Endless Death
von Meereskinder
Kurzbeschreibung
SL nach Episode 35 | Zwei Menschen, zwei Orte, ein Schicksal | Verdammt, sowas geschah doch normalerweise nur in Horrorfilmen! Doch für Kyra war es brutale Realität geworden. Als Zeugin von Patient 0 floh sie nun gemeinsam mit ihrem Bruder vor der rasant um sich greifenden Seuche. Und ihren untoten VIP-Mitgliedern... | Svea fand es ätzend, dass ihre Klasse als einzige in der Schule war, weil die Klassendiven Ärger gemacht hatten. Noch lästiger war es aber während einer Zombieapokalypse mit dieser Klasse innerhalb des Schulgeländes hinter Mauern eingesperrt zu sein. Ohne zu wissen, was überhaupt los war und am schlimmsten: Die Zombies wurden immer mehr und das Essen war knapp. Lange waren sie also nicht sicher hinter den Wänden ihrer Schule... | Ungewiss, was geschehen würde, geschweige denn, ob sie das alles überhaupt überlebten. Aber es blieb ihnen nichts anderes übrig, als es zu versuchen (Partner-Fic von @Sternenwandlerin und @Nastalia) [Enthält Pairings (und Smut)] [Enthält Gewalt, Blut, Tod etc.]
GeschichteFreundschaft, Horror / P18 / Het
Armin
Castiel
Lysander
Nathaniel
OC (Own Character)
Pia
20.10.2017
15.03.2023
91
244.734
6
Alle Kapitel
16 Reviews
16 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
noch keine Reviews
20.10.2017
2.083
Kennt ihr das, wenn ihr eine Person kennen gelernt habt, echt nett und so ist (naja, wie man's halt nimmt :'D), aber sie nicht oft gesehen habt oder oft sehen könnt, weil diese Person ein ganzes Stück weit weg wohnt? Ihr sie also nicht oft besuchen könnt oder anders herum? Und dann fragt ihr euch; schafft ihr es, denn Kontakt aufrecht zu erhalten? Ich kenn da einen Trick, denn die Sterni ist echt schlau. Sie hat die Person gefragt, ob sie mit ihr eine Partner-Fanfiction starten möchte. Dann hat man praktisch immer einen Grund, den Kontakt zu halten! Schlau, wa?
Und hier ist sie: Endless Death, ein Projekt von mir @Sternenwandlerin und @Nastalia. Ich werde sie euch auf jeden Fall in jedem ihrer Kapitel verlinken, der Fairness halber.
Der Grund, warum wir die Fanfiction auf meinem Account posten ist folgender: Wir schreiben hier ja eine FF zum Fandom Sweet Amoris, doch da Nasta praktisch gar nicht auf diesem Fandom zu finden ist, sondern mehr leidenschaftlich Zelda-Fanfictions schreibt, ich allerdings fast ausschließlich hier zu finden bin, war es für uns am logischsten, es über meinem Account hochzuladen (weil, hier mehr Leser haben und so- In Zelda wär's umgekehrt). Natürlich ist sie aber in alles involviert, wir entscheiden zu gleichen Teilen und sie ist auch über mich immer für euch erreichbar. Es wird immer gekennzeichnet, was jetzt von wem kommt (in Reviews zum Bleistift).
Sooo, jetzt net mehr so lang schnacken, seit ja sicher schließlich net für 'n nettes Pläuschchen hier. Wir legen los mit meinem Charakter (also meinem, Sternis, ihr wisst schon...).
PS.: Dass in der Kurzbeschreibung keine Zeilenumbrüche stehen dürfen, sollte mal geändert werden! Kann man gar nicht schön formatieren :(
PPS.: Da die Geschichte jetzt ja auf einem Partneraccount ist, ist das Vorwort eigentlich hinfällig. ^^
________________________________________________________________________________
Es... war schwierig zu beschreiben, wie es sich anfühlte. Es war schlichtweg negativ, aber dennoch schwer zu beschreiben. Aber man musste es auch nicht beschreiben. Jeder kannte dieses Gefühl, ich bezweifelte, dass irgendwer es nicht kannte, nicht mit der Situation bereits konfrontiert wurde. Es war schrecklich.
