich riss mich eine vor meinem Gesicht herumwedelnde Hand aus meinen Gedanken. Es war Pia, die mich mit zusammengezogenen Augenbrauen ansah.
„Alles okay? Dein Tee wird kalt“, sie ließ mich nicht aus den Augen.
„Ich bin bloß in Gedanken. Mir geht es gut“, ich sah Pia an und sie seufzte. Dann ließ sie von mir ab und wandte sich Devi zu, die ihren Eistee trank. Zufällig traf mein Blick den von Nath. Ich kannte diesen Ausdruck auf seinem Gesicht. Früher hatte er ihn vor Klausuren, jetzt sah er mich so an – besorgt, angespannt und konzentriert. Er umklammerte währenddessen fest seine Tasse, sodass seine Fingerknöchel hervortraten. Ich konnte seine Frage förmlich hören.
„Geht es dir wirklich gut?“
Mich nervte diese Sorge. Er hatte andere Dinge, um die er sich sorgen musste. Ob wir überlebten, wie wir die nächsten Tage überstanden. Wir mussten jeden Tag einzeln angehen. Wie es mir ging war völlig irrelevant. Die ganze aktuelle Situation war schrecklich. Ich merkte erst in dem Moment, wie eng es in der kleinen… wirklich kleinen Küche war. Es kam mir so vor, als würden mir die Wände entgegen kommen, ich bekam einen Schweißausbruch und Panik stieg in mir hoch. Ich verfluchte meine Klaustrophobie, stand auf und quetschte mich hinter Naths Stuhl vorbei, um wortlos eilig zu verschwinden, hörte aber noch Leighs Verwirrung, als er Nathaniel fragte, was los sei. Doch die Antwort bekam ich nicht mehr mit, denn ich hatte genug damit zu tun, nicht in Panik zu verfallen. Ich hatte keine Ahnung, wo der plötzliche Klaustrophobieanfall herkam, der letzte war Ewigkeiten her und eigentlich war die Phobie nie sehr stark bei mir. Vielleicht war es die Anspannung und der Stress… ich hatte wirklich keine Ahnung. Meine Konzentration lag gerade auf dem Atmen. Ich tigerte durch die Wohnung, lief den Flur und das Wohnzimmer ab, bis mir das Bad ins Auge fiel. Warum war das größer als die Küche? Und so herrlich leer? Der Raum wirkte groß und erschien mich nicht zu erdrücken. Ich schloss die Tür hinter mir aus offensichtlichen Gründen und nach ein paar Minuten ging es mir ein wenig besser, der Raum war nicht so voll und eng. Ich lag auf den kühlen Fliesen und starrte an die Decke, während ich mich fürchterlich… leer fühlte. Oder einfach… hilflos, überfordert, orientierungslos, ahnungslos, verzweifelt? Ich rollte mich auf die Seite und holte mein Handy hervor, um nach der Uhrzeit zu sehen. Dann fuhr ich wie vom Blitz getroffen hoch. Kein Empfang – null. Weder Internet noch Funk. Ich raffte mich auf, atmete tief durch und schob mein Selbstmitleid fürs Erste von mir. Dann kehrte ich zur Küche zurück und blieb im Türrahmen stehen. Die anderen waren in Aufruhr, aber Naths Aufmerksamkeit lag sofort auf mir, als er mich bemerkte. Die anderen schenkten ihm keine Beachtung, als er aufstand und zu mir kam.
„Was war los?“, seine Mimik machte mir klar, dass er sich nicht abwimmeln lassen würde. Na ja, auch sein Arm, der sich am entgegengesetzten Türrahmen abstützte und mir den Weg versperrte.
„Klaus war zurück“, ich grinste schief und bitter.
„Oh“, er schaute mich verstehend und mitfühlend an und seine Körperhaltung wurde offener, „Geht es dir besser?“
Ich nickte.
„Warum ist hier so ein Tumult?“, ich blickte an seiner Gestalt vorbei. Pia diskutierte mit Castiel, Leigh und Lysander unterhielten sich ruhig.
„Funk und Internet sind komplett tot. Das Fernsehen auch“, er lehnte seinen Rücken an den Türrahmen und starrte nachdenklich aus dem Küchenfenster, „Würde mich nicht wundern, wenn das Militär das alles abgestellt hat. Oder aber die Zombies haben die Ursprünge zerstört.“
„Alles gleichzeitig? Bezweifle ich“, ich verschränkte die Arme. Jetzt konnten wir uns nicht mal mehr in Notfällen anrufen. Mein Kontakt zu meinen Eltern war uns flöten gegangen. Dabei hätten sie vielleicht noch wichtige Informationen gehabt – und es waren meine Eltern. Würde ich sie nun jemals wiedersehen oder wenigstens hören? Lysander kam auf uns zu.
