Proelia Draconigenarum  Season II - Discord of Darkness

GeschichteThriller, Freundschaft / P16
Aki Crow Hogan Jack Atlas Leo Luna Yusei Fudo
19.10.2017
14.10.2019
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Als sich der gleißende Schein wieder legte, befanden sich die Duellantinnen wieder in der realen Welt, vor dem Kontrollturm, wo das Duell begonnen worden war.
Ruka öffnete langsam die Augen, bis sie auf einmal eine Bewegung an ihrem rechten Arm spürte. Rua kam auf sie zugestürmt.
"Ich hab alles gesehen!", rief er atemlos, "du warst wieder in der Seirei Sekai, und du konntest den Dark Signer besiegen!"
Das Mädchen nickte lächelnd, doch dann sah sie zurück zu ihrer Gegnerin. Nur noch mit letzter Kraft konnte diese sich auf den Beinen halten.
"Kennst du die Legende von Kiyo-hime?", sprach Kayoi dann mit schwacher Stimme, "es ist eine tragische Geschichte, und ähnelt meiner doch so sehr. Auch ich liebte einst meinen Anchin, und er liebte mich. Eines Tages verließ er mich jedoch ohne ein einziges Wort. Ich ertrug den Schmerz meines gebrochenen Herzens nicht. Mit meinem letzten Atemzug verfluchte ich ihn. Damals jedoch erkannte ich in letzter Sekunde die Dummheit meiner Tat, ich wollte nicht sterben. Die Stimme des Ayar Kachi hatte mir ein zweites Leben versprochen, solange ich seine Befehle erfüllte, und ich willigte kopflos ein. Ich wollte nicht sterben... doch jetzt wünschte ich, das Meer hätte mich ein für alle Mal in den Tod gerissen."
Ruka betrachtete die Frau mitfühlend. Sie wurde unwissend in diese Schlacht hineingezogen, und nun musste sie den ultimativen Preis zahlen. Dieses Wissen tat ihr in der Seele weh.
"Kleines Mädchen... Ruka...", nannte Kayoi sie aus heiterem Himmel beim Namen, woraufhin sie überrascht den Kopf hob, "die Geister der Seirei Sekai und du, ihr musstet meine Rache und meinen Zorn spüren, obwohl ihr diese Gefühle nicht ausgelöst habt. Bitte verzeiht mir. Die Stimme des Ayar Cachi hatte mich besessen und meine Sinne betäubt. Ich bete für deine Freunde aus der anderen Welt, dass nun endlich Frieden herrscht in ihrem Reich," sie schloss die Augen, als sie spürte, dass ihr Körper aus dem Diesseits schwand, und lächelte leise, "ich vermisse dich, mein geliebter Anchin..."
Mit diesen Worten verblasste der dritte Dark Signer. Die Flammen um die Kontrahentinnen verglühten, der Geoglyph im Himmel schwand.
Ruka senkte den Kopf und schluckte leise, dann schaute sie wieder auf. In einem regenbogenfarbenen Lichtkegel erschienen schließlich die Geister von Ancient Fairy Dragon und Regulus vor den Kindern.
"Ruka, du hast gut gekämpft," lobte der blaue Drache, "wir müssen dir danken, dass du die Seirei Sekai gerettet hast. Die Geister, die von den Monstern des abgeschiedenen Bereiches verschlungen wurden, sind wohlauf zurückgekehrt."
Regulus nickte bekräftigend. "Sie alle wurden befreit, so wie wir."
"Dank dir, Ruka," fügte Ancient Fairy Dragon ergriffen hinzu, "sollten die Mächte des Bösen aus dem abgeschiedenen Bereich erneut Verbreitung finden, wird die Seirei Sekai sicherlich wieder in Gefahr geraten, daher werde auch ich wieder an deiner Seite kämpfen. Jetzt und in tausenden Jahren."
"Gleichfalls für mich!", bestätigte auch Regulus.
Anschließend lösten sich beide Duellgeister in ein weiteres buntes Licht auf, das sich in einem zielgerichteten Strahl auf Ruka's Hände lenkte. Das Mädchen formte sie zu einem Napf, und darin bildeten sich schließlich die Karten der Monster.
"Ancient Fairy Dragon... Regulus...", flüsterte Ruka und hielt die Karten an ihr Herz, kurz bevor sie einen Schritt nach vorne machte, auf den Kontrollturm zu. Rua folgte ihr schnell.
"Du musst jetzt den Turm versiegeln, oder?", fragte er, um ganz sicher zu gehen.