Und es kam unvorhergesehen. Schleichend. Und gleichzeitig aus dem Nichts. So abstrus, so fern der Realität, dass man nie für möglich gehalten haben könnte, dass es je passierte. Ja. Falsch gedacht. Jetzt lebt damit. Schließlich waren wir selbst Schuld. Aber fingen wir am Anfang vom Ende an.
"Sanft schloss der Prinz die Bauernstocher in die Arme und küsste sie. Alles Glück der Welt schien sich in diesem Moment in ihnen zu vereinen. Natürlich heirateten sie später, jetzt, wo es ihnen erlaubt war, und bekamen wunderschöne Kinder. Und wie heißt es so schön, Leonie? Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Ende."
Als ich fertig war, klappte ich das Märchenbuch zu und legte es zur Seite. Ich mochte Märchen nicht, früher mochte ich sie, aber irgendwie war ich da herausgewachsen. Obwohl viele nicht aus diesen Kindheitserinnerungen herauswachsen konnten, aber mir gefiel die Message einfach nicht. Diese ewigen Happy-Ends und Kitsch und Liebe hier, Liebe da. Nein, danke. Aber für Leonie tat ich alles.
Liebevoll blickte ich auf das kleine Mädchen vor mir. Sie war in weiß gekleidet, durch die hochgezogene Decke war das allerdings nur durch einen Fetzen zu erkennen. Das schulterlange, rot-blonde Haar war zerzaust, der sonst grün-gräuliche Blick war müde und rot, der Schatten darunter tiefblau, aber sie lächelte. Es war ein schwaches Lächeln, aber es war eines und erwärmte mein Herz. Ihre Stimme war heiser, als sie fragte: "Glaubst du, ich werde wieder gesund genug, um auch meinen Prinzen zu finden?"
Die Worte taten mir im Herzen weh. Entgegen der Hygiene- und Quarantänevorschriften zog ich mir den Mundschutz herunter und fasste ihre kleine, schwache Hand mit meinen mit Gummi behandschuhten Händen, drückte sie vorsichtig. "Ganz sicher", versicherte ich ihr mit einer festen Stimme. "Du bist eine Kämpferin, du kannst alles schaffen. Nicht umsonst bist du meine kleine Löwin."
Ich versprach sehr ungern Dinge, von denen ich nicht wusste, ob sie auch wirklich eintreffen würden und dieses zählte gewiss hinzu. Ich konnte es nicht wissen. Die Chancen dafür standen sogar schlecht. Es war schlicht die Hoffnung, die mir dieses sehr ungewisse Versprechen über die Lippen kommen ließ.
Ein leises, hüstelnes Kichern ertönte von ihr, es strengte ihren stark geschwächten Körper sehr an, sie spannte sich an und musste danach erstmal ein paar Sekunden erschöpft Luft holen. Es tat mir so weh sie so zu sehen. Warum sie, warum?
Mit ihren roten Augen sah sie mich an. "Ich hab dich lieb, große, naive Schwester."
Natürlich. War klar, dass sie meine Zweifel per telepathische Kräfte sehen konnte. Es war ein Versuch wert. Es war die Hoffnung wert. Sie kämpfte dafür.