„Leigh und ich packen und ziehen uns um, dann sollten wir los“, er lächelte leicht. Nath und ich nickten. Leigh bat uns noch, die wenigen verbliebenen Vorräte aus der Küche einzupacken. Flip und Demon lagen auf dem Küchenboden und dösten vor sich hin. Ich fühlte mich nach wie vor nicht wohl in der Küche, nachdem die Klaustrophobie wieder ausgebrochen war. Verdammte Scheiße. Also blieb ich im Türrahmen stehen und konzentrierte mich auf das Atmen. Warum war diese Küche auch so verflucht klein? Und wieso kam die Klaustrophobie so spontan hoch? Sonst war sie nie sehr stark gewesen.
„Du musst nicht. Warte einfach hier, ja?“, Nath strich mir über den Kopf. Er war der einzige, bei dem ich mich dann nicht bevormundet fühlte. Ich nickte zögerlich. Er fing an, Castiel beim Einräumen zu helfen, Pia kam auf mich zu.
„Was ist mit dir los?“, sie sah mich besorgt an.
„Meine Klaustrophobie… “, es war mir wirklich peinlich.
„Ich wusste nicht, dass du klaustrophobisch bist…“, sie stutzte und sah mich mit aufgerissenen Augen an.
„Eigentlich war sie auch nie sehr stark. Aber so viele Leute in dem kleinen Raum… das stresst mich gerade ziemlich…. Tut mir leid“, ich starrte zu Boden.
„Braucht es nicht“, Pia lächelte schlichtend. Devi kam dazu.
„Was heißt Klaustopobisch? Hast du Angst vor Leuten, die Klaus heißen?“, sie sah mich neugierig an. Pia und ich mussten lachen.
„Klaustrophobisch – und nein. Ich bekomme in kleinen, engen Räumen Angst. Und der Raum ist mir eindeutig zu klein, um mit so vielen Leuten gefüllt zu sein“, ich hockte mich zu ihr hinunter und lächelte. Die Fünfjährige verstand und wandte sich Pia zu.
„Ich muss mal“, sie zog eine Schnute. Pia und ich kicherten und ich zeigte ihr die Tür in das entsprechende Zimmer. Pia stand im Flur und sonst waren nur noch Nath und Castiel in der Küche, also traute ich mich wieder hinein. Schnell trank ich meinen kalten Tee und aß das Sandwich, das ich hatte liegen lassen. Nathaniel lächelte mich warm an und schloss die letzte Tasche mit Flaschen. Cas hatte das Fenster geöffnet, lehnte sich halb raus und rauchte. Wenigstens nahm er Rücksicht.

Kurz darauf kamen Lysander und Leigh in praktischer Kleidung wieder. Wir gingen alle noch einmal zur Toilette und gingen dann mit dem Gepäck nach unten zu Leighs Auto – das bis auf einem abgebrochenen Rückspiegel unbeschädigt war. Es dauerte etwas, bis wir alles eingeräumt hatten. Lysander und ich standen am Ende der engen Straße Wache und hielten nach Untoten Ausschau.
„Du bist klaustrophobisch“, er stellte es bloß fest und sah mich ruhig an. Ich verdrehte die Augen.
„Ja…“, er konnte mit Sicherheit heraushören, dass ich nicht begeistert war.
„Ich möchte dir damit jetzt nicht zu nahe treten, aber ich sorge mich. Meinst du, du hältst das im Auto aus?“, er sah mich an. Ich nickte.
„Muss ich ja.“
„Lys! Zwerg!“, Castiel rief uns und wir gingen zum Auto zurück. Meinen Kosenamen ignorierte ich.
„Alles ruhig“, Lysander stellte sich neben seinen Bruder.
„Wir haben ein Problem. Der Platz. Der Kofferraum ist voll, die Hunde passen nicht mehr rein. Sie müssen auf einen Sitz auf der Rückbank. Und dann passen nicht mehr alle ins Auto“, Leigh legte seine Unterarme auf dem Autodach ab.
„Castiel, kannst du nicht noch jemanden hinten drauf nehmen?“, Nathaniel sah den Rothaarigen an. Der schüttelte den Kopf.
