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Endless Death

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Horror / P16 / Het
Armin Castiel Lysander Nathaniel OC (Own Character) Pia
20.10.2017
03.05.2022
71
179.308
6
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16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
09.02.2018 2.001
 
Gerade ganz beschämt festgestellt, dass wir uns gar nicht hier bedankt haben an xXAsunaXx für das allererste Review, das sie uns hinterlassen hat!  *in Ecke geh*

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Als ich die Hälfte der Flügeltür öffnete, schlug mir der Geruch von abgestandener Luft und Büchern entgegen. Die Schulbücherei lag verlassen vor mir. Was ich dort wollte? Ich wusste es nicht, aber vielleicht fand ich etwas Nützliches. Die Tür fiel hinter mir zu und ich schlenderte ziellos durch die Reihen der Regale. Ich grübelte über dieses und jenes nach, unser Vorratsproblem und allgemein kam mein Gehirn nicht zur Ruhe. Nach einer Weile, in der ich nur wahllos Buchrücken studiert hatte, kam mir die Idee, ein paar Bücher zusammenzusuchen, die hilfreich sein könnten. Auf meinen Armen stapelten sich Erste-Hilfe-Bücher, Wildnis-Guides und anderer Kram, wie Lexika mit den giftigen Pflanzen auf dem nordamerikanischen Kontinent. Könnte man ja eventuell gebrauchen. Wer wusste schon, wie weit sich diese Viecher schon ausgebreitet hatten? An einem der Regale rutschte ich schließlich einfach hinab. Ich schlug das oberste Buch irgendwo auf und erblickte eine Abbildung eines abgestorbenen Armes, der gerade amputiert wurde. Geil! Das möchte man sehen, wenn man ein Buch aufschlägt! Seufzend schlug ich das Buch wieder zu und legte es zurück auf den Stapel. Kurz schloss ich die Augen. Das war alles so unwirklich…
„Ah Svea! Wusste ich doch, dass du hier bist!“, Armins Stimme ließ mich erschrocken aufspringen.
„Armin! Erschreck mich doch nicht so!“, ich sah ihn entsetzt an, „Du weißt, wie gefährlich das bei mir ist! Willst du meine Handkante im Gesicht?“
Ich kam zur Ruhe.
„Äh ne, lass mal. Ich hab dich gesucht, wir wollen alle eine Lagebesprechung abhalten und du fehlst noch. Kommst du?“, er griff wortlos den Stapel Bücher und deutete mit dem Kinn in Richtung der Tür. Ich nickte.
Ein paar Minuten lang gingen wir still die Gänge entlang, bis es aus mir herausplatzte.
„In was für einem Verhältnis stehst du eigentlich zu Viola?“, ich sah ihn nicht an, aber bemerkte, dass er vor Schreck beinahe die Bücher fallen ließ.
„Zu Vio-“, er hängte die letzte Silbe ihres Namens verspätet an das Wort, „la?“
„Ja, zu Vio-la“, ich machte es ihm neckisch nach und schaute ihn aus dem Augenwinkel an.
„Wie kommst du auf die Frage?“, er war ganz blass.
Ich zögerte kurz, bevor ich antwortete. Sollte ich es ihm verraten?
„Ich hab euch gehört. In den Damenduschen“, ich machte einen Satz nach vorne und drehte mich dann um, um ihn den Weg zu versperren. Er stoppte entsetzt – und ließ die Bücher nun doch fallen. Ich hatte Armin, der nach Nath wohl mein engster Freund war, noch nie so blass und gleichzeitig rot gesehen. Dass die Röte durch Scham kam und die Blässe durch den Schock meiner Offenbarung, war denke ich klar.
„Weißt du was? Du brauchst es mir nicht sagen. Die Geräusche, die ihr von euch gegeben habt, sagen genug. Die paar Sekunden, die ich gehört habe, reichen mir. Ich hoffe nur für dich, dass du ihr nicht wehgetan hast“, erst schmunzelte ich, dann wurde mein Blick ernst. Ohne auf seine Antwort zu warten, sammelte ich die Bücher wieder zusammen. Ich legte das letzte Buch auf den Stapel, als Armin mir überraschenderweise doch antwortete.
„Wir sind ein Paar. Vio und ich“, er murmelte bloß. Dieses Mal war ich es, die die Bücher fast fallen ließ. Ich sah ihn verwirrt an.
„Wie? Was? Seit wann? HÄ?“, mein Mund stand sperrangelweit offen.
„Seit drei Monaten etwa. Aber du weißt, wie schüchtern sie ist. Sie hatte Angst vor den Reaktionen und deswegen haben wir es niemanden gesagt. Nur Alexy weiß es und der musste auf den Inhalt seines Kleiderschrankes schwören, die Klappe zu halten“, Armin wurde erneut rot.
„Und mir vertraust du nicht soweit, um zu wissen, dass ich schweigen würde?“, ich grinste sichtbar.
„Doch doch, aber… wie erzählt man sowas?“, auch er konnte wieder schmunzeln und wir gingen weiter. Ich zuckte mit den Schultern.
„Touché“
Es wurde kurz still.
„Pass gut auf sie auf. Wenn du ihr wehtust, tu ich dir weh, hast du mich verstanden?“, auch wenn ich grinste, wusste er, wie ernst ich das meinte. Viola weckte bei mir das Bedürfnis, sie zu beschützen. Emotional war ich ihr zwar keine Hilfe, aber wenigstens wollte ich verhindern, dass ihr Schmerz ereilte.
„Hab ich nicht vor“, diesen verliebten Blick kannte ich von Armin gar nicht. Wie konnte ich das nicht bemerken? Andererseits… ich war nun mal ich.
„Wie konnte das passieren...“, ich war plötzlich doch neugieriger, als es mir lieb war, „das in den Duschen?“
„Das war so nicht geplant, also gar nicht. Eigentlich wollten wir wirklich nur ihr Auge kühlen, aber“, er kratzte sich verlegen am Kopf, „irgendwie kam es von einem zum anderen und es… passierte einfach“
„Naww…“, das fand ich nun schon niedlich, irgendwie, „Okay, ich war schon viel zu neugierig, lass uns zu den anderen gehen“
Ich lächelte ihn an und er verstand, dass das Gespräch beendet war. Armin nahm mir die Hälfte der Bücher ab und so kamen wir kurz darauf bei den anderen an.