"Ach, Leo...", seufzte ich und zog den Mundschutz wieder dorfhin, wo er hingehörte. Einige Sekunde sahen wir uns nur an, ich erkannte, wie ihre Lider immer schwerer wurden und als ich gerade sagen wollte, dass sie besser schlafen sollte, gähnte sie praktisch auf Kommando, wandte den Kopf ab und schaute geradeaus. "Ich bin so müde...", murmelte sie, die Augen geschlossen. Nur weil die Tür kurz darauf leise knarschend aufgeschoben wurde, öffnete sie diese wieder leicht. Ein junger Mann mit kurzen, wuscheligen braunen Haaren und den gleichen Sicherheitsmaßnahmen wie ich trat ein, ein freundlicher, warmer Ausdruck in den Augen, als er den Blick von Leonie traf. "Johnny", flüsterte diese glücklich, wurde aber sogleich wieder von der Müdigkeit übermannt. Während ich ihre Hand streichelte, blickte ich meinen Bruder an, sagte nichts. Das musste ich aber auch nicht, er sagte was: "Ich muss jetzt nach Hause, es tut mir leid. Aber morgen ruft die Arbeit nun mal nach mir. Möchtest du mitkommen?"
Ich spürte, wie mein Daumen über Leonies Handrücken fuhr, als würde ich sie beruhigen wollen. Aber wahrscheinlich wollte ich nur mich selbst beruhigen. "Ich... bleibe lieber noch ein bisschen. Bis sie sicher tief und fest schläft. Ich komm schon nach Hause. Irgendwie... Mach dir keine Sorgen. Oder ich verstecke mich wieder unterm Bett, damit die Krankenschwester mich nicht findet. Mir fällt schon was ein." Die Besuchszeit auszutricksen musste ja irgendwie gehen. Sie war schließlich meine kleine Schwester, ich konnte sie in dieser Situation nicht allein lassen.
"Okay", seufzte der Braunhaarige. "Aber bitte, vergiss nicht, dass niemand genau weiß, was sie hat. Bitte steck dich nicht an und mach keine dummen Sachen." Er kam auf mich zu, strich mir kurz über den Kopf, warf Leonie noch einen kurzen Blick zu und ging ohne ein weiteres Wort. Ich wusste nicht, wie lange ich noch da wach saß, mich beschäftigte der Gedanke, dass meine kleine Schwester scheinbar immer blasser zu werden schien, sehr, doch irgendwann konnte ich mich nicht mehr wachhalten und sackte in meinem Stuhl zusammen.
Als ich wieder aufwachte, wusste ich erst nicht, wo ich war. Ich fühlte mich wie ausgekühlt, hatte ein Piepen im Ohr und mein Nacken schmerzte. Ich saß noch im Stuhl. Das war eine reichlich blöde Idee. Natürlich schlief man in Stühlen schlecht. Gut, ich hatte es ja nicht freiwillig gemacht. Naja, nur halb. Vielleicht sollte ich einfach auf krank machen, damit ich mein eigenes Bett und das durchgängige Besuchsrecht hier bekam.
In dem Moment fiel mir bewusst ein, dass ich mich im Krankenzimmer meiner Schwester befand. Und gleichzeitig, dass ich noch immer ihre Hand hielt und diese beängstigend kalt war. Aus Reflex schaute ich auf die Monitore und erkannte, was mich eben geweckt hatte. Beim Registrieren des Herzrythmuses wurde ein monotones, hohes Piepen ausgestoßen und die Zacken des Lebens fehlten. WAS? Hastig sprang ich auf. Checkten die Ärzte das nicht?! Voller Panik wanderte mein Blick zu Leonie, ihre Augen waren geschlossen. Jedoch sah es aus, als wäre das Rot der blutunterlaufenen Augen herausgetreten wie rote, getrocknete Tränen. Sie war blass wie ein Geist. Ohne jegliche Rücksicht schmiss ich alles um, was auf dem Nachtschrank stand, um an den roten Hilfeknopf zu kommen und hämmerte wie eine Bescheuerte darauf. Die hätten schon längst hier sein müssen! Das... Die-
Die Tür flog auf und vor Schreck sprang ich zurück. Ich wollte sogleich wieder auf meine Schwester zutreten, doch etwas hielt mich zurück. Die Ärzte umkreisen sie, befahlen mir, mich zu entfernen, doch ich konnte mich nicht weiter rühren, meine Glieder gehorchten mir nicht. Geschockt beobachtete ich das Geschehen, es ging so schnell, gleichzeitig so langsam, viel zu langsam, der Monitor sprang einfach nicht an, machte nicht das erlösende rythmische Piepen, die Zacken blieben fort, Tränen fanden ihren brennenden Weg aus meinen Augen. Ich wollte schreien und konnte es nicht. Ich wollte helfen und konnte es nicht.