Seine Schwester nickte. Ancient Fairy Dragon, leih uns deine Macht, dachte sie bei sich und legte die Karte in die Einkerbung in der Tafel vor ihr. Diese leuchtete hell auf, als dann auch der Turm zu beben begann. Sofort rannten die Zwillinge wieder heraus, bevor die schwarze Säule in den Boden unterging.
"Diese Geoglyphen, die wir vorhin im Himmel sehen konnten, sind inzwischen verschwunden," überlegte Ruka laut, "das heißt, es sind jetzt nur noch zwei Türme übrig."
"Das sind dann wohl die des Riesen...", resümierte Rua, als er kurz stoppte, "... und des Leguans. Wo ich gegen Glitch kämpfen werde."
Das Mädchen legte eine Hand auf seine Schulter. "Bist du soweit?"
"Klar doch!", erwiderte er schnell und ballte voller Tatendrang beide Hände zu Fäusten, "ich weiß doch, dass du bei mir bist und hinter mir stehst! So wie ich immer hinter dir stehe!"
Ruka lächelte gerührt. "Danke, Rua..."

"Sie hat also gewonnen," erkannte Mikaja, die zusammen mit Crow aus ihrem Versteck heraus das Duell so lange wie möglich verfolgt hatte, "das komische Zeichen am Himmel ist auch weg. Das war jetzt schon das dritte, das wir gesehen haben."
Er kratzte sich am Kopf. "Also sind noch zwei übrig---"
"Crow...", unterbrach sie ihn auf einmal, sie starrte nach unten, "... ich weiß nicht. Ich sollte vielleicht doch zurück zum Haus. Das ist nicht unser Kampf."
Überrascht schaute er zu ihr, und warf nachdenklich die Stirn in Falten. Mikaja wirkte von dieser Situation tatsächlich etwas verängstigt, so hatte er sie nicht wirklich kennengelernt.
"Wir wissen auch immer noch nicht, wo Suke und Yuusei sind," sprach sie mit leiser Stimme weiter, "das macht mich ganz verrückt. Su-chan ist eigentlich immer total zuverlässig, ich kann gar nicht glauben, dass sie sich plötzlich so sehr von uns abkapselt...!"
Mikaja verstummte, als unerwarteterweise ihr Handy in ihrer Hosentasche zweimal vibrierte. Als sie danach griff und das Display einschaltete, sah sie die Benachrichtigung einer Chat-Anwendung auf ihrem Gerät, die ihr soeben gemeldet hatte, dass jemand nach langer Offline-Zeit wieder in dem Programm online war. Sie rang nach Luft, als sie den Namen ihrer rothaarigen Freundin las.
"Suke...! Das glaub ich jetzt nicht!", stieß sie aus.
"Was? Was meinst du?", fragte Crow verdutzt.
"Sie ist wieder da! Sie ist wieder online!"
Er blinzelte kurz. "... Und?"
"Su-chan hat ihr Handy wieder eingeschaltet, jetzt kann ich sie orten!"
Erleichtert atmete Mikaja aus. Gerade war sie unsagbar froh, dass sie Suke überreden konnte, diese Funktion der Anwendung für sie freizuschalten. Nachdem die Rothaarige nach ihrer unbeabsichtigten Strandung in Satellite heimgekehrt war, hatte Mikaja felsenfest darauf bestanden - und jetzt konnte sie das Glück nicht fassen, dass es sich endlich bezahlt machte.
Zielsicher tippte Mikaja auf ihrem Handy herum, um diese Ortungsfunktion zu aktivieren. Bald erschien eine Straßenkarte von Satellite auf dem Display, auf der wiederum ihre Freundin als rot blinkender Punkt erschien.
"Mobiles Netz, bitte verlass mich jetzt nicht, es ist wichtig...", murmelte sie.
"Hast du was?", erkundigte Crow sich, und da seine Gegenüber mit strahlenden Augen nickte, stieg er grinsen auf die Blackbird, "dann rauf mit dir."

Währenddessen kehrten Rua und Ruka, ohne die beiden entdeckt zu haben, zu Mattiew zurück. Er hatte den Wunsch des Mädchens beherzigt und war ihnen nicht gefolgt, und brachte sie so schnell wie möglich an ihr nächstes Ziel. Dort angekommen schlug er nun Ruka vor, im Wagen zu bleiben, die jedoch höflich ablehnte und beteuerte, bei ihrem Bruder zu bleiben. Dieses Mal befand sich der Turm im Hinterhof eines alten, zerfallenen Gebäude, so hieß es, und die Zwillinge betraten es gemeinsam.