„Was soll der Brennstoff hier?“, Castiel sah die Bücher irritiert an, Nath verdrehte daraufhin die Augen.
„Da stehen nützliche Sachen drinnen, die wir mal brauchen könnten. Sollten wir zwischen uns aufteilen“, ich sah kurz in die Runde. Alle da. Viola lächelte ich besonders an.
Wir saßen kurz darauf alle auf den zusammengestellten Tischen und wollten besprechen, was wir nun machen würden.
„Unser Essen reicht auf jeden Fall nicht mehr lange und bevor es ausgeht, sollten wir was unternommen haben“, Lysander dachte mehr laut, als etwas beizutragen, aber alle waren sofort ganz Ohr.
„Und was sollen wir bitte machen? Zum Supermarkt gehen?“, Li blickte lächerlich ernst drein.
„Dir ist hoffentlich klar, dass du da draußen der wandelnde Supermarkt bist“, Pia unterdrückte ihr Grinsen. Li quiekte erschrocken auf.
„Es wird nicht zu vermeiden sein, dass wir die sichere Schule zumindest zeitweise verlassen. Vielleicht auch endgültig. Das wissen wir nicht.“, Nathaniel sah ernst aus, ich blickte zu ihm hinüber. Amber klebte förmlich an ihrem Zwilling, als wäre sie fünf. Ich verdrehte die Augen. Nur Melody, die ihn auffällig unauffällig anschmachtete, war schlimmer.
„Lieber in der Schule als sonst wo, dass mir das mal passiert...“, Castiel war mürrisch und mies gelaunt. Verständlicherweise, wie ich fand.
„Wir sind uns wohl alle einig, dass wir hier raus müssen?“, Nath sah in die Runde. Wir nickten alle, auch wenn einige verängstigter und zögerlicher waren als andere. In mir tat sich wieder diese unheimliche Ruhe auf.
„Sichern wir uns die Schule als Rückzugsort?“, Rosalia starrte ernst in die Runde. Es kam Gemurmel auf. Nathaniel räusperte sich.
„Leute! Ruhe! LEUTE!“, es wurde plötzlich still. Nie hatte jemand Nath brüllen hören. Ich ihn zumindest nicht so, „Wir sollten es versuchen, etwas viel besseres kann uns gar nicht unterkommen. Hand hoch, wer der gleichen Meinung ist.“
Es hoben sich ganze dreizehn Hände. Meine mit inbegriffen. Bei den Jungs ließ niemand die Hand unten, was mich nicht überraschte. Eher war ich darüber verwundert, dass Amber und Li ihre Hände erhoben hatten. Ich vermutete, dass Amber sich an ihren Zwilling hielt – oder ihr eigentlich ja vorhandenes, aber eingestaubtes Hirn einmal nutze. Li hingegen – ich war mir nicht einmal sicher, ob sie das Ausmaß unserer Situation verstand. Sie wird Amber nachgeäfft haben. So tat sie es ja immer. Rosa, Pia und Kim hatten ihre Arme ohne Zögern gehoben, ich ebenso. Melody hatte gezögert, hob ihre Hand aber langsam mit einem Blick auf Nathaniel. Eigentlich waren wir alle uns unserer Lage und Möglichkeiten bewusst.
„Wer ist dagegen?“, Naths Frage war eigentlich nur pro Forma. Alle Arme blieben unten.
„Wer enthält sich?“
Die restlichen Arme gingen in die Höhe.
„Gut, dann packt eure wichtigsten Sachen ein. Wir brechen auf.“, Castiel erhob sich bereits. Lysander hielt ihn zurück.
„Cas, wir sind noch nicht fertig“, er drückte seinen besten Freund mehr symbolisch zurück auf seine vier Buchstaben. Ich nutze den Moment, in dem es einmal still war und begann aufzuzählen, was wir gebrauchen könnten.
„Medizin, Verbandszeug, Waffen“, ich deutete auf die Bücher im Hintergrund, „Wildnis-Guides, Erste-Hilfe-Bücher, Lexika mit den Pflanzen Nordamerikas, praktische und möglichst warme Wechselkleidung. Hab ich etwas vergessen?“
„Ich denke, es ist dir entgangen, weil es so offensichtlich ist: Decken und die restlichen Vorräte“, Pia schmunzelte.
„Wir müssen dafür sorgen, dass wir den Mechanismus des Tores für uns nutzen können. Das könnte ich machen. Sollte nicht so kompliziert sein“, Armin zückte grinsend sein Handy.
„Wenn wir schon bei Handys sind… gebt euren Nahestehenden, die ihr noch erreicht Bescheid, dass ihr erst einmal nicht, oder vielleicht nie mehr, erreichbar sein werdet. Verabschiedet euch zur Vorsicht. Wir sollten vom Schlimmsten ausgehen“, Lysanders Stimme war ernst, klang aber trotzdem irgendwie einfühlsam. Ich beneidete ihn um diese Fähigkeit.
„Und das beste Szenario?“, Viola flüsterte ängstlich. Lysander lächelte sie tröstend an.
„Ist, dass wir kein Strom oder Netz mehr haben. Oder nur nicht zurück zur Schule können.“
Wir verteilten noch die Aufgaben, dann machte sich jeder an die Arbeit. Ich wartete noch auf Nath.
„Und? Wie geht es dir damit?“, er stützte seinen Ellenbogen neckisch auf meinem Kopf ab. Ich schmollte.
„Weiß nicht. Ich fühle mich so irritierend ruhig“, ich versuchte, zu ihm nach oben zu linsen.
„Du behältst einen kühlen Kopf. Das ist gut“, er klopfte mir auf die Schulter, „Vor morgen hauen wir nicht ab.“
Ich verstand seinen indirekten Ratschlag. Wir gingen dann doch erst einmal getrennte Wege.