Die Ärzte wurden langsamer. Ich wollte sie anschreien, sie sollten weitermachen und konnte es nicht.
Sie stoppten. Mein Herz blieb für einen Moment lang stehen. Die durchgängig piepende Linie aber nicht. Sie... Leonie...
"Wir haben sie verloren", murmelte einer der Ärzte.
Nein... Das konnte einfach nicht sein. Das... Das ging nicht! Sie war doch... meine Schwester...
Mit einem Ruck erhob sich ihr Körper. Ich hatte gar nicht die Zeit, vor Erleichterung zu sterben, vor Glück zu schreien, da fiel ihre kleine, schwache Gestalt über den nächststehenden Arzt her, schlug brutal ihre Zähne in seinen Hals, sein schmerzerfüllter Schrei erfüllte den Raum, gewiss auch die Flure und das gesamte Krankenhaus. Dieser markerschüttene Schrei lockerte meine Glieder, ich stolperte rückwärts gegen die Wand, beobachtete das grausame Geschehen, das sich mir bot, bis es aus mir herausbrach: "LEONIEEE!"
Ich stürzte vor, vollkommen befreit von logischen Gedanken, ich wollte zu meiner Schwester, sie halten, sie schützen, sie nie mehr loslassen, doch ich kam nicht zu ihr, wurde grob weggestoßen.
"RENN WEG! RENN UND SUCHE SCHUTZ!", brüllte mich eine Ärztin an, bevor sie von dem kleinen Wesen, was eins meine friedliche Schwester war, von hinten angesprungen wurde und den Hals in tausend Fetzen gerissen bekam. Die Frau stürzte. Das kleine Mädchen mit ihr. Einen kurzen Augenblick erhaschte ich einen Blick auf das Gesicht von Leonie.
Das... war sie nicht mehr.
Überstürzt nahm ich Reißaus, die Tür knallte beim Öffnen gegen die Wand, von links und rechts sah ich bereits Arbeiter des Krankenhauses heransprinten und obwohl ich schreien wollte, sie sollten da nicht rein, tat ich es nicht. Warum, wusste ich nicht. Ich wusste gar nichts. Ich fühlte nur und das, was ich fühlte war grenzenloser Schmerz. Ich wollte aufwachen, aus diesem verdammten Albtraum aufwachen und wenn ich aufwachte meine Schwester neben mir sehen, ihre Hand halten und ihr strahlendes Lächeln sehen. Wie sie mir vorschwärmte, was John ihr mal wieder gezeigt hatte, wie ich sie schmunzelnd dabei betrachtete und mir vornahm, mit ihm darüber zu reden. Doch gerade fühlte sich genau das wie ein Traum an, ein weit entfernter, unrealistischer Traum, während dieser verdammte Albtraum sich fürchterlich real anfühlte.
Mit brennender Lunge sprang ich im Treppenhaus die Stufen hinunter, rannte durch die Gänge, durch die Lobby, vorbei an verdutzten oder teils auch alarmierten Menschen, stieß die Haupttür auf und lief prompt in jemanden hinein. Bevor ich auch nur sehen konnte, welche Haarfarbe dieser jemand überhaupt hatte, sprach er schon: "Kyra? Was ist los? Warum die Eile?"
John?