„Vergiss es, Blondy. Bei voller Fahrt? Das ist ein Einsitzer. Jede weitere Person würde runterrutschen und auf dem Asphalt kleben bleiben“, Cas schüttelte den Kopf und Nath fing an zu grübeln. Pia stand am geöffneten Auto und steckte ihren Kopf hinein. Sie zählte die Plätze durch.
„Castiel nimmt sein Motorrad, Leigh fährt das Auto und Lysander ist neben ihm der größte. Also solltest du auf den Beifahrersitz, Lys. Die Hunde sollten an ein Fenster. Fehlen noch Devi, Nath, Svea und ich. Vier Leute auf zwei Sitze“, sie kam mit dem Oberkörper wieder aus dem Auto.
„Ich möchte auf deinen Schoß!“, Devi klammerte sich an sie. Pia lachte.
„Aber dann muss Svea auf Naths Schoß“, sie nahm die Hand ihrer Schwester, aber lächelte.
„Mir egal! Ich will auf deinen Schoß!“, Devi blieb stur. Mein Blick wanderte zu Nath, dessen Kopf hochrot war. Auch mir wurde warm.
„Da wird Blondy rot...“, Castiel grinste. Naths Röte schwand so schnell wie sie gekommen war und er verdrehte genervt die Augen. Ich schüttelte schief lächelnd den Kopf. Wir wussten, dass es nicht anders ging, also blieben Nath und ich still. An eines der Fenster kamen Flip und Demon – der französische Schäferhund saß auf dem Sitz und wurde angeschnallt, der Husky, der jünger und kleiner als Castiels Rüde war, saß im Fußraum. Auch wenn ich wirklich Angst hatte, dass ihm bei einer abrupten Bremsung etwas passieren könnte. Nath und ich kamen in die Mitte. Ich konnte mich nicht so weit auf seinen Schoß setzen, dass Nath mich hätte mit anschnallen können. Zumindest nicht, wenn ich ihm nicht weh tun wollte. Mir blieb nur übrig, zu hoffen, dass Leigh keine plötzliche Bremsung machte, denn dann würde ich als Erste vorne durch die Frontscheibe fliegen. Pia und Devi saßen neben uns, beide angeschnallt. Nathaniel schien den fehlenden Gurt ausgleichen zu wollen, denn er hielt mich mit einer Hand an der Taille fest, der andere Arm hatte sich um sie gelegt. Die Fenster waren allesamt zur Hälfte offen.
„Alle bereit?“, Leigh drehte sich nach hinten. Pia nickte.
„Svea?“, Nath neigte sich, um mich anzusehen.
„Wir können“, ich gab meine Bestätigung. Es war unangenehm im voll gequetschten Auto, aber es gab Schlimmeres. Autos war ich schließlich gewohnt und Naths Körperwärme wirkte beruhigend auf mich. Lysander gab Cas ein Zeichen und das Motorrad röhrte beim Anfahren. Auch Leigh startete den Motor und fuhr los.
Ich konnte Castiel vor uns fahren sehen, der Wind heulte in den Ohren und die menschenleeren Straßen rollten an uns vorbei. Wir mussten einige Abzweigungen nehmen, weil Straßen versperrt waren und fuhren auch nicht sonderlich schnell, aber wir waren schneller als zu Fuß – und sicherer wahrscheinlich auch. Wenn ich darauf achtete, spürte ich Naths Atem an meinem Hals. Er erschien unruhig. Ich legte meine Hand auf seinen Unterarm und seine Atmung wurde entspannter. Er war ebenfalls angespannt, wenn auch wahrscheinlich aus einem anderen Grund als ich.
Wir fuhren eine Weile durch Bostons Straßen, schlängelten uns an Trümmern und kaputten Autos vorbei und fuhren Umwege. Ich hatte die Augen kurz geschlossen, konzentrierte mich auf meine Atmung und dann erschraken wir alle. Leigh bremste ruckartig; allein Naths Griff hinderte mich am Stürzen. Völlig überraschend und unvorhersehbar quietschten einige Meter vor uns Reifen und Castiel kam auf seinem Motorrad zum Stehen.

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Dieses Kapitel wurde Ihnen präsentiert von: @Nastalia



Na? Naaaa? Vielleicht mal was Nettes sagen? Nein? Auch nichts Kritisches? Nein? Okay ._. Muss ich Nastas Geheule, weil sie kaum Rückmeldung außer mir bekommt, halt allein weiter ertragen D:
:'D
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