Wir Mädels entschieden uns alle einstimmig, unsere Kleidung noch einmal zu waschen und gingen in die Duschen. Während unsere Klamotten trockneten, packten wir die Bücher verteilt auf unsere Gruppe ein. Wir bekamen alle noch unsere Abend- und Frühstücksration plus den gerecht aufgeteilten Rest. Ab jetzt war jeder für seine Rationen eigenverantwortlich. Zumindest vorerst. Ebenfalls jeder bekam Desinfektionsalkohol und Mullbinden. Als das alles erledigt war, verteilten wir uns alle und riefen nach einander unsere noch zu erreichenden Lieben an. Ich rief zunächst meine guten Bekannten aus dem Dojo an. Ein paar erreichte ich. Andere nicht. Aber das musste nichts heißen… Meine Eltern sparte ich bis zum Schluss auf. Morgen, vor der Abreise.
Der restliche Tag verlief ruhig. Armin schaffte es tatsächlich, die Kontrolle über das Sicherheitssystem zu erhalten. Außerdem fand Nath noch eine Ersatzfernbedienung, genauso wie die der Direktorin. Am nächsten Morgen war unsere Kleidung tatsächlich trocken. Ich zog meine schwarze Leggins an, die ich am Tag des Ausbruchs trug – der Stoff war zum Glück recht dick, aber schränkte mich beim Treten im Notfall nicht ein. Über das Männer T-Shirt zog ich meine braune Lederjacke. Dann wickelte ich mir meinen Schal um den Hals und band mir die Haare fest in einem Pferdeschwanz zusammen. Schuhe hatte ich ja nur meine braune Stiefelletten, die zum Glück nicht nur hübsch waren, sondern auch bequem und praktisch.