"Wir müssen weg! Lauf, John!" Ich riss ihn am Arm mit, bis er mir eigenständig hinterher lief. Wo sein Auto stand konnte ich bereits von Weiten sehen, die Farbe war Schuld. Ich rüttelte an der Tür, bis John aufschloss, setzte mich dann rein und als er wieder nachfragte, brüllte ich bloß, dass er einfach fahren sollte! Was er dann ohne ein weiteres Wort tat bis wir Zuhause ankamen. Ich rannte hinein, ehe er irgendwie hätte reagieren können und begann vor Wut, Gegenstände umzuschmeißen. Mindestens die Hälfte ging auch kaputt dabei. Nichts hatte mehr irgendeinen Wert.
"Kyra!"
Ich ignorierte ihn.
"KYRA!"
Arme umschlossen mich fest und klemmten die meine so mit ein, das ich nicht um mich schlagen und mich zu befreien versuchen konnte. Ich wollte sterben!
"Beruhige dich! Was, verdammt nochmal, ist denn los?!", schrie mich John an.
Ich konnte nicht antworten. Inmitten der Trümmer wertloser Gegenstände und meines Lebens krallte ich mich fest an meinen Bruder und brach in schmerzvollen, nicht zu enden wollender Tränen aus.
Dieses Kapitel wurde Ihnen präsentiert von: @Sternenwandlerin
Und hier ist sie: Endless Death, ein Projekt von mir @Sternenwandlerin und @Nastalia. Ich werde sie euch auf jeden Fall in jedem ihrer Kapitel verlinken, der Fairness halber.
Der Grund, warum wir die Fanfiction auf meinem Account posten ist folgender: Wir schreiben hier ja eine FF zum Fandom Sweet Amoris, doch da Nasta praktisch gar nicht auf diesem Fandom zu finden ist, sondern mehr leidenschaftlich Zelda-Fanfictions schreibt, ich allerdings fast ausschließlich hier zu finden bin, war es für uns am logischsten, es über meinem Account hochzuladen (weil, hier mehr Leser haben und so- In Zelda wär's umgekehrt). Natürlich ist sie aber in alles involviert, wir entscheiden zu gleichen Teilen und sie ist auch über mich immer für euch erreichbar. Es wird immer gekennzeichnet, was jetzt von wem kommt (in Reviews zum Bleistift).
Sooo, jetzt net mehr so lang schnacken, seit ja sicher schließlich net für 'n nettes Pläuschchen hier. Wir legen los mit meinem Charakter (also meinem, Sternis, ihr wisst schon...).
PS.: Dass in der Kurzbeschreibung keine Zeilenumbrüche stehen dürfen, sollte mal geändert werden! Kann man gar nicht schön formatieren :(
PPS.: Da die Geschichte jetzt ja auf einem Partneraccount ist, ist das Vorwort eigentlich hinfällig. ^^
________________________________________________________________________________
Es... war schwierig zu beschreiben, wie es sich anfühlte. Es war schlichtweg negativ, aber dennoch schwer zu beschreiben. Aber man musste es auch nicht beschreiben. Jeder kannte dieses Gefühl, ich bezweifelte, dass irgendwer es nicht kannte, nicht mit der Situation bereits konfrontiert wurde. Es war schrecklich.
Und es kam unvorhergesehen. Schleichend. Und gleichzeitig aus dem Nichts. So abstrus, so fern der Realität, dass man nie für möglich gehalten haben könnte, dass es je passierte. Ja. Falsch gedacht. Jetzt lebt damit. Schließlich waren wir selbst Schuld. Aber fingen wir am Anfang vom Ende an.
"Sanft schloss der Prinz die Bauernstocher in die Arme und küsste sie. Alles Glück der Welt schien sich in diesem Moment in ihnen zu vereinen. Natürlich heirateten sie später, jetzt, wo es ihnen erlaubt war, und bekamen wunderschöne Kinder. Und wie heißt es so schön, Leonie? Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Ende."