Rua warf aufmerksame, aber achtsame Blicke um sich, hinter Tresen und unter Tischen, die auf dem Weg lagen. Er konnte schwören, dass dies einmal ein Computerfachgeschäft gewesen war. So viele defekte oder vollständig kaputte Komponente konnte er sehen, wie Tastaturen mit fehlenden Tasten oder Bildschirme mit eingeschlagenen Scheiben, oder die aufgerissenen Verpackungen von ebendiesen Einheiten. Die wenigen, noch funktionierenden Geräte und Bestandteile mussten schon vor langer Zeit geplündert worden sein. Irgendwann spürte er, dass Ruka ihren Arm um seinen rechten geschlungen hatte und dicht neben ihm lief. Der dunkle, geschlossene Raum war ihr nicht geheuer.
Nachdem sie das Erdgeschoss passiert hatten, öffnete Rua die Tür zum Hinterhof. Es war ein ungewöhnlich großes, umzäuntes Terrain, an dessen anderen Ende sie der Kontrollturm bereits aus der Ferne sehen konnten. Vorsichtig näherten sich die Kinder.
"Das ist das Symbol des Leguans," erwähnte Rua dann, "mein Ziel also."
"Da bist du ja endlich, Signer," sprach eine junge männliche Stimme.
Aus dem Turm kam nun der Dark Signer und warf die große Kapuze von seinem Kopf. Er besaß kurze, weiße Haare und schmale, rotbraune Augen, die müde wirkten. Direkt unter ihnen waren dunkelrot ausgefüllte, dreieckige Muster in seine Haut gezeichnet. Tatsächlich konnte er nur wenige Jahre älter als die Zwillinge sein.
"Mein Name ist Glitch, ich trage das Dark Mark des Leguans," stellte der junge Mann in der schwarzen Kutte mit gelben Mustern sich wieder vor, "Junge. Bist du bereit für unser schicksalhaftes Duell?"
Das violette Feuer breitete sich um die Duellanten herum aus. Aus der Vogelperspektive gesehen ergaben sie den Geoglyph des Leguan. Über ihnen am dunklen, wolkenverhangenen Himmel entflammte dasselbe Abbild.
"Bereiter als bereit! Wenn ich helfen kann, die Welt zu retten, dann werde ich das tun!", erwiderte Rua selbstbewusst und aktivierte seine DuelDisk, während sein Gegner dasselbe tat, "mein Zug, ich ziehe! Zuerst beschwöre ich Deformer Chakkan und rüste es mit Deformer Power Unit aus! Die verdoppelt die Angriffspunkte von einem Level 3 Deformer-Monster, das mit ihr ausgerüstet ist!"
Auf seiner Seite erschien ein übergroßes, orangefarbenes Feuerzeug, aus dem Arme und Beine ragten. Der Deckel mit Scharnier hob sich, unter dem es ein Flammenwerfer verbarg, den es anschließend zielsicher auf den Dark Signer richtete. Zudem stieg seine ATK sofort auf 2400. Rua grinste zufrieden über den offensiven Vorteil.
Glitch jedoch erwies sich als desinteressiert. "Mein Zug," er zog, "ich aktiviere den Zauber Payload. Ein Level 4 oder niedriger ComVirus-Monster wird als Spezialbeschwörung von meinem Deck beschworen. Ich wähle ComVirus Sobig LV3."
Vor ihm erschien ein annähernd rechteckiges, vollständig weiß ausgefülltes Objekt mit einer dunkelblauen Leiste am oberen Ende. Es war eine Maschine vom Attribut Finsternis mit 0 ATK und DEF.
Rua legte den Kopf zur Seite. Ein solches Monster kannte er gar nicht. Für ihn sah es noch nicht einmal nach einem aus, sondern eher nach einer Datei auf einem alten Computer, den er vor vielen Jahren gesehen hatte. Etwas verunsichert beäugte er das seltsame Symbol auf der gegnerischen Spielfeldseite. "W-Was ist das für ein Monster?"
"Mein gesamtes Deck besteht aus Computerviren, Junge," erklärte Glitch, "die alle auf ihre Weise Schaden anrichten können und werden. Von meiner Hand aktiviere ich den Effekt von ComVirus Sasser. Indem ich diese Karte hervor zeige, wird sie offen in das Deck meines Gegners gelegt, danach wird es gemischt."
Er hob die genannte Karte in die Höhe, die daraufhin als eine Art gelblicher Wurm zu Rua's Deck schlängelte und darin verschwand.
"Sollte mein Gegner ComVirus Sasser ziehen, wird diese Karte als Spezialbeschwörung in offener Verteidigungsposition auf die Spielfeldseite meines Gegners beschworen und fügt ihm 1000 Punkte Schaden zu."
Rua fiel aus allen Wolken. "Was??"