Mein Baseballschläger, lehnte neben mir an der Turnhallenwand, daneben mein Rucksack. Alle unwichtigen Bücher verblieben in der Schule, nur meine Federtasche, die Collegeblöcke und mein absolutes Lieblingsbuch, das ich zufällig dabei hatte, waren noch wirklich meins, wenn man von der Kleidung absah. Auch mein Karateanzug, steckte zusammengepresst in meinem Rucksack, damit so wenig Platz wie möglich verbraucht wurde. Wir brauchten den Platz für Proviant. Dann wählte ich vielleicht zum letzten Mal den Kontakt meiner Mutter auf meinem Handydisplay an.
„Mama?“, ich sprach von ganz allein Schwedisch. Meine Stimme zitterte schon bei der Begrüßung. Sie freute sich, mich zu hören. Die Freude schwand, als ich ihr und Papa, der inzwischen mithörte, die Situation erklärte, auf englisch, denn diese Sprache hatte für mich immer noch am wenigsten Sentimentales.
„… und deswegen hören wir uns vielleicht nie wieder. Ich wollte euch nur noch einmal sagen, dass ich euch liebe“, ich stockte - ich flennte jämmerlich, „Vielleicht lebt wohl.“
Kaum, dass ich ihre Antwort gehört hatte, legte ich auf, schluchzte ein letztes mal und schlug mir auf die Wangen, bevor ich meine Augen trocken rieb. Dann verstaute ich mein Handy in meinem Rucksack, nahm ihn auf den Rücken und griff mir den Baseballschläger. Ich musste zu den anderen.
Raus zu den Zombies.

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Dieses Kapitel wurde Ihnen präsentiert von: @Nastalia
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