Als ich fertig war, klappte ich das Märchenbuch zu und legte es zur Seite. Ich mochte Märchen nicht, früher mochte ich sie, aber irgendwie war ich da herausgewachsen. Obwohl viele nicht aus diesen Kindheitserinnerungen herauswachsen konnten, aber mir gefiel die Message einfach nicht. Diese ewigen Happy-Ends und Kitsch und Liebe hier, Liebe da. Nein, danke. Aber für Leonie tat ich alles.
Liebevoll blickte ich auf das kleine Mädchen vor mir. Sie war in weiß gekleidet, durch die hochgezogene Decke war das allerdings nur durch einen Fetzen zu erkennen. Das schulterlange, rot-blonde Haar war zerzaust, der sonst grün-gräuliche Blick war müde und rot, der Schatten darunter tiefblau, aber sie lächelte. Es war ein schwaches Lächeln, aber es war eines und erwärmte mein Herz. Ihre Stimme war heiser, als sie fragte: "Glaubst du, ich werde wieder gesund genug, um auch meinen Prinzen zu finden?"
Die Worte taten mir im Herzen weh. Entgegen der Hygiene- und Quarantänevorschriften zog ich mir den Mundschutz herunter und fasste ihre kleine, schwache Hand mit meinen mit Gummi behandschuhten Händen, drückte sie vorsichtig. "Ganz sicher", versicherte ich ihr mit einer festen Stimme. "Du bist eine Kämpferin, du kannst alles schaffen. Nicht umsonst bist du meine kleine Löwin."
Ich versprach sehr ungern Dinge, von denen ich nicht wusste, ob sie auch wirklich eintreffen würden und dieses zählte gewiss hinzu. Ich konnte es nicht wissen. Die Chancen dafür standen sogar schlecht. Es war schlicht die Hoffnung, die mir dieses sehr ungewisse Versprechen über die Lippen kommen ließ.
Ein leises, hüstelnes Kichern ertönte von ihr, es strengte ihren stark geschwächten Körper sehr an, sie spannte sich an und musste danach erstmal ein paar Sekunden erschöpft Luft holen. Es tat mir so weh sie so zu sehen. Warum sie, warum?
Mit ihren roten Augen sah sie mich an. "Ich hab dich lieb, große, naive Schwester."
Natürlich. War klar, dass sie meine Zweifel per telepathische Kräfte sehen konnte. Es war ein Versuch wert. Es war die Hoffnung wert. Sie kämpfte dafür.
"Ach, Leo...", seufzte ich und zog den Mundschutz wieder dorfhin, wo er hingehörte. Einige Sekunde sahen wir uns nur an, ich erkannte, wie ihre Lider immer schwerer wurden und als ich gerade sagen wollte, dass sie besser schlafen sollte, gähnte sie praktisch auf Kommando, wandte den Kopf ab und schaute geradeaus. "Ich bin so müde...", murmelte sie, die Augen geschlossen. Nur weil die Tür kurz darauf leise knarschend aufgeschoben wurde, öffnete sie diese wieder leicht. Ein junger Mann mit kurzen, wuscheligen braunen Haaren und den gleichen Sicherheitsmaßnahmen wie ich trat ein, ein freundlicher, warmer Ausdruck in den Augen, als er den Blick von Leonie traf. "Johnny", flüsterte diese glücklich, wurde aber sogleich wieder von der Müdigkeit übermannt. Während ich ihre Hand streichelte, blickte ich meinen Bruder an, sagte nichts. Das musste ich aber auch nicht, er sagte was: "Ich muss jetzt nach Hause, es tut mir leid. Aber morgen ruft die Arbeit nun mal nach mir. Möchtest du mitkommen?"
Ich spürte, wie mein Daumen über Leonies Handrücken fuhr, als würde ich sie beruhigen wollen. Aber wahrscheinlich wollte ich nur mich selbst beruhigen. "Ich... bleibe lieber noch ein bisschen. Bis sie sicher tief und fest schläft. Ich komm schon nach Hause. Irgendwie... Mach dir keine Sorgen. Oder ich verstecke mich wieder unterm Bett, damit die Krankenschwester mich nicht findet. Mir fällt schon was ein." Die Besuchszeit auszutricksen musste ja irgendwie gehen. Sie war schließlich meine kleine Schwester, ich konnte sie in dieser Situation nicht allein lassen.