"Ich werde es dieser verfluchten Stadt mit gleicher Münze heimzahlen. Mit genau der Technologie werde ich sie zerstören, mit der ich einst helfen wollte," wütend verengte Glitch die Augen, "um Punkt 12 Uhr Mitternacht wird mein neuer Virus um sich greifen. Schon bald also wird diese Stadt ein für alle mal lahmgelegt sein. Weißt du, was das bedeutet, Junge? Alle Wohnhäuser, Gebäude, Institutionen - die gesamte Stadt wird ohne Versorgung sein. Stell dir nun also ein Krankenhaus vor, wie sollen die Menschen, die eine lebensnotwendige Operation brauchen, dort jetzt behandelt werden?"
"Das... das hast du nicht wirklich gemacht," zischte Rua durch die Zähne, "das hast du nicht wirklich gemacht!!"
"Natürlich habe ich. Man hat mich dazu gebracht, aber wir können gar nicht genug Lebensenergie sammeln. Du kannst die Verbreitung meines Virus nur verhindern, indem du mich in unserem Duell besiegst... aber das musst du erst einmal schaffen, Junge. Ich setze eine Karte verdeckt und beende meinen Zug."
"Mein Name ist Rua," gab er zurück, von dieser herablassenden Anrede hatte er genug, "und jetzt bin ich dran! Ich ziehe! In meiner zweiten Standby Phase, wenn Deformer Power Unit aktiviert wurde, wird sie zerstört und ich nehme Schaden in Höhe der Grund-Angriffspunkte von Deformer Chakkan, aber so weit werd ich es nicht kommen lassen! Ich beschwöre Deformer Scopen in Verteidigungsposition, und in der Position gilt es als Level 4 Monster! Und jetzt greift Deformer Chakkan an!"
"Der Effekt von ComVirus Sobig LV3," kündigte Glitch an, als das Feuerzeug den Deckel öffnete und einen Feuerball bildete, "wenn er als Kampfziel gewählt wird, darf ich die oberen drei Karten vom Deck meines Gegners ansehen und muss sie in derselben Reihenfolge zurücklegen. Trojan Spy!"
Ein zweiter, gelblicher Wurm schlug aus dem weißen Objekt und kroch erneut auf Rua's Deck. Daraufhin erschienen die ersten Karten vor Glitch, mit dem Rücken zu Rua gewandt. Der Dark Signer betrachtete sie eingehend, bevor sie wieder auf das Deck gelegt wurden. Die Attacke wurde wieder aufgenommen, und Deformer Chakkan zerstörte das gegnerische Monster.
"Und jetzt aktiviere ich Urgent Tuning! In meiner Battle Phase darf ich ein Synchro-Monster mit Monstern, die ich kontrolliere, als Synchrobeschwörung beschwören! Ich stimme Level 3 Deformer Chakkan auf Level 4 Deformer Scopen ein! Mut und Stärke verbinden, um die Welt zu retten! Synchrobeschwörung! Gesandter der Liebe und der Gerechtigkeit, Power Tool Dragon!"
Sein silbern-gelber Maschine-Drache stieg auf. Er bewegte seine blaue Schaufel auf und ab und ließ den grünen Schraubenzieher drehen, seine Augen schimmerten rot. Anschließend wandte er den Kopf zu Rua um und nickte ihm zu, woraufhin er grinste.
Glitch jedoch beäugte das Monster unbeeindruckt. "Dies ist nicht der Drache eines Signer," meinte er.
"Doch, ist er!", protestierte Rua sofort, "hat auch Ruka gesagt!"
Auffordernd sah er sich zu seiner Schwester um, die jedoch nur unter sich schaute und wortlos auf seinen rechten Arm zeigte. Seine Drachenmarke, wie Rua soeben bemerkte, leuchtete nicht.
"W-was? Was ist denn jetzt los?", stieß er aus, doch dann ballte er wieder beide Hände zu Fäusten, "ach, egal! Power Tool und ich, wir kämpfen auch so zusammen! Er greift direkt an! Crafty Break!"
Der mechanische Drache nahm den Schraubenzieher nach vorne und sprang auf den Gegner. Da er keine Monster mehr kontrollierte, verlor Glitch 2300 LP. Die Attacke selbst schien ihn allerdings nicht aus der Fassung zu bringen, lediglich hielt er schützend den Arm vor sich. "So konntest du den ersten Schaden austeilen. Ich aktiviere die permanente Fallenkarte CIH Virus."
Im Affekt zuckte Rua zusammen und befürchtete schon, dass sein Drache mit einem buchstäblichen Virus infiziert wurde, da er immerhin vom Typ Maschine war.