"Okay", seufzte der Braunhaarige. "Aber bitte, vergiss nicht, dass niemand genau weiß, was sie hat. Bitte steck dich nicht an und mach keine dummen Sachen." Er kam auf mich zu, strich mir kurz über den Kopf, warf Leonie noch einen kurzen Blick zu und ging ohne ein weiteres Wort. Ich wusste nicht, wie lange ich noch da wach saß, mich beschäftigte der Gedanke, dass meine kleine Schwester scheinbar immer blasser zu werden schien, sehr, doch irgendwann konnte ich mich nicht mehr wachhalten und sackte in meinem Stuhl zusammen.
Als ich wieder aufwachte, wusste ich erst nicht, wo ich war. Ich fühlte mich wie ausgekühlt, hatte ein Piepen im Ohr und mein Nacken schmerzte. Ich saß noch im Stuhl. Das war eine reichlich blöde Idee. Natürlich schlief man in Stühlen schlecht. Gut, ich hatte es ja nicht freiwillig gemacht. Naja, nur halb. Vielleicht sollte ich einfach auf krank machen, damit ich mein eigenes Bett und das durchgängige Besuchsrecht hier bekam.
In dem Moment fiel mir bewusst ein, dass ich mich im Krankenzimmer meiner Schwester befand. Und gleichzeitig, dass ich noch immer ihre Hand hielt und diese beängstigend kalt war. Aus Reflex schaute ich auf die Monitore und erkannte, was mich eben geweckt hatte. Beim Registrieren des Herzrythmuses wurde ein monotones, hohes Piepen ausgestoßen und die Zacken des Lebens fehlten. WAS? Hastig sprang ich auf. Checkten die Ärzte das nicht?! Voller Panik wanderte mein Blick zu Leonie, ihre Augen waren geschlossen. Jedoch sah es aus, als wäre das Rot der blutunterlaufenen Augen herausgetreten wie rote, getrocknete Tränen. Sie war blass wie ein Geist. Ohne jegliche Rücksicht schmiss ich alles um, was auf dem Nachtschrank stand, um an den roten Hilfeknopf zu kommen und hämmerte wie eine Bescheuerte darauf. Die hätten schon längst hier sein müssen! Das... Die-
Die Tür flog auf und vor Schreck sprang ich zurück. Ich wollte sogleich wieder auf meine Schwester zutreten, doch etwas hielt mich zurück. Die Ärzte umkreisen sie, befahlen mir, mich zu entfernen, doch ich konnte mich nicht weiter rühren, meine Glieder gehorchten mir nicht. Geschockt beobachtete ich das Geschehen, es ging so schnell, gleichzeitig so langsam, viel zu langsam, der Monitor sprang einfach nicht an, machte nicht das erlösende rythmische Piepen, die Zacken blieben fort, Tränen fanden ihren brennenden Weg aus meinen Augen. Ich wollte schreien und konnte es nicht. Ich wollte helfen und konnte es nicht.
Die Ärzte wurden langsamer. Ich wollte sie anschreien, sie sollten weitermachen und konnte es nicht.
Sie stoppten. Mein Herz blieb für einen Moment lang stehen. Die durchgängig piepende Linie aber nicht. Sie... Leonie...
"Wir haben sie verloren", murmelte einer der Ärzte.
Nein... Das konnte einfach nicht sein. Das... Das ging nicht! Sie war doch... meine Schwester...
Mit einem Ruck erhob sich ihr Körper. Ich hatte gar nicht die Zeit, vor Erleichterung zu sterben, vor Glück zu schreien, da fiel ihre kleine, schwache Gestalt über den nächststehenden Arzt her, schlug brutal ihre Zähne in seinen Hals, sein schmerzerfüllter Schrei erfüllte den Raum, gewiss auch die Flure und das gesamte Krankenhaus. Dieser markerschüttene Schrei lockerte meine Glieder, ich stolperte rückwärts gegen die Wand, beobachtete das grausame Geschehen, das sich mir bot, bis es aus mir herausbrach: "LEONIEEE!"
Ich stürzte vor, vollkommen befreit von logischen Gedanken, ich wollte zu meiner Schwester, sie halten, sie schützen, sie nie mehr loslassen, doch ich kam nicht zu ihr, wurde grob weggestoßen.
"RENN WEG! RENN UND SUCHE SCHUTZ!", brüllte mich eine Ärztin an, bevor sie von dem kleinen Wesen, was eins meine friedliche Schwester war, von hinten angesprungen wurde und den Hals in tausend Fetzen gerissen bekam. Die Frau stürzte. Das kleine Mädchen mit ihr. Einen kurzen Augenblick erhaschte ich einen Blick auf das Gesicht von Leonie.
Das... war sie nicht mehr.
Überstürzt nahm ich Reißaus, die Tür knallte beim Öffnen gegen die Wand, von links und rechts sah ich bereits Arbeiter des Krankenhauses heransprinten und obwohl ich schreien wollte, sie sollten da nicht rein, tat ich es nicht. Warum, wusste ich nicht. Ich wusste gar nichts. Ich fühlte nur und das, was ich fühlte war grenzenloser Schmerz. Ich wollte aufwachen, aus diesem verdammten Albtraum aufwachen und wenn ich aufwachte meine Schwester neben mir sehen, ihre Hand halten und ihr strahlendes Lächeln sehen. Wie sie mir vorschwärmte, was John ihr mal wieder gezeigt hatte, wie ich sie schmunzelnd dabei betrachtete und mir vornahm, mit ihm darüber zu reden. Doch gerade fühlte sich genau das wie ein Traum an, ein weit entfernter, unrealistischer Traum, während dieser verdammte Albtraum sich fürchterlich real anfühlte.
Mit brennender Lunge sprang ich im Treppenhaus die Stufen hinunter, rannte durch die Gänge, durch die Lobby, vorbei an verdutzten oder teils auch alarmierten Menschen, stieß die Haupttür auf und lief prompt in jemanden hinein. Bevor ich auch nur sehen konnte, welche Haarfarbe dieser jemand überhaupt hatte, sprach er schon: "Kyra? Was ist los? Warum die Eile?"
John?
"Wir müssen weg! Lauf, John!" Ich riss ihn am Arm mit, bis er mir eigenständig hinterher lief. Wo sein Auto stand konnte ich bereits von Weiten sehen, die Farbe war Schuld. Ich rüttelte an der Tür, bis John aufschloss, setzte mich dann rein und als er wieder nachfragte, brüllte ich bloß, dass er einfach fahren sollte! Was er dann ohne ein weiteres Wort tat bis wir Zuhause ankamen. Ich rannte hinein, ehe er irgendwie hätte reagieren können und begann vor Wut, Gegenstände umzuschmeißen. Mindestens die Hälfte ging auch kaputt dabei. Nichts hatte mehr irgendeinen Wert.
"Kyra!"
Ich ignorierte ihn.
"KYRA!"
Arme umschlossen mich fest und klemmten die meine so mit ein, das ich nicht um mich schlagen und mich zu befreien versuchen konnte. Ich wollte sterben!
"Beruhige dich! Was, verdammt nochmal, ist denn los?!", schrie mich John an.
Ich konnte nicht antworten. Inmitten der Trümmer wertloser Gegenstände und meines Lebens krallte ich mich fest an meinen Bruder und brach in schmerzvollen, nicht zu enden wollender Tränen aus.
Dieses Kapitel wurde Ihnen präsentiert von: @Sternenwandlerin